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Sonntag, 25.01.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

„Rojava darf nicht fallen“: Kurdische Demonstration warnt vor humanitärer Katastrophe

Mehr als 700 Menschen haben am Samstag, 24. Januar, in der Augsburger Innenstadt gegen die aktuelle Entwicklung in Nordost-Syrien protestiert. Die kurdische Gemeinde sowie mehrere lokale Vereine warnten vor einer drohenden humani­tären Kata­strophe und dem Ende der demo­kratischen Autonomie in der Region Rojava.

Von Bruno Stubenrauch

Unter dem Slogan „Biji Berxwedana Rojava“ („Es lebe der Widerstand in Rojava“) versammelten sich die Teilnehmer ab 14 Uhr zu einem Demon­strations­zug durch die Innenstadt. Der Protest verlief friedlich, war jedoch von eindring­lichen und emotio­nalen Rede­beiträgen geprägt. Dabei richtete sich die Kritik vor allem gegen die Rolle westlicher Staaten in der aktuellen politischen Neuordnung Syriens.

Kritik an USA und EU

Im Mittelpunkt der Vorwürfe stand der jüngste Macht­wechsel in Syrien. Die Demon­strierenden werfen den USA und der Europä­ischen Union vor, die kurdischen Kräfte – lange Zeit zentrale Verbündete im Kampf gegen die Terror­organi­sation IS – aus geo­politi­schem Kalkül im Stich zu lassen. Ein Sprecher der kurdischen Gemeinde kriti­sierte, dass Hilfsgelder der EU inzwischen Akteuren zugutekämen, die unter der Führung von Ahmad al-Sharaa die kurdische Bevölkerung unter­drückten und deren Autonomie­rechte beseitigen wollten.

Versorgungslage in Kobani verschärft sich

Besonders besorgt äußerten sich Redner über die Lage in der symbol­trächtigen Stadt Kobani. Nach Angaben der Demon­strierenden habe die neue syrische Führung nach der Übernahme stra­tegisch wichtiger Infra­struktur – darunter Wasser­staudämme sowie Öl- und Gasfelder – die Versorgung der kurdischen Gebiete einge­schränkt oder vollständig unter­brochen. Die Folgen seien gravierend, insbe­sondere für die Zivil­bevölkerung.

„Rojava war ein Modell für Demokratie und Frauen­rechte in einer von Gewalt geprägten Region“, sagte ein Vertreter der Gemeinde bei der Abschluss­kundgebung. „Dieses Projekt wird nun zerstört – und die Welt schaut zu.“

Furcht vor Vertreibung und Gewalt

Große Sorge bereitet den Augsburger Kurden die Zusammen­arbeit isla­mistischer Milizen mit dem türkischen Staat. Ohne inter­nationalen Druck drohten erneut Ver­treibung, schwere Menschen­rechts­ver­letzungen und Massaker, hieß es mehrfach. Der Appell richtete sich aus­drücklich an die Bundes­regierung und die Euro­päische Union, ihrer politi­schen Verant­wortung gerecht zu werden und die Ent­wicklung nicht tatenlos hinzunehmen.

Die Demonstration endete friedlich. Die zentrale Botschaft blieb jedoch unmiss­ver­ständlich: Der Einsatz für die Rechte der Menschen in Rojava werde auch in der Diaspora fort­gesetzt, solange deren Existenz und Selbst­bestimmung bedroht seien.

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Grafik: Symbolbild