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Verkehrspolitik: Kommt Tempo 30 für Pferseer Straße?

Trotz einiger Maßnahmen bleibt die Pferseer Unterführung für Radfahrer eine Angströhre. ÖDP-Stadtrat Pettinger will dagegen etwas unternehmen, nämlich die Geschwindigkeit auf der Pferseer Straße reduzieren.

© Kleeblattfilm

Zuletzt war für den Kraftfahrzeugverkehr die Geschwindigkeit auf 30km/h heruntergesetzt worden. Laut ÖDP-Stadtrat Christian Pettinger würden sich aber die wenigsten Autofahrer daran halten, da außerhalb des Tunnels weiterhin Tempo 50 gelte. Und diejenigen, die ihr Tempo tatsächlich auf Dreißig reduzierten, beschleunigten schon vor dem Ende des Tunnels wieder hoch. Nach Pettingers Beobachtungen führe dies zu einer gefährlichen Situation, die man entschärfen könnte, indem man Tempo 30 für die Pferseer Straße vorsieht.

Es sei völlig sinnfrei, wenn nach dem Tempo 30 im Tunnel auf dem kurzen Stück der Pferseer Straße bis zur Augsburger Straße (dort gilt Tempo 30) dann wieder Tempo 50 erlaubt sei. Deshalb hat Pettinger einen Antrag bei Oberbürgermeisterin Eva Weber eingereicht, der für den gesamten Verlauf der Pferseer Straße die Einführung von Tempo 30 vorsieht.

Darüber hinaus müsse der Ordnungsdienst die Einhaltung des Tempolimits konsequent kontrollieren und auch ahnden. Statt der parkenden Fahrzeuge zu beiden Seiten der Pferseer Straße soll nach Vorstellung der ÖDP ein breiter Radweg angelegt werden. Außerdem müssten die Ampelanlagen entlang der Strecke jeweils um eigene Signale für den Radverkehr ergänzt werden, die unabhängige Phasenlängen vom Fußgängerverkehr erlaubten.



Bundesliga, dritter Spieltag

FCA vs. Wolfsburg 0:0

Mit einem torlosen Unentschieden trennten sich am 3. Spieltag der Fußballbundesliga der FC Augsburg und der VfL Wolfsburg.

Es war das Spiel der vergebenen Torchancen. Die Wolfsburger schossen 19-mal auf das Augsburger Tor, der FCA achtmal auf das von Casteels gehütete Tor des VfL. Die Wolfsburger kreierten ein gefühltes Dutzend Torchancen, vergaben sie aber allesamt kläglich, oder scheiterten am erneut überragenden Rafal Gikiewicz im Augsburger Tor. Der FCA hatte 4 Torchancen und vergab sie ebenfalls kläglich. Gregoritsch (11.), Niederlechner (20.) und im letzten Drittel der Partie zweimal Finnbogason.

Konnte der FCA mit den druckvoll kombinierenden Wolfsburgern in Halbzeit eins auf Augenhöhe mithalten, so gab er in der zweiten Halbzeit das Heft aus der Hand, stand von Minute zu Minute tiefer und versuchte es nach vorne mit Nadelstichen, die nicht stachen. In der 57. Minute wechselte Augsburgs Interimscoach Iraklis Metaxa die komplette Offensive 1:1 aus.

Für Gregoritsch kam Jensen, für Niederlechner Finnbogason und für Hahn Vargas. Eine Neuheit im Wechselsystem des FCA. Ein Vorgang, der plakativ zum Ausdruck brachte, dass FCA-Trainer Metaxa die Schwachstellen der Augsburger erkannte und auf Verbesserung der Durchschlagskraft hoffte, indem er auf frische Kräfte setzte. Doch die Maßnahme blieb wirkungslos. In der Schlussphase versuchte Wolfsburg im Rahmen seiner Möglichkeiten alles, der FCA brachte das Spiel mit einem großartigen Gikiewicz und mithilfe der Wolfsburger Abschlussschwäche über die Zeit.

Mit diesem Remis verteidigte der FCA seinen 2. Tabellenplatz und muss diesen nach der Länderspielpause erst am Samstag, den 17. Oktober zu Hause gegen Leipzig verteidigen. Ein Spielbericht von Udo Legner folgt.



FCA in Wolfsburg: Ein Sieg würde die Tabellenführung bedeuten

Am heutigen Sonntag kreuzen in Wolfsburg der FCA und der VfL Wolfsburg die Klingen. In den vergangenen neun Bundesligasaisons des FCA fanden zwischen den beiden Klubs 18 Ligaspiele statt. Sechs gewann der FCA, sechs der VfL, sechs gingen Unentschieden aus. Ausgeglichener kann eine Bilanz nicht sein.

Von Siegfried Zagler

Wenn heute der 3. Spieltag der Fußballbundesliga mit den beiden Sonntagsspielen zu Ende geht, dann schaut Fußball-Deutschland nach Wolfsburg, um dem FC Augsburg die Daumen zu drücken. Würde der FCA gewinnen, dann würde er ungeschlagen mit zwei Punkten Vorsprung die Tabelle anführen – wegen der Länderspielpause zwei lange Wochen. “Nur eine Momentaufnahme”, sagt man gewöhnlicherweise dazu, doch im Sport wie im richtigen Leben lebt man durch die Summe der Momente.

Eine aufregende Momentaufnahme kann, dies nur nebenbei, eine Mannschaft beflügeln, Kräfte freisetzen, die eine gesamte Saison anhalten. So geschehen mit Leicester City in der Premier League Saison 2015/16, als die Foxes nach dem 3. Spieltag Tabellenzweiter waren, um am 38. Spieltag Englischer Meister zu werden – mit 10 Punkten Vorsprung. Leicesters Rolle in der Premier League, ließ sich damals durchaus mit der Rolle des FCA in der Bundesliga vergleichen.

Es geht allerdings auch andersrum, wie der SC Paderborn belegt: 2014/15 standen die Ostwestfalen nach vier Spieltagen auf Tabellenplatz eins der Bundesliga, dann folgte am 5. Spieltag das Spitzenspiel gegen den FC Bayern, das in alle Welt übertragen wurde. Bayern gewann hoch, am Ende stieg Paderborn ab – als Tabellenletzter. Augsburg muss das nicht befürchten. Der FCA-Kader ist stark genug, um die Abstiegsgefilde weit hinter sich zu lassen. Nach dem Sieg gegen Dortmund standen vier Augsburger Spieler in der “Elf des Tages” des Kicker. Das sind Werte, die selbst der FC Bayern selten erreicht.

Vier FCA-Spieler in der Elf des Tages beim Kicker

Gegen Wolfsburg ist heute die Tabellenführung möglich. Das belegt nicht nur die Statistik, sondern auch die Formkurven der beiden Mannschaften. Wolfsburg hat zwei Unentschieden vorzuweisen (Freiburg/Leverkusen), der FCA zwei Siege gegen Mannschaften ähnlichen Kalibers. Wolfburg hat eine Verletztenliste zu beklagen, die eine Schwächung bedeutet (event. Casteels, Mbabu, William, Victor, Steffen), während beim FCA bis auf Jan Moravek alle wichtigen Spieler fit und in Form sind. Naja: In Sachen Form und Fitness muss man bei Gregoritsch einige Abstriche machen.

Interessant ist darüber hinaus die Frage, wie die Augsburger das Fehler ihres Trainers verarbeiten werden, der sich aus gesundheitlichen Gründen ins Krankenhaus begeben musste. Herrlich laboriere nicht an einer Corona-Infektion, sondern es liege laut FCA ein Pneumothorax vor, eine Lungenkrankheit, die aus dem Nichts kommen kann, aber auch gut zu behandeln ist.

Mit einem Unentschieden könnte der FCA Platz zwei verteidigen. Doch selbst wenn man in der VW-Stadt leer ausginge, dürfte man sich in Augsburg zwei Wochen über den besten Bundesligastart des FCA freuen. Neben den Genesungswünschen für Herrlich gibt es also eine zweite Botschaft aus der Brechtsstadt: “Jungs holt die Tabellenführung!”



Staatstheater

Premiere: Mietspiegel mit Gesang

Der Liederabend „Fliegende Bauten“ überzeugt als dritte Premiere am Staatstheater

Von Halrun Reinholz

Slapstick auf dem Amt: Fliegende Bauten könnte ein Publikumsrenner werden Foto © Jan-Pieter Fuhr

„Fliegende Neubauten“ – erst im Laufe des Abends erschließt sich dem Publikum, dass es tatsächlich um Wohnungen geht, um das „Zuhause“, wie Daniel Schreiber in einem Essay im Programmheft präzisiert: „Zuhause ist ein Dach über dem Kopf“. Der verbindende Strang der vier Darsteller auf der Bühne ist ein Amt, nicht gleich als Wohnungsamt (oder sowas ähnliches) erkennbar. Nacheinander trudeln vom Regen durchnässte Menschen ein, unterschiedliche Typen, sprechen nicht, ziehen eine Nummer, mustern einander. Diese Anfangsszene lebt mehr als alle anderen vom darstellerischen Können der Schauspieler. Gesprochen wird nicht, der komödiantische Effekt kommt durch gekonnten, nicht überzeichneten Slapstick.

Komödiantisch geht es auch weiter, immer mehr kommt Musik ins Spiel. Bekannte Songs von Heinz Erhard bis Peter Fox erscheinen (teilweise abgewandelt) mit Statements zum Wohnungsmarkt. Dabei geschieht auch mit den Protagonisten eine Verwandlung: Die „grauen Mäuschen“, die ohne viel Hoffnung ihre Formulare ausfüllen und am Schalter abgeben, verwandeln sich durch die Musik zu Persönlichkeiten, die ihre Träume leben: als dralle Meerjungfrau, Playboy-Häschen, Muskelmann oder gar mit Tutu über den Männerbeinen. Instrumente werden wie von Geisterhand in den Raum gereicht, das Ganze gipfelt schließlich in dem Song vom „Mietspiegel“ der Band MCNZI, der zur Freude des Premierenpublikums noch einmal als Zugabe gebracht wird.

Dass ein solcher Spannungsbogen von der Leistung der Darsteller getragen wird, ist selbstverständlich. Die drei Ensemblemitglieder Anatol Käbisch, Julius Kuhn und Paul Langemann werden dabei flankiert von Marina Lötschert als Gast. Als gebürtige Augsburgerin und freie Schauspielerin hat sie es, wie die Presse im Vorfeld verkündete, nach jahrelangen Versuchen endlich geschafft, einmal im Augsburger (Staats-)theater zu spielen. Damit scheint dieses Haus ein ehernes Gesetz durchbrochen zu haben, wonach aus Augsburg stammenden Schauspielern gar nicht erst die Chance gegeben wird, sich vor heimischem Publikum zu präsentieren. Marina Lötscherts bemerkenswertes komödiantisches Talent konnte allerdings die im Vergleich zu den Kollegen doch sehr Stütze vermissende Gesangsstimme nicht kompensieren, im Saal anwesende Fans zeigten jedoch ihre Verbundenheit.

Herausragend, sowohl darstellerisch als auch bei der  Gesangsperformance, erwies sich Anatol Käbisch mit seiner Metamorphose vom Durchschnitts-Anzugsträger zum silbernen Playboy-Häschen. Die musikalische „Leitung“ hatte der Münchner Musiker Enik inne, der als der „Büro-Mann“ vom Amt die Fäden zog.

Die Idee der thematischen Liederabende ruft sofort Assoziationen zu den legendären abendfüllenden Programmen von Franz Wittenbrink hervor. Ein Vergleich damit wäre bei dieser Produktion vermessen, dennoch hat die Regisseurin Elsa Vortisch gemeinsam mit ihrem Ausstatter-Team Veronika Bleffert und Julia Ströder einen vergnüglichen Theater- und Liederabend geschaffen, der das Zeug zum Publikumsrenner hat. Wegen der Infektionsschutzverordnung blieben bei der Premiere allerdings viele Plätze in der Brecht-Bühne am Gaswerk frei. Die Anwesenden versuchten dennoch, mit Applaus in den Beat von der Bühne einzufallen und die gebotene Stimmung zu verbreiten.