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Mittwoch, 08.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Vom Rohbau zur neuen Kultur­landschaft

Die Generalsanierung und der Neubau des Staats­theaters Augsburg schreiten voran. Nach einem Archi­tekten­wechsel und monate­langer Prüfung der Pläne ist das Groß­projekt stabili­siert. Die Bauarbeiten sind in vollem Gang, im September soll der Rohbau für das Kleine Haus beginnen.

Von Bruno Stubenrauch

Die Baustelle am Augsburger Staats­theater gleicht einer Zeitreise. Während Archäo­logen Schicht für Schicht die Geschichte der Stadt freilegen, wächst hinter ihnen ein moderner Kultur­komplex in die Höhe. Das denkmal­ge­schützte Große Haus, das seit 2022 saniert wird, erhält einen zeit­ge­nössischen Nachbarn: das Kleine Haus, eine zweite Spielstätte für experi­men­telles Theater, sowie ein Betriebs­gebäude.

Neustart mit HENN

Nach der Trennung vom ursprünglichen Archi­tektur­büro übernahm im Juni 2025 das Münchner Büro HENN die Gesamt­ver­ant­wortung für das Projekt – ein Schritt, den Ober­bürger­meisterin Eva Weber als „nicht gerade populär“ bezeich­nete, aber für notwendig hielt. „Mit der Neu­vergabe an das renom­mierte Archi­tektur­büro HENN hat die Stadt Ver­ant­wortung übernommen und Schaden für das Projekt und die Stadt abgewendet“, sagte Weber.

Seither liegt der Fokus auf Stabi­li­tät. Das Archi­tekturbüro sortierte tausende Doku­mente, über­prüfte die beste­henden Strukturen und brachte das Projekt nach Angaben der Stadt „auf einen verläss­lichen Kurs“.

Das Kleine Haus: Transparent, einladend, eigenständig

Das Kleine Haus erhält ein neues Gesicht. Statt der ursprüng­lich geplanten Lochbeton-Fassade setzt HENN auf eine Glas­fassade aus recyceltem Glas aus der Region. Das halb­durch­sichtige Material lässt das Innere sichtbar werden und soll Schwellen­ängste abbauen. „Ein Kultur­gebäude, das dem euro­päischen Anspruch der Metropole Augsburg gerecht wird“, sagt Stefan Sinning, Geschäfts­führer bei HENN.

Im Erdgeschoss entsteht ein licht­durch­flutetes Foyer mit Bar, offenem Treppen­haus und barriere­freien Zugängen. Die Archi­tekten sprechen von einem „Flow“, der die Besucher vom Connector über das Foyer nach oben zu den Sälen führen soll. Das Kleine Haus soll mehr sein als eine Spiel­stätte – ein „Dritter Ort“ für Begegnung und Dialog. Der sechs­eckige Multi­funktions­saal im Inneren bleibt erhalten.

Baufortschritt: Was bereits steht

Streng genommen hat der Bau schon begonnen. Die Aushub­arbeiten sind erfolgt, eine Bohr­pfahl­wand wurde um die Neubauten gezogen, der Keller des Kleinen Hauses ist bereits fertig­gestellt. Das Große Haus befindet sich seit Jahren im Rohbau­zustand. Aktuell arbeiten sich Archäo­logen synchron zu den Aushub­arbeiten durch den Boden.

Die nächsten Schritte

Im September, spätestens im Oktober, beginnt der Rohbau für die Neubauten. Dann fließt Beton, dann wächst das Gebäude in die Höhe.

Die Herausforderungen bleiben groß. Dennoch gibt sich das Team zuver­sicht­lich. „Momentan läuft’s“, sagt Peter Bäuml von HENN knapp. Der Kosten­rahmen von rund 417 Milli­onen Euro soll nach aktuellem Stand gehalten werden, die Fertig­stellung ist für 2030 geplant.

Das Publikum darf sich freuen – nicht nur auf die Vor­stellungen, sondern auch auf ein Haus, das neugierig macht, keine Schwellen­ängste zulässt und offen ist für alle. Der Rohbau ab September wird der nächste sichtbare Meilen­stein sein.


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