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Donnerstag, 05.03.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Rares römisches Mosaik kehrt nach Augsburg zurück

Ein seltenes Zeugnis aus der römischen Vergangenheit Augsburgs ist nach aufwendiger Restaurierung in die Stadt zurückgekehrt. Das rund 1800 Jahre alte Bodenmosaik aus dem Stephans­garten wird künftig zu den Höhepunkten der geplanten Archäo­logischen Landes­ausstellung sowie des neuen Römischen Museums zählen.

Von Bruno Stubenrauch

Fundsituation des Mosaiks im Stefansgarten in den 1980er Jahren
Bild: © Stadtarchäologie Augsburg

Der Fund stammt aus der Zeit des römischen Augusta Vindelicum, das vom 1. bis zum 4. Jahr­hundert das Verwaltungs­zentrum der Provinz Raetien war. In Schwaben gehören römische Mosaike zu den seltenen archäo­logischen Funden – die wenigen bekannten Exemplare stammen fast aus­schließ­lich aus dem Gebiet der antiken Provinz­hauptstadt.

Zufällige Entdeckung durch Schüler

Entdeckt wurde das Mosaik bereits in den Jahren 1986 und 1987 – eher zufällig. Schüler des Gymnasium bei St. Stephan stießen bei der Anlage eines Biotops im Garten des Klosters St. Stephan auf erste Mosaik­steinchen. Archäo­logische Grabungen brachten daraufhin die Reste eines repräsen­tativen römischen Gebäudes ans Licht.

Die Ausstattung deutet auf ein wohlhabendes Anwesen hin: Neben mehreren Mosaiken fanden sich Wandmalereien, Stuckleisten und Marmor­verkleidungen. Selbst eine Fußboden­heizung – ein sogenanntes Hypokaustum – war vorhanden. Nach heutigem Forschungs­stand lag das Gebäude am Rand des Forums von Augusta Vindelicum, dem politischen und wirtschaft­lichen Zentrum der römischen Stadt.

Das nun restaurierte Stück ist eines von drei damals geborgenen Mosaiken. Sein Muster besteht aus einem schwarz-weißen Rautengitter, in das spindel­förmige Dekor­elemente eingefügt sind – eine typische, aber kunstvoll ausgeführte Gestaltung römischer Wohnräume.

Restaurierung mit Technik aus dem Flugzeugbau

Um den rund 2,50 mal 1 Meter großen Boden zu sichern, musste das Mosaik während der Grabung in fünf Segmente getrennt werden. Die Steinchen wurden zunächst mit einem Spezial­textil fixiert, bevor die Teile in eine Restau­rierungs­werkstatt nach Rheinland-Pfalz gebracht wurden.

Dort erfolgten Reinigung, Zusammenfügung und konserva­torische Sicherung über mehrere Monate hinweg. Heute ist das Mosaik auf einer sogenannten Aero-Web-Platte montiert – einer leichten Wabenstruktur, die auch im Flugzeugbau verwendet wird. Dadurch wiegt das Exponat weniger als 100 Kilo­gramm und kann leichter trans­portiert und ausgestellt werden.

Die Restaurierung eines zweiten Mosaikbodens aus dem Stephans­garten hat inzwischen begonnen und soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Blick in die römische Vergangenheit der Stadt

Die Restaurierungsarbeiten wurden finanziell von der Landesstelle für die nicht­staatlichen Museen in Bayern sowie der Vera Setzer-Stiftung unterstützt.

Für die Augsburger Stadtarchäologie ist der Fund ein wichtiger Baustein für das zukünftige Römische Museum. Viele bedeutende Objekte lagern derzeit noch im Museumsdepot und müssen vor ihrer Präsentation wissen­schaftlich untersucht und restauriert werden.

Der Fund aus dem Stephansgarten zeigt, wie reich die römische Ver­gangen­heit der Stadt noch immer im Boden verborgen liegt. Mit jedem neuen Bauprojekt und jeder Ausgrabung könnten weitere Stücke aus der Zeit von Augusta Vindelicum ans Licht kommen – und das Bild der über 2000-jährigen Stadt­geschichte weiter ergänzen.