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Montag, 29.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Als wär’s ein Stück von heute

Ab 17. März im Theater: Hauptmanns „Einsame Menschen“

Von Frank Heindl

Ungewöhnlich ist gleich mal das Datum: Die nächste Premiere am Großen Haus findet in der Woche statt. Wegen einer Terminverschiebung mit langfristigen Auswirkungen wird am Mittwoch, 17. März zum ersten Mal Gerhart Hauptmanns „Einsame Menschen“ gezeigt. Am Sonntag erläuterte das Theaterteam in einer „Schauspiel extra“ Veranstaltung seine Sicht des Stückes.



Weniger ungewöhnlich ist der Inhalt des Stückes – und das ist gerade das Überraschende. Schon 1890 geschrieben, klingt der Plot nämlich erstaunlich modern und legt mal wieder den Gedanken nahe, dass die „guten alten Zeiten“ sich von den unseren möglicherweise gar nicht so furchtbar grundlegend unterschieden haben. Hauptmann bringt eine „Beziehungsgeschichte“ auf die Bühne, die seinem eigenen Lebensbereich entspannt: Sein Bruder Carl, verheiratet mit einer Schwester von Hauptmanns Ehefrau, verliebt sich in eine andere und sieht sich vor eine Entscheidung gestellt. Dieselbe Situation sollte der Dramatiker Hauptmann übrigens wenige Jahre später selbst durchmachen – das allerdings ahnte er wohl beim Verfassen von „Einsame Menschen“ noch nicht. Weil das Stück so aktuell ist, weil es, wie Regisseurin Lili Hoepner sagt, etwas „universal sozial Kluges“ habe, erlebt es derzeit eine Renaissance: Vor wenigen Wochen hatte es auch in Frankfurt Premiere. Die Inszenierung werde, kündigt Schauspieldirektor Markus Trabusch an, „weniger die historische Differenz betonen“, sondern mehr die Parallelen herausarbeiten – als wär’s ein Stück von heute.

Ein immer noch gültiges Drama

Tjark Bernau wird im Augsburg Großen Haus die Hauptrolle spielen, den Johannes Vockerat, der sich in die Studentin Anna Mahr verliebt und damit seine Ehe – und schließlich auch sein Leben – zerstört. Eva-Maria Keller ist Vockerats Schwiegermutter und zeigte schon im Theaterfoyer, dass die Inszenierung bei aller Dramatik wohl auch ihre witzigen Seiten haben wird. Gespannt sein darf man wohl vor allem auf den Zeitbezug: Schon vor den Stücken, die seinen ganz großen Ruhm begründeten – dem „Biberpelz“, den „Webern“ und den „Ratten“ etwa, hat Gerhart Hauptmann mit „Einsame Menschen“ ein immer noch gültiges Drama geschaffen, das ihm den Durchbruch als Dramatiker brachte. Markus Trabusch sieht im Hauptmann-Stück geradezu eine „spiegelbildliche Produktion“ zum derzeit in der Komödie gespielten „faust hat hunger und verschluckt eine grete“: Es gehe um vergleichbare Probleme mit vergleichbarer Aktualität – das „faust“-Stück von Ewald Palmetshofer allerdings ist mehr als hundert Jahre später entstanden.

» Gerhart Hauptmann auf Wikipedia

Im „Schauspiel extra“ am Sonntag ging es nicht nur um Hauptmanns „Einsame Menschen“, sondern auch um die zweite Premiere im März: Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“. Darüber mehr in der DAZ am Mittwoch.