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MEINUNG

Theatersanierung: Ein Angriff der Gegenwart auf die Zukunftsfähigkeit der Stadt Augsburg

Warum das Theatersanierungsprojekt der Stadt Augsburg gescheitert ist

Kommentar von Siegfried Zagler

Foto: ©  S. Kerpf/Stadt Augsburg

Den christlichen Kirchen laufen die Gläubigen davon. Gründe dafür gibt es genug. Die Geschichte vom Gottvater, der seinen Sohn auf die Erde schickt, um die Menschen von ihren Sünden zu befreien, überzeugt im aufgeklärten Europa längst nicht mehr und das gedruckte Vermächtnis, die Bibel, liest sich 2020 wie ein Treatment zu einer Netflix-Fantasy-Saga. Und dennoch käme niemand auf die Idee, die seelsorgerische Arbeit der Kirchen in Frage zu stellen, die Caritas, die Diakonie, die Krankenhäuser.

Das wohltuende Wirken der Kirchen in der Behindertenseelsorge, in der Altenseelsorge sowie in der Trauerarbeit stand noch nicht ernsthaft in der Kritik, ebenso ihre Tempelanlagen, die als Kunstwerke auf unsere Kulturgeschichte, unsere Vergangenheit verweisen. Was wäre die Stadt Ulm ohne Münster, München ohne die Frauenkirche und Paris ohne Notre Dame? Was wäre Augsburg ohne seine Religionsgeschichte, ohne St. Anna, ohne St. Ulrich und ohne den Dom? Womit wir beim Thema wären, nämlich beim Augsburger Stadttheater, das von Markus Söder in einem beispiellosen Wahlkampfakt im April 2018 zum Staatstheater erklärt wurde.

Niemand bestreitet die seelsorgerische Wirkung eines Philharmonischen Orchesters 

Analog zur Struktur der Kirchen hat sich im Lauf der jüngeren Geschichte die Struktur des deutschen Theatersystems nachhaltig in die kulturelle Identität der Städte hineinverwebt, sodass sie auch in von Diversität und kulturellem Wandel gezeichneten Gesellschaften schwer wegzudenken ist. Kaum jemand in Augsburg bestreitet das wohltuende Wirken des Philharmonischen Orchesters, des Balletts oder des Schauspiels. Niemand hat vor, diese “Form der Seelsorge” abzuschaffen. Niemand stellt das Fortbestehen des Großen Hauses am Kennedyplatz in Frage. Man soll die Kirche im Dorf lassen, sagt der Volksmund.

Ein kräftiges “Noch geht das!”, sollte man hinzufügen, denn wenn die aktuelle Stadtregierung mit dem Gesamtprojekt taktisch weiter so verfährt, wie es bei der Vorgängerregierung der Fall war, dann ist zu befürchten, dass selbst der Fortbestand des Großen Hauses nicht mehr gesichert ist.

Die Stadt Augsburg steht nämlich vor einem tiefen Abgrund, den sie selbst ausgehoben hat. 235 Millionen Euro sollte die Sanierung gemäß der ersten Entwurfsplanungen (2014/2015) des Münchner Büros Achatz kosten. Diese Summe wurde seitens der Staatskanzlei und des damaligen Augsburger OBs wohl aus politischen Gründen auf knapp 187 Millionen Euro heruntergebrochen. Anschließend veränderte sich die Planung bei den Neubauten aus Kostengründen fortlaufend, sodass kaum jemand verbindliche Aussagen darüber machen konnte, wie denn die Planung am Kennedyplatz inhaltlich fortgeführt werden solle.

Wurde der Stadtrat irreführend informiert?

Die Stadt selbst stellt das allerdings bis heute (Stand: 29. Juni 2020 vormittag) unverdrossen auf ihrer Homepage anders dar: “Mit dem Grundsatzbeschluss I vom Juli 2015 konnten Einsparungen festgelegt werden, ohne das Konzept inhaltlich zu ändern. Dadurch konnte eine Reduzierung der Sanierungskosten auf rund 189 Millionen Euro erreicht werden. Mit dem Grundsatzbeschluss III von 2016, hat der Stadtrat die Konzeptplanung „Generalsanierung und Neubau Staatstheater Augsburg“ mit einem Kostenrahmen von 186,3 Mio. Euro für Bauteil 1 und Bauteil 2 beschlossen.”

Architekt Volker Schafitel hebt im DAZ-Gespräch hervor, dass seitens der Stadt stets so informiert wurde, dass die Stadträte annehmen mussten, dass in die Gesamtkosten die erwarteten Baupreiserhöhungen bereits eingepreist seien.

Der epochemachende Grundsatzbeschluss, den die Stadt ebenso wie das damalige Dreierbündnis als Meilenstein ihrer Kulturpolitik anführte, hat sich zu einem Mühlstein verwandelt. Seit der städtischen Pressekonferenz am 19. Juni 2020 befindet sich das Projekt offiziell außerhalb des Grundsatzbeschlusses, da ebenda für das Bauteil II deutlich erhöhte Summen aufgefahren wurden. Für die Neubauten, die insbesondere das neue Schauspielhaus, die Verwaltung und die Werkstätten beherbergen sollen, waren ursprünglich 72 Millionen Euro aufgerufen worden. Eine Summe, die sich später aufgrund von “erstaunlichen Merkwürdigkeiten”, wie Brandschutz und hohem Grundwasserstand auf 125 Millionen Euro erhöhte, die aber nach einem Aufschrei der Politik durch Umplanungen auf 92 Millionen Euro reduziert werden sollte. Dann kam ein langes Schweigen, wohl auch aus politischen Gründen, denn vor der Kommunalwahl am 15. März hätten die neuen Zahlen in erster Linie der OB-Kandidatin Eva Weber (CSU) geschadet.

235 Millionen wurden auf politische 186 Millionen herunter gerechnet – Heute geht man von 321 Millionen aus – Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht

Wolle man ein funktionsfähiges Gebäude, komme man bei 115 Millionen für den Erweiterungsbau heraus, so wird Baureferent Merkle in der Augsburger Allgemeinen zitiert. Somit liegt die Gesamtsanierung für das Großes Haus und Neubauten bei heute 246 Millionen Euro. Rechnet man die Baupreissteigerungen für die kommenden Jahre ein, käme man bestenfalls auf 283,1 Millionen Euro (2,5 Prozent Steigerung) beziehungsweise auf bis zu 321,4 Millionen Euro (Preissteigerung um fünf Prozent). Da bei den Ausschreibungen weitere Preissteigerungen zu erwarten sind, schätzen von der DAZ befragte Experten das Projekt inzwischen auf 400 Millionen + x. Das sind Summen, die politisch längst nicht mehr vermittelbar sind und dem Gesamtprojekt die gesellschaftliche Legitimation entziehen.

Stoppt ein Bürgerbegehren das Projekt …

Damit ist die Katze aus dem Sack. Und damit ist auch das aktuelle Projekt gescheitert, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Sollte der Stadtrat in der kommenden Juli-Sitzung kein Moratorium beschließen, um sich von diesem Gesamtprojekt eine gewisse Zeit zu verabschieden, um sich mit neuen Ideen, einer besseren Planung und und einem seriösen Kostenplan und vor allem mit einem ernstzunehmenden inhaltlichen Theaterkonzept erneut heranzuwagen, dann wird das Projekt wohl mit einem Bürgerbegehren gestoppt, und zwar von Personen, die wissen, wie es geht. Das ist keine Spekulation und schon gar keine leere Drohung, sondern eine kaum missverständliche Ankündigung, die in der Pressemitteilung von der Gruppierung (AIB) des Neustadtrats Bruno Marcon nachzulesen ist.

… oder die Regierung von Schwaben …

Möglicherweise wird das Projekt aber nicht durch ein langwieriges Bürgerbegehren, also durch ein Verfahren von unten, sondern über Nacht von oben gestoppt – lediglich mit einem gesenkten Daumen. Gemeint ist die Regierung von Schwaben, die als Aufsichtsbehörde noch weit vor der Coronakrise eine Anfrage der damaligen Finanzreferentin Eva Weber über eine Kreditaufnahme von 40 Millionen Euro zum Erwerb des Osramgeländes abschlägig beschied. Die Aufsichtsbehörde begründete ihr No-Go unmissverständlich: Im Gegensatz zur Schulsanierung sei die Entwicklung von Grundstücken keine Pflichtaufgabe, es bestehe keine Verpflichtung zum Erwerb des Areals. Es müsse vielmehr mit Blick auf die kommenden Generationen ein geordneter Schuldenabbau erfolgen, um die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt zu erhalten. Außerdem führte die Regierung von Schwaben ins Feld, dass eine Refinanzierung nur vage einschätzbar sei, da mit Bodenbelastungen zu rechnen sei, also mit Folgekosten, die nicht zu kalkulieren sind. Das war im November 2019, als es der Wirtschaft in der Region noch gut ging und Schlüsselzuweisungen des Freistaats in dreistelligen Millionenbeträgen in die Stadtkasse sprudelten.

… oder gar die Vernunft der politischen Kaste?

Die Wirtschaftslage und die damit verbundene Finanzsituation der Stadt Augsburg sind nach der vermeintlich überstandenen Coronakrise unsicherer denn je. Die Stadt spricht nach einem ersten Kassensturz von einem Fehlbetrag über 50 Millionen Euro. Die kommunalen Hilfspakete des Bundes sind noch nicht ausgehandelt und speziell der Stadt Augsburg stehen milliardenschwere Pflichtaufgaben ins Haus, wie zum Beispiel die Schulsanierungen. 420 Millionen Euro Schulden hat die Stadt zusätzlich noch abzuarbeiten. Eine Theatersanierung ist keine kommunale Pflichtaufgabe. In diesem haushalterischen Kontext ist es unvorstellbar, dass die Regierung von Schwaben eine weitere Kreditaufnahme zum Zwecke der Theatersanierung zulässt. Und aus dem laufenden städtischen Haushalt heraus ist die Kostenexplosion nicht zu stemmen. Da es bisher in keiner deutschen Grammatik einen Komparativ von “gescheitert” gibt, soll er hier Premiere haben: Von allen bekannten Großprojekten in Deutschland ist nur der Berliner Flughafen gescheiterter als die Augsburger Theatersanierung.

Aktuell schließt die ratlos wirkende Stadtspitze Augen, Mund und Ohren und hofft darauf, dass das finanzielle Desaster, das sie selbst zu verantworten hat, sich in Luft auflöst. Jeder Alptraum hat ein Ende: eine Erfahrung der Finanzkrise, eine Erfahrung der skandalösen CFS-Sanierung. Doch im Gegensatz zu allen überstandenen Desastern erzählt das Narrativ der Augsburger Theatersanierung ein Paradoxon jenseits aller Erfahrung: Je teuerer das Projekt wurde, desto verschachtelter und vermurkster wurde die Planung. Die old-school-Planung von 2014 ist ohne digitalisierte 3-D-Bühnentechnik, sie gleicht beim Großen Haus eher einer Erhaltsplanung von denkmalgeschützem Interieur als einer modernen Fortschreibung. Eine verbesserte Akkustik oder eine neuartige Bühnentechnik sind nicht vorgesehen. Das neue “Schauspielhaus” soll eine Art Mehrzweckhalle werden, in der auch theaterferne Veranstaltungen stattfinden können. Eine Idee der Grünen, die der damalige Kulturreferent Thomas Weitzel begeistert aufgriff. Schlimmer geht es kaum.

Es geht nicht um die Zukunft des Theaterstandorts, sondern um die Zukunftsfähigkeit der Gesamtstadt

Die Frage, die nun im Raum steht, lautet: In welcher Verfassung muss eine Stadtregierung sein, die eine dergestalt gescheiterte Planung weiter verfolgt? Wenn etwas an der finanziellen Wirklichkeit vorbei Geplantes eine Art Angriff der Gegenwart auf die Gestaltungszukunft der Stadt Augsburg bedeutet, dann werden die durchaus verständlichen Partikularinteressen der Theaterleute obsolet. Dann sind die Verantwortungsinstanzen des Gemeinwohls gefragt. Es steht nämlich nicht die Zukunft des Theaterstandortes Augsburg auf dem Spiel. Gutes Theater kann auch in einer Bruchbude stattfinden. Es geht um die Zukunftsfähigkeit der Gesamtstadt, die von der Theatersanierung zu stark beeinträchtigt wird.

Die Hoffnung besteht nun darin, dass sich die politisch Verantwortlichen von dem Projekt lösen können, und zwar mit ihrem eigenen Verstand und eben dem Mut ihn auch dann zu gebrauchen, wenn die Scham sich dagegen wehrt. Sollte das nicht geschehen, sollte der Irrsinn wünschenswerterweise von den dafür vorgesehenen Regulativen gestoppt werden, also von der Regierung von Schwaben oder/und von einem Bürgerbegehren.



Volker Schafitel im DAZ-Interview zur Theatersanierung: Das Projekt ist kostenmäßig und planerisch längst aus dem Ruder gelaufen

Die Geschichte der aus dem Ruder laufenden Kosten und einer von Einsparungen verhunzten Planung kennt außerhalb des Büros Achatz und der zuständigen städtischen Verwaltung wohl nur Volker Schafitel genau, der von 2014 bis 2020 im Stadtrat saß. Schafitel, von Beruf Architekt, gilt als einer der kompetentesten Kritiker der Theatersanierung.

Volker Schafitel © DAZ

DAZ: Herr Schafitel, die neue Stadtregierung, allen voran OB Eva Weber, tut aktuell so, als wäre die neue Kostenentwicklung in Sachen Theatersanierung für den Stadtrat “bewusst gewesen”, da die Stadt transparent und seriös gehandelt habe. Sie waren damals Stadtrat, als die Stadt transparent gehandelt haben will. Teilen Sie Frau Webers Auffassung?

Schafitel: Die Stadt hat in erster Linie politisch gehandelt. Dies ist die gängige Praxis, um Großprojekte den Entscheidungsgremien und der Öffentlichkeit schmackhaft zu machen. Es begann damit, dass OB Kurt Gribl aus der Staatskanzlei den Auftrag erhielt, das gesamte Sanierungsprojekt deutlich unter 200 Millionen zu drücken.

DAZ: Das muss im Frühjahr 2015 gewesen sein.

Schaftitel: Genau. Daraufhin gab es im Juli 2015 eine Kostenschätzung von Herrn Achatz, in der die eingangs angeführten Gesamtkosten für das Große Haus (Bauteil I) von 119.420.081 Euro auf 113.500.000 Euro und für die Neubauten (Bauteil II) von 102.500.000 Euro auf 75.300.000 Euro reduziert wurden. Die ursprünglich vorgestellten Gesamtkosten für Bauteil I und II wurden also von 221.920.081 Euro auf 188.800.000 Euro reduziert.

DAZ: In der Planung, wie es politisch verlangt wurde. Aber wie Sie bereits sagten, handelte es sich um eine Kostenschätzung, aber noch um keine Kostenberechnung!

Schafitel: Diese Reduzierung wurde vom Büro Achatz jedoch exakt auf Kostengruppen verteilt und begründet, also nicht willkürlich herunter gerechnet. Diese Kostenschätzung basierte auf einem Baupreisindex von 20 Prozent bei einem angenommenen Ausschreibungszeitraum bis 2017. Es wurde damit dem Stadtrat dargelegt, man habe die gesamte Kostensteigerung für das Projekt einkalkuliert.

DAZ: Und so den Stadtrat und die Öffentlichkeit hinters Licht geführt?

Schafitel: Das will ich so nicht sagen, da die damalige Finanzreferentin Eva Weber mit ihrer Finanzierungsmatrix wohl selbst davon ausgegangen ist, dass die Gesamtkosten 186,3 Millionen betragen. Hätte sie damals mit den jetzt aktuellen Baukostenerhöhungen gerechnet, hätte sie eine andere Kreditaufnahme anvisieren müssen. Ich nehme nicht an, dass Frau Weber eine Kreditfinanzierung zu niedrig ansetzt, um den Stadtrat und die Stadtgesellschaft bezüglich der Gesamtkosten hinters Licht zu führen. Sowohl die Wirtschaftsreferentin als auch der Stadtrat gingen also bei den Beschlüssen von einer Endsumme inklusive Baukostensteigerung bis zur Fertigstellung aus. Ganz nebenbei hat die SPD den Beschluss ja auch nur unter der Bedingung des Kostendeckels von 186.3Mio Euro mitgetragen.

DAZ: Hat sich an dieser Einschätzung im Laufe der Zeit nichts geändert?

Schafitel: Hat sich und hat sich nicht. In der Stadtratssitzung am 30.November 2017 stellte Architekt Achatz dem Stadtrat einen Bericht zu den Kosten und Terminen für Bauteil I und II vor. Die Grundlage dazu war die von der Kostenschätzung zur genaueren Kostenberechnung erstellte Tabelle, die für das Bauteil I exakt 113.500.000 Euro angab, wobei der Puffer von 22.700.0000 Euro auf 4.501.331 weggeschmolzen ist.

DAZ: Der eigentliche Aufreger sind doch bisher die Neubauten.

Schafitel: Aber nur deshalb, weil es für das Bauteil I noch keine aktualisierten Zahlen gibt. Für das Bauteil II gab es 11/2017 nur einen Kostenrahmen. Dort lag die Gesamtsumme bei 72.799.250 Euro. In dieser Berechnung wurde auf die Indexierung auf das 1.Quartal 2017 hingewiesen. Dies bedeutet, die Kostensteigerung ist nur für diesen Zeitraum berechnet. Um diese Kosten zu halten, hätte zum 1.Quartal 2017 alles ausgeschrieben und vergeben sein müssen. Die Zeitangaben auf der Berechnung von Achatz sind auch verwirrend: Ausgehend von einer Kostenberechnung vom 09.11.2016 sind die Kosten auf das 1. Quartal 2017 indiziert. Die Berechnung wurde aber 11 Monate später am 30.11.2017 dem Stadtrat vorgestellt.

DAZ: Und?

Schafitel: Laut dem dazu beigelegtem Terminplan sollten aber die Ausschreibungen für Bauteil I erst im Mai 2020 abgeschlossen sein und bei Bauteil II im Mai 2021. Dies bedeutet eine weitere indexierte Baukostensteigerung über drei Jahre für Bauteil I und vier Jahre für Bauteil II. Diese wurde aber dem Stadtrat so nicht deutlich gemacht.

DAZ: Wann soll das gewesen sein sein?

Schafitel: Sagte ich das nicht?  2017! — Zwei Jahre später, also genau in der Stadtratssitzung am 25.07.2019, präsentierte Architekt Achatz im Zusammenhang der ersten Kostensteigerung bei Bauteil II, die mit Brandschutz und Grundwasserstand und diversen Zusatzanforderungen erklärt wurde, eine mit 12.5 Prozent indexierte Baukostensteigerung seit Dezember 2016 in Höhe von 9.099.906,20 Euro auf eine Gesamtsumme von exakt 125.854.733,63 Euro. Damit gab sich der Stadtrat noch nicht geschlagen. — Durch Einsparungen bei den Kellerlagerräumen und die Errichtung des Schauspielhauses an der Stelle, wo der Orchesterprobensaal geplant war, sollte eine Gesamtbausumme für Bauteil II von 92.300.000 erreicht werden.

DAZ: Mit oder ohne Baukostenindex? 

Schafitel: Die von Achatz 07/2019 konkret angegebene Indexsteigerung von 12,5 Prozent war zum Zeitpunkt 07/2019 nicht zulässig, da sie bezogen wurde auf 12/2016 und nicht auf 11/2017, wo der Stadtrat keinen konkreten Hinweis auf die indexierte Kostensteigerung erhielt. Davon abgesehen wurde dem Stadtrat suggeriert, es handle sich auch bei der Kostensteigerung 07/2019 um endgültige Zahlen. Es wurde kein Beschluss für die Planänderung gefasst, sondern Achatz sollte die damaligen Vorplanungen konkretisieren und mit zuverlässigen Kosten später wieder im Stadtrat vortragen.

DAZ: Was er dann auch deutlich nach der Kommunalwahl gemacht hat. 

Schafitel: Richtig! Das Ergebnis dieser Konkretisierung wurde in der letzten Stadtratssitzung im Juni veröffentlicht und von Achatz mit 115.000.000 Euro beziffert. Plötzlich ist von Einsparungen bei Lüftung und Bühnentechnik die Rede, die zu „dicker Luft“ im kleinen Haus geführt hätten. Dabei beinhalteten die Einsparungen 07/2019 auf 92.300.000 Euro hauptsächlich die Reduzierung von Lageräumen im Kellergeschoss und die Auslagerung des kleinen Hauses an die Volkhartstraße. Damit sind wir bei einer unerwarteten Kostensteigerung von 42 Millionen Euro für das Bauteil II hängen geblieben, also beim Neubau, bei dem der Architekt immer behauptet hat, die Kalkulation sei Dank seiner Erfahrung und Kompetenz sicher und seriös und deswegen sei auch kein Risikopuffer nötig.

DAZ: Bleibt es beim Bauteil II bei den nun vorgestellten Kosten – oder sind das ebenfalls noch nach oben verschiebbare Kostenzwischenstände? 

Schafitel: Bereits 2017 habe ich auf eine Baupreissteigerung von 5 Prozent pro Jahr laut Statistischem Bundesamt hingewiesen, die erst mit der Auftragsvergabe also der letzten Ausschreibung sein Ende findet. Dieses Ende ist aber bei Bauteil II noch lange nicht in Sicht, da man erst in der Vorentwurfsphase steckt und die endgültige Planung vom Stadtrat noch gar nicht beschlossen ist. 

DAZ: Sie sagten kürzlich im lokalen TV, dass sie davon ausgehen, dass die Gesamtkosten wohl an die 400 Millionen-Grenze heranreichen werden. Wie kommen sie zu dieser düsteren Prognose?

Schafitel: Bei der Kostenaufregung um Bauteil II gerät die künftige Kostenentwicklung im Bauteil I aus dem Blickwinkel. Dort ist bereits die Risikoreserve von 22.700.000 auf 4.501.331 Euro abgeschmolzen, obwohl noch kein Stein bewegt wurde. Augenwischerei ist natürlich auch die bereits durch Vergaben erlangte 30-prozentige Baukostensicherheit, denn vergeben wurden hauptsächlich 30 Prozent Planungsleistungen (Nebenkosten) und diese hängen derzeit ausschließlich an der Kostenberechnung. An dieser wurde aber nichts verändert.  So wird der Stadtrat auch beim Bauteil I zur Annahme geleitet, dass die anvisierten 113 Millionen eine sichere Zahl ist. Doch das ist eine Täuschung! Nachdem die Risikoreserve bereits fast aufgebraucht ist, schlagen künftige Kostensteigerungen, die bisher in dieser Reserve Unterschlupf fanden, voll auf die Gesamtbausumme.

DAZ: Dabei singt der Augsburger Baureferent stets ein optimistisches Liedchen.

Schafitel: Glauben machen zu wollen, Firmen würden aus Prestigegründen bei der Theatersanierung besonders günstig anbieten ist die pure Verzweiflung nach dem Motto „die Hoffnung stirbt zuletzt“ und hat mit der Realität nichts zu tun.

DAZ: Noch ein Wort zur Planung. Wie gefällt ihnen das Projekt als Architekt?

Schafitel: Die Entwicklung der Kosten lenkt von den Planungsverrenkungen ab, die der kostengetriebene Architekt vollzieht. Da wird plötzlich die Ente zur Gans aufgeblasen und aus dem  Orchesterprobensaal wird ein Schauspielhaus. Für solche Projekte finden im Normalfall internationale Architektenwettbewerbe statt. Betrachtet man die Entwicklung, ist das Projekt kostenmäßig und planerisch längst aus dem Ruder gelaufen. Die nächsten Kostenerhöhungen kommen mit den Ausschreibungen und während der Bauausführung. Besonders bei der Sanierung des Großen Hauses werden die Kosten bis zum Einzug die aktuellen Prognosen sprengen.

DAZ: Herr Schafitel, vielen Dank für das Gespräch.



Der FCA verpflichtet Trio ablösefrei

Bereits kurz nach der Saison stellt der FCA erste Weichen für die kommende Spielzeit und nimmt gleich drei Spieler ablösefrei unter Vertrag. Mit den Mittelfeldspielern Tobias Strobl von Borussia Mönchengladbach (Vertrag bis 30. Juni 2023) und Daniel Caligiuri vom FC Schalke 04 (Vertrag bis 30. Juni 2023) sowie Torhüter Rafal Gikiewicz vom 1. FC Union Berlin (Vertrag bis 30. Juni 2022) wechseln drei gestandene Bundesliga-Akteure zum FCA.

„Wir freuen uns, dass wir mit den Dreien nicht nur Spieler mit enormer sportlicher Qualität für unseren FCA gewinnen konnten, sondern auch starke Charaktere, die in ihren Klubs wichtige Positionen und Führungsrollen übernommen haben. Wir sind uns sicher, dass sie unserer Mannschaft durch ihre Mentalität auf und neben dem Platz sehr gut tun werden“, sagt Stefan Reuter, Geschäftsführer Sport, über das Trio.

Der gebürtige Münchner Tobias Strobl, dessen Familie in der Nähe von Augsburg wohnt, freut sich nach zuletzt vier Jahren bei Borussia Mönchengladbach auf eine Rückkehr in den Süden Deutschlands: „Der FC Augsburg hat in den letzten Jahren eine tolle Entwicklung genommen. Das habe ich immer sehr interessiert verfolgt. Daher freue ich mich, dass ich nun selbst das FCA-Trikot überziehen und mithelfen kann, dass diese Entwicklung mindestens genauso erfolgreich fortgesetzt wird.“

Rafal Gikiewicz war in den letzten Jahren nicht nur ein Garant für den Aufstieg von Union Berlin in die Bundesliga, sondern auch für den Klassenerhalt der Eisernen in der gerade abgelaufenen Saison: „Ich hatte eine unheimlich schöne und erfolgreiche Zeit bei Union Berlin. Doch jetzt freue ich mich auf ein neues und hoffentlich ebenfalls erfolgreiches Kapitel in meiner Laufbahn. Ich bin mir sicher, dass mir die Umstellung schnell gelingen wird, denn Union und FCA ticken in vielen Punkten ähnlich. Das zeigt alleine schon die Fanaktion „Augsburg Calling“, die auch von den Union-Fans gefeiert wird.“

Auch Daniel Caligiuri, der am Montag den Medizincheck in Augsburg erfolgreich absolvierte und dann einen Vertrag unterzeichnete, schlägt beim FCA ein neues Kapitel seiner Karriere auf: „Die Gespräche mit den Verantwortlichen um Heiko Herrlich und Stefan Reuter haben mich überzeugt und mir von Anfang an das Gefühl gegeben, dass meine Qualitäten hier gefragt sind. Ob mit Freiburg, Wolfsburg oder Schalke, es war immer sehr unangenehm gegen den FCA zu spielen. Ich bin sicher, dass diese Mentalität sehr gut zu meiner Spielweise passt. Daher freue ich mich, wenn ich nun ein Teil dieses Vereins bin, dessen Entwicklung in der Bundesliga sicherlich noch nicht abgeschlossen ist.

Neben diesem ablösefreien Trio wird auch Abwehrspieler Felix Uduokhai auch in Zukunft das FCA-Trikot tragen. Bei dem 22-Jährigen hatte der FCA die Kaufoption gezogen, die im Leihvertrag mit dem VfL Wolfsburg verankert war



Coronavirus in Augsburg: 432 Fälle bestätigt

Das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg verzeichnet vier neue COVID-19-Fälle.

Insgesamt wurden bisher 432 in Augsburg wohnhafte Personen positiv auf das Coronavirus getestet. 398 von 432 Personen sind genesen, 19 sind aktuell erkrankt, 15 Personen sind verstorben. In den vergangenen sieben Tagen wurden sieben Neuinfektionen im Stadtgebiet gemeldet. Das entspricht etwa 2,3 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Weitere Informationen unter: www.augsburg.de/coronavirus.