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Coronavirus in Augsburg: 19 Neuinfektionen bestätigt

Das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg meldet 19 neue Covid-19-Fälle.

Acht Neuinfektionen wurden bei Reiserückkehrenden festgestellt: Als Infektionsorte wurden Kroatien (drei Fälle) sowie der Kosovo, die Türkei, Griechenland, Bosnien und Rumänien (je ein Fall) ermittelt. Zudem wurden mehrere Augsburger Kontaktpersonen bestätigter Covid-19-Fälle positiv getestet. Bei einer infizierten Person ist der Infektionsort noch unbekannt.

Insgesamt hat das Gesundheitsamt in Augsburg 776 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt. 665 Personen sind genesen, 95 sind aktuell erkrankt, 16 Personen sind verstorben.

In den vergangenen sieben Tagen wurden 71 Neuinfektionen im Stadtgebiet gemeldet. Das entspricht etwa 23,8 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen.



Kino in Zeiten von Corona

Abgesagte Festivals, verschobene Filmstarts, geschlossene Häuser. Keine Frage: Das Kino steckt in seiner größten Krise.

In den folgenden Wochen nimmt sich DAZ-Autor Udo Legner der brachliegenden Kinobranche an. Er untersucht, ob sich die Kinobetreiber mit Kino unter freiem Himmel – mit Open Air oder Autokino – Luft verschaffen können. Legner berichtet von Festivals, die fast völlig ins Wasser fielen. Aber auch von Festivals, wie dem Fünf Seen Festival, das allen Unkenrufen und Wetterfröschen zum Trotz Hoffnung macht, dass die Filmkunst auch diese Krise übersteht.



GESELLSCHAFT

Rassismus als Alltagserfahrung

Wenn man in Augsburg und anderswo in Sachen Rassismus einen sensiblen inneren Seismographen entwickelt hat, dann wohl deshalb, weil man schwarz sozialisiert ist. Wenn man zur weißen Mehrheitsgesellschaft gehört, dann muss man davon ausgehen, dass man für eine Rassismus-Seismologie nicht besonders empfänglich ist. Empfindsamkeit in Sachen Rassismus ist ein langer Prozess. Davon wissen die Gründer von “Open Afro Aux” zu erzählen.

Von Siegfried Zagler

Open Afro Aux: Janet Habtemariam, Johanna Kidane, Isabella Hans, Cynthia Udoh, Jessica-Believe Djigbondi Amesse, Saliu Bah, Wayene Tewlde, Fabienne Molela (v.l.) © DAZ

“Jim Knopf habe ich als Kind immer geliebt, an der Figur und an der Geschichte konnte ich damals nichts Rassistisches finden”, sagt Fabienne Molela. “Ja, ich auch – aber was die Stadt aus der Figur am Roten Tor-Spielplatz gemacht hat, ist durch und durch rassistisch. Die schwulstigen Lippen entsprechen nicht dem Orginal, wohl aber einem rassistischen Stereotyp”, erwidert Saliu Bah und findet damit ungeteilte Zustimmung bei allen von Open Afro Aux, eine Gruppe, die sich jeden Freitagabend trifft, um sich auszutauschen und Aktivitäten zu planen.

Einige kannten sich bereits vorher, doch nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd kam eine politische Dynamik in die Gruppe, die sich konstituiert hat, um sich beharrlich und mit mikroskopischer Genauigkeit gegen Rassismus in Augsburg zu engagieren. Man werde politisch agieren, aber parteiübergreifend. “Rassismus gibt es überall, weshalb man natürlich über die Stadtmauern hinaus vernetzt und organisiert ist, aber die Stadt Augsburg ist unsere Nummer eins”, so Isabella Hans.

Alle sind in Augsburg geboren und aufgewachsen, die meisten sind Studenten, einige arbeiten in sozialen Berufen. Sie sind alle in etwa gleich jung und sie verbindet etwas, das man nicht wie eine ausgelaugte Identität ablegen oder mittels sozialem Aufstieg überwinden könnte: Sie sind schwarz und besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit.

“Wir haben eine Rolle, die wir nicht wechseln können, also müssen wir hier klarkommen und dem Negativen entgegenwirken”, sagt Fabienne Molela, “denn schließlich geht es bei Open Afro Aux auch um uns selbst”. Ob man sich denn als Opfer gesellschaftlicher Verhältnisse sehe – in einer Opferrolle?

Das Nein zu dieser DAZ-Frage kommt nicht entschieden, aber es kommt, obwohl alle rassistische Übergriffserfahrungen kennen. “Wir treffen uns auch, um rassistische Alltagserfahrungen auszutauschen”, sagt die Gruppe beinahe im Chor. “Schwarze sind meist coole Musiker, Comedians, Sportler oder Schauspieler, das ist deine Sicht, also eine weiße Sicht auf uns. Uns ist schon klar, dass in deiner Welt Schwarzsein Coolsein bedeutet, doch für uns sieht das anders aus.”

Damit meint Saliu Bah das Framing der weißen Mehrheitsgesellschaft. “Der Horizont, der uns mitgegeben wird, was von uns erwartet wird, ist eher flach,” so Bah, der erzählt, dass man sich in der Schule darüber wunderte, dass er so gute Noten habe, wo er doch (…) . Er spricht den Satz nicht zu Ende, sieht kurz zur Decke und sagt: “Meine Mutter ist weiß, als ich es ihr erklärte, verstand sie es nicht.”

“Meine Mutter ist schwarz, auch sie verstand es nicht, weil sie nicht in Europa aufgewachsen ist”, erwidert Isabella Hans und lacht. Es gehe darum, dass die Geschichte Europas zum Beispiel nur aus einer Perspektive erzählt wird und es kein multiperspektivisches historisches Narrativ gibt. Das N-Wort und das M-Wort komme zum Beispiel aus der Erzählperspektive der weißen Mehrheitsgesellschaft und habe selbstverständlich eine rassistische Konnotation.

Jeder in der Gruppe hat Erfahrungen der Herablassung und Ächtung im Zusammenhang mit diesen Fremdzuschreibungen gemacht, weshalb es sogar so ist, dass man getriggert werde, wenn man sie unvermittelt auch hier in der Gruppe höre, “selbst wenn es nur Zitate sind”. – “Ich hatte Phasen, da stand ich immer auf Hab acht”, so Janet Habtemariam.

Jim Knopf: Orginal und rassistische Replikation © DAZ

In Augsburg ist Rassismuskritik nach einer langen Wirkzeit angekommen. Das Drei M***** wird umbenannt – auch wegen der Black Lives Matter-Bewegung. Die Geschichte der Fugger und Welser bekommt nach einer Kritik-Kanonade am Fugger Welser Erlebnismuseum wohl eine zweite Erzählperspektive, woran gerade gearbeitet wird. Sie seien auch gefragt worden, ob sie daran mitarbeiten wollen. Sie wollen. In Kürze wird es in Augsburg eine Antidiskriminierungsbeauftragte geben. Beschlossen wurde diese Stelle bereits vor einem Jahr.

Angesprochen auf das Facebook-M*****kopf-Posting der Kreisvorsitzenden der Freien Wähler, gibt es bei Open Afro Aux keine zwei Meinungen darüber, dass dieses Posting rassistisch sei, weshalb Frau Lippert aber noch keine Rassistin sein müsse. Dabei verhalte es sich wie beim Gebrauch der N und M Wörter. “Wenn man sie weiterhin benutzt, obwohl man ihren rassistischen Hintergrund kennt, dann ist man auch Rassist”, sagt Fabienne Molela.

Konkrete Kontakte gibt es bereits mit der Fraktion der Grünen und auch mit den Jusos habe man bereits gesprochen. Mit Open Afro Aux kann man über ihre Facebookseite in Kontakt treten. Allen Fraktionen im Stadtrat sei dies an dieser Stelle empfohlen.

 



Coronavirus in Augsburg: 9 Neuinfektionen bestätigt

Das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg meldete am gestrigen Freitag, den 28. 8. 2020. 9 neu, neun Covid-19-Fälle.

Sieben Neuinfektionen wurden bei Reiserückkehrenden festgestellt: Als Infektionsorte wurden Kroatien (vier Fälle) sowie Bosnien und Herzegowina, der Kosovo und Italien (je ein Fall) ermittelt. Zudem wurden zwei Augsburger Kontaktpersonen als Covid-19-Fälle positiv getestet.

Insgesamt hat das Gesundheitsamt in Augsburg 757 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt. 637 Personen sind genesen, 104 sind aktuell erkrankt, 16 Personen sind verstorben. In den vergangenen sieben Tagen wurden 88 Neuinfektionen im Stadtgebiet gemeldet. Das entspricht etwa 29,5 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Die nächste Fallmeldung folgt voraussichtlich am Montag, 31. August.



Gaswerk: Stadtwerke kündigen Neubau für Bands und Musiker an

Knapp 2000 Quadratmeter Fläche soll für Kunst und Kreativwirtschaft laut Stadtwerke bis Ende 2021 entwickelt werden. 

Gaswerk-Gelände in Oberhausen – Foto: swa / Thomas Hosemann

Mit einem Neubau schaffen die Stadtwerke Augsburg (swa) bis Ende 2021 auf dem Gaswerkareal weitere knapp 2.000 Quadratmeter Fläche für Bands und Musiker vom Reese-Areal. Mit dem Bau wird voraussichtlich im Herbst begonnen. Parallel wird bis Herbst 2022 das Reinigergebäude für Start-Ups und Unternehmen der Kreativwirtschaft saniert.

Seit 2016 entwickeln die swa als Eigentümer zusammen mit der Stadt Augsburg das europaweit einzigartige denkmalgeschützte Industrieensemble zu einem Zentrum für Kunst und Kreativwirtschaft. Das Gaswerk bietet aktuell auf mehr als 2.500 Quadratmetern geförderte Kulturflächen. Dort gehen einst auf dem Reese-Areal beheimatete Kunst- und Musikschaffende ihren vielfältigen kreativen Tätigkeiten nach. Zudem sind im vergangenen Jahr das Staatstheater mit der Brechtbühne, erste Unternehmen der Kreativwirtschaft sowie die Gastronomie im Ofenhaus auf das Gelände gezogen.

Mit Konzerten und dem Modular-Festival hat sich das Gaswerk im vergangenen Jahr auch bereits als Festivalstandort bewährt. Mit dem Neubau können Ende 2021 die restlichen Mieter vom Reese-Gelände aufs Gaswerk ziehen. Dann werden insgesamt rund 120 Einheiten für Künstler und Musiker zu preiswerten Mieten auf dem Gaswerk entstanden sein.

„Das ist ein weiterer Meilenstein auf unserem Weg, das Gaswerk zum Kreativquartier und Kulturhotspot der Region zu entwickeln“, so swa-Geschäftsführer Alfred Müllner. Die Künstler seien auf dem Gelände ein wichtiger Teil des einzigartigen Gaswerk-Ökosystems und prägten das Areal ganz entscheidend mit, so Müllner in einer Presseerklärung der Stadtwerke.

In dem Neubau im Bereich der ehemaligen „Westlichen Werkstätten“ entstehen auf die Bedürfnisse der Bands und Musiker abgestimmte Räume. „Das bietet optimale Bedingungen zu einem günstigen Mietpreis“, so Müllner weiter.

Damit entstünden in Abstimmung mit der Stadt Augsburg auch rascher als zunächst geplant mehr Raum für die Kultur und Kreativwirtschaft. Das Reinigergebäude wird voraussichtlich bis Herbst 2022 fertig werden. Dort werden dann Start-Ups und Unternehmen der Kreativwirtschaft einziehen können. Die Stadtwerke Augsburg werden das rund 70.000 Quadratmeter große Gelände mit den historischen Industriebauten und dem weithin sichtbaren Wahrzeichen des Stadtteils Oberhausen, dem Gaskessel, für die Allgemeinheit öffnen.

So werden nicht nur Freiflächen für Konzerte und Festivals entwickelt, sondern auch die Grünanlagen gestaltet. Zusammen mit dem Landschaftspflegeverband der Stadt Augsburg wird etwa eine Blühwiese angelegt, in Kooperation mit dem Amt für Grünordnung und Schulklassen werden Gärten entstehen und eine Liegewiese wird zum Verweilen einladen. Neben der bestehenden Gastronomie im Ofenhaus mit Biergarten sind weitere gastronomische Angebote vorgesehen.

 



Coronavirus in Augsburg: 17 Neuinfektionen bestätigt

Das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg meldet 17 weitere Covid-19-Fälle

13 Neuinfektionen wurden bei Reiserückkehrenden festgestellt: Als Infektionsorte wurden unter anderem der Kosovo (fünf Fälle), Kroatien (zwei Fälle) und Bosnien und Herzegowina (zwei Fälle) ermittelt. Zudem wurden drei Augsburger Kontaktpersonen eines bestätigten Covid-19-Falls positiv getestet. Bei einer infizierten Person ist der Infektionsort noch unbekannt.

Insgesamt hat das Gesundheitsamt in Augsburg 731 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt. 605 von 731 Personen sind genesen, 110 sind aktuell erkrankt, 16 Personen sind verstorben.

In den vergangenen sieben Tagen wurden 103 Neuinfektionen im Stadtgebiet gemeldet. Das entspricht etwa 34,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen.

Um über weitere mögliche Maßnahmen der Stadt für den Fall von steigenden Infektionszahlen zu informieren, ist für den morgigen Donnerstag, 27. August, eine Pressekonferenz geplant. Diese beginnt um 11.30 Uhr und wird per Livestream auf www.augsburg.de/stream und auf dem Facebook-Kanal der Stadt Augsburg unter www.facebook.com/stadtaugsburgübertragen. (pm)

Weitere Informationen stehen weiterhin unter www.augsburg.de/fallzahlen.



Meinung

Gastkommentar zur Rassismusdebatte: Drei Figuren mit Kapuze und langem Bart und roten Backen

“Kleinwuchs, Kleinwüchsigkeit oder Mikrosomie beim Menschen ist eine Bezeichnung für ein nicht der Norm entsprechendes, geringeres Körperlängenwachstum, das durch eine Vielzahl von angeborenen oder erworbenen Wachstumsstörungen hervorgerufen werden kann.” So steht es bei Wikipedia, außerdem ist dort zu erfahren, dass zirka 100.000 kleinwüchsige Menschen in Deutschland leben.

Gastkommentar von Peter Hummel

“Liliputaner” und “Zwerg” waren lange gängige Begriffe, die für kleinwüchsige Menschen verwendet wurden, ohne dass man sich viel dabei gedacht hätte. Kleinwüchsigkeit bei Menschen ist in allen Kulturen und Kontinenten anzutreffen, weshalb der Rassismusvorwurf bei diesen Begriffen nicht zieht. Wer diese Begriffe aus Märchenerzählungen verwendete, beleidigte “nur”, verletzte und würdigte Menschen herab.

Die Zeiten ändern sich: Heute respektieren “normal Gewachsene”, die einigermaßen klar bei Verstand sind, längst die Postulate der Organisationen kleinwüchsiger Menschen, die so nicht genannt werden wollen. Dass das bei rassistischen Zuschreibungen noch nicht der Fall ist, gehört zu den großen Rätseln der Zivilisationsgeschichte. Viele Menschen regen sich darüber auf, dass Begriffe wie „M***“ heute nicht mehr verwendet werden sollen.

Man sei doch kein Rassist, sagen sie, das Wort habe eine lange Tradition, gehe im Übrigen auf den Heiligen Moritz zurück – und überhaupt habe man selbstredend nichts gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe. Das mag alles stimmen und vermutlich haben die allermeisten, die sich aufregen, tatsächlich noch nie einen Gedanken daran verschwendet, mit der Verwendung dieses Wortes jemanden zu beleidigen, zu selektieren oder gar zu beschimpfen.

Aber die Debatte ist eine ganz andere: Nämlich die, ob es angemessen ist, winzige genetische Unterschiede zwischen Menschen zu Wörtern zu machen, diese Wörter zu Marken und diese Marken zum sprachlichen Erbe zu erklären. Ein Denkmodell: Drei kleinwüchsige Mönche besuchen Augsburg. Nette Herren, die in einer Pension unterkommen. Sie sind in der Augsburger Bevölkerung überaus beliebt, und so sind alle traurig, als die Herren eines Tages weiterziehen. Kurz darauf kommt der Inhaber der Pension auf die Idee, seinem Haus den Namen „Zu den drei Zwergen“ zu geben, schließlich habe man schöne Erinnerungen an die Mönche und möchte ihnen quasi ein Denkmal setzen.

Im Gebäude nebenan eröffnet eine Zwergen-Apotheke, die neue Gaststätte im Bismarckviertel heißt Zwergenkönig und ein Bäcker kreiert ein Gebäck Zwergenkopf, das besonders gedrungen ist. Bald hängen an der Hausfassade der Pension „Zu den drei Zwergen“ zur Verdeutlichung des Namens drei Figuren mit Kapuze und langem Bart und roten Backen.

Was würden wir tun? Gar nichts? Den Kopf schütteln? Empört sein? Oder würden wir in Leserbriefen und zig Social-Media-Beiträgen zu erklären versuchen, dass das Wort Zwerg vom althochdeutschen twerg kommt, überhaupt nicht negativ besetzt sei, dass man Kleinwüchsige damit nicht diskriminiert und dass überhaupt die ganze Debatte einigermaßen lächerlich sei, denn die Geschichte der drei kleinwüchsigen Mönche sei ja die einer freundlichen Aufnahme gewesen, einer wohlwollenden Beherbergung, einem friedlichen Miteinander.

Darf davon ausgehen, dass am Ende dieser Geschichte das Z-Wort aus dem öffentlichen Raum verschwinden würde? Man darf! Dass das beim M-Wort so kommen wird, steht außer Frage. Dass es so lange dauert, macht fassungslos und lässt tief blicken.



MEINUNG

Die Peinlichkeiten der Anderen und die Frage: Warum schämt man sich eigentlich fremd?

Was haben Eva Weber und Angelika Lippert gemeinsam? Nicht viel, wenn man davon absieht, dass beide Frauen sind und sich gern auf Facebook blamieren

Kommentar von Siegfried Zagler

M*****kopf-Posting von der Augsburger FW-Chefin – Screenshot DAZ

Derjenige, der sich für andere schämt, tut dies aus einer vermeintlich höheren kulturellen oder moralischen Position heraus. Man schämt sich deshalb, weil andere gegen Standards und Normen verstoßen, die man selbst für gesetzt hält. Wir können uns nicht für andere schuldig fühlen, aber wir können uns für sie schämen. Das ist deshalb interessant, weil die Scham eine soziale Emotion ist, also etwas Erlerntes, das auch Auskunft über diejenigen gibt, die sich fremdschämen.

Der Autor dieser Zeilen schämte sich in der Vergangenheit für völlig unbekannte Personen fremd, die sich für die Musik von Eros Ramazotti und Helene Fischer begeistern konnten, Filme von Wim Wenders spannend fanden oder Bücher von Karl Ove Knausgard oder Peter Handke zu Ende lasen. Doch dieses feingesponnene Reizschema reicht nicht mehr, um jenen Impuls der Peinlichkeit zu generieren, der universal, also kulturübergreifend möglich ist. Oder schämen wir uns etwa für das Weltverständnis amerikanischer Kreationisten oder für das Leben von Prinz Charles nicht fremd? Seit zirka zehn Jahren, also seit es Facebook in Deutschland gibt, hat sich die Reizschwelle für die Erzeugung des rätselhaften Gefühls des Fremdschämens deutlich erhöht.

Schämte man sich vor 15 Jahren noch für eine punkige Frisur oder einen zu kurzen Rock (von Frau Wengert zum Beispiel), so muss dafür heute eine Oberbürgermeisterin her, die mit Sonnenbrille, Badeanzug und mächtigem Ausschnitt in einem Kinderplanschbecken sitzt. Dergestalt zeigte sich kürzlich Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber auf Facebook, sodass man vor Fremdscham niedersinken konnte.

“Die beste Sommeranschaffung von Schwägerin und Schwager”, schrieb Augsburgs Oberbürgermeisterin unter ihr Bild und meinte damit das Kinderplanschbecken aus Plastik. “Warum macht sie das?”, ist eine Frage, die man nicht von Eva Weber selbst beantwortet haben möchte, da man in diesem Fall sehr wahrscheinlich die zweite Welle Fremdschämen aushalten müsste.

Das Ereignishafte dieses Bildes besteht darin, dass Eva Weber offenbar meint, dass sie es sich als Oberbürgermeisterin leisten kann, ihre Privatwelt, ihre Alltagserfahrungen in ein narzisstisches Trivial-Kunstwerk, in ein öffentliches Tagebuch der Banalität zu verwandeln. Eva Webers Facebook-Story könnte im Sinne der Kunst für Jeff Koons interessant sein – politisch bringt sie nicht viel mehr als kollektives Fremdschämen.

Wer das bemerkswerte Foto sehen will und zugleich eine triviale Erklärung wünscht, dem sei Arno Löbs “Skandalzeitung” empfohlen: “Sie ist so sexy und heiß, dass ständig neues Wasser ins Becken gepumpt werden muss, weil es so schnell verdampft.”

Weniger sexistisch zu kommentieren ist das Geposte von Angelika Lippert, die als Kreisvorsitzende der Freien Wähler bekannt ist. Frau Lippert gehört zur Fraktion derjenigen  Augsburger, die sich bei der Rassismusdebatte um Verlust von Heimat und Sprache sorgt. Dabei geht es aktuell um die M- und N-Wörter, also um Begrifflichkeiten wie N****disco, M*****kopf, Drei M***** undsoweiter.

Angelika Lippert ist zwar im kulturellen Nachkriegsklima rassistischer Unterscheidungen – wie wir alle – sozialisiert worden, und dennoch ist sie weit davon entfernt, im Geiste und im Handeln eine Rassistin zu sein. Die Argumentation aller Lipperts dieser Stadt ist allerdings stereotypisch und nicht ganz unlogisch: “Ich bin kein Rassist, ich verwende diese Wörter bzw. empfinde diese Begriffe als nicht rassistisch, also sind diese Begriffe nicht rassistisch.”

Den Gebrauch der M-Komposita abzulehnen, da sie heute von vielen Bürgern als ungeheuere Verletzung und Zumutung empfunden werden, da sie auf Barbarei und Kolonialismus verweisen und durch den rasend fortschreitenden gesamtgesellschaftlichen Wandel immer deutlicher rassistisch konnotiert werden, ist für die ältere Augsburger Generation in der Mehrheit nicht akzeptabel, da es diese Verletzungen in ihrer gesellschaftlichen Blase nicht gibt.

Es fehlt also an Spracherfahrung, Empathie und Einsicht, weshalb sich Frau Lippert offensichtlich darüber freut, dass es in Hittisau/Österreich noch M*****köpfe zu kaufen gibt, die ganz “guat und scheee sind”, nicht Schaumkuss oder sonstwie heißen, sondern eben M*****kopf. Das ist für Lippert ein Bild und eine Story auf ihrer Facebookseite wert.

Eine Oberbürgermeisterin kann sich blamieren, wie sie will, sie bleibt unangreifbar. Bei einer Kreisvorsitzenden einer Partei ist es anders. Wären die Augsburger Freien Wähler eine normale Partei, käme eine Parteichefin mit diesem rassistischem Posting ganz schnell unter Druck.



Maximilianmuseum erhält bedeutende Dauerleihgabe

Mit ihrer zarten Schlichtheit, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Augsburger Goldschmieden geschaffen wurde, bereichern zwei Wärmeglocken und Servierteller aus dem vergoldeten Prunkservice Augusts des Starken die Sammlung des Maximilianmuseums.

Bildnachweis: Michael Aust, Kunstsammlungen und Museen Augsburg

Zwei große Servierteller mit Wärmeglocken aus dem vergoldeten Prunkservice Augusts des Starken (1670-1733) erhält das Maximilianmuseum nun als Dauerleihgabe. Geschaffen wurden diese 1730 in Augsburg von den Goldschmieden Christian Winter und Gottlieb Menzel.

Schlichte Noblesse: Einziger Blickfang ist das Wappen

Um 1718 bestellte August der Starke, Kurfürst von Sachsen, König von Polen und Großherzog von Litauen, in Augsburg Silbermöbel und ein doppelt vergoldetes Tafelservice. Anlass waren die Hochzeitsfeierlichkeiten des Kurprinzen Friedrich August mit der Kaisertochter Maria Josepha im Herbst 1719. Das Service wurde nochmals 1730 erweitert für das sogenannte Zeithainer Lustlager als grandioser Abschluss der sächsischen Heeresreform. Die schlichte Noblesse des Tafelservices, dessen einziger Blickfang das gravierte Wappen Augusts des Starken bildet, und seine speziellen Gerätschaften orientierten sich bewusst am Vorbild König Ludwigs XIV. von Frankreich.

Dokumentiert den Einfluss des französischen Tafelkults

Die Wärmeglocken, die die Speisen warmhielten und vor Verunreinigung schützten, waren damals in Deutschland noch nicht fester Bestandteil des Tafelgeschirrs. Das rund 400 Teile umfassende Service Augusts des Starken zählt zu den frühesten Augsburger Tafelservicen überhaupt. Es dokumentiert auf einzigartige Weise den Einfluss der französischen Tafelkultur auf die Gestaltung fürstlicher Prunkservice in Deutschland. Stets kam es im 18. und 19. Jahrhundert bei bedeutenden Galatafeln und Festsoupers zum Einsatz. 1924 wurde es dem Haus Wettin zugesprochen, das dann einzelne Teile veräußerte. Seit 1994 befinden sich zehn Teile wieder im Grünen Gewölbe in Dresden, darunter zwei kleine und zwei große Wärmeglocken samt Serviertellern. Ein weiteres Paar kleiner Wärmeglocken mit Tellern befindet sich als Leihgabe im Bayerischen Nationalmuseum in München. Die beiden Wärmeglocken des Maximilianmuseums sind von mittlerer Größe. Die Servierteller haben einen Durchmesser von 39 Zentimeter. Das Gesamtgewicht des Ensembles beträgt ca. 6 Kilogramm.

Spektakuläre Bereicherung für die Sammlung

Der Ankauf der von der Kunsthandlung Christian Eduard Franke in Bamberg angebotenen Wärmeglocken erfolgte mit der Bestimmung, sie dem Maximilianmuseum als Dauerleihgaben in Erinnerung an den gebürtigen Augsburger Fritz Dennerlein zur Verfügung zu stellen. Das Ensemble stellt eine spektakuläre Bereicherung und Aufwertung der Sammlung des Maximilianmuseums dar.

 

 



Coronavirus in Augsburg: 20 Neuinfektionen bestätigt – Situation bleibt kritisch

Das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg meldet 20 neue Covid-19-Fälle.

Die Neuinfektionen wurden bei Reiserückkehrenden festgestellt. Als Infektionsorte wurden unter anderem der Kosovo (zehn Fälle), Kroatien (zwei Fälle) und die Türkei (2 Fälle) ermittelt. Insgesamt wurden in Augsburg bisher 670 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt. 581 von 670 Personen sind genesen, 73 sind aktuell erkrankt, 16 Personen sind verstorben.

In den vergangenen sieben Tagen wurden 74 Neuinfektionen im Stadtgebiet gemeldet. Das entspricht etwa 24,8 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Die nächste Fallmeldung folgt voraussichtlich am Montag, 24. August.

Auch eine Augsburger Kontaktperson eines bestätigten Covid-19-Falles wurde positiv getestet. Bei zwei Neuinfektionen ist der Infektionsort laut Gesundheitsamt nicht ermittelbar.

„Nicht immer kann nachvollzogen werden, wo sich einzelne Personen infiziert haben. Nicht nur im Urlaub, auch in Augsburg ist eine Ansteckung mit dem Coronavirus nicht auszuschließen. Dies möchten wir zum Anlass nehmen, alle Augsburgerinnen und Augsburger an die geltenden Infektionsschutzmaßnahmen zu erinnern: Bitte halten Sie Abstand, schützen Sie sich und andere und vermeiden Sie größere Menschenansammlungen, besonders in Innenräumen“, so Reiner Erben, Referent für Nachhaltigkeit, Umwelt, Klima und Gesundheit.

Weitere Informationen stehen unter www.augsburg.de/fallzahlen.