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Dienstag, 26.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Achtelfinale: Luxusprobleme sind auch Probleme

Warum Joachim Löw gegen Algerien die deutsche Mannschaft umbauen sollte



Von Caroline Louise Marguerite Prinzessin von Hannover, Erbprinzessin von Monaco, geborene Caroline Louise Marguerite Grimaldi kommt die glasklare Sichtweise, dass Tränen in einem Rolls-Royce möglicherweise den gleichen Schmerz bedeuten wie die Tränen, die ein armer Teufel in einem VW-Polo vergießt. Falls also die deutsche Mannschaft in der heutigen Fußballnacht vom Schicksal nicht begünstigt werden sollte, dann dürfte man den Schmerz, den dieses Ereignis in Fußballdeutschland auslösen würde, nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Doch so weit sollte es nicht kommen, schließlich sind die Deutschen auf jeder Position besser besetzt als die Algerier und gehören in fußballerischer Hinsicht zum Besten, das der Weltfußball derzeit zu bieten hat. Weshalb die Aufstellungsdebatte vor dem Achtelfinale gegen Algerien in Porto Alegre (22 Uhr), also in wenigen Stunden, für das Weiterkommen nicht von existenzieller Bedeutung ist. Unabhängig davon ist festzuhalten, dass sich Löws gedankenlose Übernahme der Guardiola-Idee (Lahm ist als Sechser wertvoller als auf der Außenverteidigerposition) nach wie vor nicht bewährt hat. Mit Kroos, Schweinsteiger und Khedira besitzen die Deutschen im Mittelfeldzentrum großartige Qualität. Jeder dieser Spieler hätte in jeder anderen Mannschaft einen unangreifbaren Stammplatz. In der deutschen Mannschaft muss ein Spieler des Weltklasse-Trios auf der Ersatzbank Platz nehmen, weil sich Löw an der Idee festgebissen hat, dass der gelernte Außenverteidiger Philipp Lahm mit seinem intelligenten Raumspiel und seiner Passsicherheit die bekannten Abwehrprobleme der deutschen Mannschaft verkleinert.

Not macht erfinderisch, während der Luxus eine wenig effiziente Wertschöpfung nicht als Manko erkennt. Die Defizite der Deutschen in taktischer Hinsicht sind bisher nicht bestraft worden, weil alle bisherigen Gegner personell schwächer als sie besetzt waren. Damit sollte spätestens im Halbfinale Schluss sein. Auch für die Deutschen sollte eine einfache Regel gelten: In die erste Elf gehören die besten Spieler. Würde sich Löw an diese Regel halten, würde sich die Mannschaft von selbst aufstellen: Neuer – Boateng, Mertesacker, Hummels, Lahm – Schweinsteiger, Khedira, Kroos, – Özil, Müller, Götze (Schürrle).