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Kommentar zum FCA: Seit heute Mitglied im Klub der Grattlervereine

Kein Trainer kann stark sein, wenn der Torhüter schwach ist

Kommentar von Siegfried Zagler

Als in der Vorsaison Manuel Baum entlassen wurde, gab die FCA-Führung kein ernstzunehmendes Argument an die Öffentlichkeit weiter, keine Analyse, keine Begründung, außer den Tabellenstand und schwankende Leistungen der Mannschaft. Kann sein, dass man Baum (wie seinen Vorgänger Dirk Schuster) schützen wollte – kann sein, dass man kein Argument hatte, sondern nur Angst vor dem Abstieg. Mit Baum wurde auch der damalige Chefscout gefeuert, weil man mit der ein oder anderen Verpflichtung unzufrieden war.

Danach wurde Tomas Koubek nach Augsburg geholt, weil in der Vorsaison weder der erste noch der zweite Torhüter des FCA Bundesligaformat nachweisen konnte. Nun sind es deren drei.

“Ein Trainer ist schneller freigestellt und schneller vergessen als der DFB die Regeln für den Videobeweis ändert. Martin Schmidt wurde nach Augsburg geholt, weil sein Vorgänger die Mannschaft wohl zu oft überforderte. Bei Schmidt scheint es umgekehrt.” Dies schrieb die DAZ Ende Januar nach der Niederlage bei Union Berlin.

Doch selbst ein Wald- und Wiesentrainer wie Martin Schmidt könnte mit dem FCA nach vorne sehen, hätte er einen Torwart gehabt, auf den er sich hätte verlassen können. Schmidt zu holen war der größere Fehler als seine Freistellung zu diesem Zeitpunkt. Sollte Schmidts Nachfolger nämlich wieder auf Koubek bauen, müsste man davon ausgehen, dass der Tscheche einen Vertrag mit Einsatzgarantie hat. Damit wäre der Niedergang des FCA in Stein gemeißelt. Spekulationen dieser Art geistern bereits durch die Stadt: Musste Schmidt gehen, weil er Koubek nicht aufgestellt hat?

Kein Trainer kann so gut sein, keine Mannschaft so gut, dass sie sich einen so schwachen Torhüter wie Koubek leisten könnten. Baum und Schmidt waren und sind Opfer der Panikattacken von Klaus Hofmann, waren und sind Gezeichnete von schwachen Torleuten, die mit ihren Patzern jeden Matchplan, jede Aufstellung und taktische Finesse pulverisierten.

Der FCA ist seit heute Mitglied im Klub der “Grattlervereine”, wie man in Augsburg so schön sagt. Gehört also zu jenen Klubs, die von einem allmächtigen Präsidenten regiert (nicht geführt) werden. Gehört zu jenen Klubs, deren sportliche Leitung (Reuter) nicht leitet, sondern Anweisungen ausführt. Und gehört somit zu jenen Klubs, die ihre Identität preisgeben, weil sie sich sklavisch den Launen ihrer Präsidenten unterwerfen. Vier Trainer in vier Jahren. Das riecht nach HSV, Stuttgart, Nürnberg, Hannover etc.

Wo diese Klubs spielen, ist bekannt.



FCA stellt Trainer Martin Schmidt frei

Nach dem 0:2 beim FC Bayern München und der siebten Niederlage aus den vergangenen neun Spielen stellt der FC Augsburg seinen Cheftrainer Martin Schmidt frei. Auch sein Co-Trainer Stefan Sartori wird von seinen Aufgaben entbunden.

Martin Schmidt © S. Kerpf

„Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, aber aufgrund der Bilanz von lediglich vier Punkten aus neun Begegnungen sind wir zu der Überzeugung gekommen, auf der Trainerposition eine Veränderung vorzunehmen. Es wird immer wieder schwierige Phasen geben, die es zu überstehen gilt. In der aktuellen Situation sehen wir unser Ziel Klassenerhalt jedoch als gefährdet an, sodass wir zu diesem Entschluss gekommen sind“, sagt Stefan Reuter, Geschäftsführer Sport des FC Augsburg.

„Ich akzeptiere die Entscheidung der Vereinsführung und bedanke mich für das Vertrauen und die Chance, die ich hier bekommen habe. Ich hoffe, dass ich ein paar Spuren hinterlassen konnte, auch wenn die Punkte auf dem Platz letztlich fehlten. Der Verein steht immer über jedem Einzelnen. Daher wünsche ich dem FCA und dem Team alles Gute und hoffe, dass mit einem neuen Impuls die Wende gelingt“, so Martin Schmidt.

 



Kundgebung: Grenzen auf für Flüchtlinge

Der Augsburger Flüchtlingsrat ruft heute, Montag den 9.03.2020 zu einer Kundgebung am Moritzplatz auf. Das Motto: Grenzen auf für Flüchtlinge!

Der Bayerische Flüchtlingsrat gibt den Ton an: “Die EU muss uneingeschränkt die Menschenrechte achten und Flüchtlingen das Recht gewähren, Asyl zu beantragen. Es ist deshalb an der Zeit, das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei zu beenden. Wir fordern die griechischen und bulgarischen Behörden auf, sofort die Grenzen zu öffnen und Flüchtlinge ungehindert einreisen zu lassen. Zudem dürfen die EU-Staaten die Länder an der Außengrenze nicht weiter alleine lassen. Flüchtlinge müssen das Recht bekommen, in dem EU-Staat ihrer Wahl einen Asylantrag zu stellen. Das garantiert, dass sie die bestmögliche Unterstützung durch enge Familienangehörige, Verwandte und Freundinnen und Freunde bekommen!” Die Kundgebung beginnt um 18 Uhr.

 

 



FCA in München: Eine Niederlage, die Mut macht

Fast wäre es dem FC Augsburg gelungen, dem FC Bayern die Feierlaune zu verderben. Abgesehen von einer imposanten Choreographie seiner Fans zum 125 Vereinsjubiläum brachten die Stars des Serienmeisters in der ausverkauften Allianz Arena gegen die gegenüber den letzten Auftritten stark verbesserten Augsburger lange Zeit nur wenig zustande.  Auch nach der Führung durch Thomas Müller (53. Min.) mussten die Bayern bis zum Schluss zittern, bevor Goretzka (90.+1) der Treffer zum 2:0 Endstand gelang.

Von Udo Legner

Gegenüber der 2:3 Heimniederlage gegen Mönchengladbach nahm FCA Coach Martin Schmidt gleich vier Wechsel vor. Für Lichtsteiner, Gruezo und Vargas standen Framberger, Iago und Baier (nach Gelb-Sperre) in der Startelf  und anstelle von Koubek durfte Luthe das Augsburger Tor hüten.

 

Fußball verkehrt – FCA mit Chancenplus

Gegen die gut gestaffelte Defensive taten sich die Bayern von Beginn an schwer. Ein ums andere Mal wurden ihnen von den lauffreudigen Augsburgern die Räume zugestellt, sodass von dem viel gepriesenen Offensivspiel des Rekordmeisters nichts zu sehen war. Auf der Gegenseite beschränkten sich die Schwaben keineswegs auf die Defensive, sondern versuchten mit Kontern – meist über die linke Außenbahn – der kompakten Münchner Abwehr beizukommen. So gehörte den Augsburgern auch der erste Torschuss (11. Min.), mit dem Löwen nach einer Vorlage von Niederlechner Nationaltorwart Neuer allerdings nicht in Verlegenheit bringen konnte. Erst in der 27. Minute kamen die Bayern zu ihrer ersten gefährlichen Torchance. Doch Müllers Zuspiel auf Cautinho wurde leichte Beute für Augsburg Schlussmann Andreas Luthe. 

Nach einer halben Stunde lautete die Torschuss Bilanz des bayerisch-schwäbischen Derbys 3:0 für die Schwaben, die auch eine Eckballserie der Bayern heil überstanden. Die erste richtige Möglichkeit hatten die Münchner unmittelbar vor der Halbzeitpause, doch Müllers Volleyschuss (45.+1) strich knapp über das Augsburger Tor, sodass es torlos in die Kabine ging.

Fazit zur Halbzeit: Ein imposanter Auftritt der Augsburger, denen der neue Schlussmann Andreas Luthe neue Sicherheit gab. 

Nach Wiederanpfiff erhöhte der FC Bayern die Schlagzahl und kam immer wieder gefährlich vor das Augsburger Tor. In der 52. Minute kam Gnabry nach feiner Flanke von Pavard frei zum Kopfball, der allerdings klar am Tor vorbeiging. 

Müllers Meisterstück

Nur eine Minute später war es so weit: Boatengs passte den Ball genial in den Augsburger Strafraum in den Lauf von Thomas Müller, gegen dessen Volleyabnahme Andreas Luthe keine Chance hatte. Der Ex-Nationalspieler erzielte mit diesem Führungstreffer bei 12 Torvorlagen bereits sein sechstes Tor in den 15 Bundesliga-Spielen unter Trainer Flick. Zwischen der 60. und 70. Minute stand dem FCA  Glücksgöttin Fortuna mehrfach zur Seite. Die Augsburger verteidigten nur noch und durften sich in dieser Phase bei ihrem Keeper und Coutinho bedanken, dass sie nicht höher in Rückstand gerieten. Nach der ersten Viertelstunde der zweiten Hälfte führten die Bayern in der Torschuss-Bilanz mit 7:1.

Neue Spieler, neues Glück?

FCA Coach Martin Schmidt wollte mit den Einwechslungen von Ruben Vargas (67. Min. für Philipp Max) und Alfred Finnbogason (75. Min. für Eduard Löwen) dem Spiel noch eine Wende geben. In der 80. Minute wäre dies fast geglückt. Finnbogason spielte sich links im Münchner Strafraum frei und spielte den Ball in die Mitte, wo aber erst Niederlechners Schuss und dann Niederlechners Nachschuss nichts einbrachten. Nur eine Minute später ging ein Kopfball Finnbogasons ans Außennetz. Abgesehen von einem letzten Aufreger, einem zu Recht nicht gegebenem Abseitstor von Florian Niederlechner (90. Min.), war dies das Ende der Augsburger Hoffnungen gegen die Bayern, die in der Nachspielzeit  nach einer sehenswerten Kombination von Gnabry und Goretzka noch zum 2:0 Siegtreffer (90.+1) kamen.

Durch diese 5. Auswärtsniederlage in Folge schmilzt der Abstand des FCA auf den Relegationsplatz auf fünf Punkte. Am nächsten Sonntag (Spielbeginn 18 Uhr) muss der FCA alles daran setzen, endlich wieder auf die Erfolgsspur zu kommen. Angesichts des überzeugenden Auftritts im bayerischen Derby und nicht zuletzt durch den vorgenommen Torwartwechsel ist dies auch gegen den formstarken Tabellensiebten aus Wolfsburg alles andere als eine Mission Impossible!

FCA: Luthe – Framberger, Gouweleeuw, Jedvaj, Iago – Baier – Richter, Khedira, Löwen (76. Finnbogason), Max (67. Vargas) – Niederlechner