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Kommt ein Corona-Testzentrum nach Augsburg?

Der Augsburger Bundestagsabgeordnete bittet Staatsminister Florian Herrmann zu prüfen, ob neben München Hbf und Nürnberg Hbf auch am Augsburger Hbf ein Corona-Testzentrum möglich ist.

“Durch die Corona-Pandemie haben wir massive Einschnitte in unsere Wirtschaft und auch im gesellschaftlichen Zusammenleben hinnehmen müssen. Wir müssen unbedingt eine zweite Welle verhindern, die durch eine Vielzahl an Reiserückkehrern leider immer wahrscheinlicher wird. Die Corona-Test-Strategie der Bayerischen Staatsregierung ist richtig und wichtig. Die Testzentren am Flughafen München und an den Hauptbahnhöfen in Nürnberg und München begrüße ich sehr. – Meiner Meinung nach ist darüber hinausgehend ein weiteres Testzentrum am Augsburger Hauptbahnhof notwendig. Bezogen auf die Frequenz ist Augsburg der drittgrößte Bahnhof in Bayern und hat Verbindungen nach Österreich, der Schweiz und Frankreich.

Ullrich hat deshalb den Krisenkoordinator Staatsminister Herrmann gebeten, zu prüfen, inwieweit auch ein Corona-Testzentrum am Augsburger Hauptbahnhof eingerichtet werden kann.



Iran: Zweite Infektionswelle – bereits fast jeder dritte Iraner mit Corona infiziert

Schätzungen zufolge sollen sich bisher bis zu 25 Millionen Menschen im Iran mit dem Virus infiziert haben, wie der iranische Präsident Hassan Ruhani in einer Fernsehrede mitteilte. Damit hätten sich mehr als 30 Prozent der 80 Millionen Einwohner des Landes infiziert. Diese Zahl entstammt einem geschätzten Szenario eines Forschungsberichts des iranischen Gesundheitsministeriums und ist weitaus höher als die offizielle Anzahl der Infizierten von 301.500. 

Unterricht in Teheran – Foto: © DAZ

Bereits im Dezember soll es laut Berichten der New Yorker Fälle des Virus im Iran gegeben haben – die Ärzte beschwerten sich, dass in den folgenden Wochen, als die Anzahl der Infizierten bereits zunahm und erste Todesopfer forderte, keine Maßnahmen ergriffen wurden. Im Gegenteil: Krankenhausbeamten sagten ihren Mitarbeitern, sie müssten schweigen, Statistiken zu Infektionszahlen dürften nicht veröffentlich werden und die Mitarbeiter keine Masken oder Schutzkleidung tragen. Die Angst in der Gesellschaft sollte um jeden Preis verhindert werden, um die Wahlbeteiligung bei den Parlamentswahlen am 21. Februar nicht zu gefährden. Zwei Tage vor den Wahlen wurden die ersten beiden offiziellen Todesopfer bekannt gegeben – bevor überhaupt Infektionen gemeldet worden waren. Die Krankenhäuser waren zu diesem Zeitpunkt bereits voll mit Corona-Infizierten, ebenso die Friedhöfe.  

Auch als die Epidemie in China im vollen Gange war, wurden die iranischen Medien von ihren Redakteuren dazu angehalten, die Nachrichten in den sozialen Medien nicht weiter zu verfolgen. Am 25. Februar teilt auch die iranische Regierung den Bürgern mit, dass die USA das Virus hochgespielt haben, um eine Wahlbeteiligung zu unterdrücken, und dass bestraft werden würde, wer Gerüchte über eine Pandemie verbreite. 

Anfang März wurden dann jedoch Maßnahmen ergriffen – Schulschließungen, Desinfektionsmaßnahmen in Straßen und öffentlichen Einrichtungen, das Absagen von kulturellen Veranstaltungen und die Empfehlung an die Bevölkerung, zuhause zu bleiben. Das Horten von Atemschutzmasken und anderen Vorräten wurde mit der Todesstrafe belegt. Ende März waren dann in der Hauptstadt Teheran nur noch Apotheken und Supermärkte geöffnet. Die Maßnahmen erzielten die gewünschte Wirkung – die Infektionskurve begann deutlich abzuflachen. 

Mina ist Englisch-Lehrerin in Teheran und erzählt, wie die Menschen aus Angst ungefähr zwei Monate lang freiwillig zuhause blieben. Bis es nicht mehr ging – sie mussten zum Arbeiten, um sich ihre Lebensmittel zu finanzieren. Auch sie verdient seit Monaten nur noch die Hälfte ihres normalen Gehalts. „Viele meiner Bekannten haben sich schon mit dem Virus infiziert. Und auch hier waren die Krankenhäuser bereits so überfüllt, dass Leute nicht mehr aufgenommen werden konnten.“

In den Monaten April und Mai begann das heute am stärksten von der Krise betroffene Land im Nahen Osten aufgrund der fallenden Infektionszahlen Restriktionen zu lockern. Shoppingzentren, Restaurants, Parks wurden wieder geöffnet und die Menschen begannen langsam zu einer Art Normalität zurückzukehren. Weniger als die Hälfte der Iraner hat sich im Juni noch an Abstandsregelungen und Isolation gehalten. Mit Folgen: Die Infektionszahlen begannen wieder rasant anzusteigen und die iranische Regierung gerät langsam unter Druck – einen erneuten Lockdown könne man sich infolge der durch US-Sanktionen angeschlagenen Wirtschaft nicht leisten.

Stattdessen wurde ein Tragen von Gesichtsmasken im öffentlichen Verkehr und überfüllten Orten Pflicht. Die neuen, hohen Infektionszahlen sollen jedoch durch vermehrtes Testen zustande gekommen sein, so die Regierung. 

Das Gesundheitsministerium steht den Lockerungen dennoch kritisch gegenüber. Besonders nachdem für Ende August große Menschenansammlungen bezüglich der religiösen „Aschura-Feiern“ erwartet werden, gibt es derzeit große Meinungsverschiedenheiten in der iranischen Regierung. 

 



DEL: Ein weiteres Talent für den AEV

Die Augsburger Panther haben sich die Dienste eines weiteren Offensivtalents gesichert. Von den ECDC Memmingen Indians wechselt der 21 Jahre junge Angreifer Samir Kharboutli in die Brechtstadt. Mit der Verpflichtung des Deutsch-Tschechen hat der Club der PENNY DEL nun bereits sechs U23-Spieler in seinem Kader für die Saison 2020-21.

Foto © Siegfried Kerpf

Samir Kharboutli, geboren in Chomutov, Tschechien, ist seit kurzem im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft. Des Eishockey wegen kam der 178 cm große und 83 kg schwere Linksschütze im Alter von 14 Jahren nach Deutschland. Über die Stationen Weißwasser und Chemnitz wechselte Kharboutli zur Saison 2016-17 in den Nachwuchs des ERC Ingolstadt, wo er 2018 auch die Saisonvorbereitung mit dem DEL-Team bestritt.

Hohe Punkteausbeuten in der Deutschen Nachwuchs Liga (DNL) ermöglichten dem läuferisch hervorragend ausgebildeten Flügelstürmer zur Saison 2019-20 den Wechsel in den Seniorenbereich. Für die Memmingen Indians verbuchte Kharboutli als Importspieler in der Oberliga Süd in acht Partien zwölf Punkte, ehe ihn eine Verletzung lange Zeit stoppte und erst kurz vor Saisonende wieder ins Team zurückkehren ließ. Dennoch war er eine der absoluten Entdeckungen der Oberliga-Saison und ein Garant für den starken Saisonstart des Panther-Kooperationspartners Memmingen.

Panthercoach Tray Tuomie: „Im Rahmen unserer Kooperation war uns Samir Kharboutli schnell aufgefallen. Vor seiner Verletzung war er trotz seines jungen Alters ein dominierender Spieler in der Oberliga. Wir sind davon überzeugt, dass er noch viel besser werden kann und das Talent besitzt, mittelfristig auch in der DEL Fuß zu fassen. Auf diesem Weg wollen wir ihn unterstützen.“

„Ich bin sehr stolz und dankbar, dass ich nun der Organisation der Panther angehöre und meinem Traum, DEL-Spieler zu werden, wieder ein Stück nähergekommen bin. Der Wechsel nach Augsburg ist für mich eine große Karrierechance. Ich werde alles dafür geben, sie zu nutzen und mir einen Stammplatz im Team zu erarbeiten“, so der vierte Panther-Neuzugang.

Die medizinischen Untersuchungen bei den Mannschaftsärzten der Augsburger Panther hat Samir Kharboutli ohne Einschränkungen bestanden. Er wird für den DEL-Club mit der Rückennummer 18 auflaufen. 



Coronavirus in Augsburg: 564 Fälle bestätigt

Das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg verzeichnet einen neuen COVID-19-Fall

Insgesamt wurden bisher 564 in Augsburg wohnhafte Personen positiv auf das Coronavirus getestet. 512 von 564 Personen sind genesen, 36 sind aktuell erkrankt, 16 Personen sind verstorben. In den vergangenen sieben Tagen wurden 18 Neuinfektionen im Stadtgebiet gemeldet. Das entspricht etwa 6,0 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den ergangenen sieben Tagen. Die nächste Fallmeldung folgt voraussichtlich am Montag, 3. August. Weitere Informationen unter www.augsburg.de/fallzahlen



Meinung

Kommentar: Die Theatersanierung blockiert die Fortentwicklung der Stadt

Der Augsburger Stadtrat hat am 23. Juli 2020 beschlossen, den Theaterkomplex am Kennedyplatz nach den Plänen eines Münchner Architekturbüros zu sanieren. Die Sanierung soll 2028 beendet sein und nach aktuellen Kostenschätzungen zwischen 284 und 321 Millionen Euro verschlingen. Stadträte aus dem Regierungslager sprechen von einem “Jahrhundertprojekt”. Sie könnten Recht haben, denn möglicherweise wird man in hundert Jahren noch von der Verblendung der Verantwortlichen sprechen, wenn man auf diese Epoche der Stadtgeschichte zurückschaut.

Kommentar von Siegfried Zagler

Foto: © Siegfried Kerpf

Mit dem Beschluss am 23. Juli 2020 wurde der Stadtratsbeschluss von 2016 kassiert, damals war die überwiegende Mehrheit des Stadtrats davon überzeugt, dass das Projekt mit 186 Millionen Euro zu stemmen sei: 2021 könne man wieder am Kennedyplatz ins sanierte Theater gehen, so die damalige Legende. Aus 186 Millionen sind nun 321 geworden. Der städtische Anteil hat sich von zirka 90 Millionen (2016) auf 140 bis 160 Millionen erhöht: Aus einer im Jahr 2016 anvisierten 5-jährigen Sanierungsdauer, ist eine 12-jährige geworden. Ob die Stadt für diese Theatersanierung von der Regierung von Schwaben eine weitere Kreditaufnahme genehmigt bekommt, ist noch unklar. Dafür steht fest, dass diese Theatersanierung “eine erhebliche Herausforderung darstellt”, wie Finanzreferent Roland Barth “nicht ohne Furcht” im Stadtrat vortrug. Die Bedingungen dafür, dass die Stadt diese Sanierung ohne bemerkbare Opfer zu stemmen in der Lage wäre, haben sich seit 2016 dramatisch verschlechtert.

Die lokale Wirtschaft ist in Not: Osram und Fujitsu sind verschwunden (und mit ihnen 6000 Arbeitsplätze); MAN und Premium Aerotec schwächeln schon länger (2800 Arbeitsplätze stehen zur Disposition) und auch das Augsburger Vorzeigeunternehmen KUKA wird Stellen abbauen müssen. Der städtische Einzelhandel muss historische Umsatzeinbußen verkraften, alteingesessene Geschäfte schließen und überall sind Leerstände zu beklagen. Dieses Szenario hatte bereits vor der Coronakrise Bestand. Und dennoch wagten OB Kurt Gribl und das Dreierbündnis das Abenteuer der Theatersanierung mit den Parametern “186 Millionen – fünf Jahre Bauzeit”.

Aus der weltweiten Coronapandemie ist längst eine globale Wirtschaftskrise geworden. Auch wenn sich in Bayern das bedrohliche Infektionsgeschehen vorerst beruhigt hat, die Wirtschaftkrise beschädigt auch eines der reichsten Länder mit einem kaum zu fassenden Ausmaß, das Steuerschätzer in schlichte Zahlen gießen: 5,5 Milliarden weniger Steuereinnahmen für den Freistaat werden für 2020 geschätzt. Zum Vergleich: Die Finanzmarktkrise 2009 erzeugte steuerliche Mindereinnahmen von 1,6 Milliarden Euro. Damals halfen Konjunkturprogramme, doch die Wirtschaftskrise, die im Frühjahr 2020 corona-bedingt ihren Lauf nahm, ist ein anderes Kaliber und wird wohl mit staatlicher Lenkung und gigantischen Finanzspritzen nicht so schnell zu verscheuchen sein. Dass ein Stadtrat in einer Zeit wie dieser in einer finanziell schwach aufgestellten Kommune wie Augsburg ein Nice-to-have-Projekt, das über eine weitere Kreditaufnahme finanziert werden soll, mit Nachdruck verfolgt, ist eine politische Fahrlässigkeit erster Güte, die kaum jemand außerhalb der Stadtregierung und der kleinen Theaterblase nachvollziehen kann.

Die Stadt Augsburg hängt am Tropf des Freistaats – ist also wegen ihrer schwachen Finanzkraft stärker als andere bayerische Städte von staatlichen Schlüsselzuweisungen abhängig, die in den vergangenen Jahren in dreistelligen Millionenbeträgen in den Augsburger Stadtsäckel flossen. Viele Haushaltslöcher konnten damit gestopft werden, Investitionen getätigt werden und schließlich investierte selbst der Freistaat in den vergangenen Jahren in Augsburg wie nie zuvor: Uniklinik, Staatsbibliothek, Staatstheater.

Mit üppigen Schlüsselzuweisungen darf nicht mehr gerechnet werden. Der städtische Haushalt wird in Zukunft deutlich weniger Mittel für Investitionen bereitstellen können. Und dennoch wagten Eva Weber und die Regierungskoalition vergangene Woche das Unaussprechliche, nämlich eine “neue” Theatersanierung zu verabschieden – mit den Parametern 321 Millionen – 8 Jahre Bauzeit. Das sind Zeichen der Verblendung und des Selbstbetrugs, denn schließlich hat eine Kommune Pflichtaufgabe zu priorisieren – und diese werden durch das “Jahrhundertprojekt” gefährdet oder auf die ganz lange Bank geschoben.

Beispiele dafür gibt es genug: Die Schulsanierung ist ins Stottern geraten. Das Thema “bezahlbares Wohnen” zu Lippenbekenntnissen verkümmert, der ÖPNV ist zu teuer, der Ausbau des Radwegenetzes ist nicht zu Ende gedacht worden, für eine intensive Wende in der lokalen Klimapolitik fehlt neben dem politischen Willen auch das Geld. Die Straßen sind insgesamt in einem grauvollen Zustand. Acht Millionen bräuchte man für deren Sanierung – pro Jahr. Bewilligt werden dafür im Jahr zirka 3 Millionen Euro. Es gibt einen Masterplan zur Sanierung der städtischen Bäder, die Mittel dafür fehlen. Das große Versprechen des Königsplatzumbaus (Fuggerboulevard) sollte ursprünglich 2021 realisiert werden. Das wird wohl länger dauern, wie die Sanierung des Perlachturms, der noch zirka zwei Jahre für die Öffentlichkeit unzugänglich bleibt.

Auch bei Projekten, die nicht zu den kommunalen Pflichtaufgaben gehören, steht das Rad still. Der Ausbau Gaswerk stagniert, städtische Sportanlagen sind in ihrer Gesamtausstattung unter Standard, für die Museen gibt es zu kleine Budgets, zu wenig Personal. Jeder Euro, der für die Theatersanierung ausgegeben wird, fehlt an anderer Stelle. Das ist auch eine Wahrheit des “Jahrhundertprojekts”: Diese Theatersanierung blockiert und bremst die Fortentwicklung der Stadt!

Das Pseudoargument “Neiddebatte” hat an dieser Stelle nichts verloren. Es geht vielmehr um eine Verteilungsdebatte, die von der aktuellen Stadtregierung nicht weitsichtig geführt wird. Erschwerend für die Vermittelbarkeit des Projekts kommt dessen inhaltliche old-school-Ausrichtung hinzu sowie der Umstand, dass der Stadtgesellschaft aktuell ein funktionierender Theaterbetrieb zur Verfügung steht. Das Augsburger Staatstheater hat ein wundervolles Ballett, ein klasse Orchester und ein gutes Schauspiel. Mit dem Gaswerk, dem Martinipark, der Kongresshalle und der Freilichtbühne stehen vier große Spielstätten zur Verfügung. Spielstätten, die vom Publikum angenommen werden. – 416 Millionen Euro beträgt der Schuldenstand der Stadt. Für die Theatersanierung sollen nun statt knapp vier Millionen Euro, sechs Millionen Euro im Jahr zur Verfügung stehen – zur Kredittilgung.

“Wollen wir uns diese Theatersanierung leisten?”, fragt die Augsburger Allgemeine ihre Leser. 69 Prozent beantworten die Frage mit Nein. Ein klares Votum, ein kluges Urteil!

 

 

 

 

 



Zuspruch aus ganz Deutschland – auch Luisa Neubauer besucht das Augsburger Klimacamp

In Sachen Klimapolitik spielt zwar nicht die Augsburger Stadtregierung, aber das Camp der Augsburger Klima-Aktivisten am Fischmarkt in der ersten Liga

Von Udo Legner

Luisa Neubauer brachte ein wenig Promiglanz ins Camp © DAZ

Unterstrichen wurde dies durch den Besuch von Luisa Neubauer, die als Mitinitiatorin der deutschen „Friday for Future“-Bewegung die Nacht von Montag auf Dienstag auf dem Camp neben dem Augsburger Rathaus verbrachte und tags darauf Presse- und Medienvertretern Interviews gab. Schon seit Wochen erhalten die Augsburger Aktivisten Verstärkung aus ganz Deutschland, da ihr Klimacamp, das fast schon einen ganzen Monat andauert, in der Republik große Beachtung und Zuspruch findet.

Sympathisanten aus Berlin, Potsdam, Hamburg, Landsberg und Darmstadt halten sich zur Zeit im Augsburger Klimacamp auf. Luisa Neubauer führte aus, dass es bislang lediglich ein einwöchiges Camp gegeben habe, das dann auch gleich nach der Verabschiedung des aus Sicht der Klima-Aktivisten völlig unzureichenden Gesetzes des Bundestags und Bundesrats zum Kohleausstieg am 3. Juli beendet wurde. Umso größer sei ihr Respekt vor der Ausdauerleistung der Augsburger Aktivisten.

Das Augsburger Klima-Camp mache ihr Hoffnung, dass sich dieses Engagement endlich in der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik niederschlagen wird. So lange in den Parlamenten die Folgen des Klimawandels nur halbherzig verfolgt würden, gelte es lokal Widerstand zu leisten, natürlich ausschließlich mit friedlichen Mitteln. Auf die DAZ-Frage, warum es einer Stadtregierung oft leichter falle, sich eher kostspieligen Monumentalprojekte wie etwa der Sanierung des Augsburger Staatstheaters zu zu widmen als entsprechenden Klimamaßnahmen, verwies Luisa Neubauer zum einen auf die fehlende Lobby für eine radikale Klimapolitik und zum anderen darauf, dass nur wenige den unmittelbaren Nutzen solcher Maßnahmen sehen würden.

„Wir brauchen Städte, die das Pariser Klimaabkommen wirklich umsetzen wollen. Wir erleben gerade, wie aktiv in Augsburg eine Zivilgesellschaft dies einfordert. Wir appellieren an die Stadt Augsburg sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden,“ so Luisa Neubauer.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde deutlich, dass sich die Augsburger Klimacamper von der neuen Schwarz-Grünen Stadtregierung wesentlich mehr erhofft hatten. So wiese der Koalitionsvertrag zwischen dem eigenen Emissionsziel und den vorgegebenen Klimazielen deutliche Umsetzungslücken auf. „Das CO2-Budget ist nicht verhandelbar“, so die kompromisslose Formel Luisa Neubauers. Im September wollen die Klima-Aktivisten, je nach dem Verlauf von Corona, wieder zu deutschlandweiten Demonstrationen aufrufen.

Bis dahin werden die Augsburger Klimacamper auf dem Fischmarkt mit einer Vielzahl von Aktionen (Kino, Vorträge, Sprechchöre und Diskussionsrunden) über ihre Ziele informieren und werben.


Am heutigen Dienstag verfasste das Klimacamp eine Pressemitteilung, die die DAZ im Wortlaut “nachdruckt”:

Seit 28 Tagen veranstalten Aktivist*innen ein Protestcamp neben dem Rathaus. Die Aktivist*innen äußern als
Anlass, dass die aktuelle Klimapolitik aus wissenschaftlicher Sicht unzureichend ist. Ein Ende der Aktion ist bisher noch nicht abzusehen. Das Bündnis aus diverser Klimagerechtigkeitsgruppen demonstriert seit dem 1. Juli in einem durchgängigen Protestcamp. Dabei rufen sie die Stadt Augsburg zu einer klaren Positionierung gegen das Kohleausstiegsgesetz der
Bundesregierung auf. Außerdem soll der Stadtrat sich für die Forderungen des Augsburger Radentscheids einsetzen und das Einhalten des 1,5-°C-Ziels auf kommunaler Ebene zu einem Ziel höchster Priorität erklären. Die Kundgebungen der Augsburger Klimabewegungen sorgten dabei bundesweit für Aufsehen: Eine Vielzahl von Besucher*innen aus den verschiedensten Teilen Deutschlands zeigte sich von der Protestform inspiriert. Die Städte Nürnberg und München starten bereits eigene Klimacamps, weitere Städte kündigten an zu folgen.

Die Aktivist*innen zeigen sich entrüstet gegenüber des unzureichenden Einsatzes der Stadtregierung im Klimaschutz: „Es kann nicht sein, dass der Stadtrat wichtige Entscheidungen trotz der drängenden Situation immer wieder vertagt
oder vernachlässigt.“, so die 16-jährige Schülerin Sarah Bauer. „Der Antrag zur dezentralen Energiewende wurde auf einen Zeitpunkt nach der Sommerpause verlegt. Damit verschiebt der Stadtrat den dringend notwendigen Wandel und
provoziert damit einen Bruch mit feststehenden Klimazielen.“

Leon Ueberall, ebenfalls Aktivist auf dem Camp, ergänzt: „Wir streiken nun seit über eineinhalb Jahren auf der Straße und campieren durchgängig seit 28 Tagen neben dem Rathaus. Trotzdem bekommen wir nichts außer  schwacher Lippenbekenntnisse und scheinheiligem Zuspruch. Wir werden hier bleiben solange es nötig ist. Die Klimakrise lässt dabei leider keine Kompromisse zu. Wir benötigen echte, ernst gemeinte Maßnahmen zu Klimagerechtigkeit.“

„Ich kann nur staunen wie viel Motivation und Überzeugung trotz des Wetters, des harten Bodens und der frustrierenden Politik hier herrscht. Das Augsburger Klimacamp ein gutes Beispiel um zu zeigen, dass wir trotz allem aktiv bleiben“,
sagte Aktivistin Gwendolyn Rautenberg, die extra aus Brandenburg zum Klimacamp anreiste. Von nun an zeige man sich hartnäckiger: Ab jetzt würden freitags wieder wöchentliche Demonstrationen stattfinden, die erste davon sei am 31.07.
um 17 Uhr. Startpunkt würde wie immer das Klimacamp sein.

 



Die Stadt im Blick – Kolumne von Leo Dietz

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Liebe Augsburgerinnen und Augsburger,

die letzte Stadtratssitzung vor der Sommerpause hatte es in sich! In einer Marathonsitzung wurden die Weichen für die Kulturlandschaft der Zukunft in unserer Stadt gestellt. Es war eine Richtungsentscheidung des Stadtrates, der mit einer Mehrheit an der Theatersanierung festhielt. Trotz der Kostensteigerung standen wir mit unserem Koalitionspartner Bündnis 90/Die Grünen von Beginn an geschlossen für diese Fortführung. Die Theatersanierung an einem zentralen Standort ist für unsere Stadt ein Jahrhundertprojekt und viele weitere Generationen werden davon profitieren. Deswegen wäre es zum jetzigen Zeitpunkt unverantwortlich gewesen, das Vorhaben kaputtzusparen und somit die Funktionalität für den zukünftigen Theaterbetrieb einzuschränken. Es ist die Chance, die wir jetzt wahrnehmen müssen, um ein Theater der Zukunft zu bekommen, welches für alle Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung und offen steht. Dennoch können wir die Debatte um die gestiegenen Kosten nachvollziehen und nehmen diese nicht auf die leichte Schulter. Wir vertreten nicht das Motto Augen zu und durch, sondern werden das Große und Ganze verantwortungsbewusst im Blick behalten und dabei weiter verstärkt auf Transparenz bei der Umsetzung und in der Kommunikation achten.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt war das Wochenend-Regelwerk für die Innenstadt. In den vergangenen Wochen haben sich die Augsburgerinnen und Augsburger wieder vermehrt am Wochenende in der Stadt getroffen und ihre wohlverdiente Freizeit verbracht. Allerdings kam es im öffentlichen Raum vermehrt zur Nichteinhaltung des nötigen Mindestabstandes. Wir haben Verständnis, dass viele Jugendliche und junge Erwachsene das Bedürfnis haben ungezwungen zu feiern, sich zu treffen und gemeinsam Zeit zu verbringen. In Zeiten von Corona ist dies allerdings ein gefährliches Spiel, bei dem schnell durch Sorglosigkeit die in der Infektionsschutzverordnung erlassenen Maßnahmen vergessen werden. Bei dem von der Stadt ausgearbeiteten Konzept, mit dem Prinzip der Entzerrung, u.a. Öffnung der Außengastronomie bis 1 Uhr nachts, Verkürzung des To-Go-Verkaufs von Getränken auf 24 Uhr, ein Rückgabepfand zur Reduzierung des Mülls sowie Straßenteilsperrungen für den Durchgangsverkehrs an Wochenenden, hat die Sicherheit und der Infektionsschutz oberste Priorität. Die CSU-Stadtratsfraktion steht geschlossen hinter dem Konzept, da die Freiheit aller nicht durch unbedachtes Handeln Einzelner beschnitten werden darf. Die erste Bilanz vom Wochenende zeigt: Die Umsetzung und Annahme verlief gut, auch wenn noch an einzelnen Stellschrauben gedreht werden muss. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie gut sich das Konzept und die regulierenden Maßnahmen bewähren werden. Wir sind jedoch guter Dinge, da wir überzeugt sind, dass nur durch ein gesundes Miteinander die Stadt gemeinsam gestaltet und gelebt werden kann. 

Ihr

Leo Dietz

CSU Fraktionsvorsitzender



Coronavirus in Augsburg: 556 Fälle bestätigt

Das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg verzeichnet 10 neue COVID-19-Fälle

Insgesamt wurden bisher 556 in Augsburg wohnhafte Personen positiv auf das Coronavirus getestet. 498 von 556 Personen sind genesen, 42 sind aktuell erkrankt, 16 Personen sind verstorben. In den vergangenen sieben Tagen wurden 33 Neuinfektionen im Stadtgebiet gemeldet. Das entspricht etwa 11,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Weitere Informationen unter www.augsburg.de/fallzahlen .



Coronavirus in Augsburg: 546 Fälle bestätigt

Das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg verzeichnet 14 neue COVID-19-Fälle

Insgesamt wurden bisher 546 in Augsburg wohnhafte Personen positiv auf das Coronavirus getestet. 474 von 546 Personen sind genesen, 56 sind aktuell erkrankt, 16 Personen sind verstorben. Bei 11 der gemeldeten Neuinfektionen handelt es sich laut Gesundheitsamt um ein zusammenhängendes Infektionsgeschehen innerhalb einer Familie, das auf eine Reise-Rückkehr aus dem südosteuropäischen Raum zurückzuführen ist. Sofern infizierte Kinder in Einrichtungen betreut oder unterrichtet wurden, ermittelt das Gesundheitsamt die dortigen Kontaktpersonen und veranlasst die erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen entsprechend der Vorgaben des Robert Koch-Instituts und des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege.

In den vergangenen sieben Tagen wurden 33 Neuinfektionen im Stadtgebiet gemeldet. Das entspricht etwa 11,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Die nächste Fallmeldung folgt voraussichtlich am Montag, 27. Juli.



Stadtrat beschließt Fortsetzung der Theatersanierung

Geht es nach dem Augsburger Stadtrat, wird die Theatersanierung trotz erheblicher Mehrkosten fortgesetzt: Mit 38:22 stimmte der Stadtrat für die Erstellung der Neubauten (Bauteil II) und mit sechs Gegenstimmung wurde die Sanierung des Großen Hauses (Bauteil I) beschlossen.

Foto: © S. Kerpf

Die getrennte Abstimmung beantragte die Fraktion der Bürgerlichen Mitte. Damit steht vorläufig fest, dass die Stadt an der Achatz-Planung festhalten wird, obwohl die Kosten beim Bauteil II durch die Decke gingen (von 72 Millionen auf 115 Millionen Euro) und mit einer Baukostenindexierung von 5 Prozent für das Gesamtprojekt zu rechnen ist. Damit sind die Gesamtkosten bei zirka 320 Millionen Euro zu taxieren. In der 4-stündigen Debatte im Stadtrat führte Finanzreferent Roland Barth vor, dass die Stadt die Kreditaufnahme erhöhen wird, Architekt Achatz erläuterte erneut seine Planung, Staatstheater-Intendant Andre Bücker die funktionale Notwendigkeit dieser Planung, während die Opposition beinahe geschlossen auf ein Moratorium beharrte, damit aber kein Gehör und keine Mehrheit fand.

Nach Informationen der DAZ formieren sich nun erneut Sanierungskritiker, um das vom Stadtrat abgelehnte Moratorium mithilfe eines Bürgerentscheids zu bewirken.