„Rojava darf nicht fallen“: Kurdische Demonstration warnt vor humanitärer Katastrophe
Mehr als 700 Menschen haben am Samstag, 24. Januar, in der Augsburger Innenstadt gegen die aktuelle Entwicklung in Nordost-Syrien protestiert. Die kurdische Gemeinde sowie mehrere lokale Vereine warnten vor einer drohenden humanitären Katastrophe und dem Ende der demokratischen Autonomie in der Region Rojava.
Von Bruno Stubenrauch

Kritik an USA und EU
Im Mittelpunkt der Vorwürfe stand der jüngste Machtwechsel in Syrien. Die Demonstrierenden werfen den USA und der Europäischen Union vor, die kurdischen Kräfte – lange Zeit zentrale Verbündete im Kampf gegen die Terrororganisation IS – aus geopolitischem Kalkül im Stich zu lassen. Ein Sprecher der kurdischen Gemeinde kritisierte, dass Hilfsgelder der EU inzwischen Akteuren zugutekämen, die unter der Führung von Ahmad al-Sharaa die kurdische Bevölkerung unterdrückten und deren Autonomierechte beseitigen wollten.
Versorgungslage in Kobani verschärft sich
Besonders besorgt äußerten sich Redner über die Lage in der symbolträchtigen Stadt Kobani. Nach Angaben der Demonstrierenden habe die neue syrische Führung nach der Übernahme strategisch wichtiger Infrastruktur – darunter Wasserstaudämme sowie Öl- und Gasfelder – die Versorgung der kurdischen Gebiete eingeschränkt oder vollständig unterbrochen. Die Folgen seien gravierend, insbesondere für die Zivilbevölkerung.
„Rojava war ein Modell für Demokratie und Frauenrechte in einer von Gewalt geprägten Region“, sagte ein Vertreter der Gemeinde bei der Abschlusskundgebung. „Dieses Projekt wird nun zerstört – und die Welt schaut zu.“
Furcht vor Vertreibung und Gewalt
Große Sorge bereitet den Augsburger Kurden die Zusammenarbeit islamistischer Milizen mit dem türkischen Staat. Ohne internationalen Druck drohten erneut Vertreibung, schwere Menschenrechtsverletzungen und Massaker, hieß es mehrfach. Der Appell richtete sich ausdrücklich an die Bundesregierung und die Europäische Union, ihrer politischen Verantwortung gerecht zu werden und die Entwicklung nicht tatenlos hinzunehmen.
Die Demonstration endete friedlich. Die zentrale Botschaft blieb jedoch unmissverständlich: Der Einsatz für die Rechte der Menschen in Rojava werde auch in der Diaspora fortgesetzt, solange deren Existenz und Selbstbestimmung bedroht seien.
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Grafik: Symbolbild