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Montag, 24.11.2025 - Jahrgang 17 - www.daz-augsburg.de

Römisches Museum: Die Machbar­keits­studie ist endlich öffentlich

Noch im Dezember könnte die Stand­ort­entscheidung fallen

Am 1. Dezember soll der Kulturausschuss vorberaten und bereits am 11. Dezember der Stadtrat einen Beschluss zur Wieder­belebung des Römischen Museums fassen. Als Ent­scheidungs­grundlage für die Stadträte hat die Stadt jetzt die schon seit einem Jahr intern vor­liegende Machbar­keits­studie frei­gegeben. Drei Standorte wurden verglichen. Die ehemalige Justiz­vollzugs­anstalt in der Karmeliten­gasse, auch Favorit der DAZ, liegt in der Bewertung knapp vorne.

Von Bruno Stubenrauch

Lageplan der JVA in der Karmelitengasse
Hintergrundkarte: © Bayerische Vermessungsverwaltung (2025), Datenquelle: Geoportal Bayern www.geoportal.bayern.de; Bearbeitung: DAZ

Das empfiehlt die Verwaltung: Der Stadtrat soll den Standort Karme­litengasse/ ehemalige JVA als bevorzugte Option weiter­ver­folgen und die Verwaltung beauf­tragen, alle not­wendigen Schritte einzu­leiten. Darunter wären z.B. Verhand­lungen mit dem Freistaat Bayern über dessen finan­zielle Betei­ligung und über das JVA-Grund­stück, das dem Freistaat gehört. Nach Abschluss dieser Gespräche soll dann der Grund­satz­beschluss für das Museum erfolgen.

Zwei ernsthafte Kandidaten und ein Sparringspartner

Drei Standorte hat die Studie untersucht:

  • den Standort Predigerberg (mit Dominikanerkirche),
  • die Karmelitengasse, ehemalige Justizvollzugsanstalt sowie
  • die ehemalige Basilika der Kammgarnspinnerei.

Erstellt wurde die Studie von der Kultur- und Strate­gie­beratung actori GmbH aus München, die eine Koopera­tion mit dem öster­reichi­schen Archi­tektur­büro Dietrich Unter­trifaller einging.

Kriterien waren die Anforde­rungen und der Flächen­bedarf des Römischen Museums auf Basis einer Ermitt­lung der Kunst­sammlungen und Museen (3.300 m² Aus­stellungs­fläche zzgl. Funktions- und Technik­flächen, DAZ berich­tete). Daneben wurde geprüft, welcher Standort aus infra­struktu­reller Sicht am sinn­vollsten für das Museum ist und welche Kosten jeder Standort mit sich bringt.

Knappe Entscheidung

Als erster Standort schied die AKS-Basilika aus. Dort wären Anschaffungs­kosten in Höhe von 15 Millionen und ein hoher Sanierungs­aufwand angefallen.

Denkbar knapp war das Rennen zwischen Prediger­berg und Karmeliten­gasse: Die Karmeliten­gasse erzielte mit 3,8 Punk­ten und 76,55 % Standort­potenzial die etwas höhere Bewertung, während der Prediger­berg 3,7 Punkte bzw. 74,65 % erreichte. Die Karmeliten­gasse punktete insbe­sondere bei der Realisier­barkeit, der Funktio­nalität und der baulichen Mach­barkeit.

Der Predigerberg schneidet zwar beim Besucher­potenzial aufgrund seiner Lage etwas besser ab, leidet jedoch unter der Schul­nutzung, hohem Sanierungs­bedarf und räum­lichen Ein­schrän­kungen. Auch bei den Kosten lag die Karmeliten­gasse leicht vorn: Sie liegt bei etwa 63 Milli­onen Euro inklusive eines Puffers von 10 Prozent (Kostenstand: 11/2024). Die Variante am Prediger­berg liegt bei etwa 67 Millio­nen, unter anderem wegen des erforder­lichen Ersatz­baues für die Schul­turnhalle und der gefähr­deten Trag­fähig­keit der Domini­kaner­kirche.

Ein Ort, an dem das Römische Museum sein volles Potenzial entfalten kann

Dass die Macher der Studie Augsburg verstanden haben, zeigt sich besonders im Schluss­abschnitt der Studie: Die Karme­liten­gasse sei einer der histo­rischen Ursprungs­orte Augsburgs und biete den idealen Rahmen für das Römische Museum. An diesem Ort verschmelze Geschichte mit Gegenwart: Das Museum sei dort einge­bettet in seine eigene Geschichte, ohne Ablenkungen – ein Ort, der Vergangen­heit fühlbar mache. Der – anders als am Predigerberg – mögliche Museums­vorplatz belebe die Umgebung und erweitere das Stadt­zentrum auf harmo­nische Weise nach Norden.

Jetzt hängt alles am Freistaat

Günstiger ist die Karmelitengasse allerdings nur, wenn keine Kosten für den Grund­erwerb anfallen. Das Grundstück hat 4.500 m² Fläche; der Boden­richtwert liegt bei 2.000 Euro/m². Notwendig wäre also der Abschluss eines Erbbau­rechts­vertrages zu günstigen Kondi­tionen. Laut Verwaltung wurden mit der Immobilien Freistaat Bayern (IMBY), Regional­vertretung Augsburg, aller­dings schon Gespräche geführt und die IMBY habe die grund­sätz­liche Bereit­schaft zum Abschluss eines kosten­freien Erbbau­rechts­vertrages signalisiert.

In der Gesamtbetrachtung kamen Verwaltung und die betei­ligten Referate schließlich zur Empfehlung, das Römische Museum am Standort Karmeliten­gasse zu reali­sieren, wobei die konkrete Aus­ge­staltung noch durch separate Planungen erfolgen muss. Jetzt sind die Stadräte am Zug. Angesichts des knappen Vorsprungs der Karmeliten­gasse könnten das in den nächsten Wochen spannende Dis­kussionen werden.

So soll das Museum in der Karmelitengasse einmal aussehen

Bestand auf dem JVA-Areal: links der Gefängnis­neubau von 1968, rechts der historische Korn­speicher, hinten die Kapelle (Grafik: DAZ)

  • Neubau: Der Bau der JVA aus dem Jahr 1968 wird abgerissen. Auf der beste­henden Boden­platte wird ein quadra­tischer drei­geschossiger Neubau mit Flachdach für die Aus­stellungs­flächen errichtet, der die Traufhöhe des Korn­speichers aufnimmt. Die lichte Raumhöhe im Museum beträgt in allen drei Geschossen ca. 4,5 Meter. Das Flachdach mit gut 1.000 m² könnte eine extensive Dach­begrünung und Photo­voltaik­flächen aufnehmen.
  • Kornspeicher: Der denkmal­geschützte Korn­speicher bleibt bestehen. EG und 1. OG des Korns­peichers werden für Dauer­aus­stellungs­flächen genutzt. Ebenfalls im Erd­geschoss des Korns­peichers könnte sich eine Cafeteria befinden. Im 2. Ober­geschoss des Korn­speichers finden die Funktions­räume Platz.
  • Verbindungsbau: Der beste­hende Verbindungs­gang zwischen JVA und Korn­speicher wird abgerissen und an gleicher Stelle ein Neubau, der das Foyer aufnehmen könnte, erstellt. Der Neubau wird vom Korn­speicher leicht abgerückt, um einen Durchgang zwischen der Karmeliten­gasse und dem Äußeren Pfaffen­gässchen zu ermög­lichen.
  • Kapelle: Die Kapelle St. Severin mit ihren 55 m² Nutzfläche wird als Funktions­raum genutzt.
  • Parkplätze: Auf dem verblei­benden Grundstück könnten etwa 15 Stell­plätze errichtet werden.

💡Ausgeleuchtet: Kann das Gefängnisareal in der Karmeliten­gasse das Römische Museum aufnehmen?