Rares römisches Mosaik kehrt nach Augsburg zurück
Ein seltenes Zeugnis aus der römischen Vergangenheit Augsburgs ist nach aufwendiger Restaurierung in die Stadt zurückgekehrt. Das rund 1800 Jahre alte Bodenmosaik aus dem Stephansgarten wird künftig zu den Höhepunkten der geplanten Archäologischen Landesausstellung sowie des neuen Römischen Museums zählen.
Von Bruno Stubenrauch
Fundsituation des Mosaiks im Stefansgarten in den 1980er JahrenBild: © Stadtarchäologie Augsburg
Der Fund stammt aus der Zeit des römischen Augusta Vindelicum, das vom 1. bis zum 4. Jahrhundert das Verwaltungszentrum der Provinz Raetien war. In Schwaben gehören römische Mosaike zu den seltenen archäologischen Funden – die wenigen bekannten Exemplare stammen fast ausschließlich aus dem Gebiet der antiken Provinzhauptstadt.
Zufällige Entdeckung durch Schüler
Entdeckt wurde das Mosaik bereits in den Jahren 1986 und 1987 – eher zufällig. Schüler des Gymnasium bei St. Stephan stießen bei der Anlage eines Biotops im Garten des Klosters St. Stephan auf erste Mosaiksteinchen. Archäologische Grabungen brachten daraufhin die Reste eines repräsentativen römischen Gebäudes ans Licht.
Die Ausstattung deutet auf ein wohlhabendes Anwesen hin: Neben mehreren Mosaiken fanden sich Wandmalereien, Stuckleisten und Marmorverkleidungen. Selbst eine Fußbodenheizung – ein sogenanntes Hypokaustum – war vorhanden. Nach heutigem Forschungsstand lag das Gebäude am Rand des Forums von Augusta Vindelicum, dem politischen und wirtschaftlichen Zentrum der römischen Stadt.
Das nun restaurierte Stück ist eines von drei damals geborgenen Mosaiken. Sein Muster besteht aus einem schwarz-weißen Rautengitter, in das spindelförmige Dekorelemente eingefügt sind – eine typische, aber kunstvoll ausgeführte Gestaltung römischer Wohnräume.
Restaurierung mit Technik aus dem Flugzeugbau
Um den rund 2,50 mal 1 Meter großen Boden zu sichern, musste das Mosaik während der Grabung in fünf Segmente getrennt werden. Die Steinchen wurden zunächst mit einem Spezialtextil fixiert, bevor die Teile in eine Restaurierungswerkstatt nach Rheinland-Pfalz gebracht wurden.
Dort erfolgten Reinigung, Zusammenfügung und konservatorische Sicherung über mehrere Monate hinweg. Heute ist das Mosaik auf einer sogenannten Aero-Web-Platte montiert – einer leichten Wabenstruktur, die auch im Flugzeugbau verwendet wird. Dadurch wiegt das Exponat weniger als 100 Kilogramm und kann leichter transportiert und ausgestellt werden.
Die Restaurierung eines zweiten Mosaikbodens aus dem Stephansgarten hat inzwischen begonnen und soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Blick in die römische Vergangenheit der Stadt
Die Restaurierungsarbeiten wurden finanziell von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern sowie der Vera Setzer-Stiftung unterstützt.
Für die Augsburger Stadtarchäologie ist der Fund ein wichtiger Baustein für das zukünftige Römische Museum. Viele bedeutende Objekte lagern derzeit noch im Museumsdepot und müssen vor ihrer Präsentation wissenschaftlich untersucht und restauriert werden.
Der Fund aus dem Stephansgarten zeigt, wie reich die römische Vergangenheit der Stadt noch immer im Boden verborgen liegt. Mit jedem neuen Bauprojekt und jeder Ausgrabung könnten weitere Stücke aus der Zeit von Augusta Vindelicum ans Licht kommen – und das Bild der über 2000-jährigen Stadtgeschichte weiter ergänzen.