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Mittwoch, 26.4.2017 • Nr. 116 • Jahrgang 6 • www.daz-augsburg.de
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Feuerwerk gegen die Macht der Konzerne

Ausklang und Höhepunkt der von der Werkstatt Solidarische Welt veranstalteten Asientage war der Vortrag von Klaus Werner-Lobo im S-Forum der Neuen Stadtbücherei.

Von Udo Legner

Anlässlich der aktualisierten Neuauflage seines Bestsellers „Schwarzbuch Markenfirmen – Die Welt im Griff der Konzerne“ aus dem Jahr 2001, der in 17 Sprachen übersetzt wurde und von dem allein im deutschen Sprachraum 200.000 Exemplare verkauft wurden, brannte die  Kultfigur der Kapitalismuskritik ein wahres Feuerwerk gegen die Machenschaften der multinationalen Konzerne ab. - „Ich spreche heute über Macht“, so begann Klaus Werner-Lobo seine Kritik an den multinationalen Konzernen. 50 dieser Unternehmen sind in alphabetischer Reihenfolge (von adidas bis Zara) im Anhang seines Buches aufgelistet und dargestellt. Offenbar scheuen diese Global Players auch vor den schlimmsten Formen der Ausbeutung nicht zurück, weder vor Kinderarbeit und Sklaverei noch vor Waffenhandel, Tierquälerei und Umweltzerstörung.

Fast fünfzehn Jahre nach Erscheinen der Erstausgabe sei festzustellen, dass sich zwar vieles seit damals geändert habe, aber vieles, allzu vieles leider gleich geblieben ist. Hatte man früher noch an die „Marktmacht der Konsumenten“ geglaubt, so müsse man heute einräumen, dass es nicht ausreicht, „fair“ und „ökologisch“ einzukaufen. Für eine Änderung der Verhältnisse brauche es vielmehr politisches Engagement, demokratische Teilhabe und letztlich auch Widerstand gegen die Macht der Multis und ihre Erfüllungsgehilfen in den Regierungen.

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eiträge aus dem Publikum, zum Beispiel der Einwurf aus der Gewerkschaftsecke, dass das Bürgerbegehren gegen die Fusion der Stadtwerke Energie mit erdgas schwaben ein wichtiger Schritt sei sowie der Verweis, dass der Anteil fair gehandelten Kaffees in Deutschland in den letzten Jahren von ein auf zwei Prozent des Gesamtumsatzes gesteigert werden konnte, sorgten dafür, dass die Ausführungen des Referenten Lokalkolorit erhielten.

Klaus Werner-Lobo zu Gast bei den Asientagen

Klaus Werner-Lobo zu Gast bei den Asientagen

Die Frage, was jeder Einzelne konkret dazu beitragen könne, der Macht der Konzerne Einhalt zu gebieten, beantwortete Klaus Werner-Lobo so lapidar wie appellativ: raus aus der Komfortzone und mit viel Zivilcourage rein in die Zivilgesellschaft! Hierbei sei der Spaß am politischen Engagement ebenso wichtig wie eine Portion Humor und Selbstironie! Jeder solle sich zuerst informieren (zum Beispiel auf der Website facebook.com/markenfirmen) und nach Mitstreitern Ausschau halten, sei es als Journalist, Lehrer, Lokalpolitiker oder an jedem anderen Arbeitsplatz. Dann müsste man in seinem Bereich alle Möglichkeiten zu nutzen verstehen und darauf hinwirken, dass Gesetze erlassen werden, die den Machenschaften der Konzerne Einhalt gebieten.


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