Die Augsburger Zeitung

DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur

Samstag, 16.12.2017 • Nr. 350 • Jahrgang 6 • www.daz-augsburg.de
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Owning the Future - Der Augsburger Begabungstag

Zum dritten Mal und erstmals mit internationaler Beteiligung veranstaltete das Augsburger Bildungsbündnis in Kooperation mit der Lokalen Agenda den Augsburger Begabungstag. Bestnoten sind zu vergeben für das Bildungsbündnis und den 3. Augsburger Begabungstag, der sich zu einem bedeutungsvollen Event entwickelt hat.

Von Udo Legner

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Grafik: "Comenius Map" (c) Nontira Kigle

Einmal mehr – so Bildungsreferent Hermann Köhler in seinem Grußwort - sei es gelungen, den Teilnehmern des Begabungstags die gesamte Breite und Vielfalt des Augsburger Bildungsspektrums zu präsentieren und ihnen darüber hinaus wertvolle Impulse und viel frischen Wind für ihre weitere Arbeit zu geben. Auch Dr. Norbert Stamm, Leiter des Büros für Nachhaltigkeit, zog eine positive Bilanz und fand für das gewählte Motto des Begabungstags „Demokratie lernen und leben“ als auch für den Impulsvortrag von Dr. Christian Boeser-Schnebel, Uni Augsburg („Über den demokratischen Umgang mit Populismus und Stammtischparolen“) sowie den Hauptvortrag von Yaacov Hecht („Demokratische Schulen als Antwort auf die Herausforderungen einer vernetzten Welt“) nur Superlative.

Besucherrekord

Die Zahlen sprechen für sich: Über 250 Schüler und Lehrer nahmen an den Vormittag-Workshops teil, was dazu führte, dass neben den Rathaus Räumlichkeiten auch die Kresslesmühle, das Freiwilligenzentrum sowie die Werkstatt Solidarische Welt zu Tagungsorten mutierten. So unterschiedlich die Angebote in den Workshops waren – vom Präventionsprojekt “Heroes” der Brückezum historischen Stadtrundgang Auf den Spuren des Nationalsozialismus“ bis zur Schüler*innenkonferenz der Augsburger Stadtschülervertretung – so ging es doch unisono um Demokratie im täglichen Zusammenleben und um gesellschaftliches Engagement.

Global denken, lokal handeln

Klasse 6c des Maria Theresia Gymnasiums - Foto: Catinca Soptirean)

Klasse 6b des Maria-Theresia-Gymnasiums - Foto: Catinca Soptirean

“Partizipation” und “Do it yourself” wurden beim 3. Augsburger Begabungstag groß geschrieben: Der “AK Global” des Holbein Gymnasiums stemmte das Catering, die Klasse 6b des Maria-Theresia-Gymnasiums (mit Deutschlehrerin Katja Bergmann) eröffnete mit ihrem Augsburg Gassenhauer den “Markt der Möglichkeiten” und sorgte im Zusammenspiel mit der “Amazing Jukebox Karl Pösl” dafür, dass es im Rathaus-Fletz so richtig fetzte!

“Markt der Möglichkeiten” mit internationaler Beteiligung

Den Markt der Möglichkeiten nutzten schulische und außerschulische Akteure als Kontaktbörse und zur Vernetzung. Den größten Zulauf hatten hier die Stände des Projekts´In Safe Hands´ mit FCA-Torhüter Andreas Luthe sowie der Stand des internationalen Erasmus Projekts „Owning the Future“, an dem neben dem koordinierenden Maria-Theresia Gymnasium und dem Holbein Gymnasium auch Schulen aus Spanien (Murcia), Holland (Amstelveen) und Cornwall (Penzance) die Stärken ihrer Schule präsentierten. Bereits am Vortag hatte diese bunt gewürfelte Schülergruppe in einem Graffiti-Workshop “Bunte” Visionen einer Schule der Zukunft entworfen, die beim Empfang im Fürstenzimmer des Rathauses durch den Augsburger Bildungsreferenten stolz präsentiert wurden.

In Israel sind Demokratische Schulen längst im Bildungssystem etabliert

Ganz international auch die Key-Speech des 3. Augsburger Begabungstags. Mit Yaacov Hecht gelang es dem Bildungsbündnis, einen hoch angesehen Vorreiter demokratischer Bildung aus Israel an den Lech zu holen. Jaakov Hecht gründete 1987 die erste Demokratische Schule Israels und es folgte ein Institut für demokratische Bildung. Heute arbeitet er eng mit Regierung, Wirtschaft und Hochschulen zusammen und in seiner Heimat Israel sind Demokratische Schulen längst im Bildungssystem etabliert. In seinem begeisternden Vortrag führte Yaacov Hecht aus, dass in einer Demokratischen Schule jeder Schüler seinen individuellen Lehrplan habe und die Schüler stets mitbestimmten, wann, wie und mit wem die nächsten Lernschritte und Lernziele zu realisieren seien. So werde den Unterschieden und der Vielfalt von Begabungen und Potentialen Rechnung getragen, was in aller Regel dazu führt, dass bei den Schülern Talent und Motivation zusammenfinden, sodass sie sich selbst den Anforderungen in einer sich rapide verändernden Berufswelt, nicht zuletzt durch die Nutzung von allen offen stehenden e-Learning-Programmen, gewachsen sind.

Jaakov Hecht

Vorreiter demokratischer Bildung: Yaacov Hecht (c) Leo Schenk

Die Lacher und die Aha-Erlebnisse auf seiner Seite hatte Hecht, als er am Ende seines Vortrags durch Aufstehen der Teilnehmer ermittelte, wie sich sein Augsburger Publikum zusammensetzte (140 Zuhörer, obwohl der Vortrag vom Englischen ins Deutsche übersetzt wurde!). Dass das Gros des Publikums aus Lehrern und Schülern bestand, überraschte kaum. Aber warum dann doch nur sehr wenige Bildungspolitiker, fast keine Schulleiter und keine Vertreter der örtlichen Presse (Ausnahme: DAZ) ins Augsburger Rathaus gekommen waren – das konnte ihm niemand so recht erklären und steht ohnehin auf einem anderen Blatt.

Die Organisatoren des 3. Augsburger Begabungstages jedenfalls nahmen Hechts Einladung an, sich bei einem Gegenbesuch in Israel ein Bild davon zu machen, warum dies in Israel - auch an einem Freitagnachmittag – wohl anders läuft.


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