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Montag, 1.5.2017 • Nr. 121 • Jahrgang 6 • www.daz-augsburg.de
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Bundesliga: Nur der Abstiegskampf verspricht Spannung

Der FC Bayern hat die Frage, wer Deutscher Meister werden könnte, zu einer Witzfrage gemacht - und somit die Fußballbundesliga sportlich entwertet. Zu groß ist die sportliche Überlegenheit der Münchner, um einen qualifizierten Mitbewerber benennen zu können.

Von Siegfried Zagler

Und dennoch sind die Bayern auch dieses Jahr in der Champions League gescheitert. Spektakulär und auf höchstem Niveau gescheitert, sollte man hinzufügen. Das Jahr ist noch jung, aber möglicherweise war bereits am Mittwochabend das Spiel des Jahres zu sehen. Am Ende sollte jedoch - Fehlentscheidungen des Schiedsrichtergespanns hin oder her - die Feststellung stehen, dass sich mit Real Madrid in beiden Spielen die bessere Mannschaft durchgesetzt hat. Damit ist in München das “Welttrainer-System” gescheitert. Mit Spannung darf man also darauf warten, wer den FC Bayern nächste Saison in die Nähe eines Champions League Finale coachen darf. Mit Klaus Augenthaler oder Peter Neururer würden die Bayern sicher genauso weit kommen wie mit ihren beiden “Welttrainern” Guardiola und Ancelotti.

Mit Schalke 04 ist gestern in den europäischen Wettbewerben der letzte deutsche Vertreter der Bundesliga ausgeschieden. Schalke, das in der Bundesliga fünf Spieltage vor dem Ende immer noch nicht das rettende Ufer erreicht hat, kann sich nun frei von fiebrigen Erinnerungen und der Aussicht, eine verkorkste Saison auf einem langen Umweg doch noch zu einem glücklichen Ende zu bringen, darauf konzentrieren, worin die halbe Liga verwickelt ist: Abstiegskampf.

Nur zwei Spannungsfelder zum Bundesligafinale

Wenn man also von den Bayern absieht, muss man sich um das internationale Niveau der Bundesliga langsam Sorgen machen. Mit Leipzig, Dortmund und Hoffenheim stehen die Mannschaften, die die Bayern nächste Saison in Champions League begleiten werden, so gut wie fest. Nur die Münchner haben allerdings das Potential, diesen Wettbewerb auch zu gewinnen. Spannend sind in der höchsten deutschen Spielklasse also nur zwei Fragen: Wer gehört zu den zwei von fünf Mannschaften (Berlin, Freiburg, Köln, Bremen, Gladbach), die die Plätze fünf und sechs erreichen, die für die Europa League qualifizieren? Und zweitens: Wer steigt ab?

38 Punkte sind wohl nötig, um die Relegationsspiele sicher abzuwehren

Und selbst die Abstiegsfrage, in die noch acht (!) Mannschaften verwickelt sind, könnte zu einem Langweiler verkommen, sollte Ingolstadt in den kommenden beiden Spiele gegen Bremen und Leipzig und der FCA am Samstag (15.30 Uhr) gegen Frankfurt und im darauf folgenden Heimspiel gegen den HSV nicht punkten. Sollten aber die beiden bayerischen Vertreter noch zu einer Serie in der Lage sein, wäre es nicht auszuschließen, dass selbst Schalke oder Leverkusen noch in ein furioses Abstiegsfinale verwickelt werden. Das aufregendste an der Bundesliga bleibt der Umstand, dass (denkt man die Bayern weg) jeder jeden schlagen kann. Und dieses sportliche Merkmal verstärkt sich am Ende einer Saison sogar noch, weshalb man in Augsburg trotz gravierender Managementfehler nicht kategorisch pessimistisch sein muss.

FCA: Ein Sieg gegen Frankfurt ist immer möglich

Ein Sieg gegen Frankfurt ist für den FCA immer möglich, denn schließlich hat er gegen die Hessen eine ausgezeichnete Bilanz und zweitens gelingt den Frankfurtern nach einer hervorragenden Vorrunde in der Rückrunde fast nichts mehr. Aus diesem Grund sind die Hessen selbst im sicheren Hafen, in dem sie bereits vor langer Zeit angelegt haben, noch sinkfähig. Vielleicht reichen dieses Jahr 38 Punkte, vielleicht aber auch nicht.

Falls Schalke nach dem Ausscheiden gegen Ajax Amsterdam am Wochenende zu Hause gegen Leipzig verlieren sollte, brennt in Gelsenkirchen der Baum. Wolfsburg muss zur heimstarken Hertha und Mainz gar zu Bayern München. Und falls Ingolstadt gegen Bremen zu Hause nicht gewinnen sollte, sähe nach dem 30. Spieltag die Welt am Lech wieder ein wenig sonniger aus. (Darmstadt lebt zwar noch, ist aber nicht mehr zu retten, weshalb die tapferen Lilien in Sachen Abstieg keine Frage aufwerfen, sondern bereits in der Vorrunde eine Antwort gegeben haben.).

Das Restprogramm der verbliebenen Abstiegskandidaten:

Frankfurt (38 Punkte):

Augsburg (H), Hoffenheim (A), Wolfsburg (H), Mainz (A), Leipzig (H).

Schalke (37 Punkte):

Leipzig (H), Leverkusen (A), Freiburg (A), Hamburg (H), Ingolstadt (A).

Leverkusen (36 Punkte):

Freiburg (A), Schalke (H), Ingolstadt (A), Köln (H), Hertha (A).

Wolfsburg (33 Punkte):

Hertha (A), Bayern (H), Frankfurt (A), Mönchengladbach (H), Hamburg (A).

Hamburg (33 Punkte):

Darmstadt (H), Augsburg (A), Mainz (H), Schalke (A), Wolfsburg (H).

Mainz (32 Punkte):

Bayern (A), Mönchengladbach (H), Hamburg (A), Frankfurt (H), Köln (A).

Augsburg (32 Punkte):

Frankfurt (A), Hamburg (H), Mönchengladbach (A), Dortmund (H), Hoffenheim (A).

Ingolstadt (28 Punkte):

Bremen (H), Leipzig (A), Leverkusen (H), Freiburg (A), Schalke (H).


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