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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

AEV: Stillstand ist auch Rückschritt

Für die Augsburger Panther ist die Eishockeysaison vorbei, obwohl sie mit den Playoffs erst richtig beginnt. Trotz einer historisch einzigartig guten Ausgangslage verlief die abgelaufene Saison enttäuschend für die Augsburger Panther und ihre Fans. Ein Rückblick mit Vorschau auf die kommende Saison.

Von Paul Weichlein

Die Playoffs finden ohne die Augsburger Panther statt - Archivfoto (c) Siegfried Kerpf

Die Playoffs finden ohne die Augsburger Panther statt - Archivfoto (c) Siegfried Kerpf


Traditionell folgt auf ein gutes Jahr der Augsburger Panther meistens ein schlechtes Jahr. Bisher lag die Erklärung nahe, dass gerade nach erfolgreichen Jahren viele Spieler interessant für die deutlich zahlungskräftigere Konkurrenz sind, während die Panther beim unfreiwilligen Rebuild auf Neuimporte aus Übersee oder andere risikobehaftete Verpflichtungen angewiesen sind. – Doch für diese Saison konnte die Mannschaft fast komplett gehalten werden, was im Anschluss an die beste Hauptrunde der Vereinsgeschichte mit wohlwollendem Staunen und hohen Erwartungen begleitet wurde.

Die Mannschaft

Zum ersten Mal konnten die Augsburger Panther fast die komplette Mannschaft verlängern und auch die wenigen Neuzugänge haben ihre Verpflichtung gerechtfertigt und konnten die hinterlassenen Lücken ausfüllen. Auf den drei Planstellen, die es vor der Saison neu zu besetzen gab, konnte man sich statistisch sogar verbessern. So erzielten Matt White, Daniel Schmölz und Christian Kretschmann in dieser Saison 32 Tore und 42 Assists, Ben Hanowski, Adrian Grygiel und Matt Mackay in der Vorsaison nur 25 Tore und 19 Assists. Nicht dass diese Daten so einfach zu vergleichen wären, aber zumindest ist die Kaderplanung nachvollziehbar.

Kritisieren kann man nur die Nachverpflichtungen. Falsch war, dass zu spät bei der Torhüterposition reagiert wurde, wobei der danach folgende Saisonverlauf gezeigt hat, dass das offensichtlich nicht das einzige Problem war. Ein Samuel-Thomas hätte früher verpflichtet oder – mit einem Teil der Qualitäten eines Justin Shugg ausgestattet – auch helfen können, die Playoffs zu erreichen.

Rückschau

Während viele Statistiken eher kurioser Natur sind, so blieb das Torverhältnis fast gleich, und das Überzahlspiel war statistisch exakt so gut wie das Unterzahlspiel schlecht war. Und es fällt natürlich die schlechte Punkteausbeute gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte auf, die gemessen am oftmals emotionslos wirkenden Geschehen auf dem Eis sogar noch schmeichelhaft war.

Selbstverständlich gab es auch Highlights, wie das 4:0 gegen Nürnberg oder das 3:1 gegen München: Spiele, in denen die Panther ihre übermächtig erscheinenden Gegner mit einer wilden Symbiose aus Leidenschaft und Talent niederrangen.

Während man also statistisch davon ausgehen darf, dass im Prinzip alles wie im Vorjahr war, nur die knappen Spiele öfter verloren wurden, deutet die schwache Ausbeute gegen „schwächere Teams“ auf ein Einstellungs- oder zumindest auf ein Kopfproblem hin. Auch bekam die Mannschaft deutlich weniger Strafen als in allen Jahren zuvor, was in Anbetracht des schwachen Unterzahlspiels zwar überlebensnotwendig ist, aber gerade im Eishockey auch als Indikator für mangelnden Kampf und mangelnde Leidenschaft gelesen werden kann.

Erfolg ist im Sport nicht penibel planbar, selbst die besten Spieler und Mannschaften können von Verletzungen, Streit oder mentalen Problemen in die Knie gezwungen werden, was es bei den Panthern nicht gab, zumindest war davon nichts zu vernehmen. Ob die Mannschaft etwas arrogant war oder einfach mit dem Druck der Favoritenrolle nicht klar kam, lässt sich von außen nicht beantworten. In beiden Fällen stünde aber das Team hinter der Bande in der Verantwortung.

Vorschau

Auf der Trainerposition setzen die Panther weiterhin auf Kontinuität: Trainer Mike Stewart geht in seine vierte Saison. 2017 hat er die beste Platzierung der Vereinsgeschichte (Platz 6 und die direkte Qualifikation für die Playoffs) erzielt. Festzuhalten ist aber auch, dass er dieses Jahr bereits zum zweiten mal die Playoffs verpasst hat.

Die Panther werden auch in diesem Sommer größere Teile des Teams weiterverpflichten, die Spieler, im schlimmsten Fall Trevor Parkes, Drew Leblanc und Mark Cundari, die wohl dem Werben zahlungskräftigerer Klubs nachgeben werden, versuchen zu ersetzen und sich ansonsten dort verstärken, wo sich in der abgelaufenen Saison vor allem die Planstellen von Michael Davies, Evan Trupp und TJ Trevelyan angeboten haben.

Im Tor und in der Abwehr steht ein Grundgerüst und natürlich würden die Panther gerne mit fast allen anderen Spielern verlängern, doch es mangelt vor allem an bezahlbaren Alternativen mit deutschem Pass.

Im Sturm steht das schwierig zu besetzende Gerüst an deutschen Spielern bereits. Bei Matt White dürften die Augsburger Panther ihre Option schon gezogen haben. Die Zukunft der anderen Kontingentspieler könnte davon abhängen, wie sehr München und andere Großvereine Trevor Parkes und Drew Leblanc wollen. Zu hoffen ist, dass es mit den Panthern in der kommenden Saison wieder aufwärts geht, denn Stillstand ist auch Rückschritt.




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