Vom Rohbau zur neuen Kulturlandschaft
Die Generalsanierung und der Neubau des Staatstheaters Augsburg schreiten voran. Nach einem Architektenwechsel und monatelanger Prüfung der Pläne ist das Großprojekt stabilisiert. Die Bauarbeiten sind in vollem Gang, im September soll der Rohbau für das Kleine Haus beginnen.
Von Bruno Stubenrauch
Die Baustelle am Augsburger Staatstheater gleicht einer Zeitreise. Während Archäologen Schicht für Schicht die Geschichte der Stadt freilegen, wächst hinter ihnen ein moderner Kulturkomplex in die Höhe. Das denkmalgeschützte Große Haus, das seit 2022 saniert wird, erhält einen zeitgenössischen Nachbarn: das Kleine Haus, eine zweite Spielstätte für experimentelles Theater, sowie ein Betriebsgebäude.
Neustart mit HENN
Nach der Trennung vom ursprünglichen Architekturbüro übernahm im Juni 2025 das Münchner Büro HENN die Gesamtverantwortung für das Projekt – ein Schritt, den Oberbürgermeisterin Eva Weber als „nicht gerade populär“ bezeichnete, aber für notwendig hielt. „Mit der Neuvergabe an das renommierte Architekturbüro HENN hat die Stadt Verantwortung übernommen und Schaden für das Projekt und die Stadt abgewendet“, sagte Weber.
Seither liegt der Fokus auf Stabilität. Das Architekturbüro sortierte tausende Dokumente, überprüfte die bestehenden Strukturen und brachte das Projekt nach Angaben der Stadt „auf einen verlässlichen Kurs“.
Das Kleine Haus: Transparent, einladend, eigenständig
Das Kleine Haus erhält ein neues Gesicht. Statt der ursprünglich geplanten Lochbeton-Fassade setzt HENN auf eine Glasfassade aus recyceltem Glas aus der Region. Das halbdurchsichtige Material lässt das Innere sichtbar werden und soll Schwellenängste abbauen. „Ein Kulturgebäude, das dem europäischen Anspruch der Metropole Augsburg gerecht wird“, sagt Stefan Sinning, Geschäftsführer bei HENN.
Im Erdgeschoss entsteht ein lichtdurchflutetes Foyer mit Bar, offenem Treppenhaus und barrierefreien Zugängen. Die Architekten sprechen von einem „Flow“, der die Besucher vom Connector über das Foyer nach oben zu den Sälen führen soll. Das Kleine Haus soll mehr sein als eine Spielstätte – ein „Dritter Ort“ für Begegnung und Dialog. Der sechseckige Multifunktionssaal im Inneren bleibt erhalten.
Baufortschritt: Was bereits steht
Streng genommen hat der Bau schon begonnen. Die Aushubarbeiten sind erfolgt, eine Bohrpfahlwand wurde um die Neubauten gezogen, der Keller des Kleinen Hauses ist bereits fertiggestellt. Das Große Haus befindet sich seit Jahren im Rohbauzustand. Aktuell arbeiten sich Archäologen synchron zu den Aushubarbeiten durch den Boden.
Die nächsten Schritte
Im September, spätestens im Oktober, beginnt der Rohbau für die Neubauten. Dann fließt Beton, dann wächst das Gebäude in die Höhe.
Die Herausforderungen bleiben groß. Dennoch gibt sich das Team zuversichtlich. „Momentan läuft’s“, sagt Peter Bäuml von HENN knapp. Der Kostenrahmen von rund 417 Millionen Euro soll nach aktuellem Stand gehalten werden, die Fertigstellung ist für 2030 geplant.
Das Publikum darf sich freuen – nicht nur auf die Vorstellungen, sondern auch auf ein Haus, das neugierig macht, keine Schwellenängste zulässt und offen ist für alle. Der Rohbau ab September wird der nächste sichtbare Meilenstein sein.
