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Tray Tuomie bleibt Headcoach der Panther

Die Entscheidung ist getroffen: Tray Tuomie wird auch in der Saison 2020-21 Cheftrainer der Augsburger Panther sein. Der Vertrag mit dem 52-jährigen Deutsch-Amerikaner wurde um eine Spielzeit verlängert. Wie alle Spieler unterzeichnete Tuomie selbstverständlich auch die zusätzlichen Gehaltsverzichtserklärungen als Reaktion auf die Corona-Krise.

Tray Tuomie © DAZ

Tray Tuomie gehört bereits seit der Saison 2016-17 dem Trainerteam der Panther an und fungiert seit Mai 2019 als Headcoach des DEL-Clubs. In seinem ersten Jahr in Hauptverantwortung für die sportlichen Geschicke führte er sein Team sowohl in der Champions Hockey League als auch in der Deutschen Eishockey Liga in die Playoffs und konnte damit die internen Zielsetzungen erfüllen. Tuomie genießt im Club bei Offiziellen wie Spielern aufgrund seiner gewissenhaften, detailversessenen Arbeitsweise und seines engagierten und besonnenen Führungsstils hohes Ansehen.

Panther-Gesellschafter Lothar Sigl: „Tray Tuomie hat unsere Mannschaft in einer komplexen Situation übernommen und unsere Ziele trotz aller Widrigkeiten mit vielen Verletzungen, der Doppelbelastung Champions Hockey League und den damit verbundenen hohen Reisestrapazen oder einem Umbruch in unserem Trainerteam erreicht.“

Nach einer detaillierten sportlichen Analyse mit allen Beteiligten fiel mit etwas Abstand zur abgelaufenen Saison nun folgerichtig die endgültige Entscheidung, den im vergangenen Jahr eingeschlagenen Weg mit Tray Tuomie weiterzugehen.

„Leider findet seine Arbeit oft nicht die Anerkennung, die sie verdient. Dennoch möchten wir unbeirrt unseren Weg Seite an Seite fortsetzen und gemeinsam unsere Zukunft gestalten. Die Corona-Pandemie hat Tray die Chance geraubt, mit erfolgreichen Playoffs Werbung in eigener Sache zu betreiben. Umso wichtiger ist es uns nun, in der Krise, die das deutsche Eishockey noch lange massiv beeinflussen wird, auf und neben dem Eis für Konstanz zu sorgen und auch personell vernünftig zu handeln“, so Sigl weiter.

Coach Tray Tuomie über seine Vertragsverlängerung: „Es war richtig, dass wir speziell in der aktuellen Situation nicht überstürzt gehandelt und uns Zeit mit der Entscheidung gelassen haben. Jetzt freue ich mich dennoch umso mehr auf meine fünfte Saison als Teil der Augsburger Panther und hoffe, dass ich bald wieder mit meinem Team auf dem Eis stehen kann, um die Vorbereitung auf eine hoffentlich weitestgehend normale DEL-Saison aufzunehmen. Es wird großartig, wenn wir uns nach einer viel zu langen Pause wieder alle gesund und voller Lust auf Eishockey im CFS sehen können.“



Rolf von Hohenhau zur Augsburger Theatersanierung: “Eine totale Verarschung des Stadtrats und der Bürger”

Rolf Baron von Hohenhau ist sekundenschnell “auf der Palme” – in seiner Eigenschaft als Präsident des Bundes der Steuerzahler in Bayern – wenn er zur Planung der Augsburger Theatersanierung befragt wird.

Baron Hohenhau

Rolf Baron von Hohenhau

Im Telefongespräch mit der DAZ verliert er bereits nach Sekunden die Fassung und sagt, dass sich das gesamte Theatersanierungsprojekt zur “totalen Verarschung des Stadtrats und der Bürger” entwickelt habe. Ob man das genauso schreiben könne? – “Ja, selbstverständlich!”

Nicht nur in Sachen Neubauten, die nun mit 115 Millionen Euro veranschlagt werden, statt mit 72 Millionen Euro, wie es eingangs der Fall war, sondern auch an der mit 113 Millionen Euro taxierten Planung des Großen Hauses lässt er kein gutes Haar. “Eine Planung die nun insgesamt fast doppelt so teuer wie geplant wird, könne nur miserabel sein. Bei diesem Projekt sei nun kein weiteres Horrorszenario mehr auszuschließen. Selbst die von der Stadtregierung als worst case angeführten 320 Millionen könnten nicht das Ende der Verschwendungssucht sein. Das gesamte Projekt werde jetzt ein Paradefall für das Steuerverschwendungs-Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes, so Hohenhau.

Im Bauteil II prangert Hohenhau im Besonderen das Aufzugssystem an, das es u.a. ermögliche, dass ebenerdig ein Lastwagen eingeladen werden könne, um diesen in den Keller zu verfrachten. 100.000 Euro solle allein dieser Schwerlastaufzug jährlich an Wartungskosten verschlingen. Auch der ausgelagerte Orchesterprobensaal sei überflüssig wie ein Kropf. Dass dieser durch ein Schaufenster Richtung Süden für die Öffentlichkeit einsehbar sei, damit man den Musikern beim Proben zusehen könne, sei ein ausgekochter Schmarrn. Dass die 20 Millionen Sicherheitsreserve für unerwartete Kosten bereits aufgebraucht wurden, bevor ein einziger Stein bewegt wurde, ist für Hohenhau ein Skandal, der wohl unnötigen Planungsdetails geschuldet sei, die besonders ins Geld gehen. “Jeder private Bauherr wäre pleite, wenn er so planen würde”, so Hohenhau, der als Augsburger Stadtrat (2014-2020) das Projekt für gut befunden hatte und sich nun getäuscht fühlt.

 



Mexiko: Wenn die Corona-Pandemie eine Rückreise nach Deutschland unmöglich macht

In ganz Lateinamerika befindet sich die Corona-Pandemie auf dem Höhepunkt. Die Zahl der Infizierten hat sich nach Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen schlagartig verdoppelt. Ein in Deutschland studierender Mexikaner erzählt von den Ereignissen vor Ort.

Von Annika Kögel

Wie in Deutschland: Gesperrte Parks in Mexico. Gehamstert wurde kein Klopapier, sondern Bier © DAZ

Nach zwei Jahren als Austauschstudent in Deutschland endlich die Familie und Freunde in Mexiko wiedersehen – darauf hatte sich der 28-jährige Mexikaner Carlos Naranjo lange gefreut. Bereits einige Tage nachdem er seine Reise Anfang März antrat, begann jedoch fast ganz Lateinamerika damit, strenge Beschränkungen gegen die Ausbreitung des Corona Virus durchzusetzen. Seine Freunde konnte Carlos anfangs wiedersehen, die Verunsicherung durch Corona war jedoch nun sowohl in Mexiko, als auch in Deutschland schon so weit vorangeschritten, dass er den Besuch bei seiner Oma lieber auf später verschob. In fünf Wochen wollte er nach Ulm zurückkehren, um sein Masterstudium zu Ende zu bringen, seine Familie war jedoch durch die in Deutschland extrem steigenden Infektionszahlen beunruhigt – während in Mexiko noch nicht viel von der Pandemie zu spüren war. Heute ist das Gegenteil der Fall.

Im Laufe des Monats März begann Mexiko, die Präsenzkurse in den Universitäten und große Veranstaltungen zu verbieten und obwohl Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador die Pandemie herunterspielte, wurden rasch Maßnahmen ergriffen. Auch begannen die Menschen in Mexiko Stadt freiwillig, in ihren Häusern zu bleiben, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Heute ist das nicht mehr ganz so: Wie in ganz Lateinamerika arbeiten viele Menschen in Mexiko im informellen Sektor, sie müssen täglich arbeiten, sonst gibt es nichts zu essen. Dies treibt die Menschen auf die Straße – allerdings gibt es auch viele, die die Sicherheitsmaßnahmen nicht einhalten, oder ohne Maske ihre Freunde besuchen gehen. Außerdem zählen im Land viele Menschen durch Fettleibigkeit und Diabetes zur Risikogruppe der Pandemie. Mittlerweile ist Mexiko daher mit 226.000 Infizierten – die Dunkelziffer soll jedoch sehr viel höher sein – auf Platz 11 der Länder mit den weltweit höchsten Infektionszahlen. Fast 28.000 Todesfälle sind bereits zu verzeichnen. Und in der Hauptstadt waren im Juni bereits 75 Prozent der Krankenhäuser ausgelastet oder konnten gar keine Patienten mehr aufnehmen.

Und während Carlos seine Koffer für den Rückflug bereits gepackt hatte, obwohl er seine Freunde und Verwandten kaum sehen konnte, wurde ihm im April sein Flug nach Deutschland gecancelt. Zum Semesterbeginn war er daher nicht in Ulm, da dort aber die Vorlesungen auch online sind, hatte er die Möglichkeit, diese in Mexiko mit zu verfolgen: Durch die Zeitverschiebung jeweils um 1, 3 und 5 Uhr nachts. „Ich habe dann einen neuen Flug gebucht, um im Mai zurück zu können, da ich im Juni Prüfungen haben sollte. Kurz vorher wurde dieser Flug jedoch auch abgesagt. Das gleiche passierte mir wieder mit dem nächsten Flug im Juni, so dass ich dieses Semester wohl nicht zurück kann und die Prüfungen in einem Jahr schreiben muss“, erzählt Carlos. Seine Wohnung, Krankenversicherung und Semestergebühren in Deutschland muss er trotzdem weiter zahlen. In Mexiko sieht er die Lage problematisch, da Präsident López Obrador der Bevölkerung ähnlich wie Brasiliens Präsident Bolsonaro mitteilt, dass man sich keine Sorgen machen müsse, die Gesundheitsminister jedoch das Gegenteil behaupten. 

Mexico-Stadt: Leere Bier-Regale im Supermarkt © DAZ

Dennoch wurden bereits seit März teils strenge Einschränkungen bekanntgegeben, weshalb die Kurve langsam anstieg. Rund die Hälfte aller verzeichneten Fälle trat demnach erst auf, als das Land mit wirtschaftlichen und sozialen Lockerungen begann. Seit einem Monat ist Mexiko  zwar in der „roten Phase“ – mit Empfehlung, zuhause zu bleiben. Aufgrund der sich stark verschlechternden wirtschaftlichen Lage soll ab heute jedoch wieder ein Teil der Beschränkungen gelockert werden und in die „orangene Phase“ übergegangen werden. 

Auch wenn Europa das Schlimmste bereits hinter sich zu haben scheint, während Lateinamerika sich im Höhepunkt der Phase befindet – eines vereint in Zeiten von Corona alle Länder: Hamsterkäufe. In Mexiko wurde anders als in Deutschland allerdings kein Klopapier gehamstert, sondern Bier. Dieses durfte nämlich nicht mehr hergestellt werden, da nur noch die Produktion von lebensnotwendigen Gütern erlaubt wurde.

Infektionskurven: https://en.wikipedia.org/wiki/COVID-19_pandemic_in_Mexico