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Schätze der Staats- und Stadtbibliothek: Der schwäbische Brehm im Cimeliensaal

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg zeigt im Unteren Cimeliensaal in Kooperation mit dem Naturwissenschaftlichen Verein für Schwaben e.V. die Ausstellung “Leus Tierleben Naturkunde gelebt, geliebt, gemalt” vom Augsburger Forscher Johann Friedrich Leu (1808–1882). 

(c) Staats- und Stadtbibliothek Augsburg / Ursula Korber

Prächtige Vögel aus Augsburg, Schwaben und der Welt in großformatigen bunten Bildern, Skizzen und frühen Fotos, Fische, Amphibien, Reptilien und Säugetiere, gezeichnet, gemalt, gesammelt und in 96 Bänden (!) zusammengestellt vom Augsburger Kürschner und Tierforscher Johann Friedrich Leu (1808–1882) gehören zu den bemerkenswerten Zeitdokumenten der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg. Das imposante Werk entführt den Betrachter in die Biodiversität kurz vor dem Zeitalter der Industrialisierung, in die Zeit vor der beginnenden Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft, also in die Zeit vor den massiven Eingriffen in die damals weitgehend noch wild fließenden Gewässer etwa der Wertach und des Lechs.

Zu sehen ist das Best-of dieses nie veröffentlichten, einzigartigen Tierlebens des ‚schwäbischen Brehm‘ im 1893, also elf Jahre nach dem Tode Leus erbauten Unteren Cimeliensaal – geradezu prädestiniert für diese außergewöhnliche Präsentation eines in rastloser Arbeit entstandenen Lebenswerks, das fast komplett 1956 vom Naturwissenschaftlichen Verein zusammen mit der übrigen Vereinsbibliothek an die Stadt Augsburg übereignet wurde und nun zu den Schätzen der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg zu zählen ist. Viele der gezeigten Tiere, vor allem der Vögel, stammen aus der näheren Umgebung bzw. aus den europäischen Alpenregionen und waren von Leu wissenschaftlich erforscht und systematisiert worden.

Er beobachtete in den Lech-Auen Lachseeschwalben, Triele und Rotschenkel, die meist heute hier nicht mehr nachweisbar sind. Die letzte Präsentation der Bände fand im kleinen Kreis des Naturwissenschaftlichen Vereins Ende des 19. Jahrhunderts statt. Mit dieser längst fälligen erneuten Präsentation würdigt die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg das Lebenswerk eines bedeutenden schwäbischen Forschers, der bereits vor 150 Jahren Schutzgebiete für die Tierwelt forderte.

„Heute gibt es – Leu hätte seine Freude daran – an Lech und Wertach eine ganze Reihe von Schutzgebieten, die aufgrund ihrer europaweiten Bedeutung als Flora-Fauna-Habitate ausgewiesen sind. […] So ist diese Ausstellung über einen der frühen Naturschützer aus unserer Region für uns auch von doppelter Bedeutung.“, so der Bezirkstagspräsident von Schwaben, Martin Sailer, in seinem Grußwort im reich bebilderten Begleitbuch zur Ausstellung.

Kuratiert wird die Ausstellung von Renate Pfeuffer, Dr. Eberhard Pfeuffer und Dr. Karl-Georg Pfändtner. Näheres unter https://www.sustb-augsburg.de/leus-tierleben
Vom 16. September bis 6. November 2020. Von  Montag bis Freitag 11:00 Uhr bis 16:00 Uhr.
Der Eintritt ist frei!

Eine virtuelle Ausstellung ist in Vorbereitung. Sämtliche Bände der Leu’schen „Gesammelten Beiträge zur Naturgeschichte der Wirbelthiere“ wurden komplett digitalisiert und sind zur Ausstellung und danach dann auch vom mobilen Endgerät bzw. vom Computer am Schreibtisch kostenfrei durchblätterbar.

 



Aufruf zur humanitären Katastrophe auf Lesbos: “Wir haben Platz”

Trotz Sommerwetter folgten nach Angaben der Veranstalter mehrere Hundert Teilnehmer dem Aufruf zur Kundgebung des AK Lesbos und des Augsburger Flüchtlingsrates, um auf die unhaltbaren Zustände auf der griechischen Insel Lesbos nach dem Feuersturm in Moria  aufmerksam zu machen – und sofortige Nothilfe einzufordern. 

Bildquelle: Flüchtlingsrat / AK Lesbos

“Den Aufruf zur Kundgebung hatten in kürzester Zeit rund 25 zivilgesellschaftliche Organisationen und Gruppen unterzeichnet. Ähnlich vielfältig waren auch die Redebeiträge, die u.a. vom Augsburger Flüchtlingsrat, von zwei Stadträt*innen, vom Integrationsbeirat, von der GEW, vom Frauenstreik Augsburg, von Open Afro Aux und vom Bert-Brecht-Kreis kamen.” So der Pressetext des Flüchtlingsrats.

Deutsche Städte und Gemeinden, so der Tenor der Kundgebung, hätten schnell Hilfe angeboten und ihre Aufnahmebereitschaft kundgetan. Darunter auch die Stadt Augsburg. Dennoch laufe selbst die Katastrophenhilfe viel zu langsam an. Auf Lesbos sind Tausende nach wie vor obdachlos, verharren ohne Nahrungsmittel, ohne Zelte und Decken auf der Insel und werden von den griechischen Sicherheitsbehörden am Weiterziehen gehindert.

Maria Möller, als Ärztin für die Medical Volunteers International e.V.  vor einigen Monaten noch im Lager Moria tätig, beschreibt die Lage seit jeher als untragbar: „Man hätte viel früher schon helfen müssen. Die Menschen im Lager sind unterernährt, psychisch destabilisiert und ohne Perspektive. Jetzt kam noch Corona hinzu. Das war eine Desaster mit Ansage.“

Die von Innenminister Seehofer angekündigte Aufnahme von 100 bis 150 Minderjährigen nach Deutschland zeige auf, wie menschenfeindlich die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik in Bezug auf die Elendslager an den europäischen Außengrenzen inzwischen geworden sei. “Die Aufnahme von 400 Personen aus Griechenland in die Länder der Europäischen Union sind ein Armutszeugnis und nur geheuchelte europäische Solidarität”, wie es im Text weiter heißt.

„Europäische Länder feilschen um die Aufnahme weniger Hilfebedürftiger nach einer Brandkatastrophe. Das ist unwürdig. Es bedarf einer schnellen Katastrophenhilfe, der sofortigen Evakuierung aller Menschen aus dem Elendslager und ein Ende der Blockadehaltung zur kommunalen Flüchtlingsaufnahme“, so Corinna Höckesfeld vom AK Lesbos.

Viele Redebeiträge betonten den Willen der Stadt Augsburg zur Aufnahme, wenn es das Bundesinnenministerium denn zulassen würde. Stefan Wagner, Stadtrat der Grünen, hofft auf eine Bewegung, die dazu beitrage, Druck auf das Bundesinnenministerium auszuüben, damit dieses schließlich seine Blockadehaltung aufgebe. „Wir haben uns mit dem Augsburger Dreiklang verpflichtet, über die gesetzlich vorgeschriebenen Aufnahmekapazitäten Geflüchtete aufzunehmen“, so Wagner. Christine Wilhom, Stadträtin der Linken, kritisierte allerdings, dass das hilfslose Hilfsmanagement des Dreiklangs: „Es mag schön sein, wie er formuliert ist, aber ich merke vom Augsburger Dreiklang noch nichts.“ Sie mahnte an, dass man sich vehement dafür einsetzen müsste, dass sich Augsburg dem Bündnis sicherer Hafenstädte anschließt. 

Die Voraussetzungen zur Aufnahme sind geschaffen. „Augsburg hat das Wissen, die Kenntnisse und engagierte Freiwillige für die Flüchtlingsaufnahme“, so Gabriele Opas vom Freiwilligenzentrum.