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Mittwoch, 18.10.2017 • Nr. 291 • Jahrgang 6 • www.daz-augsburg.de
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Sensationsfund in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Fragment einer bisher unbekannten Gutenberg-Bibel in Augsburg aufgefunden

Seltener Fund:illuminiertes Pergament-Blatt einer Gutenberg-Bibel (c) Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Seltener Fund: illuminiertes Pergament-Blatt einer Gutenberg-Bibel (c) Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Im Zuge der Vorbereitung der Jubiläums-Ausstellung zum 480-jährigen Bestehen der heutigen Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, die vom 19. Oktober bis 15. Dezember 2017 im Unteren Cimeliensaal der Bibliothek in der Schaezlerstraße präsentiert wird, gelang ein spektakulärer Neufund: ein illuminiertes Pergament-Blatt einer Gutenberg-Bibel, dem ersten größeren gedruckten Buch mit beweglichen Lettern überhaupt, das als Einband eines Druckes des frühen 17. Jahrhunderts wiederverwendet wurde.

Es zeigt den Beginn der Apokalypse mit der Darstellung des Evangelisten Johannes, der lange als Autor dieses Bibelbuches angesehen wurde. Der Buchschmuck in Deckfarben und Gold kann einem Buchmaleratelier, der sogenannten „Pfauenwerkstatt“, zugeschrieben werden, das in Leipzig auch die Gutenberg-Bibeln im Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin und der Huntington Library in San Marino/Kalifornien ausgestattet hat. Vermutlich hat der böhmische Gründer dieser Werkstatt, der „Illuminator der Berliner Gutenbergbibel“, die Miniatur gemalt.

Das Augsburger Fragment gehört somit zu einer in der Forschung unbekannten dritten in dieser Werkstatt ausgemalten Gutenberg-Bibel. Außerdem ist sicher, dass das Blatt aus keinem der bisher überlieferten Pergamentexemplare stammt; es lässt sich auch keiner der Gruppen der bekannten Pergamentfragmente der Gutenberg-Bibel zuordnen. Wann diese Bibel, von der bisher nur das jetzt von Diplom-Bibliothekar Wolfgang Mayer aufgefundene Fragment bekannt ist, für Buchbindezwecke zerlegt wurde, ist unbekannt. Der Druck, den das Pergamentfragment als Einband schützt, befand sich 1625 im Besitz eines Hermann Gravius (Grave), später gehörte der Band einem Johann Eberhard Grave, der von 1667–1678 Pastor in Stotel bei Bremerhaven war. Wie der Band nach Augsburg und über die Bibliothek des Protestantischen Kollegiums bei St. Anna in die heutige Staats- und Stadtbibliothek Augsburg kam, ist nicht bekannt.

In der Schaezlerstraße 25 werden nun insgesamt zwei Pergamentfragmente von zwei verschiedenen Gutenberg-Bibel-Exemplaren beherbergt. Beide werden in der Ausstellung „Gold und Bücher lieb ich sehr …“ ab 19. Oktober 2017 in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg zu sehen sein.


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