DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

Die Stadt im Blick – Oktober | Kolumne von Leo Dietz

ANZEIGE 

„Die Stadt im Blick – Oktober“

Liebe Augsburgerinnen und Augsburger,

100 Millionen Euro für Augsburg! Dies ist eine stolze Summe, die uns unser Ministerpräsident Markus Söder bei seinem Besuch versprochen hat. Damit verbunden ist ein Technologieschub in Forschung und Entwicklung in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Wasserstofftechnologie und Künstliche Intelligenz. Die Stärken und Kompetenzen des Wirtschaftsstandort Augsburgs sollen mit dem Programm gestärkt werden, große und mittelständische Unternehmen können davon profitieren und eine Perspektive für die Bürgerinnen und Bürger geschaffen werden. Dies ist besonders in Zeiten von Corona ein wichtiges Zeichen, in der die Stadt mit geänderten finanziellen Rahmenbedingungen umzugehen hat und Streichungen von Arbeitsplätzen in Unternehmen angekündigt werden. Die Zusage der Investition in Augsburg ist ein klares Bekenntnis des Freistaats, um unsere Metropole langfristig zu unterstützen und zukunftsfähig gestalten zu können. Auch die Verlegung eines Teils des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr nach Augsburg ist ein weiteres Signal und bekräftigt, dass wir den Freistaat Bayern an unserer Seite wissen.

Zu einem zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort gehört ebenso die Schaffung von Wohnraum bzw. die Ausweisung von neuen Baugebieten. So geschehen im vergangenen Stadtrat für den Norden von Bergheim. In Gesprächen mit Wohnungs- und Grundstückssuchenden wird immer wieder deutlich, dass hier in Augsburg Handlungsbedarf besteht. Deswegen hat die CSU Fraktion der Siedlungserweiterung geschlossen zugestimmt. Bestärkt wurde die Entscheidung durch die Ergebnisse der Planerwerkstatt, die im Januar 2020 stattgefunden hat: keine maximale Bebauung, die Schaffung von Wohnraum unter Berücksichtigung von ökologischen Belangen sowie die Schaffung eines Mehrwerts für den Stadtteil Bergheim. Dies alles ist in den Planungen gegeben, so dass eine schönere Gestaltung des nördlichen Ortsrandes durch das Neubaugebiet für die Bergheimerinnen und Bergheimer umgesetzt werden kann.

Für uns als Volkspartei ist es von großer Bedeutung, dass das gesellschaftliche Leben der Bürgerinnen und Bürger in Zeiten von Corona in einem gewissen Rahmen ermöglicht und weitergeführt werden kann. Auf Anregung der Regierungspartner wurde deshalb der Augsburger “Stadtsommer 2020” bis Ende Oktober verlängert. Wir unterstützen zudem die neuen Planungen der Stadtverwaltung für ein Augsburger Winterkonzept mit Überzeugung. Oberstes Ziel ist hierbei die Einhaltung der Hygienevorschriften, Sicherheit und Ordnung, damit die im Sommer wiedergewonnenen Freiheiten der Augsburgerinnen und Augsburger auch in der kälteren Jahreszeit gewahrt werden. Hierbei ist unsere Devise alle Ideen, Aspekte und Chancen zu prüfen, denn wir wollen ermöglichen, was machbar ist und nicht verhindern.

Sie sehen: Wir haben wieder viele Themen auf unserer Agenda, die wir für Sie und mit Ihnen, liebe Augsburgerinnen und Augsburger, angehen und umsetzen möchten. Wir stehen geschlossen hinter den Ideen und Vorhaben und unterstützen die Stadtverwaltung mit den zuständigen Referenten mit Rat und Tat. Dafür arbeiten wir in der Fraktion, mit dem Koalitionspartner und dem Stadtrat eng zusammen und werden, wie immer, das große Ganze im Blick behalten.

Ihr Leo Dietz

CSU Fraktionsvorsitzender



Coronakrise: Unternehmen setzen positive Signale

Mit der Plattform #aufgehtsaugsburg setzt die IHK-Regionalversammlung Augsburg-Stadt in der Corona-Krise ein positives Zeichen.

Dutzende Unternehmen sind bereits dabei und berichten auf Social Media von ihrem Engagement, ihren Erfolgen und von besonderen Aktionen. „Wir geben den positiven Beispielen eine gemeinsame Plattform und zeigen, wie stark der Wirtschaftsstandort Augsburg ist“, so Dr. Markus Litpher, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Augsburg-Stadt.

Unter dem Hashtag #aufgehtsaugsburg teilen Augsburger Unternehmen in den sozialen Netzwerken LinkedIn und Facebook seit September ihre Erfolgsgeschichten. Zusammengekommen ist bereits jetzt eine bunte Themenmischung, die spannende Einblicke in den Wirtschaftsraum gibt: Während das eine Unternehmen einen Großauftrag vermeldet, feiern die anderen die Prämierung eines Produkts. Zwischen zwei Start-ups gibt es eine Kooperation. Und ein weiterer Betrieb zeigt stolz seine neuen Azubis. „Mit dieser Kampagne zeigen die Augsburger Unternehmer, dass sie zu ihrer Verantwortung in der Region stehen, dass sie in zukunfts- und wettbewerbsfähige Prozesse und Produkte investieren und damit erfolgreich sind”, sagt Andrea Pfundmeier, Vizepräsidentin der IHK Schwaben für die Stadt Augsburg.

Nach dem erfolgreichen Start soll die Initiative auch in den kommenden Monaten fortgeführt werden. IHK-Unternehmen aus Augsburg sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Unter dem Hashtag #aufgehtsaugsburg kann jedes Unternehmen auf den eigenen Kanälen selbst Aktionen und Ereignisse posten. Sie können Fotos und Texte auch direkt an das Redaktionsteam senden, das für die Beiträge auf den Kampagnen-Seiten bei Facebook und LinkedIn verantwortlich ist.

Die Beiträge zu #aufgehtsaugsburg finden Sie hier:

https://www.facebook.com/aufgehtsaugsburg

https://de.linkedin.com/showcase/aufgehtsaugsburg

Unternehmen, die sich beteiligen wollen, können sich an Jens Walter, IHK-Regionalgeschäftsführer für den Wirtschaftsraum Augsburg, Tel. 0821 3162-446, E-Mail: jens.walter@schwaben.ihk.de, wenden.

 



Coronavirus in Augsburg: 10 Neuinfektionen bestätigt

Das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg meldet zehn neue Covid-19-Fälle.

Fünf Neuinfektionen wurde bei Kontaktpersonen bestätigter Covid-19-Fälle festgestellt, zwei Neuinfektionen traten bei Reiserückkehrenden auf. Bei drei infizierten Personen ist die Infektionsquelle (noch) unbekannt. Aufgrund der ermittelten Fälle hat das Gesundheitsamt Quarantänemaßnahmen für eine Schulklasse in der Berufsschule II und Quarantänemaßnahmen für eine weitere Bildungseinrichtung veranlasst.

Insgesamt hat das Gesundheitsamt in Augsburg 1048 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt. 977 Personen gelten als genesen, 55 sind aktuell infiziert, 16 Personen sind verstorben.

In den vergangenen sieben Tagen wurden 48 Neuinfektionen im Stadtgebiet gemeldet. Das entspricht etwa 16,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen.



Kultur

Konzeptkunst: Die Erzählungen der Schattenfänger im Gaswerk zu Oberhausen

Im ehemaligen Portalgebäude beim Oberhauser Gaswerk fand kürzlich eine bemerkenswerte Kunstinstallation ihr Ende. Ein kleines aber unbescheidenes Werk mit dem Verweis auf prähistorische Götter- und Legendenbildungen, die sich nicht unterkriegen lassen – und in neuen Gewändern auftauchen.

Von Siegfried Zagler

Schatten-Schutzpatron Gasius © Susanne Thoma

Wenn es um nichts geht, dann geht es auch um alles, da bekanntermaßen aus dem Nichts alles kommt: Raum, Zeit, Materie, Sonnen, Planeten, die Erde und der Mensch. Bleiben wir also nicht wie üblich bescheiden, sondern beginnen wir mit Ernst Bloch, dem großen Philosophen und Sozial-Utopisten. Bloch erkannte, dass Menschen tagträumend sich in der Zukunft befindliche Zustände und Entwicklungen wünschen. Daraus lasse sich ableiten, so Bloch, dass die menschliche Existenz nichts Fertiges oder Abgeschlossenes habe.

Das Sein sei unfertig, wovon der Mensch aber wissen würde, weshalb er ständig im Diskurs mit seinem Umfeld nach Fortschritt strebe, nach Vollendung. Doch lassen wir Bloch selbst selbst zu Wort kommen:

“Der Mensch lebt noch überall in der Vorgeschichte, ja alles und jedes steht noch vor Erschaffung der Welt, als einer rechten. Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.”

Heimat ist bei Bloch selbstverständlich keine reaktionäre Blut- und Bodenkategorie, sondern eine Vision für die gesamte Menschheit. Voraussetzung dafür ist nicht nur reale Demokratie, sondern auch der Erkenntnisstand der Moderne. Heimat ist nichts Vererbtes, kein örtlicher Zuschnitt mit Grenzen, sondern etwas Erschaffbares, eine Utopie der menschlichen Vernunft.

Gasius – Historische Aufnahme – Bildquelle: privat

Anachronistische Weltbilder haben darin nichts zu suchen. Vorbei die Finsternis, als unsere Erde im Zentrum des Universums stand, als Achse des Sonnensystems, als Heimstatt der Götter. Und der Mensch dort stand, unwissend und furchtsam – im Zentrum von allem, gottbeäugt und geführt von einer allwissenden Macht. Götter hatten ihre Existenz ausschließlich dem hilflosen Menschen gewidmet, und sie betrachteten die Erdgeburt zwar argwöhnisch, ja eifersüchtig, aber sie neigten sich zu ihm, nicht nur zornig und drohend, sondern auch kümmernd und stets vorausschauend und planend.

Diese Zeiten sind nicht nur vergangen, sondern im Feuer der Aufklärung verbrannt. Zu Asche pulverisiert von den Newtons, Keplers, Kants, Feuerbachs und Einsteins. Längst sehen wir uns – von uns selbst entzaubert – verletzbar auf einem zerbrechlichen Planeten, der sich sinnlos in unendlichen Weiten selbst rotierend um “unsere” Sonne dreht.  Auf ihm, die Emporkömmlinge einer unkontrollierbaren Evolutionsmaschine, der Mensch, die Menschheit, “diese Quintessenz von Staub”, wie Shakespeare seinen Hamlet sagen lässt.

Wenn wunderts also, wenn der entzauberte Mensch – Aufklärung hin oder her – sich nicht so einfach aus der jahrtausendwährenden Struktur seiner Vorfahren verabschiedet und doch nicht alles unter die Knute der Vernunft und den Erkenntnisprozessen der Wissenschaften stellt!?

Wegen ein bisschen Astronomie, Physik, Chemie undsoweiter lässt man die Metaphern und die Versprechungen der Vergangenheit nicht einfach in den Orkus der Geschichte fahren, denn schließlich sind Menschen gern romantisch. Und was ist romantischer als die Vorstellung eines höheren Wesens – mit einem sinngebenden Plan?

Gott und Götter, Buddhas, Engel, Heilige, die Esoterik und selbstverständlich die Astrologie haben wieder Konjunktur, denn so ganz ohne höhere Ordnung wäre er, also der Mensch, tatsächlich auf sich selbst zurückgeworfen, verlassen und allein; und allein verantwortlich für sein Tun und Denken.

Lina Mann und Susanne Thoma (v.l.) © DAZ

Zoomen wir uns also zurück in die Ebenen der Legenden und der Brauchtümer. Nach Europa, Deutschland, Augsburg, vorbei am Perlach und dem prähistorischen Michaeliskult, nach Oberhausen, hinein ins 2001 stillgelegte Gaswerk, wo 85 lange Jahre aus Kohle industriell Gas gewonnen wurde und nun ein “Kreativzentrum” entstehen soll.

In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entstand dort der “Kult um Gasius”, ein Schattenwerk auf dem Wölbbassin des Teleskop-Gasbehälters, ein Schattengeist mit Krone und Flügeln, der von Mitarbeitern des Gaswerks entdeckt, fotografiert und augenzwinkernd zum Schutzpatron des Gaswerks erklärt wurde. Eine Kultfigur, entstanden aus einem Lichtschatten, aus Energie, die die Sonne aus 150 Millionen Kilometern Entfernung in acht Minuten und neunzehn Sekunden auf die Erde “schickt”. Licht ist Energie, ohne die unser Planet eine “nackerte Kugel” wäre, wie es Herbert Achternbusch so poetisch sagte.

Im Gaswerk verfängt sich das Sonnenlicht im Gewirr der Wendeltreppen und wirft auf das riesige Wölbbassin des Telekop-Gasbehälters ein nicht minder riesiges Schattenbild, eine Zufallsprojektion, die so nur an wenigen Tagen im Mai zu sehen ist. Dann verzerrt sich das Bildnis und verschwindet für ein ganzes Jahr wieder zurück in das Nichts, woher, wie eingangs ja bereits erwähnt, alles herkommt und in das auch alles wieder verschwindet – wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Die flüchtige Schattengestalt wurde von ihren Entdeckern “Gasius” genannt. Und im Lauf der Jahre entwickelte Gasius in den Hirnen der Gaswerksmitarbeiter ein Eigenleben, ein Erzählwerk mit sprichwörtlicher Referenz, wie der ehemalige Gaswerker Oliver Frühschütz erzählt: “Glück gehabt, dass der Heilige Gasius aufgepasst hat”, so sei ein Beinahe-Arbeitsunfall im Gaswerk kommentiert worden. Die Gasius-Legende wäre wohl zusammen mit den letzten 25 Mitarbeitern nach der Stilllegung aus dem Gaswerk und der Welt verschwunden, hätten sich nicht ehemalige Gaswerker aufgemacht, einen Verein zu gründen (“Gaswerksfreunde e.V.”), der sich um den Erhalt des Gaswerks und der Gasius-Legende kümmert.

© DAZ

Vier Künstlerinnen ließen sich davon inspirieren und gründeten das “Kunst-Kabinett” beim Gaswerk: Susanne Thoma, Sigrun Lenk, Stefanie Kraut und Hanna Petermann. Ein Raum, das “Gasius Worx Stadt Labor”, steht ihnen im Portalgebäude für monatlich wechselnde Ausstellungen zur Verfügung. Die Künstlerinnen wollen im Tandem arbeiten, und dabei im Sinne von Ernst Bloch Beiträge zur wirksamen Definition eines neuen Ortes, einer neuen Welt leisten: “So entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.”

Susanne Thoma machte den Anfang und konnte als Partnerin die Theologin und Inklusionsexpertin Lina Mann gewinnen. “Inklusionsprojekt Gasius” nannten sie ihren Konzeptkunst-Beitrag zum “Gasius Worx Stadt Labor”: Eine Installation, die auch für Nichtsehende “sichtbar”, besser: erfahrbar gemacht wurde. Ein Video zeigte die Bildung des Gasius-Schattens im Zeitraffer. Dazu erzählt Gasius vom Band als Ich-Erzähler seine Geschichte. Das Projekt ging kürzlich zu Ende und es begeisterte Sehende und Nichtsehende, die im Kunst-Kabinett einen Gasius-Flügel ertasten konnten und den Aufbau der beiden Thoma-Bilder erzählt bekamen. Corona-bedingt ein kleines Projekt mit der Aura von starker Kunst, die das Unsichtbare sichtbar macht, nicht nur für Blinde, sondern auch für die Augen der Sehenden, die gewöhnlich nichts sehen.

 



Coronavirus in Augsburg: Drei Neuinfektionen bestätigt

Das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg meldet drei neue Covid-19-Fälle. Eine Neuinfektion wurde bei einer Kontaktperson eines bestätigten Covid-19-Falls festgestellt. Bei zwei infizierten Personen ist die Infektionsquelle (noch) unbekannt.

Aufgrund der ermittelten Fälle hat das Gesundheitsamt für eine Schulklasse der Berufsschule IV Quarantänemaßnahmen veranlasst. Insgesamt hat das Gesundheitsamt in Augsburg 1038 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt. 969 Personen gelten als genesen, 53 sind aktuell infiziert, 16 Personen sind verstorben.

In den vergangenen sieben Tagen wurden 42 Neuinfektionen im Stadtgebiet gemeldet. Das entspricht etwa 14,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen.

Weitere Informationen unter www.augsburg.de/fallzahlen.



Kulturtermine / Öffnungszeiten: Stabi bald wieder mit normalen Öffnungszeiten

Staats- und Stadtbibliothek: Langsame Rückkehr in die Normalität?

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg wird voraussichtlich ab dem 1. Oktober 2020 die normalerweise üblichen Öffnungszeiten anbieten können:
Informationsbereich: Mo-Fr 10:00-17:00 Uhr
Lesesaal: Mo-Fr 10:00-17:30 Uhr.

Weiterhin sind die Lesesaalplätze auf fünf begrenzt und können nur nach vorheriger Anmeldung (info@sustb-augsburg.de oder Tel. 0821 71013-2739) vergeben werden.



Gekonnter Saitenwechsel: Das erste Sinfoniekonzert im Kongress am Park

Wandelbar und flexibel – das muss der Kulturbetrieb derzeit vor allem sein, um den Corona-Auflagen zu genügen.  Die Abstandsregeln bei Orchestermusikern beeinflussen die Wahl des Repertoires. Statt Rachmaninoff wurde deshalb im ersten Sinfoniekonzert ein Alternativprogramm angesetzt, das mit weniger Musikern auskommt. Was blieb, war der Artist in Residence dieser neuen Spielzeit, der Pianist Evgeny Konnov, der sich dem Augsburger Publikum erstmals in dieser Eigenschaft vorstellte.

Von Halrun Reinholz

Evgeny Konnov © Alexander Yarmak

Flexibilität erfordert auch die Terminplanung: Die beiden üblichen Konzerttermine am Montag und Dienstag waren schnell ausgebucht, deshalb gab es zwei weitere Termine für die jeweils zugelassenen 200 Personen, die den Kongress-Saal nicht nur optisch, sondern auch akustisch etwas leer wirken lassen.

Dessen ungeachtet hatte der GMD und Leiter dieses ersten Konzerts Domonkos Héja ein attraktives, durchaus nicht alltägliches Programm zusammengestellt, das sich um das für Konnov vorgesehene 1. Klavierkonzert von Tschaikowsky rankte und ohne Pause auskommen musste. Als Einleitung die Sinfonie aus „La Serva Padrona“ von Giovanni Paisiello. Das Libretto hatte zunächst Pergolesi vertont, bei Paisiello tritt der leichtfüßige Buffo-Charakter mehr in den Vordergrund.

Dann betrat der Pianist die Bühne – keine 30 Jahre alt, 2019 Augsburger Kunstförderpreisträger. Nach Augsburg kam er, um bei Evgenia Rubinova am LMZ zu studieren. Davor war er bereits in Moskau und Düsseldorf ausgebildet worden. Tschaikowski liegt ihm sozusagen in der DNA, was er dem Augsburger Konzertpublikum schnörkellos und ohne Scheu vor einem sehr bekannten Klavierwerk bewies.

Den begeisterten Applaus des Publikums belohnte er mit zwei sehr unterschiedlichen Zugaben: einer Adaption nach Michael Jackson und der Carmen-Fantasie von Vladimir Horowitz. Mit der Orchestersuite „Der Bürger als Edelmann“ von Richard Strauss fand das Konzert seinen heiter-ironischen Ausklang.

Mit sichtlicher Freude am Detail dirigierte Domonkos Héja dieses Werk, in dem der Komponist lautmalerisch den Parvenu karikiert, einen ungelenken Tanzkurs und sogar eine komplette Speisekarte vertont. – Auch für die kommenden Sinfoniekonzerte sind jeweils vier Termine angesetzt. Doch bei der gegenwärtigen Höchstbesetzung im Saal sind sie weit davon entfernt, die Nachfrage des kulturhungrigen Konzertpublikums zu befriedigen. Wann es wieder Normalität geben wird, steht in den Sternen. Mit dem Opfer der Mehrbelastung bringen die Sinfoniker einen Lichtblick, den die Besucher sichtlich zu schätzen wissen. 



Staatstheater

Irrwitz als Realität

Das Staatstheater Augsburg zeigt Dürrenmatts Komödie „Die Physiker“ im Martinipark

Von Halrun Reinholz

Foto: Jan-Pieter Fuhr

Ausgewählte Besucher werden von der freundlichen Oberschwester Marta Boll (als solche stellt sie sich vor) im Foyer des Martiniparks empfangen und durch das Haus geführt: „Park Martini“ wird als ein „ehemaliges Theater“ präsentiert, das gerade zum Sanatorium umgebaut wird. Orchester-Probenräume seien erhalten geblieben, um den Patienten „ein Gefühl von Normalität“ zu geben, „therapeutisches Musizieren“ gehöre zum Behandlungskanon der renommierten Heilstätte. Schließlich landet man im „Physikertrakt“, kann einen Blick in die Zimmer der drei Patienten Beutler („Newton“), Ernesti („Einstein“) und Möbius werfen, die „manchmal etwas scheu“ sind und nicht angesprochen werden wollen. 

Zwischendurch selbstverständlich die Anweisung, sich die Hände zu desinfizieren und der Hinweis, dass beim Gehen eine bestimmte Richtung eingehalten werden muss. Und schon ist man, bevor man überhaupt seinen Platz eingenommen hat, mittendrin im Geschehen. 

Dürrenmatts Komödie „Die Physiker“, deren Handlungsort eine Irrenanstalt ist, bietet von Haus aus eine gute Portion Skurrilität. Antje Thoms greift diese Steilvorlage in ihrer Inszenierung auf und überspitzt sie, indem die (durchaus irrwitzig anmutenden) Corona-Hygieneregeln, die für die Darsteller gelten, in den Tagesablauf der Irrenanstalt integriert werden. Alle Akteure tragen Masken – transparente Plastikschilde zumeist, was zumindest freie Sicht auf die Mimik erlaubt, und gehen sich pausenlos ängstlich (und in der vorgeschriebenen Laufrichtung) aus dem Weg. Der Mindestabstand wird zelebriert, Patient „Newton“ hat sogar einen Zollstock dabei, mit dem er die Mitmenschen auf Distanz hält, und der ihm gleichzeitig als „Steckenpferd“ dient – „Hü, Axiom“. Permanent werden Hände desinfiziert oder gewaschen, vorschriftsmäßig singen alle dabei im Chor zweimal „Happy Birthday“. Die Irrenanstalt, wo Morde einfach nur „Unglücksfälle“ sind, ist eine eigene Welt, da sind solche Rituale Teil der Realität, wie der im Desinfektionskasten versteckte Cognac.

Dürrenmatts Stück um die Verantwortung des Wissenschaftlers für die Folgen seiner Forschungen wurde 1962 uraufgeführt und hat nichts von seiner Aktualität verloren. „Was einmal gedacht worden ist, kann nicht mehr zurückgenommen werden“ gilt angesichts der unübersichtlichen Komplexität der Welt mehr denn je. Vor den schrecklichen Folgen des „Zu-Ende-Gedachten“ flüchtet sich der Wissenschaftler Möbius (sehr überzeugend: Sebastian Müller-Stahl) freiwillig ins Irrenhaus, nicht ahnend, dass sein Geheimnis längst keins mehr ist und die vermeintlichen Mitpatienten „Newton“ (Gerald Fiedler) und „Einstein“ (Klaus Müller) für ihre jeweiligen Geheimdienste auf ihn angesetzt sind. 

Thoms inszeniert bewusst komödiantisch, bis hin zu Slapstick-Effekten. Manches wirkt überzeichnet – etwa die verfremdete Sprache, vor allem der Ärztin Mathilde von Zahnd (Ute Fiedler), die sich in einem manierierten Stotter-Stakkato ständig wiederholt. Auch das Boxer-Gehabe der Pfleger ist des Guten zu viel. Der an sich witzige Einfall, Wörter aus dem Text sozusagen als „Stichwort“ für ein Lied (wechselnden Genres, vom Volkslied bis zum Schlager) aufzugreifen, das dann ohne jeden weiteren Kontext a capella geträllert wird, zieht sich auch durch die ganze Inszenierung und wirkt irgendwann etwas abgegriffen.  

In einer Szene kommt der Musik zentrale Bedeutung zu, als Möbius von seiner Familie Abschied nimmt und dem Frust darüber in einer dichten Rock-Nummer (begleitet von den beiden Mit-Physikern) Ausdruck verleiht. Gleichsam als Kontrast zum braven Geflöte der Möbius-Kinder davor.

Das manierierte Agieren fordert die Einzelleistung der Darstellerinnen und Darsteller heraus und stellt sie jeweils in den Fokus des Handelns. Kongenial zu Möbius die großartige Präsenz der beiden Physiker-Kollegen (Gerald Fiedler und Klaus Müller), aber auch die Schwestern (Elif Esmen als Oberschwester Marta und Jenny Langner als Schwester Monika, beide neu im Ensemble) überzeugen durch Leichtigkeit und Esprit – letztere auch in der Rolle der Frau Missionar Rose, Ex-Gattin von Möbius. Kriminalinspektor Voß (Andrej Kaminsky) wandelt sich vom gewissenhaften Ermittler zum schikanösen Quäler seines Untergebenen mit „Ist-doch-alles-wurscht“-Gehabe. Patrick Rupar zeigt Wandlungsfähigkeit als Polizist, Oberpfleger und Missionar. Die immer präsente Hauptperson ist jedoch „Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd“, souverän von der unglaublich vielseitigen Ute Fiedler verkörpert. Als mädchenhafte „alte Jungfrau“ gibt sie zunächst die sich vermeintlich um ihre Patienten sorgende verständnisvolle Psychiaterin, um sich schließlich im schwarzen Leder-Look  als Chefin eines „Trusts“ zu outen, der die Erkenntnisse von Möbius längst umsetzt. „Ihr wart bestimmbar wie Automaten und habt getötet wie Henker“, ist ihr zynisches Fazit.

Eine runde, witzige Inszenierung mit lokalen Anspielungen („er war Pfarrer in Adelsried“), die sich zuweilen aber gerade darin selbst gefällt und dadurch an Stringenz einbüßt.

P.S.: Beim Rundgang durch das neue Sanatorium „Park Martini“ bekommen die Besucher auch einen Werbeflyer überreicht („Individuell. Respektvoll. Wirksam“). Das Sanatorium befinde sich in einer Landschaft mit „Sehenswürdigkeiten in bezaubernden historischen Städten, charaktervollen Landschaften und dem prachtvoll sanierten Staatstheater Augsburg.“ 



FCA: Tabellenführer nach dem 2:0 gegen Dortmund

In seinem zehnten Bundesligajahr gelingen den Augsburgern zum Saisonauftakt erstmals zwei Siege in Folge. Dem 3:1 Auswärtssieg bei den Eisernen in Berlin folgte ein 2:0 Heimsieg gegen den haushohen Favoriten aus Dortmund, der den FCA zumindest für eine Nacht an die Tabellenspitze hievte und ihn von ganz oben auf seine Mitkonkurrenten herabschauen lässt.

Von Udo Legner

Abgesehen von einer Änderung in der Startelf – für Ruben Vargas lief Andre Hahn auf – vertraute FCA-Coach Heiko Herrlich der gegen Union Berlin siegreichen Formation. Erstmals nach sieben Monaten waren in der WWK Arena wieder Fans zugelassen, die, auch wenn deren Zahl auf 6.000 beschränkt war, den Augsburgern Auftrieb gaben, was nach dem Spiel von Heiko Herrlich entsprechend gewürdigt wurde: „Das Publikum hat uns heute getragen, das hat Kräfte freigesetzt.”

Imposanter Start der Borussia

Von Beginn an bestimmte der BVB das Spielgeschehen und drängte die Augsburger in die Defensive. Jude Bellingham (4.) sorgte für den ersten Torschuss der Dortmunder. Wenig später wurde es für FCA Keeper Gikiewicz schon brenzliger (6.), doch auch Witsels Torschuss aus 20 Meter wurde von ihm pariert. Das Kombinationsspiel des BVB gewann in den folgenden Minuten immer mehr an Sicherheit: Nach feinem Doppelpass von Sancho und Haaland (11.) hatte Sancho die Chance zum Führungstreffer, brachte aber nicht den nötigen Druck hinter seinen Schuss. Die tief stehende Defensive des FCA leistete sich in der ersten Viertelstunde zwar kaum Fehler, schaffte es aber auch nach Balleroberung nicht ein Konterspiel aufzuziehen. Die einseitige Bilanz der ersten 25 Minuten: 75 Prozent Ballbesitz für den BVB!

In der 27. Minute eine erste Halbchance für den FCA, die einem Patzer des Dortmunder Keepers Bürki geschuldet war. Meuniers riskanter Rückpass konnte vom Schweizer Nationaltorwart nicht kontrolliert werden, doch Niederlechner konnte aus diesem Missverständnis kein Kapital schlagen, weil der Winkel bei seinem Torschuss zu spitz war. In der Folge behielten die Dortmunder ein optisches Übergewicht, kamen gegen die aggressive Abwehr der Augsburger jedoch kaum zu klaren Torchancen.

Farbe ins Spiel brachte in dieser Phase der Unparteiische Martin Petersen, der erst Gregoritsch, dann Khedira (30.) und dann Haaland (31.) sowie Gouwelleuw (31.) Gelb zeigte. Auch im weiteren Verlauf ließen Fouls hüben wie drüben wenig Spielfluss aufkommen. Ein Foul von Can an Gregoritsch (40.) war es schliesslich, das dem FCA eine vielversprechende und folgenschwere Freistoßmöglichkeit verschaffte.

Ein Schuss, ein Tor

Der für seine gefährlichen Freistöße bekannte Daniel Caligiuri, der im Sommer von Schalke nach Augsburg gekommen war, zirkelte den Ball so präzise vor das Dortmunder Tor, dass Bürki düpiert wurde und gegen den Kopfball von Felix Uduokhai (40.) keine Chance hatte. Der FCA rettete die überraschende Führung gegen die einfallslose Dortmunder Offensive ohne größere Probleme in die Pause.

Fazit zur Halbzeit: Dank einer hochkonzentrierten Defensivleistung ging es für den FCA trotz der klaren Dortmunder Feldhoheit und eines Torschußverhältnisses (1:8) wie es negativer kaum ausfallen konnte, paradoxerweise nicht einmal ganz unverdient mit einer 1:0 Führung in die Pause.

Momentaufnahme: Auch wenn Bayern heute in Hoffenheim gewinnen sollte, bliebe der FCA für eine Woche auf Platz 2

In vielerlei Hinsicht waren die zweiten 45 Minuten ein Spiegelbild der ersten Halbzeit, zu der beide Teams unverändert aus der Kabine gekommen waren. Der BVB ergriff sofort die Initiative und es dauerte gerade mal zwei Minuten bis Haaland nach einer präzisen Flanke auf Can ein erstes Ausrufenzeichen setzte, dessen Kopfball nur knapp über die Latte strich. Die Borussia belagerte weiterhin die Augsburger Hälfte, doch das Augsburger Bollwerk hielt, nicht zuletzt weil den Dortmunder Angriffsbemühungen trotz des optischen Übergewichts jedes Überraschungsmoment fehlte.

Im Gegensatz zur ersten Häfte gelangen dem FCA jetzt einzelne Entlastungsangriffe: Gregoritsch (51.)und Niederlechner (52.) machten den Anfang.

Dritter Schuss, zweites Tor

Nur zwei Minuten später nutzte Caligiuri einen herrlichen Heber von Niederlechner, gab seinem Bewacher Meunier das Nachsehen und schob den Ball aus 11 Metern an dem chancenlosen BVB-Keeper Bürki vorbei zur sensationellen 2:0 Führung (54.) für den FCA.

Dortmunds Coach Lucien Favre reagierte und brachte mit Julian Brandt und Marco Reus zwei Nationalspieler (60.). Dass auch diese Wechsel wenig brachten, lag vor allem an der der weiterhin mit großem Einsatz kämpfenden Augsburger Defensivabteilung und nicht zuletzt an FCA-Keeper Ginkiewicz, der der Abwehr die nötige Sicherheit gab.

In der Schlussphase wurde es noch einmal dramatisch: Erst parierte Ginkiewicz mit dem Fuß Mats Hummels Schuss aus 11 Metern (85.) und kurz darauf (90.) spektakulär gegen Haaland, der von Sancho schön freigespielt worden war. In der letzten Minute der Nachspielzeit hatte der für Niederlechner eingewechselte Finnbogason sogar die Chance zum 3:0 (90. +5), wurde aber nach feinem Zuspiel von Iago zu weit abgedrängt. So blieb es beim grandiosen 2:0 Heimsieg des FCA gegen den Vizemeister aus Dortmund. FCA-Trainer Herrlich, dessen Wunsch (“Wenn die Schlagzeilen morgen wären: Spielerische Armut, Standardsituation für uns, dann bin ich zufrieden”) über alle Maße in Erfüllung ging, hatte alles richtig gemacht, obwohl man es zu Beginn kaum glauben konnte, dass der erneut träge wirkende Gregoritsch wieder in der Startelf stand.

Am nächsten Spieltag geht es für den FCA nach Wolfsburg (Sonntag, 15.30 Uhr). Nach dem effektiven Auftritt der Augsburger gegen Berlin und Dortmund ist es keineswegs ausgeschlossen, dass der Bilderbuchstart des FCA in seine zehnte Bundesligasaison dort seine Fortsetzung findet.

FC Augsburg:

Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Gruezo, Khedira – Caligiuri, Gregoritsch, Hahn – Niederlechner Fredrik Jensen (57. für Michael Gregoritsch) Alfred Finnbogason (62. für Florian Niederlechner) Marek Suchý (90.+1 für Carlos Gruezo) Tobias Strobl (90. +2 für André Hahn).



Verwaltung: Referat für Kultur, Welterbe und Sport zieht um

Das Referat für Kultur, Welterbe und Sport zieht um und ist deshalb ab Dienstag, 29. September 2020, nur eingeschränkt erreichbar

Das Referat für Kultur, Welterbe und Sport zieht von seinem bisherigen Domizil im Verwaltungsgebäude I am Rathausplatz in neue Räume in der Karolinenstr. 17 um.

Die Umzugsarbeiten beginnen am Dienstag, 29. September, und dauern bis einschließlich Donnerstag, 1. Oktober. In dieser Zeit ist das Referat nur eingeschränkt erreichbar: In dringenden Fällen ist die telefonische Erreichbarkeit am 29. und 30. September unter der Rufnummer 0821 324-3257, am 1. Oktober über die Rufnummer 0821 324-2111 sichergestellt. Bürgerinnen und Bürger werden um Verständnis gebeten. – Die zum Referat gehörigen Dienststellen sind von den Einschränkungen nicht betroffen.