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Donnerstag, 27.7.2017 • Nr. 208 • Jahrgang 6 • www.daz-augsburg.de
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FCA setzt im Abstiegskampf ein Ausrufezeichen

Allen Unkenrufen zum Trotz setzte der FCA am 29. Spieltag vor ausverkaufter WWK-Arena ein dickes Ausrufezeichen im Abstiegskampf. Das bislang schlechteste Heimteam der Bundesliga gewann in der mit 30.660 ausverkauften WWK Arena nach großem Kampf 2:1 gegen den Tabellensiebten aus Köln.

Von Udo Legner

Nach dem Treueschwur für den Trainer Manuel Baum und den Versicherungen seitens des Managements, dass gegen den FC Köln eine ganz andere Mannschaft zu sehen sein werde, war man natürlich gespannt, welche Männer am Ostersamstag die Eier haben würden, gegen die Kölner Geißböcke zu bestehen. Mit Halil Altintop, Philipp Max und Martin Hinteregger war zu rechnen gewesen, aber dass mit Takashi Usami und Jonathan Schmid zwei weitere Neuzugänge in die Startelf rückten  - das sah doch ganz danach aus, als sollten diese es hier und heute allen zeigen und klarstellen, dass die Kritik an der Einkaufspolitik von Reuter & Co. unangebracht  war.

Starker Start des FCA

Bereits in der ersten Minute dieses Matches keimte bei den FCA-Fans die Hoffnung auf, dass der FC Köln an diesem Karsamstag das Momentum nicht auf seiner Seite haben könnte. Milos Jojic setzte die erste Ecke für die Geißböcke so kläglich hinter die Grundlinie, dass einem vor weiteren Standards nicht bange sein musste. Im Gegenzug zeigte Goalgetter Alfred Finnbogason, dass mit ihm wieder zu rechnen ist. Nach feinem Zuspiel von Daniel Baier tankte sich der Isländer gegen Heintz und Hector durch, doch der Kölner Schlussmann Timo Horn war mit einer Glanztat zur Stelle (5. Min.).

Der anschließende Eckball brachte prompt die 1:0 Führung für den FCA. Martin Hinteregger konnte die von Jonathan Schmid auf den zweiten Pfosten gezogene Ecke völlig unbedrängt mit einem wuchtigen Kopfball verwandeln. Seit dem 2:2 gegen die Leipziger am 23. Spieltag war der FCA wieder in Führung gegangen. Und da es diesmal kein Freitagsspiel war, standen die Vorzeichen nach diesem fulminanten Auftakt nicht schlecht, am Ende als Sieger vom Platz zu gehen. Dieser Eindruck verdichtete sich für die euphorischen Fans, als fast im Gegenzug (8. Min.) der Japaner Osaka mutterseelenallein vor dem Augsburger Tor das Kunststück fertig brachte, die scharfe Hereingabe zum sicheren 1:1 Ausgleich zu verfehlen.

“Augsburger Torflut”

Nach einer Viertelstunde war zu konstatieren, dass die Kölner nach starkem Start den FCA durch viele leichte Fehler besser ins Spiel kommen ließen und sich mit der aggressiven Spielweise der Baum-Schützlinge schwer taten. In der 17. Minute setzte sich erstmals Anthony Modeste in Szene, der einen weiten Abschlag seines Keepers akrobatisch annahm und aus großer Distanz direkt abzog, ohne allerdings Gefahr für das Augsburger Team heraufzubeschwören. Im Gegenzug war es  Ja-Cheol Koo, der eine scharfe Hereingabe von Jonathan Schmid in den Kölner Strafraum (19. Min.) nur knapp verpasste. Doch kurz darauf war es so weit: Nach einem Einwurf für den FCA konnte Frederic Sörensen noch vor Alfred Finnbogason klären, kam dann aber gegen Danso zu spät. Klare Sache: Elfmeter. Kapitän Paul Verhaegh versetzte den Kölner Keeper und der Ball landete präzise im linken Eck (23. Min.). Über ein Jahr hatte das Augsburger Publikum auf eine solche “Torflut” warten müssen - zuletzt waren dem FCA am 2. April 2016 gegen Mainz in einer Halbzeit zwei Tore geglückt.

Die Erleichterung über die 2:0-Führung war im ganzen Stadion zu spüren. Beflügelt von den Gesängen der Fans probierte es Philipp Max auf der rechten Angriffsseite mit einem Distanzschuss (26. Min.), der allerdings am Kölner Tor vorbeirauschte. Kurz darauf war es Paul Verheagh, der einen vielversprechenden Gästeangriff durch couragiertes Grätschen zunichte machte und Anthonny Modeste das Nachsehen gab.

Nach einem Sörensen-Fehlpass (36. Min.) konterte der FCA über Daniel Baier, dessen Flanke in den Rücken der Abwehr genau bei  Jonathan Schmid landete, der mit einem Volleyschuss fast das 3:0 erzielte hätte, aber in Keeper Horn seinen Meister fand. Nachdem auch die letzte Ecke in der 45. Minute für die Geißböcke nichts einbrachte, ging es mit der nicht unverdienten 2:0 Führung für den FCA in die Pause.

Fazit zur Halbzeit: Das Trainingslager in Grasssau hatte dem FCA gut getan. Einstellung und Einsatz stimmten und mit den beiden Toren war auch das Selbstvertrauen zurückgekehrt, von dem viel zu lange nichts mehr zu sehen gewesen war.

Köln mit mehr Power

Die erste Viertelstunde nach Wiederanpfiff gehörte dem FCA, der sich in den direkten Duellen immer wieder gegen die Domstädter durchsetzen konnte. Es dauerte bis zur 58. Minute, bis die Kölner zu ihrer ersten Halbchance kamen. Doch der Abschluss des in dieser Saison überragenden Anthony Modeste – mit 23. Treffern auf Platz 3 der aktuellen Torjägertabelle -  blieb auch in dieser Szene bescheiden: Ein Verdienst der Augsburger Abwehrrecken Danso und Hinteregger, die ihn auch in der zweiten Halbzeit in den Schatten stellten. Nach einer Stunde kam für den verletzten Daniel Baier Dominik Kohr (61. Min.) in die Partie, der gleich Zeuge des 1:2 Anschlusstreffers der Geißböcke wurde. Nach von Nationalspieler Hector getretenen Ecke kam die Kugel nach viel Kuddelmuddel zu Frederik Sörensen, dessen Schuss von Philipp Max abgelenkt wurde und unhaltbar für Marwin Hitz zum Kölner Anschlusstreffer im Augsburger Tor einschlug.

Mit mehr Schwung setzten nun die Kölner nach und drängten auf den Ausgleich. Augsburger Konter, geschweige denn Torchancen, waren in dieser Phase des Spiels Fehlanzeige. Mit Auswechslungen (72. Min. Dong-Won Ji für Takashi Usami und 82. Min. Georg Teigl für Jonathan Schmid) und robustem Einsteigen versuchten sich Trainer Manuel Baum und seine Mannen der Kölner Offensive zu erwehren und die knappe Führung über die Zeit zu retten.

Dramatisches Finish

Dramatik pur bestimmte die Schlussminuten, an der Pfeifenmann Winkmann gehörigen Anteil hatte. In der 89. Minute sah Ja-Cheaol Koo für sein hartes Einsteigen gegen Höger die gelb-rote Karte. Augsburg nur noch zu zehnt! Gellendes Pfeifkonzert der bangenden FCA-Fans, als die Nachspielzeit angegeben wurde: 6 Minuten. Noch vernehmbarer wurde der Unmut der Augsburger Zuschauer gegen den Unparteiischen, als Alfred Finnbogason nach einer vermeintlichen Tätlichkeit bei einem Augsburger Konter die rote Karte gezückt bekam (90.+2 Min.) und wenig später auch der völlig aufgebrachte Manuel Baum auf die Tribüne verbannt wurde (90.+5). Dass es bei dem 2:1 für den FCA blieb, kann trotz der schlechteren zweiten Spielhälfte als Erfolg für Trainer, Manager und Mannschaft gewertet werden, mit dem die Talfahrt des FCA vorerst gestoppt wurde.

Am nächsten Samstag (Anstoß 15.30 Uhr) heißt es gegen die formschwache  Eintracht in Frankfurt nachzulegen. Es bleibt zu hoffen, dass sich der Erfolg gegen den FC Köln im Abstiegskampf nicht als Phyrrussieg erweisen wird, denn wegen des gelb-roten Kartenfestivals in den Schlussminuten sind Kohr und Finnbogason gegen Frankfurt gesperrt. Für Koo träfe das auch zu, würde er spielen können. Doch der Koreaner scheint sich schwer am Knie verletzt zu haben.

FC Augsburg: Hitz – Verhaegh, Danso, Hinteregger, Max – Baier– Usami, Altintop, Koo, Schmid – Finnbogason.

60. Min. Kohr (für Baier)

73. Min. Ji (für Usami)

81. Min.Teigl (für Schmid)


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