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Samstag, 25.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Auf dem Weg zum virtuellen Kraftwerk

OB Dr. Kurt Gribl und die beiden Stadtwerke-Geschäftsführer Klaus-Peter Dietmayer und Dr. Walter Casazza stellten am gestrigen Donnerstag ihre Pläne zu einer möglichen Fusion der Stadtwerke Augsburg (swa) mit Erdgas Schwaben vor. Schon Ende 2015 könnte es so weit sein.

Von Bruno Stubenrauch

Dr. Walter Casazza, Klaus-Peter Dietmayer und OB Dr. Kurt Gribl (v.l.) bei der gestrigen Präsentation der Machbarkeitsstudie im Rathaus

“Die Personalie Dietmayer spielte dabei keine Rolle”, erklärte Klaus-Peter Dietmayer auf die Frage nach dem Ursprung der Fusionspläne. Der studierte Versorgungstechniker leitet zurzeit in Personalunion sowohl Erdgas Schwaben als auch die Energiesparte der Stadtwerke. Dietmayer freute sich aber, dass man sich bei den Medien Gedanken darüber mache, ob er ständig zwischen zwei Chefbüros hin- und hereile.

Die Idee zu einer Fusion der beiden Unternehmen stehe schon seit einem Jahrzehnt immer wieder im Raum, erklärte OB Kurt Gribl. Den Ausschlag, das Thema jetzt intensiv aufzugreifen, habe gegeben, dass die Erträge aus der Energiesparte der Stadtwerke zunehmend volatil würden. Die swa-Verkehrssparte sei aber auf eine verlässliche Querfinanzierung angewiesen. Eine Fusion der beiden lokalen Energieriesen könnte den Energieertrag stabilisieren. Gribl betonte, dass man allerdings nicht aus der Not heraus agiere, sondern aus der Position der Stärke.

“Finger weg von unserem Wasser”

Folgende unumstößliche Prämissen für eine Fusion hat die Stadt formuliert: Der steuerliche Konzernverbund der swa muss aufrecht erhalten bleiben. Die Querfinanzierung der Verkehrssparte muss gewährleistet bleiben. Die Sparte Wasser bleibt von der Kooperation ausgeschlossen. Betriebsbedingte Kündigungen sind tabu. Mit dieser Vorgabe gingen im Sommer 61 Mitarbeiter beider Unternehmen zusammen mit der international tätigen Unternehmensberatung A. T. Kearney an den Start, um in Workshops und insgesamt 150 Terminen mögliche Kooperationsfelder der beiden Unternehmen auszuloten.

Von den Mitarbeitern gefunden wurden Einsparpotenziale in der Größenordnung von 9,5 bis 11,3 Millionen jährlich, ein eher konservatives Ergebnis, wie die Unternehmensberater betonen, die aus Branchenvergleichszahlen heraus sogar von 14,1 Millionen ausgehen. Positiv würden sich eine gemeinsame Lagerhaltung, ein einheitliches IT-System und das Zusammenwerfen von Kompetenzen im Bereich erneuerbarer Energien auswirken, so Klaus-Peter Dietmayer. Photovoltaik, Windkraft und Biogas seien vor allem auf dem Land stark. Erdgas Schwaben arbeite am Speichersystem “Power-to-gas”, die swa an “Power-to-heat”. Zusammen könne man auch leichter ein virtuelles Kraftwerk darstellen.

Machbarkeitsstudie im November im Stadrat

Den weiteren Fahrplan erläuterte Dr. Walter Casazza: Die jetzt erstellte Machbarkeitsstudie mit drei Varianten zur Kooperation zwischen swa und Erdgas Schwaben wird im November dem Stadtrat vorgestellt. Möglich sind Lösungen von der losen Kooperation über ein Joint Venture bis zur Fusion. Kommt aus der Politik ein Ja, soll bis März 2015 das favorisierte Kooperationsmodell vorbereitet und im April 2015 nochmals dem Stadtrat präsentiert werden. Bei einer erneuten Zustimmung könnte die Umsetzung bis Herbst 2015 erfolgen.