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Freitag, 26.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Augsburg ist nicht Berlin

Gut tausend Besucher strömten am 19. September ins Schaller-Festzelt auf dem Plärrergelände zur letzten großen Kundgebung der Augsburger SPD vor der Landtagswahl. Zu Gast waren Franz Maget und Frank-Walter Steinmeier.

Beim Einlass gab es den begehrten SPD-Sticker

Beim Einlass gab es den begehrten SPD-Sticker


Franz Maget, Spitzenkandidat der bayerischen SPD, begann seine Rede mit viel Optimismus: die Macht müsse wieder geteilt werden in Bayern, und dies könne gelingen. Die CSU liege bei 47 Prozent, „da ist noch Luft nach unten“. In seiner 20-minütigen Rede sparte er nicht mit Kritik an der Landesregierung. Fünf Milliarden Defizit seien bei der Bayerischen Landesbank zu beklagen, weil man US-Immobilien finanziert habe statt den bayerischen Mittelstand zu fördern. Aber auch das eigene Programm kam nicht zu kurz: Schulabschluss und Ausbildungsplatz für jeden Jugendlichen, weg mit den Studiengebühren, Trinkwasser in öffentliche Verantwortung, raus aus der Atomenergie, die Sonne nutzen, denn die sei „weder amerikanisch noch russisch noch arabisch“. Zum Abschluss appellierte er an die weiblichen Wähler: „Liebe Frauen, wir haben vor 90 Jahren das Frauenwahlrecht durchgesetzt, jetzt enttäuscht uns nicht“.

Frank-Walter Steinmeier, der frisch gekürte Kanzlerkandidat der SPD, begann mit dem Versprechen „Bei der nächsten Kommunalwahl holen wir Augsburg zurück“, bevor er in die Landespolitik einstieg und der CSU Führungs- und Konzeptlosigkeit vorhielt. Seine Ausflüge in die Bundespolitik ab 1998, den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und die Abrechnung mit Lafontaine und Gysi gerieten etwas zu lang, mit dem Thema Bildung und Chancengleichheit fand er wieder auf die bayerische Ebene zurück. Wirklich begeistern wie zuvor Maget konnte Steinmeier das Augsburger Publikum mit seiner gut halbstündigen, durchaus anspruchsvollen, aber wenig prägnanten Rede nicht. Müntefering sei da besser, war an einem studentisch besetzten Tisch zu hören. Auch Steinmeier schien das zu spüren. Seine Kritik an den Personalien der CSU, „dass der Sauerländer Franz derzeit in Bayern mehr Begeisterung hinkriegt als jeder CSU-Mann“, geriet unfreiwillig zur Selbstkritik.

Einer stach freilich alle aus, ohne ein Wort reden zu müssen: Alt-OB Paul Wengert. Nach der Begrüßung durch den SPD-Bezirksvorsitzenden Harald Güller, der die Einführungsrede hielt, gab es anhaltenden Applaus und „Paule-Paule“-Rufe, als Wengert auf die Sitzbank stieg und die Menge dirigierte.