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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

AEV: „Wir waren nicht bereit zu kämpfen“

Zwei merkwürdig blutleere Heimspiele gegen Straubing und Ingolstadt im Schlussspurt des Ligabetriebs. Pfiffe des Publikums nach den Schlusssirenen. Hämische Kritik an AEV-Trainer Mike Stewart, indem die Augsburger Fans einen Spieler mit Sprechchören feierten, der von Stewart auf die Tribüne beordert wurde. – Was ist faul im Staate Dänemark?

Von Siegfried Zagler

Für Kopfprobleme ist der Trainer verantwortlich: Panther-Trainer Mike Stewart (c) Siegfried Kerpf

Für Kopfprobleme ist der Trainer verantwortlich: Panther-Trainer Mike Stewart (c) Siegfried Kerpf


Ein Trainer, der nach einem bedeutsamen Eishockeyspiel in der anschließenden Pressekonferenz sagt, dass seine Mannschaft im ersten Drittel nicht zu kämpfen bereit gewesen sei, müsste in der Lage sein, diese Ungeheuerlichkeit zu erklären. Doch öffentliche Erklärungen sind offenbar nicht Stewarts Metier. Die mangelnde Bereitschaft der Augsburger Panther, sich in den beiden Heimspielen gegen Straubing und Ingolstadt mit höchster Konzentration und überzeugender Kampfkraft ins Zeug zu legen, wurde jedenfalls vom Augsburger Publikum mit Entsetzen zur Kenntnis genommen: Selten war die Stimmung im CFS in dieser Phase der Saison schlechter als in den beiden zurückliegenden Heimspielen. Selten der Spott der gegnerischen Fans größer: „Augsburg schieß ein Tor, Augsburg schieß ein Tor, schieß ein Tor für uns“, sangen hämisch gestern rund 500 mitgereiste Ingolstädter Fans, die allein für Stimmung im ausverkauften Curt-Frenzel-Stadion sorgten.

Und dass die Augsburger Fans T.J. Trevelyan, der fit (wie so oft) als überzähliger Ausländer auf der Tribüne saß, während der angeschlagene Trevor Parkes und der bestenfalls mitschwimmende Neuzugang Jordan Samuels-Thomas spielten, mit Sprechchören feierten, ist das erste Anzeichen dafür, dass der AEV-Trainer Mike Stewart nicht mehr sakrosankt ist – für das Augsburger Publikum. Für AEV-Chef Lothar Sigl gilt das offenbar nicht. Sigl schwärmt für Stewart: „Wir können uns in Augsburg glücklich schätzen, einen Trainer von diesem Format zu haben. Ich sehe wie er die Mannschaft führt und einstellt, und ich weiß, wie er trainiert – und daran gibt es nichts, aber auch gar nichts auszusetzen“, so Sigl zur DAZ auf die Frage, ob er noch davon überzeugt sei, dass Stewart der richtige Trainer sei. Doch was sollte Sigl sonst sagen? Schließlich kann sich der AEV einen Trainerwechsel finanziell nicht leisten – und zu diesem Zeitpunkt der Saison wäre diese Maßnahme sportlich ohnehin zu spät.

Wenn man gegen die großen Teams der DEL gewinnt und zugleich im Übermaß gegen Gegner auf Augenhöhe (oder darunter) verliert, muss hinterfragt werden, woran das liegt. Die Fahrigkeit, die die Augsburger-Eishockey-Akteure drittelweise überfällt wie eine unkontrollierbare Virus-Attacke, ist nichts Neues. Daran laborierten die Panther bereits im Novemberloch, als der AEV von acht Spielen sieben verlor. Selbst bei Heimspielen, die siegreich ausgingen, war manchmal das Phänomen zu erkennen, dass die Augsburger nach einer Führung den Faden verlieren, wie zum Beispiel gegen die Düsseldorfer EG.

Womit das zu tun haben könnte, will AEV-Trainer Stewart nicht ernsthaft gefragt werden. („Nächste Frage!“). Falls er dann doch darüber ein paar Sätze verliert, dann über die Schablone („Die Jungs gehen auf dem Zahnfleisch wegen den vielen Spielen in dieser Saison.“) Der DEL-Spielplan gilt aber für alle Mannschaften. Gegen Straubing ließ Stewart nach der schnellen Führung zwei Drittel extrem defensiv spielen, was die Mannschaft nicht wirklich kann. Gegen Ingolstadt „verschlief“ der AEV das erste Drittel, wie Stewart selbst sagte, und nach dem 0:4 hätten die Ingolstädter eben gut verteidigt. Gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten Straubing fehlte dem AEV aber ebenfalls Durchschlagskraft und Kreativität im Sturm. In beiden Heimspielen zeigten die Gäste mehr Kampfkraft und Spielwitz. Eigenschaften, die T.J. Trevelyan auf den Leib geschrieben sind.

Es müsse eben alles Mögliche zu 100 Prozent zusammenspielen, wenn man eine Saison wie die vorangegangene, die der AEV auf Platz 6 abschloss, wiederholen möchte, sagte Lothar Sigl zur DAZ. Dabei hätte es bereits ausgereicht, wenn man gegen Vereine wie Straubing, Schwenningen und Iserlohn von 36 möglichen Punkten 18 Punkte oder 20 Punkte geholt hätte (dann stünde Augsburg jetzt auf Platz 6) – und nicht nur 9 Punkte (25 Prozent), wie es in dieser Saison der Fall war.

Die Play-offs wurden nicht gestern gegen Ingolstadt verschlafen und verschenkt, sondern im Lauf der gesamten Saison, die einen AEV mit zwei Gesichtern zeigte. Einmal Hui, einmal Pfui, einmal konkurrenzfähig, einmal unterirdisch. Das nennt man ein „Kopfproblem“ – und dafür ist der Trainer verantwortlich.



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