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Donnerstag, 27.7.2017 • Nr. 208 • Jahrgang 6 • www.daz-augsburg.de
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FCA vs. Köln: Darf man auf Auferstehung hoffen?

Der FCA agierte in seinen vergangenen Partien leblos und blutleer. Heute soll gegen Köln die Wende für die Augsburger stattfinden. Gelingt dem FCA am Ostersamstag die dritte Auferstehung in seiner noch jungen Bundesligageschichte?

Von Siegfried Zagler

Als der FCA in seiner ersten Bundesligasaison 2011/12 am 18. Spieltag gegen den Tabellenletzten SC Freiburg sang- und klanglos verlor und auf den letzten Platz abrutschte, verlor der damalige Präsident Walther Seinsch die Hoffnung und die Geduld. Er eröffnete Trainer Luhukay und Manager Rettig, dass sie zum Saisonende ihren Hut zu nehmen haben und leitete die Planungen für die Zweite Liga ein. Damals schien der FCA mit 15 geschossenen Toren und 15 erzielten Punkten unaufhaltsam dem Abstieg entgegenzugleiten, doch dann geschah das “Augsburger Wunder”. In der Rückrunde holte der FCA in 16 Spielen 23 Punkte und befand sich am Ende mit 38 Punkten weit entfernt von der Abstiegszone. Abgestiegen sind damals Kaiserslautern, Köln und Hertha BSC. In der folgenden Saison sollte die Hinrunde mit dem aus der dritten Liga verpflichteten Trainer Markus Weinzierl katastrophaler verlaufen als es sich die versiertesten Pessimisten vorstellen konnten: Mit neun Punkten zierte der FCA nach 17 Spieltagen zusammen mit Greuther Fürth erneut das Tabellenende. Doch der unberechenbare Präsident Seinsch hatte die Lektion der ersten Bundesligasaison gelernt. Weinzierl durfte weitermachen und das zweite Augsburger Wunder nahm seinen Lauf: Der FCA holte in den 17 Rückrundenspielen 24 Punkte und blieb zum zweiten Mal in Folge wegen einer furiosen Rückrunde in der Liga.

Der FCA kann also Abstiegskampf, könnte man meinen. Doch der Vergleich zur heutigen Situation ist nicht zu ziehen. Damals standen die Augsburger von Beginn an mit dem Rücken zur Wand und fanden in höchster Not die richtige Antwort. In dieser Saison startete der FCA mit einem im Abstiegskampf erfahrenen Bundesligatrainer, der sich mit dem FCA zur Decke strecken wollte. Dirk Schuster wurde auf rätselhafte Weise von einem Trainer-Anfänger abgelöst, der zusammen mit dem Management Luftschlösser baute und den FCA an den Rand des Abgrunds führte. In den ersten beiden Krisenjahren konnten die Augsburger die Winterpause nutzen, um sich aufzuladen und zu verstärken. In diesem Jahr hielt das Management fälschlicherweise den Kader für stark genug. Winterverstärkungen wurden nicht getätigt. Dafür experimentierte Trainer Manuel Baum die gesamte Rückrunde mit Aufstellungsvarianten und verschiedenen Taktiksystemen herum, bis die Mannschaft dergestalt verunsichert war, dass sie zuletzt Schwierigkeiten hatte, ein paar halbwegs organisierte Spielzüge aus der eigenen Hälfte heraus zu führen. Die Mannschaft wirkte im Lauf der Rückrunde überaltert, einfallslos und blutleer. Während alle anderen im Abstiegskampf verwickelten Klubs positive Trends zu verzeichnen hatten, fiel die Augsburger Mannschaft auseinander wie ein überladenes Kartenhaus. Der Kern der Mannschaft, eine intakte und hochgelobte Abwehr, wurde zur Schießbude der Liga. Und die in der Hinrunde gut verteidigten Standards wurden in der Rückrunde zu einem gewaltigen Problem (acht Gegentore).

Raul Bobadilla in der Anfield Road (c) Siegfried Kerpf

Raul Bobadilla: Sein Einsatz ist nicht gesichert (c) Siegfried Kerpf

Und noch etwas ist anders als in den ersten beiden Krisenjahren des FCA: Das Publikum murrt, meckert und pfeift. Und die lokale Presse, allen voran die Augsburger Allgemeine, hat ihre FCA-Poesie aufgegeben und schießt mit harter Kritik gegen Baum und Reuter - selbst Präsident Hofmann ist nicht mehr sakrosankt. Eine Kanonade wie die von Karl Luckner in “Augsburg extra” wäre noch unter Schuster undenkbar gewesen. Zu gewaltig sind die Fehler, die man den handelnden Personen des FCA heute vor die Nase halten kann.

Will man den Durchhalte-Verlautbarungen des FCA noch folgen, dann soll heute auf dem Platz in der WWK Arena (15.30 Uhr) der Wendepunkt folgen. Richtig weit hergeholt ist das nur dann nicht, wenn man die Statistik bemüht. Schließlich kommt der 1.FC Köln, gegen den der FCA seit sechs Spielen ungeschlagen ist. Nur gegen Frankfurt hat der FCA seit seiner Bundesligazugehörigkeit eine bessere Bilanz vorzuweisen. Und schließlich haben die Kölner auswärts nicht so viel gerissen und in der Rückrunde bereits fünf Niederlagen kassiert. Und wenn man sich an Serien festhalten will, dann geht das mit Kölns Edelstürmer recht gut. Mit Anthony Modeste haben die Kölner einen Torjäger, der 23 Saisontore erzielte und damit für 58 Prozent der Kölner Tore verantwortlich ist. Auf einen höheren Anteil kommt kein anderer Spieler der Bundesliga für seinen Verein. Das Gute daran aus Augsburger Sicht ist der Umstand, dass Modeste noch nie gegen den FCA traf.

So gesehen, könnte man auf das Prinzip Hoffnung bauen. Doch beim FCA ringt Raul Bobadilla um seine Form. Bobadilla ist der einzige torgefährliche Angreifer der Augsburger und sein Einsatz gegen Köln ist wegen einer Wadenverhärtung nicht gesichert. Sollte der FCA heute dieses Schlüsselspiel im Endspurt verlieren, dann wäre das die vierte Niederlage in Folge. Selbst in den finsteren beiden Vorrunden zu Beginn der Augsburger Bundesliga-Ära gab es keine Niederlagenserie in diesem Ausmaß. Den Kölnern ist das “wurscht”. Sie haben sich unter ihrem österreichischen Trainer Peter Stöger von Saison zu Saison verbessert und dürfen dieses Jahr sogar auf eine Europa League-Teilnahme hoffen. Für die Rheinländer geht es in Augsburg also um eine große Vision.

Sollte der FCA am heutigen Ostersamstag aber verlieren, dann verfinstert sich der Horizont in Augsburg und die dritte Auferstehung eines Fußballvereins, würde sie sich trotzdem noch ereignen, hätte beinahe eine biblische Dimension.


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