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Mittwoch, 04.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Akademische Eröffnung …

… mit „praktischen“ Folgen: Mozartfest startete mit Vortrag über Bach/Mozart

Von Frank Heindl



Präludium und Fuge – da denkt man natürlich an Bach. Doch Präludium und Fuge in C-Dur, die am Freitagabend zur Eröffnung des 60. Mozartfestes im Rokokosaal des Schaezlerpalais erklangen – stammen von Wolfgang Amadé Mozart. Wie es zu Kompositionen wie dieser kommen konnte, wie Mozart in Wien mit den Werken von Bach und Söhnen Bekanntschaft machen konnte, sodass diese Begegnung mehr als 200 Jahre später zum Thema eines Mozartfestes werden kann – darüber klärte die Musikwissenschaftlerin Prof. Melanie Wald-Fuhrmann von der Musikhochschule Lübeck auf.

Schlüsselfigur in Mozarts Bekanntschaft mit dem Schaffen der Bach-Familie war der österreichische Aufklärer und spätere Minister Baron Gottfried van Swieten. Der Bach-Verehrer arrangierte in Wien das Aufeinandertreffen des elegant-höfischen Wiener Stils zur Zeit Josephs II. mit der gelehrt-akademischen Musik der norddeutschen Kantoren. Mozart war allerdings nicht ganz unbekannt mit den Bachs, als er in van Swietens Kreis aufgenommen wurde – schon im Alter von acht Jahren hatte er den damals knapp 30 Jahre alten Johann Christian Bach kennen gelernt. Als Mozart ein paar Jahre später – nun war er elf – die Werke verschiedener Komponisten zu seinem erstes Klavierkonzert „umarbeitete“, da war unter diesen Werken auch eines von Johann Christian Bach. Dieses „Aneignung durch Bearbeitung“ war zu Mozarts Zeit durchaus üblich – auch als Erwachsener „fühlte“ er sich auf diese Weise in die Werke anderer Komponisten ein. So bearbeitete er auch den Händelschen „Messias“, indem er dem Werk beispielsweise neue Posaunenstimmen hinzufügte.

Mäzen, Komponist, Librettist und Aufklärer unter Joseph II.

Unter dem Einfluss van Swietens, in dessen Haus, wie Mozart seinem Vater brieflich mittteilte, „alle Sonntage nur Händel und Bach“ gespielt wurden, nahm der Einfluss vor allem dieser beiden Komponisten auf Mozarts Schaffen zu. Van Swieten habe, so Wald-Fuhrmann, ein Repertoire vermittelt, das damals die meisten „nicht gekannt haben dürften“. Der Baron war allerdings viel mehr als ein konservativer Verehrer überkommener Kompositionsweisen. Nicht nur als Rezipient leistete er Großes, er schuf auch selbst Kunstwerke. Van Swieten komponierte, schrieb die Libretti für „Schöpung“ und „Jahreszeiten“ von Joseph Haydn, war einer der wichtigsten Berater des österreichischen Kaisers Joseph II. und wurde unter diesem sogar Bildungsminister – van Swieten war ein wichtiger Aufklärer im Österreich des 18. Jahrhundert, Wald-Fuhrmann nennt ihn in ihrem Vortrag „einen der wichtigsten Männer Österreichs“ zu seiner Zeit.

Und van Swieten kümmerte sich längst nicht nur um das Erbe verstorbener Komponisten: Der großzügige Mäzen verschaffte Mozart Arbeit und Brot, nahm an der Musik Carl Philipp Emanuel Bachs Anteil und führte später sogar den jungen Beethoven in die aristokratisch-musikalischen Zirkel Wiens ein – Beethoven widmete ihm später seine 1. Sinfonie. Um Mozart machte sich van Swieten sogar noch nach dessen Tod verdient: 1791 organisiert und finanziert er Mozarts Beerdigung, anschließend lässt er dessen „Requiem“ aufführen – als Benefizveranstaltung für Constanze Mozart, die Frau des Verstorbenen.

Diese Eröffnung des Mozartfestes noch vor dem „offiziellen“ Eröffnungskonzert mag den ca. 50 Zuhörern möglicherweise etwas akademisch vorgekommen sein. Doch dabei bleibt es nicht: Nahezu alle der im Vortrag von Prof. Wald-Fuhrmann erwähnten Werke, die den „Zusammenhang“ zwischen Bach und Mozart erläutern sollten, werden im Rahmen des Mozartfestes auch ganz „praktisch“ aufgeführt, wie der Festivalleiter und Präsident der Deutschen Mozartgesellschaft Thomas Weitzel zum Schluss betonte.