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Montag, 06.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Albert Ostermaier im Presseclub: abc-Festival geht weiter

Am gestrigen Mittwochabend war Albert Ostermaier Gast im Augsburger Presseclub. Moderatorin Angela Bachmair führte launig durch den Abend und Ostermaier nutzte wie erwartet die Gelegenheit, die schwere Kränkung durch Peter Grab ins öffentliche Licht zu setzen.

Die Art und Weise, wie sein abc-Festival vom neuen Kulturreferenten bewertet worden sei, sei eine Beschädigung seiner Person und eine Beleidigung seiner Arbeit gewesen, so Ostermaier. Der Suhrkamp-Autor überzeugte mit seiner Kommentierung der Ereignisse um die Nichtfortführung seines Brechtfestivals, indem er zuerst die Bedeutung seiner Arbeit in Verbindung mit der Stadt Augsburg herausstellte. Ostermaier hat abc mit Herzblut geschrieben, mit kühlem Verstand geplant und mit Leidenschaft durchgeführt. Das war in jedem Satz herauszuhören. Er hätte sehr gerne weitergemacht, weshalb er bereits sehr früh nach dem Regierungswechsel Mailkontakt mit OB Kurt Gribl und Kulturreferent Peter Grab aufgenommen habe. Ostermaier: „Von Bürgermeister Gribl kam gar keine Antwort, von Grab nichts Konkretes.“ Natürlich evozierte für den in Inning am Ammersee aufgewachsenen Stückeschreiber und Poeten sein Wirken in der Geburtstadt von Brecht etwas „Einzigartiges, bisher noch nie Dagewesenes.“ Zumindest in seiner Selbsteinschätzung steht Ostermaier Brecht in nichts nach, doch vermutlich liegt er mit seiner Bewertung von abc sehr nah an der Realität: Einen modernen Klassiker aus verstaubten Germanistenbühnen und Literaturseminaren herauszuholen, um neue Rezeptionsformen zu entwickeln, ist in Augsburg intensiver verstanden und aufgenommen worden als das Peter Grab dargestellt hat.

In dieses Horn blies auch Karl-Heinz Schneider (SPD). „Wir wurden mit seinem Zahlenwerk im Kulturausschuss überrumpelt“, so Schneider, der nochmal darauf hinwies, dass die Besucherzahlen von Ostermaiers Festival, wenn man sie richtig mit den von Grab angeführten Besucherzahlen anderer Literturveranstaltungen vergleicht, nichts Defizitäres hätten, das Gegenteil sei der Fall. Ein Presseclubgast stellte die Behauptung in den Raum, dass die „Abschaffung von abc“ wohl als politischer Habitus verstanden werden müsse, da abc eng mit dem Namen von Frau Leipprand verbunden gewesen sei. Ostermaier stimmte zu. Was ihn jedoch maßlos geärgert und beschädigt habe, sei die Art und Weise gewesen, wie mit ihm verfahren worden sei. Hätte man ihm klipp und klar gesagt, dass es – warum auch immer – keine Fortsetzung mit einem modifizierten und somit weiterhin förderungstauglichen abc gegeben hätte, hätte er diese politische Entscheidung ohne weiteres akzeptiert. Richtig schlimm sei nur dieses Hinhalten gewesen.

Es sei nämlich nicht richtig, dass es Usus sei – wie von Grab immer wieder behauptet worden ist -, dass man zuerst ein Konzept plus Finanzierung abzugeben habe, um dann Bescheid zu bekommen, ob man darf oder nicht. „Es ist genau umgekehrt, erst muss klar gesagt werden, ob man mit mir will oder nicht. Die Finanzierung hätte ich eh zusammen mit dem Kulturamt erstellen müssen, allein hätte mich dies überfordert. Diese Reihenfolge ist Usus und nicht umgekehrt“. Albert Ostermaier überzeugte das kritische Publikum des traditionsreichen Presseclubs mehr, als dies Peter Grab vor drei Wochen gelang. Der prominente Dichter verlor zwar den mit martialischem Operationsbesteck geführten Kampf um die Fortsetzung seines Festivals, schlug aber den Augsburger Kulturreferenten in der öffentlichen Bewertung dieser schwer verständlichen Maßnahme um Längen. Mit dem Aus in Augsburg ist abc nicht gestorben, vermutlich wird die Fortsetzung des virulenten Brechtfestivals in Frankfurt oder anderswo stattfinden. „Sieben Angebote liegen vor“, so Ostermaier. Der Fußballmannschaft von Kurt Idrizovic steht ein schweres Auswärtsspiel ins Haus.