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Mittwoch, 27.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Augsburg vor den Toren Europas, Mainz mit dem Rücken zur Wand

In wenigen Stunden ist der FSV Mainz 05 in der 25. Runde der Fußball-Bundesliga in Augsburg zu Gast. Die Partie ist wie jede Partie der Augsburger in dieser Saison eine richtungsweisende Partie: Europa League verteidigen oder Champions League angreifen? So die neue Frage für die Augsburger, die bisher den Abstand zu den Abstiegsplätzen verteidigt haben.

Von Siegfried Zagler



Der FCA hat in den vergangenen Jahren nicht nur ehemalige Bundesligaklubs wie Nürnberg, Kaiserslautern, Düsseldorf,  Duisburg und Bochum abgehängt, sondern in den letzten beiden Jahren auch aktuelle Großklubs wie Hamburg, Stuttgart, Köln, Berlin, Bremen und Hoffenheim distanziert. Die meisten der genannten Klubs haben sich durch Missmanagement geschwächt, andere sind ohne großes Selbstverschulden der „natürlichen Fluktuation“ und dem Auf und Ab des sportlichen Wettbewerbs zum Opfer gefallen. – Der FSV Mainz 05 galt  lange Zeit als Vorbild und Warnschild der Brecht-Städter. Der „Karnevalsverein“ entwickelte sich nämlich mit ähnlichen Voraussetzung zu einem festen Bestandteil des Oberhauses und zu einem Mittelklasse-Unterbau der Liga, also zu einem Klubs, der mit dem Abstieg nichts mehr am Hut zu haben schien, aber eben für den europäischen Wettbewerb (Europa League) in der Breite zu wenig Klasse im Kader hatte. Das Abenteuer „Europa“ ließ die Mainzer in Europa und in der Liga schlecht aussehen, weshalb sie für die Augsburger eine gute Blaupause darstellten, würde der FCA den Sprung nach Europa schaffen.

Die Augsburger haben nach ihrem Sieg gegen den Tabellenzweiten Wolfsburg tatsächlich ihre falsche Bescheidenheit in einen bescheidenen Optimismus verwandelt. Man wolle die fünf Punkte auf die „Nichteuropaplätze“ verteidigen, so die neue Losung, nachdem man vorher immer den Abstand zu den Abstiegsplätzen verteidigt hatte. Der Begriff „Verteidigung“ ist für die Neu-Erfolgreichen deshalb gut gewählt, weil er den sportlichen Fall beim „unerhört sportlichen Erfolg“ mit sich führt. Der Subtext der Vorstellung, dass man Erfolg verteidigen müsse, rührt für Klubs in der Preisklasse der Augsburger aus der Erfahrung, die in den vergangenen Jahren die Freiburger und die Mainzer machten.

Der Meister der Bescheidenheit beim Jubel: Markus Weinzierl

Der Meister der Bescheidenheit beim Jubel: Markus Weinzierl


Der Vorsprung der Augsburger auf die unbedeutenden Plätze der Liga beträgt aktuell fünf Punkte. Von den Plätzen der Champions League ist der FCA nur einen Wimpernschlag entfernt. Die beiden nicht besonders stabilen Klubs Schalke und Gladbach können die Augsburger aus eigener Kraft einholen und falls man die kommenden Spiele heute gegen Mainz (15.30 Uhr), dann gegen Freiburg (auswärts) und schließlich zu Hause gegen Schalke gewinnen sollte, ist es beinahe schon vorbei mit der klugen Strategie der Tabellenplatz-Verteidigung. Dann gilt die verbotene Parole „Angriff auf die Champions League“, ein Angriff der möglicherweise am letzten Spieltag mit einem Finalspiel in Gladbach enden könnte. Der FCA hat seit 13 Spieltagen ununterbrochen seinen Europapokalplatz verteidigt. Ein neues Ziel könnte neuen Schwung bringen.

Der 1. FSV Mainz 05 gewann nur eines der letzten sechs Bundesliga-Spiele. In den Wettbüros ist Augsburg klarer Favorit, auch  wenn die historische Bilanz ausgeglichen ist. Von den bisherigen sieben Bundesligapartien gewannen sowohl die Augsburger als auch die Mainzer jeweils drei, eine Partie endete mit einem Unentschieden. Wäre diese Statistik bedeutsam, dürfte man auch von keinem spielerischen Kracher wie zuletzt gegen Wolfsburg ausgehen. Um es freundlich zu sagen: Die Partien der beiden Teams waren bisher kampfdurchtobt. Die Ansage von Mainz-Trainer Martin Schmidt lässt nichts Gutes ahnen: “Wir wollen aus einer sauberen Spielordnung heraus agieren. Die Defensive wird sicher ein Schlüssel für uns sein.“