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Sonntag, 12.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Ungarn hat gewählt: Machtwechsel in Budapest

Bei der Parlamentswahl in Ungarn zeichnet sich ein histo­ri­scher Regie­rungs­wechsel ab. Die pro-europäische Tisza-Partei von Oppo­sitions­führer Péter Magyar liegt nach Auszählung der meisten Stimmen klar vor der bisherigen Regierungs­partei Fidesz von Minister­präsident Viktor Orbán. Die Wahl­beteili­gung erreichte mit rund 78 Prozent einen Rekordwert.

Von Bruno Stubenrauch

Das Parlament in Budapest (Symbolbild)

Nach 16 Jahren an der Macht hat Viktor Orbán seine Niederlage eingeräumt. Die Niederlage sei „schmerzvoll“, erklärte er vor Anhängern in Budapest. Die Last der Regierungs­arbeit liege nun nicht mehr auf seinen Schultern – seine Partei werde künftig in der Oppo­sition dem Land dienen.

Wichtige Zweidrittelmehrheit

Die Tisza-Partei kommt nach bisherigen Auszählungen auf 138 von 199 Mandaten, während Orbáns Fidesz bei 54 Sitzen liegt. Die rechts­extreme Partei Mi Hazánk erreicht voraus­sichtlich sieben Mandate. Damit hätte die Opposition nicht nur eine klare Mehrheit, sondern sogar eine Zwei­drittel­mehrheit – eine ent­schei­dende Voraus­setzung, um die von Orbán über Jahre hinweg fest ver­ankerten „Schwer­punkt­gesetze“ aufzuheben und die Unab­hängig­keit von Justiz und Medien wieder­her­zu­stellen.

Internationale Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. EU-Kommis­sions­präsi­dentin Ursula von der Leyen sprach davon, dass Ungarn „auf seinen euro­päischen Weg zurück­kehre“. Bundes­kanzler Friedrich Merz gratulierte Magyar und bot eine enge Zusammen­arbeit für ein „starkes, sicheres und vor allem geeintes Europa“ an.

Enge deutsch-ungarische Beziehungen

Deutschland ist Ungarns wichtigster Handels­partner. Rund 300.000 Ungarn arbeiten für deutsche Unter­nehmen. Gut 200.000 ungarische Staats­bürger leben, arbeiten und studieren in deutschen Städten. Gleich­zeitig haben sich in den ver­gangenen Jahren auch mehrere zehn­tausend Deutsche in Ungarn nieder­gelassen – insbe­sondere in Regionen wie dem Balaton-Raum oder in Budapest.

1.730 Ungarn wohnen in Augsburg

Die engen deutsch-ungarischen Beziehungen zeigen sich auch in Augsburg. Hier leben rund 1.730 Menschen mit ungarischer Staats­ange­hörig­keit – das entspricht etwa 0,56 Prozent der Wohn­bevöl­kerung und liegt damit mehr als doppelt so hoch wie der Bundes­durch­schnitt von 0,25 Prozent. Zwar unterhält Augsburg keine direkte Städte­partner­schaft mit einer ungarischen Kommune, dennoch ist Ungarn im Alltag präsent: als Teil einer breiteren balkanisch-ost­euro­päischen Gastro­nomie, bei Kultur­veran­staltungen oder durch private Kontakte.

Ob der politische Wechsel in Budapest auch in Städten wie Augsburg spürbar wird – etwa durch neue Impulse für die ungarische Community oder eine ver­stärkte euro­päische Zusammen­arbeit – wird sich zeigen. Fest steht: Ungarn steht vor einer politi­schen Neu­aus­richtung, die weit über die Landes­grenzen hinaus Bedeutung hat.