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Mittwoch, 18.10.2017 • Nr. 291 • Jahrgang 6 • www.daz-augsburg.de
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Landtagswahl 2018: Showdown für die letzten aussichtsreichen Augsburger Kandidaten beginnt

Nimmt man die Ergebnisse der vergangenen Landtagswahlen als Gradmesser, dann sollte man davon ausgehen, dass nach der kommenden Bayerischen Landtagswahl 2018 neben den beiden Augsburger CSU-Kandidaten (Johannes Hintersberger und Andreas Jäckel) zwei Augsburger Kandidaten der SPD in den Landtag einziehen und ein Kandidat der Augsburger Grünen.

Von Siegfried Zagler

Traditionell gehen in Bayern alle Direktmandate an die CSU, weshalb Hintersberger und Jäckel als ziemlich sichere Landtagsabgeordnete der Augsburger CSU gehandelt werden. Ganz anders sieht das bei der Augsburger SPD und den Augsburger Grünen aus.

Bei der SPD werden am kommenden Freitag die beiden Direktkandidaten nominiert, die zwar keine große Chancen haben, direkt gewählt zu werden, aber dafür sehr wahrscheinlich weit vorne auf der schwäbischen SPD-Bezirksliste landen werden. Seit 2003 zogen Harald Güller und Linus Förster für die Augsburger SPD in den Landtag ein. Güller gilt auch für 2018 als gesetzt. Um den Platz des wegen schweren Sexualdelikten verurteilten Förster kämpfen am kommenden Freitag auf der SPD-Nominierungsaufstellung zwei Frauen: Margarete Heinrich und Sibel Altunay.

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Denkzettel für Heinrich?

Altunay werden Außenseiterchancen eingeräumt, die seit der Bundestagswahl täglich steigen, da die Bundestagswahlergebnisse der Augsburger SPD nicht darauf schließen lassen, dass die SPD in einer Stadtratskoalition mit der CSU bei den Augsburger Wählern punkten konnte. Altunay wird auf der Nominierungsaufstellung am kommenden Freitag von Frau Heinrich wissen wollen, wie sie ihren Wahlkampf gestalten will, wenn die Augsburger SPD im Stadtrat weiter als unsichtbarer und willfähriger Bündnispartner der CSU fungiert. Heinrich wird als Fraktionsvorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion unerschütterliche Bündnistreue und eine starke CSU-Affinität nachgesagt. Es ist also möglich, dass die 78 Delegierten der SPD-Nominierungsaufstellung der SPD-Fraktion einen Denkzettel verpassen.

Fünf Grüne Kandidaten für zwei Plätze

Bei den Augsburger Grünen werden die Direktkandidaten am 8. November gewählt. Für den Stimmkreis West bewerben sich drei Männer, für den Stimmkreis Ost zwei Frauen: Kirsi Hofmeister-Streit und Stephanie Schuhknecht. Für den Stimmkreis West haben Cemal Bozoglu, Peter Rauscher und Hannes Grönninger ihre Kandidatur angekündigt. Dass durch die Nominierungsaufstellung die Gräben, die durch die Fusionsdebatte bei den Grünen entstanden sind, wieder ausgehoben werden und deshalb eine Rolle spielen könnten, ist nicht sehr wahrscheinlich. Dass die Grünen ihre Stimmkreise geschlechterspezifisch aufteilen, ist ebenfalls der Tradition und der rigorosen Quotenpolitik der Grünen geschuldet. Favoritin für den Osten ist Schuhknecht, für den Westen gilt Bozoglu als Favorit. Falls Schuhknecht Platz eins der schwäbischen Bezirksliste erhalten sollte, dann würde sie ziemlich sicher in den Landtag einziehen. Für Bozoglu stünden die Chancen nicht schlecht, bekäme er einen vorderen Platz auf der Bezirksliste zur Landtagswahl.

Claudia Roth könnte in den Augsburger Stadtrat nachrücken

Falls Schuhknecht und Bozoglu, die beide der Augsburger Stadtratsfraktion angehören, tatsächlich in den Landtag gewählt werden sollten, würden beide ihr Stadtratsmandat aufgeben. Das ist Kodex bei den Grünen, der auch der Tradition geschuldet ist. In diesem Fall käme es zu kuriosen Folgeerscheinungen: Matthias Strobel, der im Büro von Claudia Roth beschäftigt ist, wäre der erste Nachrücker. Nachrückerin zwei wäre Claudia Roth selbst! Da man sicher davon ausgehen kann, dass Roth ablehnen würde, bekäme Eva Leipprand den zweiten Nachrückerplatz zugesprochen - und vermutlich hätte auch Frau Leipprand, die dann 71 Jahre alt wäre, nicht mehr den Nerv für die zeitaufwändige Stadtratsarbeit. Sie würde den Stab vermutlich weiterreichen, und zwar an Xaver Deniffel, der hinter ihr auf der Liste folgt und zu Matthias Strobel ein angespanntes Verhältnis pflegt.

Bis zur Aufstellung der Grünen Bezirksliste am 3. März 2018 fließt noch viel Wasser den Lech hinunter. Die Bayerische Landtagswahl findet erst im September 2018 statt. Spätestens nach der Landtagswahl kann man aber davon ausgehen, dass das Augsburger Regierungsbündnis (CSU/SPD/Grüne) auseinanderfliegt.


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