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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Ausstellung: Mythos, Macht und Menschlichkeit

Druckgrafiken von Hendrik Goltzius aus der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau werden im Schaezlerpalais bis zum 23. September ausgestellt

Bildnachweis: Hendrick Goltzius, nach Cornelis Cornelisz. van Haarlem, Phaeton (Die Himmelsstürmer 3), Kupferstich, 1588, Anhaltische Gemäldegalerie Dessau, Inv. Nr. Jest G II 289

Der in dem niederrheinischen Ort Brüggen bei Venlo geborene Hendrick Goltzius (1558–1616/17) gilt als einer der prominentesten Kupferstecher des Manierismus. Er war schon zu seinen Lebzeiten so bekannt, dass er während seines Italienaufenthalts 1590 bis 1591 inkognito reiste – aus dem Bedenken heraus, die Aufmerksamkeit anderer könne seine künstlerischen Studien beeinflussen. Aus einer Malerfamilie stammend, lernte Goltzius sein Handwerk bei dem niederländischen Dichter, Gelehrten, Politiker und Künstler Dirck Volkertszoon Coornhert (1522–1590). Auch in seinem späteren Leben gehörten zahlreiche humanistische Gelehrte zu seinem Bekanntenkreis, darunter der Autor Cornelis Schonaeus, der viele der lateinischen Sinnsprüche auf Goltzius‘ Stichen verfasste.

Goltzius wusste seine künstlerischen Fähigkeiten und seine humanistische Bildung virtuos zu nutzen. In den von ihm geschaffenen Blättern vereint sich technische Brillanz mit eigenständigen, innovativen Bilderfindungen und humanistischer Rhetorik. Sein Ziel war es, das Publikum sinnlich und affektiv zu bewegen, um inhaltliche Botschaften wirkungsvoll und überzeugend zu vermitteln. Das Medium der Druckgrafik bot die Möglichkeit, bestimmte Bildideen einem größeren Publikum, aber ebenso Malern und Kupferstechern in der Ausbildung zugänglich zu machen. Auch finden sich in Goltzius‘ Œuvre einige Reproduktionen nach den Werken anderer Künstler. Und doch tragen sie immer seine persönliche Handschrift, die sich u.a. durch die Betonung der Plastizität der Darstellung auszeichnet. Eines seiner besonderen Talente lag zudem in seiner Fähigkeit, den Stil früherer Stecher wie Dürer oder Lucas van Leyden zu imitieren. Er schuf so zum Teil Werke, die keine direkten Kopien waren, aber der Handschrift dieser Künstler so sehr glichen, dass sie mitunter für unbekannte Werke aus deren Hand gehalten wurden.

Goltzius‘ Kompositionen dienten auch anderen Künstlern als Inspiration. So gilt beispielsweise der seifenblasende Putto aus dem Jahr 1594 gemeinhin als Anregung für einige Werke mit ähnlicher Thematik, z.B. die in der Barockgalerie im Schaezlerpalais befindliche Vergänglichkeitsallegorie „Il Tempo“ von Johann Heinrich von Schönfeld (1609–1684) oder für eines der „Kinder beim Spiel“ von Jürgen Ovens (1623–1678), mit dem dieser sich ebenfalls auf Goltzius‘ emblematisches Blatt „Quvis evadet?“ bezieht.

Im Rahmen der Ausstellung im Augsburger Schaezlerpalais werden zirka 100 Blätter aus dem Bestand der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau präsentiert, deren Sujets ein breites Themenspektrum abdecken, darunter Darstellungen von antiken Göttern und Planetengottheiten, Helden und Antihelden, mythologischen und biblischen Historien, Tugenden und Lastern sowie Macht und Militär, aber auch die sogenannten „Meisterstiche“ –  eine Auswahl von Farbholzschnitten.

Zur Ausstellung ist beim Michael Imhof Verlag ein von Norbert Michels herausgegebener Katalog erschienen (an der Museumskasse erhältlich).

Mythos Macht und Menschlichkeit.
Druckgrafik von Hendrik Goltzius aus der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau
Schaezlerpalais
Maximilianstr. 46
86150 Augsburg
Di–So 10–17 Uhr



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