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KOMMUNALWAHL 2020

Kommunalwahl: Schwere Verwerfungen bei Generation Aux

Nach den schweren “innerbetrieblichen Störungen” bei der WSA-Gruppierung ist bei einer weiteren Liste Feuer unterm Dach:  Igor Dordevic und der Verein “Generation Aux” liegen seit Wochen im Clinch, der am vergangenen Montag vom Landgericht Augsburg zugunsten Dordevics entschieden wurde: Dordevic darf weiter mit seinen Plakaten werben.

“Warum soll ich nicht so werben?”  Igor Dordevic

Generation Aux wollte Dordevic untersagen, mit seinem Konterfei für die aux-Liste und sich selbst Wahlwerbung zu betreiben. “Bei unserer Kampagne geht es uns darum, unsere Ideen zu bewerben, nicht unsere Köpfe”, so Raphael Brandmiller, der dem Verein vorsitzt und Listenplatz 1 innehat. “Igors selbst verfertigte Plakate passen weder vom Format zu unserer Kampagne, noch zur Message unserer Gruppierung”, so Brandmiller auf Anfrage. Die Dordevic-Botschaft passe ebenso nicht zu unseren liberalen und weltoffenen Werten. Das Thema Sicherheit spiele bei Generation Aux keine Rolle, “so wie Igor sich und unsere Liste präsentiert, wollten wir uns nie präsentieren”, so Brandmiller, der zusammen mit Generation Aux mit einer einstweiligen Verfügung verhindern wollte, dass Igor Dordevic mit seinen Plakaten auf seine Weise Wahlwerbung betreibt. “Mit Sicherheit für Augsburg”, so der semantisch ambivalente Dordevic-Slogan.

Dordevics betreibt seit 20 Jahren einen Sicherheitsdienst und ist mit seinem mittelständischen Unternehmen auch für die Stadt Augsburg tätig. Der schwergewichtige Dordevic ist groß und wirkt auf den ersten Blick nicht unbedingt wie ein bürgerlicher Normalo. Der Schein trügt: Igor Dordevic ist verheiratet, dreifacher Familienvater, Mitglied im Augsburger Integrationsbeirat und ehrenamtlicher Richter. Von Rechtslastigkeit, die Sicherheitsdenker nicht selten an den Tag legen, ist bei ihm keine Spur zu erkennen. Dordevic spricht unaufgeregt über den Fall: “Ich habe seit mehr als 20 Jahren eine Sicherheitsfirma, man kennt mich, ich stehe für Sicherheit. Warum soll ich also nicht so werben?”, so Dordevic, dem von Generation Aux vorgeworfen wurde, mit seinen Plakaten ein rechtslastiges Image zu verbreiten.

Vereinfacht gesagt, wollte der Verein über das Landgericht Augsburg via einstweiliger Verfügung Dordevic dazu zwingen, seine Plakate wieder abzunehmen und weitere Wahlwerbung für sich und aux zu unterlassen. Einhergehend mit einer strafbewährten Unterlassung, die auf 250.000 Euro taxiert wurde.

Das Gericht wies dieses Ansinnen mit der Begründung zurück, dass eine verbandsautonome Gestaltungsfreiheit ihre Grenze an vorrangigen Rechten der Vereinsmitglieder finde: “Die Möglichkeit demokratischer Wahlbewerber, die Wähler auf die eigene Person aufmerksam zu machen und durch die Herausstellung eigener Qualitäten Argumente für eine bestimmte Wahlentscheidung anzubieten, besitzt eine überragende Bedeutung für den demokratischen Willensbildungsprozess im Vorfeld einer Wahl.” Nach Auffassung des Gerichts bestehen verfassungsrechtlich garantierte Grundrechte, die es Dordevic in Verbindung mit dem Demokratieprinzip erlauben, eigenmächtig für sich Wahlwerbung zu betreiben.

“Mein Ziel ist es, mich vor Brandmiller wählen zu lassen, um für Generation Aux in den Stadtrat einzuziehen”, sagt Dordevic, der auf Brandmiller nicht gut zu sprechen ist, da Brandmiller bei aux gerne alles so hintrickse, dass er auch sicher gewählt werde. “Der Verein wollte mir meine Grundrechte verweigern, sie haben von mir 44 Plakate abgehängt und mir geschrieben, dass ich sie im Lehmbaubüro abholen kann.”

 



AEV verliert deutlich in Schwenningen

Die Augsburger Panther haben das letzte Auswärtsspiel der DEL-Hauptrunde 2019-20 verloren. Eine Woche nach dem endgültigen Einzug in die Playoffs unterlagen die Panther bei den Schwenninger Wild Wings mit 1:5. Den Treffer für den AEV erzielte Jaroslav Hafenrichter (5.). Für die Schwenningen waren Maximilian Hadraschek (20.), Michael Blunden (22., 38.), Alexander Weiß (44.) und Andreas Thuresson (59.) erfolgreich.

Drew LeBlanc © S. Kerpf

AEV ohne sieben in Schwenningen

Tray Tuomie musste dabei weiter auf Mitch Callahan, Alex Lambacher, Olivier Roy und Christoph Ullmann verzichten. Auch Steffen Tölzer stand nach der vereinsinternen Sperre nicht zur Verfügung und zudem ging man bei den angeschlagenen T.J. Trevelyan und Jakob Mayenschein kein Risiko ein. Dafür rückte Dennis Miller als 11. Stürmer ins Lineup, Colin Lausch aus der DNL-Mannschaft des AEV nahm als Ersatzgoalie hinter Markus Keller auf der Bank platz.

Beim Spiel selbst ging es im Grunde um nichts mehr: Die Panther hatten keine Chance mehr auf Heimrecht in der 1. Playoff-Runde und Schwenningen hatte eine Top-10-Platzierung bereits vor Wochen aus den Augen verloren.

Hafenrichter platziert zum 0:1

Dennoch bekamen die Zuschauer zu Beginn ein ordentliches Spiel zu sehen – mit Vorteilen für die Panther. Völlig verdient somit auch die frühe Führung: Über Scott Kosmachuk und Drew LeBlanc kam die Scheibe vor das Schwenninger Tor zu Hafenrichter, der aus etwa drei Metern trocken aus dem Handgelenk oben links einnetzte (5.).

Auch danach blieben die Gäste tonangebend, aber ein zweiter Treffer wollte nicht fallen und die Wild Wings kamen – auch aufgrund von zwei Powerplays – besser ins Spiel und letztlich kurz vor der ersten Sirene auch zum Ausgleich. Mirko Sacher fuhr über die rechte Seite ins Drittel der Panther, legte zurück und Hadraschek traf durch die Beine von Keller zum 1:1 (20.).

Zweimal Blunden – Wild Wings ziehen davon

Im zweiten Durchgang ging es ähnlich weiter: LeBlanc hatte freistehend vor Dustin Strahlmeier die große Chance auf die erneute Führung (22.), aber der Goalie der Wild Wings parierte und konnte im Gegenzug das 2:1 für Schwenningen bejubeln, als Blunden nach toller Vorarbeit von Troy Bourke nur noch einschieben musste (22.).

Kurz danach traf Julian Kornelli nur den Augsburger Pfosten (23.), während Fraser auf der anderen Seite bei einem Alleingang seinen Meister in Strahmeier fand (24.).

In diesem Tempo ging es zwar nicht ganz weiter, aber vor allem der AEV hatte zahlreiche Möglichkeiten auf den Ausgleich, aber die Abschlüsse waren nicht platziert genug und so kam es wie es kommen musste: In doppelter Überzahl spielte es Schwenninger stark und direkt und am Ende stand erneut Blunden völlig frei und schob zum 3:1 ein (38.).

Schwenningen legt nach

Und kurz nach Wiederbeginn besorgte Weiß, der einen Schuss aus der Drehung von Colby Robak noch leicht abfälschte und dafür sorgte, dass der Puck durch die Beine von Keller zum vierten Treffer der Hausherren über die Linie ging (44.) die Entscheidung.

Der AEV spielte zwar weiter nach vorne, aber die Luft war aufgrund des Drei-Tore-Rückstands ein wenig raus und lange passierte auch nichts mehr. Doch wie schon in den ersten beiden Dritteln, gelang Schwenningen auch im dritten Durchgang ein später Treffer durch einen Schuss aus der Distanz von Thuresson (59.) zum Endstand.

Derby in 1. Playoff-Runde wartet

Durch die Niederlage werden die Panther die Saison definitiv auf dem zehnten Platz abschließen – unabhängig davon, wie das abschließende Vorrundenspiel am Sonntag gegen die Kölner Haie ab 14:00 Uhr im Curt-Frenzel-Stadion endet.

Klar ist auch, dass es in der 1. Playoff-Runde ab kommendem Mittwoch zu einem bayrischen Derby entweder gegen den ERC Ingolstadt oder die Thomas Sabo Ice Tigers kommen wird. In einem möglichen Viertelfinale gäbe es die Neuauflage des letztjährigen epischen Halbfinals gegen den EHC Red Bull München.



Kommentar: Tölzer ist nicht mehr vermittelbar

Warum Steffen Tölzer als Spieler zurücktreten muss

Kommentar von Siegfried Zagler

Panther-Kapitän und AEV-Legende Steffen Tölzer (34) hat im vergangenen Jahr nach einem Oktoberfestbesuch bei einem verbalen Streit mit Gerangel einen damals 48-jährigen Mann auf ein S-Bahn-Gleis gestoßen. Das Opfer erlitt dabei Verletzungen im Gesicht und wurde von einem Bekannten wieder vom Gleisbett gezogen. 12 Sekunden bevor die S-Bahn einfuhr. Tölzer habe sich entschuldigt und hat sich mit der nächsten S-Bahn vom Tatort entfernt. Bei den Ermittlungen wurde Tölzer von den zuständigen Beamten wohl mithilfe von Überwachungskameras identifiziert. Die Staatsanwaltschaft erließ daraufhin einen Strafbefehl mit dem Vorwurf “gefährliche Körperverletzung mittels einer das Leben gefährlichen Behandlung”. Das Strafmaß: Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung. Tölzer hat den Strafbefehl akzeptiert, der am 10. März rechtsgültig wird. Tölzer ist dann vorbestraft.

Soviel zu den Fakten. Gestern wurde die Öffentlichkeit darüber von der Panther-GmbH informiert. 

„Was ich getan habe, tut mir unglaublich leid. Ich übernehme von Anfang an die komplette Verantwortung für mein Handeln und kooperiere ohne Einschränkung mit den Behörden. Es steht außer Frage, dass ich auch weiterhin alle Konsequenzen für mein Vergehen vollumfänglich trage. Da ich meiner Vorbildfunktion abseits des Eises in keiner Weise gerecht geworden bin, lege ich mein Kapitänsamt bei den Augsburger Panthern mit sofortiger Wirkung nieder. Ich möchte mich in aller Form und aufrichtig beim Geschädigten, meinem Club, meinen Teamkollegen sowie natürlich allen Fans und Sponsoren entschuldigen. So etwas hätte mir niemals passieren dürfen.“ So die Stellungnahme von Tölzer. 

„Steffen Tölzer hat uns nach Zugang des Urteils eingehend informiert. Wir schätzen seine Ehrlichkeit, verurteilen seine Tat aber aufs Schärfste. Sein Handeln ist mit den Werten unseres Clubs nicht vereinbar und schadet unserer Organisation. Den angebotenen Rücktritt vom Amt des Mannschaftskapitäns haben wir akzeptiert. Dennoch werden wir Steffen in diesem auch für uns unschönen Kapitel unterstützen und nicht fallen lassen. Wir kennen ihn als untadeligen Sportsmann, der für seine ehrliche und zuverlässige Arbeit anerkannt ist“, so Panther-Gesellschafter Lothar Sigl.

Weiter heißt es im Text, dass Tölzer mindestens am kommenden Wochenende in der Deutschen Eishockey Liga für die Augsburger Panther nicht zum Einsatz kommen wird und eine Geldstrafe erhielt.

So die Stellungnahmen der Betroffenen, die genau so ausfallen, wie sie in einem Fall wie diesem auszufallen haben. Unerwähnt bleibt dabei, dass Tölzer noch vor drei Wochen einen neuen Vertrag über ein weiteres Jahr mit den Panthern abgeschlossen hat, ohne diese von seinem Vergehen zu informieren. 

Oder er hat Sigl informiert und beide Vertragspartner hofften darauf, dass die Angelegenheit nicht an die Öffentlichkeit kommt. Diese Rechnung hätten sie dann ohne die Bild-Zeitung gemacht. 

Um solche Spekulationen zu vermeiden und um die Werte der Curt-Frenzel-Familie nicht auf die Probe zu stellen, ist es mit den bisher aufgezählten Maßnahmen (Rücktritt Kapitän, Geldstrafe, ein-zwei Spiele Pause) nicht getan. Steffen Tölzer ist als Spieler des AEV nicht mehr vermittelbar. Er und der AEV hätten verantwortungsvoll gehandelt, hätte Tölzer seinen sofortigen Rücktritt als Spieler erklärt. Nach der Tat einfach weiterspielen und nach Bekanntwerden der Tat ein bisschen Asche aufs Haupt, ein bisschen Aussetzen und schauen wie das ankommt, ist in diesem Zusammenhang eine Zumutung, die nicht zu akzeptieren ist.

Festzuhalten ist aber auch, dass Steffen Tölzer mit dieser Straftat nicht auf ewig ein gezeichneter Straftäter sein darf. Verzeihen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Rechtsstaatlichkeit. Ohne das Konzept der Vergebung gäbe es kein Streben nach Gerechtigkeit. Der Prozess des Verzeihens braucht jedoch Zeit. Mund abwischen und weitermachen würde dieses Prinzip mit Füßen treten.