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Samstag, 04.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Abschied von Tanzhaus und Salzstadel

Heute stellt der Bauausschuss die Weichen für einen Linienbetrieb der Straßenbahn in der Maximilianstraße. Das dürfte auch das Ende für die Wiederauferstehung der historischen Mittelbebauung in Augsburgs „Guter Stube“ bedeuten.

längst Beschlusslage: Tram in der Maxstraße

längst Beschlusslage: Tram in der Maxstraße


Tenor des Verwaltungsvorschlags für die weitere Ausarbeitung des Bebauungsplans für die Maximilianstraße: „Bei der Verkehrs- und Gestaltungsplanung sind Straßenbahngleise für einen Linienbetrieb zugrunde zu legen“.

Eigentlich ist dies schon längst Beschlusslage. Bewegung in die Angelegenheit kam jedoch nochmals im Januar 2010, als fünf renommierte Architekten und Stadtplaner im Rahmen einer Architekturwerkstatt – in Anlehnung an die bis vor 200 Jahren vorhandene historische Mittelbebauung – am Ulrichs- und Moritzplatz zwei Baukörper mitten im Straßenraum der Maximilianstraße vorschlugen (die DAZ berichtete). Um sich die Chance einer solchen Bebauung auf den Fundamenten des historischen Tanzhauses und Salzstadels langfristig zu wahren, sollte auf die Straßenbahntrasse verzichtet werden. Der Baukunstbeirat der Stadt Augsburg schloss sich am 27. Januar dieser Empfehlung an.

Baukosten schlagen Baukunst

Darauf hin wurde verwaltungsintern und in Abstimmung mit den Stadtwerken der Verzicht auf die Straßenbahngleise geprüft, mit dem Ergebnis: Die Strecke Milchberg – Maximilianstraße stellt einen unverzichtbaren Bestandteil des Straßenbahnnetzes dar. Zum einen rücken über die Strecke 75 Straßenbahnwagen regelmäßig in den Betriebshof am Roten Tor ein, zum anderen stellt die Maxstraße eine unbedingt erforderliche Ausweichtrasse dar, sollte es auf der Strecke Rotes Tor – Theodor-Heuss-Platz – Königsplatz zu einer Unterbrechung kommen. Angesichts der später bis zu fünf dort verkehrenden Straßenbahnlinien würde ohne Ausweichstrecke nahezu das gesamte Augsburger Straßenbahnnetz innerhalb weniger Stunden zum Erliegen kommen.

Eine mit vorzeitiger Auflassung verbundene Verlegung des Betriebshofs am Roten Tor kommt aus gewichtigen finanziellen Gründen nicht in Frage: In diesem Fall müssten rund 28 Mio. Euro, die als Baukostenzuschuss geflossen sind, wieder zurückgezahlt werden, heißt es im Beschlussvorschlag der Verwaltung. Einer alternativen Straßenbahntrasse durch den Oberen Graben hatte der Stadtrat bereits im Juli 2009 eine Absage erteilt.

Nachdem sich die Stadtratsfraktionen von CSU, Pro Augsburg und Grünen bereits im Vorfeld für den Erhalt der Straßenbahngleise in der Maximilianstraße ausgesprochen haben (die DAZ berichtete), ist ein Beschluss pro Tram sehr wahrscheinlich. Die Sitzung des Bauausschusses beginnt um 14.30 Uhr im Rathaus und ist öffentlich. Das Thema steht auf Platz 1 der Tagesordnung.

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