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Premiere: Brisante Kafka-Vertonung Pocket-Opera

»In der Strafkolonie« von Philip Glass – Mit seiner Novelle »In der Strafkolonie«, die 1914, kurz nach Ausbruch des ersten Weltkriegs, entstand, reagiert Franz Kafka, auf eine heute bestürzend aktuelle Weise, auf die alltägliche Gewalt und Verrohung seiner Zeit.

Darin erlebt ein Forschungsreisender die öffentliche Hinrichtung durch eine perfekte Tötungsmaschine. Zwischen ihm und dem zuständigen Offizier entspinnt sich eine Auseinandersetzung über Folter, Schuld, gerechte Strafe und das System. Ein »Klangwetter, das sich dreht, umkehrt, umhüllt, entwickelt«, nennt der amerikanische Komponist Philip Glass seine brisante Vertonung des Stoffs, die unter dem Titel »In the Penal Colony« im Jahr 2000 in Seattle uraufgeführt wurde – als »pocket opera« für zwei Sänger und Streichquintett. Glass entspinnt darin einen dichten Klangteppich, der sich stetig, aber fast unmerklich wandelt, und die alptraumhafte Geschichte emotional fassbar macht. Mit seinem Konzept der »Minimal Music« wurde Philip Glass zu einem der erfolgreichsten Komponisten der Gegenwart, der u.a. viele Filmmusiken schrieb und viele Popmusiker*innen wie David Bowie oder Kraftwerk inspirierte.

Viele seiner Opern folgen gewichtigen literarischen Vorlagen. Mit einem feinen Gespür für das Bühnengeschehen entspinnt Glass in seiner Musiksprache ein Netz aus »patterns«, also rhythmischen und harmonischen Formeln, die sich wiederholen, bzw. Klangflächen, die sich auf subtile Art verändern und in ihren Bann ziehen.

Die junge, erfolgreiche Regisseurin Aileen Schneider inszenierte im Staatstheater Augsburg bereits die Kinderoper »Die große Wörterfabrik« sowie zahlreiche kleinere Formate mit Einfühlungsvermögen und poetischer Kraft. Diese düstere und eindringliche Kammeroper inszeniert sie in der brechtbühne im Gaswerk.

Termine / Karten

  • Sa 24.10.2020 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 24
    freier Verkauf: KARTEN | TAGESBESETZUNG
  • Di 27.10.2020 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 27
    freier Verkauf: KARTEN | TAGESBESETZUNG
  • Fr 30.10.2020 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 30
    freier Verkauf: KARTEN | TAGESBESETZUNG
  • Fr 13.11.2020 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 13
    freier Verkauf: KARTEN | TAGESBESETZUNG
  • Sa 14.11.2020 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 14
    freier Verkauf: KARTEN | TAGESBESETZUNG
  • So 29.11.2020 18:00 | brechtbühne im Gaswerk 29
    freier Verkauf: KARTEN | TAGESBESETZUNG
  • So 20.12.2020 18:00 | brechtbühne im Gaswerk 20


Kommt eine Bikelane für Lechhausen?

In der Neuburger Straße soll im nächsten Frühjahr versuchsweise ein Radfahrstreifen zwischen Blücherstraße und Linker/Rechter Brandstraße markiert werden. Dies hat der Bauausschuss infolge einer Anfrage der Grünen und CSU zur möglichen Einrichtung von “Pop-Up Bikelanes” gestern beschlossen.

Pop-up-Bikelanes sind temporäre Umwidmungen des rechten Fahr- oder Parkstreifens für den Radverkehr. Viele deutsche Städte hatten im vergangenen Sommer zur Erhöhung der Verkehrssicherheit derartige deutlich markierte Fahrradwege eingerichtet, da angesichts der Pandemie viele Menschen verstärkt das Fahrrad nutzen. CSU und GRÜNE hatten daraufhin die Anfrage gestellt, ob und wo auch in Augsburg zusätzliche Radstreifen eingerichtet werden könnten. Die Bauverwaltung empfahl in ihrer Antwort, die Neuburger Straße sowie die Frölichstraße.

“Wir haben für unsere Stadt die Notwendigkeit einer Erprobung erkannt und als Chance gesehen. Dass die Einrichtung zusätzlicher Radfahrstreifen jetzt umgesetzt wird und in einem Beschluss mündet, zeigt uns, wie wichtig dieses Thema auch für die Stadtverwaltung und folglich für ihre Bürgerinnen und Bürger ist.” So Leo Dietz, Fraktionsvorsitzender der CSU.

Deniz Anan, mobilitätspolitischer Sprecher der Grünen, wird in einer gemeinsamen Presseerklärung der Regierungsparteien folgendermaßennzitiert: “Gerade jetzt, wo mehr Menschen ihre täglichen Wege mit dem Rad zurücklegen, brauchen wir pragmatische Lösungen für mehr Sicherheit. Es ist sehr erfreulich, dass Baureferat und Verwaltung diese Anfrage sorgfältig prüfen und bereits eine konkrete Planung ausarbeiten konnten.”

Die Versuche sollen zeigen, ob das Konzept zusätzlicher Radfahrstreifen zukünftig auch auf andere Standorte ausgeweitet werden könne.



Bundestagswahl: Claudia Roth als Direktkandidatin der Augsburger Grünen gewählt

Die Augsburger Grünen-Bundestagsabgeordnete Claudia Roth ist am gestrigen Mittwochabend vom Grünen Kreisverband Augsburg/Königsbrunn als Direktkandidatin für die Bundestagswahl 2021 nominiert worden.

Claudia Roth

60 stimmberechtigte Mitglieder waren in der Rosenau-Gaststätte anwesend. Roth erhielt 49 Stimmen, ihre Konkurrenten kamen insgesamt auf 11 Stimmen. Xaver Deniffel erhielt sieben Stimmen und Stefan Lorenz vier. In Sachen Direktkandidatur dürfte die bundesweit populäre Roth gegen den designierten CSU-Direktkandiaten Volker Ullrich nur im theoretische Sinn Chancen haben. Für die SPD ist Ulrike Bahr gesetzt. Bei der FDP überraschte auf der Nominierungsversammlung die Wahl von Alexander Meyer, der sich gegen Maximilian Funke-Kaiser durchsetzte.

 



Gesellschaft & Gesundheit

Coronavirus in Augsburg: 39 Neuinfektionen bestätigt – 7-Tage-Inzidenz aktuell bei 64,1 

Das Infektionsgeschehen in Augsburg wird immer diffuser: 24 Fälle mit (noch) unbekannter Infektionsquelle vermeldet das Gesundheitsamt. 

Das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg meldet 39 neue Covid-19-Fälle. Bei 24 infizierten Personen ist die Infektionsquelle (noch) unbekannt. 15 Neuinfektionen wurden bei Kontaktpersonen bestätigter Covid-19-Fälle festgestellt.

In den vergangenen sieben Tagen wurden 191 Neuinfektionen im Stadtgebiet gemeldet. Das entspricht aktuell etwa 64,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen. Insgesamt hat das Gesundheitsamt in Augsburg 1.339 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt. 1.114 Personen gelten als genesen, 209 sind aktuell infiziert, 16 Personen sind verstorben.

Wie angekündigt sind ab dem heutigen Donnerstag, 15. Oktober, bis Sonntagmorgen, 18. Oktober, der Alkohol-Konsum ab 23 Uhr und der To-go-Verkauf von alkoholischen Getränken ab 21 Uhr auf vielen öffentlichen Plätzen, Orten und Anlagen verboten. Die Verbote gelten u.a. in der Maximilianstraße, auf dem Rathausplatz, auf dem Königsplatz und in der Ludwigstraße. Alle Informationen und Karten wurden auf  www.augsburg.de/infektionsschutz veröffentlicht.

Aufgrund der zuletzt ermittelten Fälle hat das Gesundheitsamt Quarantänemaßnahmen für sieben weitere Schulklassen und eine Kita-Gruppe veranlasst. Betroffene Schulen sind u.a. die Bertolt-Brecht-Realschule, das Peutinger-Gymnasium, die Heinrich-von-Buz-Realschule, die Werner-von-Siemens-Mittelschule, das Jakob-Fugger-Gymnasium sowie die Schiller-Grundschule.

——————————- update: Der Meldung wurde eine Korrektur der Stadt nachträglich eingespeist. Zuerst vermeldete die Stadt 31 Neuinfektionen.

 



MEINUNG

Kommentar: DFB in Dauerkrise

Wie Jogi Löw Bundestrainer werden konnte und warum man ihn weiter machen lässt

Von Siegfried Zagler

Foto: DAZ-Archiv

Der DFB wurde 1900 gegründet. In 120 Jahren, wenn man die Jahre von 1940 bis 1949 mitzählt, obwohl der DFB damals faktisch nicht existierte, saßen dem Deutschen Fußballbund seit Gründung 13 Präsidenten vor. Bundestrainer Jogi Löw überlebte in seiner (noch) laufenden Ära fünf: Affärenprofi Gerhard Mayer-Vorfelder, der seinen Sturz nur vermeiden konnte, indem er Theo Zwanziger neben sich als Doppelspitze zu dulden hatte. Als Mayer-Vorfelder den Stab endgültig loslassen musste, startete Zwanziger gut, doch nach der zunächst gefeierten Heim-WM gab er in zahlreichen Affären, etwa im Schiedsrichter-Skandal um Ex-Referee Robert Hoyzer, ein umstrittenes Bild ab.

Im Dezember 2011 kündigte Zwanziger seinen Rückzug an, der eher ein Rücktritt war, weil er das Feuer der Kritik nicht mehr vom Verband fernhalten konnte. Darauf folgte Wolfgang Niersbach, der nach dreieinhalb Jahren zurücktreten musste – wegen der steuerrechtlichen Vorwürfe bezüglich der WM 2006. Es folgte Reinhard Grindel, der in jeder Hinsicht überfordert schien, und in die Schusslinie geriet, weil er bei der Erdogan-Affäre der beiden türkischstämmigen Nationalspieler Gündogan und Özil eine unglückliche Figur abgab und zudem ohne Not Löws Vertrag vor der WM 2018 verlängerte. Zurücktreten musste der bereits schwer angeschlagene Grindel, als bekannt wurde, dass er von einem ukrainischen Oligarchen eine Luxusuhr als Geschenk angenommen hatte.

Der in vielerlei Hinsicht limitierte Zufallsbundestrainer Jogi Löw konnte lange 16 Jahre im Amt bleiben, weil er auf einem veralteten Tanker mit Strukturproblemen und Hobby-Kapitänen auf der Brücke anheuern durfte. Wäre der DFB nämlich mehr als ein in sich selbst gefangener und in die Jahre gekommener Dino, der sich in immer kürzerer werdenden Taktungen im Netz der Steuerfahndung verfängt, nämlich ein professioneller Verband mit transparenten Strukturen und einem personell erkennbaren Team, das Verantwortung für die Nationalmannschaft zeichnet, wären ad hoc-Bundestrainer aus dem Off, wie Löw, Klinsmann, Völler oder Ribbeck und auch Beckenbauer niemals auf der Bildfläche erschienen.

Und natürlich konnte Löw so lange im Amt bestehen, weil ihm ab 2008 bis heute stets ein Kader zur Verfügung stand/steht, mit dem man nicht nur jedes FIFA-Turnier hätte gewinnen können, sondern auch jedes Jahr die Champions League. Ähnlich wie Helmut Schön, dessen Ära ebenfalls zu lange dauerte, konnte und kann Löw stets auf eine Weltauswahl zurückgreifen. Selbst Abgänge von scheinbar unersetzlichen Spielern wie Klose, Lahm, Schweinsteiger, Mertesacker und auch Gomez, der als Zentrumsstürmer lange Phasen auf Weltniveau spielte, sollten keine Lücken reißen.

Das coaching-bedingte Dauerausscheiden in den Halbfinals der großen Turniere konnte man noch hinnehmen, zumal die WM 14 gewonnen wurde. Doch dann kam die WM 2018. Die deutsche Nationalmannschaft schied als Gruppenletzter aus und gab ein erbärmliches Bild ab, was in erster Linie am Coaching lag.

Danach muss wohl Grindel, um seinen Posten zu retten, auf die Schnapsidee “Umbruch” gekommen sein. Wäre unmittelbar nach der WM Löws Kopf gerollt, hätte das Grindel als DFB-Präsident kaum überlebt. Die Rede von der “schonungslosen Aufarbeitung” ließ die scheinbare Konsequenz des “Umbruchs” folgen.

Um es kurz zu machen: Es hätte keine Aufarbeitung der WM gebraucht, da die drei Gruppenspiele schlagartig für alle offen legten, was spätestens seit der Euro 2012 viele wussten und fast alle ahnten: Ein Weltklasse-Ensemble muss mit dem Dirigat eines Bierzelt-Dirigenten klarkommen. Dass Özil und Khedira nicht mehr zu den Stützen zählen, wäre jedem Jugendtrainer aufgefallen. Einen “Umbruch” muss es bei nationalen Auswahlmannschaften nicht geben, denn dort spielen einfach nur die besten Spieler ihres Landes. Das ist das große Ganze, wie es die DAZ bereits vor genau einem Jahr beschrieb.

Aktuell stehen u.a. falls verletzungsfrei, folgende Spieler für die deutsche Nationalmannschaft zur Verfügung: Neuer, ter Stegen, Sane, Kimmich, Süle, Reus, Boateng, Hummels, Müller, Havertz, Gündogan, Goretzka, Werner, Draxler, Gnabry, Kroos.

Die “Umbruchsopfer” sind kursiv geschrieben. Alle Spieler spielen in Weltklubs und gehören zu den Topverdienern im Profifußball. Alle Spieler könnten in jeder anderen europäischen Spitzenmannschaft zur Stammformation gehören. Dazu gehörten selbstverständlich Boateng, Hummels und Müller, die von Löw aussortiert wurden, als sie formschwach waren, aber längst wieder überragende Leistungen abliefern. Die meisten von ihnen waren bei der WM 18 dabei.

Die Besten ihres Fachs von der Nationalmannschaft mit einer sich selbst schützenden Pseudo-Strategie des Umbruchs auszubooten, ist ein außerordentlicher Vorgang, der die Aufgabenstellung eines Bundestrainers konterkariert. Es handelt sich dabei um eine sportliche Verfehlung, die es in der Geschichte des Fußballs noch nie gab. Seit 120 Jahren gibt es den DFB, er hat die Kaiserzeit überdauert, die Weimarer Republik, die Nazidiktatur überlebt, der Bonner Republik ein wenig nationale Identität gestiftet und die Wiedervereinigung schadlos überstanden. Doch nun wirds ernst: Der DFB demontiert sich selbst.

Fritz Keller, der aktuelle DFB-Präsident, Nachfolger des “Umbruch-Präsidenten” Grindel, ist von der Süddeutschen Zeitung zutreffenderweise als “substanzlos” erkannt worden. Hätte Keller Substanz, wäre Löw längst im Ruhestand.