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Montag, 22.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Meinung

Kommentar zum Impfsamstag: Wenn es mehr Impfwillige als Impfdosen gibt, wurden Fehler gemacht

Es ist ganz einfach: Wenn es zum aktuellen Zeitpunkt an einem bayerischen Impfzentrum in Augsburg mehr Impfwillige als Impfstoff gibt, obwohl es in Mitteleuropa keinen Mangel an Impfstoff gibt, dann wurden Fehler gemacht. Dass man Bürger, die zum Impfen kommen wollten, erfolgreich davon abhielt zu kommen, nennt man Krisenmanagement.

Kommentar von Siegfried Zagler

impfen

Foto: © DAZ

Die Stadt hat tagelang zum terminfreien Impfen aufgerufen, um am frühen Vormittag darüber zu informieren, dass der Andrang so groß sei, dass der Impfstoff nicht mehr ausreiche. Dass dieser Vorgang keinen skandalösen politischen Zug tragen soll, (wie die Augsburger Allgemeine kommentiert) muss man nicht verstehen.

Die Stadt argumentiert in der Sache zwar einleuchtend (Es war eben nur so viel Impfstoff da, wie da war. Für die Anzahl der zugeteilten Impfdosen könne man nichts), doch das ändert nichts an der Peinlichkeit in Sachen Pandemiebekämpfung. Es mag zutreffen, dass der private Dienstleister und das gesamte Team vor Ort professionell reagiert haben. Daran muss man nicht zweifeln. Nur: Aus den Vorgängen am Samstag im Augsburger Impfzentrum eine Erfolgsmeldung zu stricken, wie es die Stadt am Sonntag tat, ist völlig inakzeptabel.

Die Kritik an den Vorgängen ist zurecht von der Opposition formuliert worden. Die Sozialfraktion fordert eine lückenlose Aufklärung darüber, wie es zu diesem „Versagen“ kommen konnte und welche Rollen dabei dem Freistaat und der Stadt zukommen. Die Stadt weist die Kritik zurück, da „von wenig Sachkenntnis geprägt“, wie der zuständige Referent anmerkt. „Egal wie leistungsfähig ein Impfzentrum ist: Eine so große Menschenmenge, wie am Samstagmorgen, kann nicht innerhalb von einer Stunde bewältigt werden. Das sollte auch der Sozialen Fraktion klar sein“, so Gesundheitsreferent Reiner Erben. Weiterhin wird von der Stadt ins Feld geführt, dass bei Impfstoffen die Distribution komplex sei.

Von „einer Impfstunde“ war auch keine Rede. Am Samstag hätte von 8 Uhr bis 17 Uhr geimpft werden sollen. 1100 Impfdosen waren dafür bereitgestellt. Dass  es dann doch noch 1500 wurden, feierte Gesundheitsreferent Reiner Erben Erben als „unglaubliche Kraftanstrengung“.

Das Corona-Versagen der Politik, auch der Lokalpolitik ist in der Tat mit den Vorgängen am Samstag längst nicht hinreichend beschrieben. Zu viel Laissez-faire in Sachen Öffnung kann man der Stadt Augsburg problemlos ankreiden.

Hätte man im Bund und in den Ländern frühzeitig auf eine konsequente 2G-Regelung gesetzt, hätten sich längst mehr Menschen impfen lassen. Dass nun politisch Druck auf Covidioten und verantwortungslose Impfverweigerer ausgeübt wird, zeigt Wirkung, wie der Augsburger Ansturm am Samstag zeigt.

OB Eva Weber fährt keine harte Linie, sondern setzt auf Appelle. Und sie ist oft unter den ersten Politikern, die Lockerungen von Kontaktbeschränkungen ins Auge fassen. Man erinnere sich, als sie das Tübinger Modell übernehmen wollte, oder an das zu zögerliche Vorgehen der Stadt gegen die sommerlichen Superspreader-Events auf der Maxstraße. Schnell ist Eva Weber dafür zu haben, wenn es um (teils berechtigte) Korrekturen geht, ob es sich nun um Impfungen für Kinder oder 3G-Eishockeyspiele im Curt-Frenzel-Stadion handelt.

Die Inzidenzwerte in der Stadt Augsburg sind so hoch wie nie, die Kliniken sind am Anschlag ihrer Kapazitäten, doch bis jetzt hält die Stadt daran fest, den Christkindlesmarkt stattfinden zu lassen – und schaut auf den Freistaat. Bisher war es im Großen und Ganzen so, dass die Stadt in der Pandemiebekämpfung nicht mehr tat, als der Freistaat vorschrieb. Das kann man als grobkörnige Strategie hinnehmen, eine den lokalen Verhältnissen angepasste engagierte Coronapolitik sieht allerdings anders aus.