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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Augsburger Baum-Allianz setzt sich für Erhalt des städtischen Baumbestands ein

Baumfällungen am Herrenbach sorgen für die Gründung einer „Augsburger Baum-Allianz“ 

Baumschützer Alexander Schmidt, Bruno Marcon, Susanne Altmann, Christian Ohlenroth (v.l.) Foto: privat

Die Gründer der Baum-Allianz wollen eine effektive Struktur schaffen, um Entscheidungsprozesse der Stadtregierung in Bezug auf Baumfällungen zu hinterfragen, und sich ihnen gegebenenfalls widersetzen. Die Qualität des städtischen Lebensraums, Landschaftspflege sowie Natur- und Umweltschutz liege dem Verein ebenso am Herzen wie die Förderung bürgerschaftlichen Engagements. So erklärten sich die Aktivisten heute Vormittag in einer Pressekonferenz. Der Verein besteht aus 20 Gründungsmitgliedern, die sich bereits am Herrenbach gegen die Baumfällungen gewehrt haben, und nun Verstärkung von Bruno Marcon (Attac-Augsburg) sowie von Christian Ohlenroth (Bügerinitiative Thelottviertel) bekommen. In den Vorstand wurden Susanne Altmann, Yvonne Schlosser, Bruno Marcon, Christian Ohlenroth und Alexander Schmidt gewählt.

Das Konzept des Vereins besteht aus der Idee, einen Schulterschluss von Kompetenz- und Erfahrungsträgern sowie bürgerschaftlich aktiven Personen zu bilden. Auslöser für die Gründung der „Baumallianz Augsburg e.V.“ waren die Baumfällungen am Herrenbach Ende Mai. Erklärt wurde die städtische Hauruck-Aktion mit einer akuten Hochwassergefahr („Gefahr in Verzug“), bedingt durch eventuell umfallende Bäume am Kanal. Eine Erklärung, die damals vielen Bürgern nicht ganz geheuer vorkam.

Das alternativlose Abholzen wertvoller Baumbestände durch die Stadtregierung habe System, so Bruno Marcon und Christian Ohlenroth unisono. „In jüngster Zeit sind massiv Baumfällungen ohne vorhergehende Aussprache durchgeführt worden, wie in Göggingen, am Stadttheater, am Flößerpark, am jüdischen Friedhof, am Martinipark, an der Holbeinstraße, beim TCA und an vielen weiteren Orten.“ Wertvoller Baumbestand sei für immer vernichtet worden, wie die Baumschützer beklagen.

Hochwasserschutz mit Kettensäge © DAZ

„Verantwortlicher Referent für den Baumschutz ist Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) in enger Abstimmung mit Oberbürgermeister Kurt Gribl. Mit ihren Stadtentwicklungsplänen vernichten sie das Stadtgrün mit seiner wertvollen Lebens- und Lungenfunktion, die für die Stadtteile und die Bürger von elementarer Bedeutung ist. Besonders Erben hat sich vor einigen Jahren schon einmal als Verkäufer des Siebentischwaldes hervorgetan, als dieses Naherholungsgebiet privatisiert werden sollte. Durch massive Bürgerproteste und ein Bürgerbegehren konnte dies gerade noch verhindert werden. Seit Jahren will Erben neue Anordnungen verfügen, Bußgelder verhängen, Ersatzpflanzungen vorschreiben, die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, auf Aufklärung setzen und Schulungen durchführen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Dadurch hat Erben spätestens seit der Baumfällung am Herrenbach jegliche Glaubwürdigkeit verloren.“ So wird das Agieren von Umweltreferent Erben und OB Gribl in Sachen Umweltschutz in einer Pressemitteilung der Allianz beschrieben. Die aktuelle Fällung hätten nun das Fass zum Überlaufen gebracht.

„Wer es so macht, hat von Bürgerbeteiligung nichts verstanden“, sagt Bruno Marcon, der betont, dass er großen Ärger verspüre, wenn er Revue passieren lässt, dass ironischerweise in Verantwortung eines Grünen Referenten die größten Kahlschlagaktionen in der Geschichte Augsburgs stattgefunden haben. Diese Stadtentwicklungspolitik sei unsäglich. „Wir gehen davon aus, dass am Herrenbach kein einziger Baum mehr gefällt wird“, so Marcon. In einer Bürgerversammlung am 16. Juli sollen Appelle an die Stadt gerichtet werden – mit der Hoffnung, dass die Stadt auf die Wünsche der Bürger eingeht. Auf der Bürgerversammlung sollen Alternativvorschläge in „Sachen Herrenbach“ gemacht und möglicherweise über einen differenzierteren Hochwasserschutz referiert werden.

Ausdrücklich betont die neugebildete Allianz, dass Hochwasserschutz auch gegenüber dem Baumschutz Priorität habe. Doch müsse ein effizienter Hochwasserschutz am Herrenbach sowie an den anderen Kanälen nicht zwingend mit radikalen Baumfällungen einhergehen. „Mit entsprechenden Kanal-, Platten- und Hubschütz-Ertüchtigungen in Verbindung mit einem entsprechenden Frühwarnsystem sind großflächige Fällungen an den Kanälen vermeidbar.“

Begrüßt wurde auch das Schafitel-Engagement: „Wenn Volker Schafitel nicht eine Klage hätte prüfen lassen, hätten wir es gemacht“, so Marcon.

In ihrem Forderungskatalog zeigt sich die Allianz davon überzeugt, dass die Stadt einen wirkungsvollen Hochwasserschutz an den Kanälen offensichtlich jahrzehntelang ignoriert habe, und deshalb endlich die entsprechenden Kanal- und/oder Schleusen- Ertüchtigungen durchzuführen habe. Gefordert wird auch, dass „die für Herbst geplante Fällung der restlichen Bäume am Herrenbach sofort eingestellt wird“.



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