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Donnerstag, 10.11.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Staatstheater

Staatstheater: Endspiel im Bunker

Die letzte Folge der postapokalyptischen Dystopie „Wer zuletzt lacht, lacht zuletzt“ im Rock-Café

Von Halrun Reinholz

Foto © Jan-Pieter Fuhr

Zum letzten Mal hatte man nun Gelegenheit, Karen und Jake, den Hundemenschen und den anderen wechselnden Mitspielern bei ihrem undurchsichtigen Kampf mit den Unwägbarkeiten des postapokalyptischen Daseins zuzuschauen. Regisseur Nicola Bremer hat sich einiges einfallen lassen, um die Spannung über die vier Folgen der Show zu halten. Geheimnisvolle Andeutungen und Indizien lösten sich nun ganz im Sinne des kryptischen Titels auf: Wer zuletzt lacht, lacht zuletzt.

Die letzte Folge kommt weitgehend ohne Gesangseinlagen aus. Die Show auf der Bühne, an die sich das Publikum über drei Folgen gewöhnt hat, spielt nur noch eine marginale Rolle. Karen (Rebekka Reinholz) und Jake (Julius Kuhn) scheinen sich zunächst in ihrem Bunker-Alltag eingerichtet zu haben, schmieden aber nach wie vor Fluchtpläne. Als ein Hundemensch die Zelle betritt, erschlägt ihn Karen mit dem Wischmop. Irritiert stellen die beiden fest, dass sich unter der Hundemaske Paula verbirgt, eine vermeintliche Mitgefangene, die bereits in einer früheren Folge geheimnisvolle Video-Botschaften gesendet hatte, die auf Fluchthilfe deuteten. Die Harmonie der beiden ist gestört, alle Hoffnung scheint verloren. Doch das Attentat bleibt folgenlos, Karen und Jake werden zu ihrer eigenen Überraschung in die Freiheit entlassen. Mit allen technischen Finessen verfolgt die Kamera ihren Weg durch apokalyptisch anmutende Landschaften, die der Regisseur – wen wundert`s – glücklicherweise in der unmittelbaren Umgebung des Rock-Cafés finden konnte: Leer stehende Gebäude, morsche Treppen, mit Gras überwucherte Steine.

Zuletzt landen die Ausbrecher erwartungsgemäß wieder im Blickfeld der Zuschauer. Wieder in der wohlbekannten Zelle. Nur einer (oder eine) der beiden soll überleben, so hieß es zu Beginn der ersten Folge. Deshalb haben die Zuschauer bei jeder Folge Zettel in Urnen geworfen mit ihrem Tipp, wer das wohl sein wird. Manfred, Wladimir und Petr sind bereits ausgeschieden. Doch es gelingt den Machthabern nicht, Karen und Jake zu entzweien. Und zuletzt gibt es tatsächlich noch ein Wiedersehen mit Manfred (Thomas Prazak), dessen Rücken immer noch schmerzt, auch wenn er den Elektroschock überlebt hat, und Petr (Anatol Käbisch), der erhängt werden sollte, durch das schnelle Eingreifen Jakes aber doch nicht tot war. Nur der zwielichtige Wladimir, der sich als Spion der Hundemenschen entpuppt hat, bleibt verschwunden.

Nach den Andeutungen der früheren Folgen wird zum Schluss alles aufgelöst: Paula (Pauline , Kind von „First Class“- Eltern hat sich aus Langeweile dieses Spiel mit den Gefangenen für die Zuschauer ausgedacht. Die Hundemenschen sind (aus Bequemlichkeit) die Handlanger der Oberschicht. Sie haben sich arrangiert, „irgendwann“ planen sie die Revolution. Was bleibt den Gefangenen in dieser Situation anderes übrig, als zu erkennen, dass sie die Dinge lachend nehmen müssen, wie sie sind. Auch eine Art Happy-End.

Der Mix aus Soap, Spannung und Gesellschaftsparabel kunstvoll garniert mit der kreativen Musik Stefan Leibolds und digitalen Techniken kann insgesamt als durchaus gelungen gewertet werden, ja durchaus Blaupause für weitere digitale Formate sein. Allerdings hatten nur wenige Zuschauer Gelegenheit, sich daran zu erfreuen. Während der insgesamt sieben Aufführungen im doch sehr überschaubaren Rock-Café konnte die Show noch von einer Handvoll Interessierten über Twitch TV mit verfolgt werden. Die Ankündigung, dass die Folgen danach in der Mediathek abrufbar sind, wurde bisher weder umgesetzt, noch wiederholt. Das ist schade. Das Format eignet sich jedenfalls mit Sicherheit auch für künftige Experimente des Theaters.