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Sonntag, 19.07.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Bahnprojekt Ulm–Augsburg: beschlossen – aber ohne Geld

Der Bundestag hat der Vorzugs­variante für die neue Bahnstrecke zwischen Ulm und Augsburg zugestimmt. Trotzdem kommt das Milliardenprojekt nicht voran. Woran liegt das – und wie geht es weiter?

Von Bruno Stubenrauch

ICE – Symbolbild

Der Bundestag hat im Mai 2026 die sogenannte parla­men­tarische Befassung für das Bahn­projekt Ulm–Augsburg abgeschlossen und damit den Weg für die weitere Planung der von der Deutschen Bahn bevor­zugten Trassen­variante grund­sätzlich freigemacht (DAZ berichtete). Wer nach dem Bundes­tags­beschluss einen zügigen Fortgang erwartet hatte, dürfte sich jedoch getäuscht sehen. Tat­sächlich verzögert sich das Milli­arden­projekt vorerst weiter.

Zustimmung bedeutet noch keinen Baubeginn

Mit der parlamentarischen Befassung bestätigte der Bundestag die von der Deutschen Bahn vor­ge­schlagene Vorzugs­variante als Grundlage für die weitere Planung. Der Beschluss war ein wichtiger Meilen­stein. Nun könnte das Projekt in die nächste Planungs­phase eintreten. Daran würden sich das Plan­fest­stellungs­verfahren und später der Bau anschließen. Doch genau an diesem Punkt gerät das Projekt derzeit ins Stocken.

Das Problem heißt Finanzierung

Im Laufe der Planung haben sich die Kosten deutlich erhöht. Während frühere Schätzungen noch bei rund 5,5 Milli­arden Euro lagen, geht die Deutsche Bahn inzwischen von Kosten in Höhe von rund 8,2 Milli­arden Euro aus. In einer lang­fristigen Prognose werden sogar Investi­tionen von bis zu 13,3 Milli­arden Euro genannt.

Trotz grundsätzlichen Festhaltens am Projekt sind nach Angaben der Bundes­regierung die Haus­halts­mittel für die nächste Planungs­phase derzeit nicht gesichert. Diese Unsicher­heit betrifft nicht nur die Neubau­strecke Ulm–Augsburg. Angesichts knapper Haus­halts­mittel stehen bundesweit zahlreiche Schienen­projekte unter Finan­zierungs­druck.

Wann die Detailplanung fortgesetzt werden kann, hängt von den verfügbaren Haus­halts­mitteln ab. Vor diesem Hintergrund spricht der Grünen-Bundes­tags­abgeordnete Matthias Gastel von einem „faktischen Planungs­stopp“. In einem öffent­lichen LinkedIn-Beitrag vom 16. Juli erklärte er, das bisherige Planungs­team arbeite inzwischen weitgehend an anderen Projekten. Dies könne den weiteren Fortgang zusätzlich verzögern.

Ein Projekt mit großer Bedeutung

Die rund 70 Kilometer lange Neubau­strecke soll die Fern­verkehrs­verbindung zwischen Augsburg und Ulm beschleu­nigen und gleich­zeitig die bestehende Strecke entlasten. Ziel ist eine Fahrzeit von rund 26 Minuten ohne Zwischenhalt. Außerdem sollen Fern-, Regional- und Güter­verkehr künftig besser voneinander getrennt werden.

Die Verbindung gilt als wichtiger Baustein des Deutsch­land­takts und ist Teil der euro­päischen Magistrale von Paris über Wien bis Budapest.

Wie geht es weiter?

Ob und wann die Detailplanung wieder aufgenommen wird, hängt maßgeblich von den künftigen Bundes­haus­halten ab. Ein konkreter Zeitplan für den nächsten Planungs­schritt liegt derzeit nicht vor.

Damit dürfte sich die Reali­sierung des Projekts weiter nach hinten verschieben. Bereits heute ist absehbar, dass zwischen der parla­men­tari­schen Zustimmung und einem möglichen Baubeginn noch viele Jahre liegen werden.


💡Ausgeleuchtet: „Was ist das Bahnprojekt Ulm–Augsburg?
(Hinweis: Der verlinkte Artikel gibt den Stand September 2025 wieder. Die Zustimmung des Bundestags lag da noch nicht vor.)