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Donnerstag, 16.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Augsburger Filmtage im neuen Filmfest-Verband

In der vergangenen Woche hat sich im Bayerischen Landtag der Verband Bayerischer Filmfestivals gegründet. Gründungsmitglieder sind 19 Filmfestivals aus Bayern, die ihre Vertreterinnen und Vertreter zur Gründungsversammlung entsandten. Mit dabei: die Augsburger Filmtage.

Die Gründungsmitglieder des Verbands bayerischer Filmfestivals. Augsburgs Festivalleiter Franz Fischer ist der grauhaarige Wuschelkopf in der zweiten Reihe.

Der Verband will sich dafür einsetzen, dass der regionalen, überregionalen und internationalen kulturellen wie auch wirtschaftlichen Bedeutung der Filmfestivals Rechnung getragen und die „prekäre finanzielle und personelle Ausstattung der Festivals“ verbessert wird. Die bayerischen Filmfestivals, so die Überzeugung der Verbandsgründer, „benötigen in jeder Hinsicht eine größere Unterstützung durch die öffentlichen Institutionen, nicht nur um zu überleben, sondern vor allem, um sich ihrer Bedeutung entsprechend angemessen weiter entwickeln zu können.“

Im Vergleich zu anderen kulturellen Einrichtungen wie Staats- oder Landestheatern, Museen und Kunsthallen und Landesorchestern ist bei den Filmfestivals das Verhältnis zwischen Budget und Besucherzahl extrem niedrig – anders ausgedrückt: Pro Zuschauer wird nicht nur sehr viel weniger Geld ausgegeben, sondern steht auch sehr viel weniger Geld zur Verfügung. Dies, so der Verband, sei nur durch ein Höchstmaß an Eigeninitiative und geringe Gehälter aller Beteiligten möglich. Die allermeisten bayerischen Filmfestivals beruhten daher auf der Initiative einzelner Festivalleiter und der Unterstützung durch Fördervereine. In keiner anderen Kulturbranche sei das Gehaltsgefüge der Mitarbeiter niedriger und das Maß an ehrenamtlichen Tätigkeiten höher als in der Festivalszene. Wenn es nach dem Verband geht, soll sich das in Zukunft ändern: Die Grundversorgung der Festivals müsse nicht nur gesichert, sondern gesteigert werden.

Die Kinolandschaft schrumpft

Während die kommerziellen Kinos unter der wachsenden Konkurrenz von Heimkinotechnik und digitaler Verbreitung von Filmen leiden – vielerorts sind die Zuschauerzahlen rückläufig, auch etablierte Kinostandorte werden geschlossen – erfreuen sich landesweit alle Filmfestivals steigender Zuschauerzahlen. Die Gründe dafür sieht der Verband in einem exklusiven Programm jenseits des regulären Filmverleihgeschäfts und dem jeweils „ureigenen programmatischen Charakter.“ Die Begegnung mit Filmkultur aus der ganzen Welt und die Möglichkeit, die Macher hinter den Filmen kennenzulernen, mache die Attraktivität von Filmfestivals aus. Filmfestivals fördern aber nicht nur die regionale und internationale Filmszene durch Preise, Aufführungsmöglichkeiten, mediale Aufmerksamkeit etc., vielmehr sind sie auch eine Plattform für Filmschaffende, auf der Beziehungen geknüpft, Anregungen geholt und Kooperationspartner für neue Filmprojekte gefunden werden.

Filmfestivals als Wirtschaftsfaktor

Jenseits der Filmkultur stellen die bayerischen Filmfestivals auch einen nicht zu unterschätzenden regionalen Wirtschaftsfaktor dar: Sie verleihen den Regionen Aufmerksamkeit und attraktives Image, durch die hohe Anzahl an Premieren und interessanten Rahmenveranstaltungen bieten sie der Filmbranche eine Plattform, um in der Öffentlichkeit präsent zu sein. Darüber hinaus wird in den Regionen der Tourismus durch die Vielzahl der Gäste und die starke Präsenz der Festivals in der Öffentlichkeit sichtbar belebt. Bayern besitzt eine vielfältige und aktive Szene von Filmfestivals aller Couleur: Spiel-, Dokumentar-, Kurz-, Experimental-, und Fantasyfilm – alle Spielarten des Films sind in verschiedenen Formen und an zahlreichen Orten vertreten, Filmkultur und Kinokunst genießen bei den Zuschauern eine hohe Wertschätzung. Sie zu erhalten und zu verbessern ist das Ziel des Verbandes der bayerischen Filmfestivals.

Franz Fischer nahm als Chef der Augsburger Filmtage mit ihren drei Bestandteilen – den Tagen des Unabhängigen Films, dem Kinderfilmfestival und den Kurzfilmtagen – mit den Vertretern von 18 weiteren bayerischen Festivals an der Verbandsgründung in München teil – das Augsburger Filmfestival ist somit Gründungsmitglied.