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DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Augsburger Hohes Friedensfest ist immaterielles Kulturerbe

Oberbürgermeister Kurt Gribl nimmt Urkunde von Staatsministerin Kiechle entgegen 

Friedenstafel auf dem Augsburger Rathausplatz © DAZ

Was haben Oberpfälzer Bierbraukunst, Schafhaltung in Bayern, Dörrobst aus dem Steigerwald und Schützen im Berchtesgadener Land mit dem „Augsburger Hohes Friedensfest“ gemeinsam? Sie wurden 2018 als insgesamt 12 weitere „kulturelle Ausdrucksformen“ in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen und am 3. Juli in einer Feierstunde geehrt. An dem Festakt im Neuen Schloss Schleißheim bei München nahmen auf Einladung von Staatsministerin Prof. Dr. Marion Kiechle Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl und eine 27-köpfige Delegation der Friedensstadt teil. Zu ihr gehörte das Friedensbüro im Kulturamt der Stadt Augsburg, das das Kulturprogramm zum Augsburger Hohen Friedensfest plant und umsetzt, mit Leiterin Christiane Lembert-Dobler, Kulturamtsleiterin Elke Seidel, Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl, sowie einige der vielen am Friedensfestprogramm beteiligten Institutionen wie das Festival der Kulturen, das Junge Theater Augsburg, der Taubenschlag, das Kinderfriedensfest und der Runde Tisch der Religionen.

Die Augsburger Delegation beim Festakt zur Erweiterung des Bayerischen Landesverzeichnisses des immateriellen Kulturerbes am 3. Juli 2018 im Großen Saal von Schloss Schleißheim – Foto: Andreas Gebert/StMWK

Das Hohe Friedensfest, mit dem Augsburgs Protestantinnen und Protestanten erstmals am 8. August 1650 das Ende ihrer Unterdrückung feierten, wurde zudem für die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes nominiert. Die Entscheidung darüber fällt die Kultusministerkonferenz Anfang 2019. 

Ausgezeichnet und gewürdigt wird mit der Aufnahme in das Landesverzeichnis sowie der Nominierung für das Bundesverzeichnis nicht nur der einzigartige Augsburger Stadtfeiertag, sondern insbesondere die Art und Weise, wie er in Augsburg begangen wird. Ausdrücklich geht es bei der Würdigung um lebendige kulturelle Ausdrucksformen, die „die Zukunft aus der Tradition heraus aktiv mitgestalten“, so Bayerns Kunstministerin Kiechle in ihrer Festrede. Dieser Transfer von der Vergangenheit zur Gegenwart in die Zukunft scheint in Augsburg in ganz besonderer Weise gegeben zu sein, wovon auch das mehrwöchige, partizipative Kulturprogramm zum Augsburger Friedensfest zeugt. Es setzt sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem friedlichen Zusammenleben in einer vielfältigen Stadtgesellschaft auseinander. OB Gribl betonte im Rahmen der Verleihung der Ehrenurkunde durch Staatsministerin Kiechle: „Wir übersetzen den historischen Auftrag in die moderne Stadtgesellschaft.“ Dies sei eine umfassende Aufgabe: Die „Arbeit an der Stadtgesellschaft“, so der OB, finde nicht nur rund um den Feiertag, sondern „das ganze Jahr“ statt. 

Die Mitglieder von „Runder Tisch der Religionen Augsburg“ beeindruckten die über 400 geladenen Gäste: Wie bei den Feierlichkeiten zum Augsburger Hohen Friedensfest am 8. August übermittelten sie als lebendigen Ausdruck des Hohen Friedensfests ihre gemeinsamen Friedensgrüße. In ihrer Ansprache betonten die Vertreter von Christentum, Judentum, Islam, Alevitentum, Yezidentum und Buddhismus, dass es trotz unterschiedlicher Auffassungen wichtig sei, sich zu bemühen, „die Geschichte und die Haltung der anderen zu achten“. Gerade weil Religionen oft der Grund für Konflikte seien, könnten sie „in ihrem Umgang miteinander ein Vorbild abgeben für den Frieden in der Welt und in der Stadtgesellschaft.“ Stadtdekanin Susanne Kasch verwies als Mitglied des Runden Tisches auf die Frage, wie der Dialog der Religionen und die damit verbundene Friedensarbeit zu bewerkstelligen sei auf die zuvor geehrte Kunst des Drechselhandwerks: Man müsse üben, üben, üben.“ 

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Das “Augsburger Hohes Friedensfest“ ist ein weltweit einzigartiger Feiertag, der am 8. August begangen wird und innerhalb der Stadthistorie einen ganz besonderen Stellenwert einnimmt. Augsburgs Protestant*innen feierten erstmals am 8. August 1650 mit Dank- und Friedensgebeten das Ende ihrer Unterdrückung. Seitdem wird das Hohe Friedensfest alljährlich begangen. Das Bekenntnis zur „Friedensstadt Augsburg“und der Auftrag, das friedliche Miteinander in die Gegenwart zu tragen, gründen auf diesem historischen Ereignis. Im Jahr 1950 wurde der 8. August mit Beschluss des bayerischen Landtags zum staatlichen, auf die Stadtgrenzen Augsburg begrenzten Feiertag erklärt.

In der Bundesrepublik Deutschland ist das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes im Jahr 2013 in Kraft getreten. Neben dem nationalen Verzeichnis gibt es seit dem Jahr 2015 ein eigenes Bayerisches Landesverzeichnis. Mit der diesjährigen Neuaufnahme von zwölf kulturellen Ausdrucksformen ist das Landesverzeichnis auf nunmehr 37 Eintragungen angewachsen. 

 



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