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Coronavirus: Stadt gibt Tipps

Das Coronaviris kommt näher. Die Stadt Augsburg informiert aus diesem Grund auf ihrer Webseite 

Am vergangenen Wochenende wurde der Bus einer Schulklasse aus einem betroffenen Gebiet Norditaliens auf dem Weg nach Augsburg gestoppt. Die Schüler wollten eine Woche in einem großen Augsburger Bildungsträger Deutsch lernen. Die Uniklinik zeigt sich vorbereitet. Um Panik zu vermeiden hat nun die Stadt Augsburg eine Informationsseite eingestellt: https://www.augsburg.de/umwelt-soziales/gesundheit/coronavirus



KOMMUNALWAHL 2020

Überwerfungen bei WSA: Marcella Reinhardt tritt aus – Vorstand spricht von “gezielter Diffamierungskampagne”

Die Augsburger Kommunalwahl hat ihren ersten Skandal: Marcella Reinhardt, die dem Regionalverband der Sinti und Roma vorsitzt und auf Platz 6 der Liste “Wir sind Augsburg” steht, hat heute ihren Austritt aus dem Verein erklärt und sich gegenüber der DAZ  erklärt.

M. Reinhardt

Sie könne sich nicht mit einer Liste identifizieren, deren Frontmann sich in einer Ausschussgemeinschaft mit der AfD befunden habe, so Reinhardt auf Anfrage. Außerdem sei sie nicht informiert worden, dass ein Betreiber eines Kampfsportstudios auf der WSA-Liste steht, dem Rechtslastigkeit nachgesagt werde. “Ich werde mich ab heute nicht mehr als Stadtratskandidatin der WSA präsentieren”, so Reinhardt, die aus rechtlichen Gründen so kurz vor der Wahl die Liste nicht mehr verlassen kann. “Falls ich dennoch als erste Sintezza in den Stadtrat gewählt werde, werde ich mein Mandat als parteilose Stadträtin ausführen.”

Auf die Frage, warum sie sich denn erst jetzt zu diesem Schritt entschieden habe, sagte Reinhardt zwei Sätze: “Ich habe Peter Grab vertraut, denn schließlich hat auch er einen Migrationshintergrund, außerdem bin ich nicht informiert worden.” Am morgigen Freitag erklärt Marcella Reinhardt ihren Rücktritt der Öffentlichkeit. Ort: Ulmer Str. 199. Zeit: 18 Uhr.

Inzwischen hat auch der WSA-Vorstand Stellung bezogen: “Mit großem Bedauern müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass unsere Listenkandidatin auf Platz 6, Marcella Reinhardt (Vorsitzende des schwäbischen Verbands der Sinti und Roma), ihre WSA-Mitgliedschaft heute beendete und dies veröffentlichte.” Als Grund für den Rückzug vermuten Tabak und Co., ein systematisches “Mobbing” und “Bashing” gegen WSA-Mitglieder.

“Nicht jedes Mitglied hält diesem Mobbing stand. Wir haben Verständnis dafür, dass eine Vorsitzende des Verbandes der Sinti und Roma in keinster Weise sich öffentlich als rechts oder als Nazi bezeichnet wissen will – wie übrigens keines unserer Mitglieder. Marcella Reinhardt hat diesem Druck nicht mehr standhalten wollen und wir bedauern diese Entwicklung sehr. Nichtsdestotrotz haben wir einerseits Verständnis für ihre Konsequenzen, andererseits kein Verständnis dafür, dass Hater wie Thomas Milasevic oder Peter Hummel so lange unbehelligt in den sozialen Medien ihr Unwesen treiben können.” So der WSA-Vorstand in einer gemeinsamen Erklärung.

Anna Tabak, OB-Kandidatin von WSA, kündigt nun juristische Schritte an: “Statt sich mit WSA inhaltlich und sachlich politisch auseinander zu setzen, haben sich einige Vertreter der Freien Wähler Augsburg-Stadt und deren Nahestehende dazu entschlossen, im Wahlkampf auf eine gezielte Diffamierungskampagne zu setzen und sich so politisch zu profilieren. WSA und seine Mitglieder sind nicht mehr gewillt, sich das gefallen zu lassen. Juristische Schritte sind eingeleitet, weitere werden folgen.”

Darauf hat nun wiederum der OB-Kandidat der Freien Wähler Peter Hummel reagiert: “Dass ich von WSA als einer der Verursacher dieses Skandals erwähnt werde, ist einigermaßen albern. Ja, ich habe vor Jahren die Seite WSA-AfD-Watch gegründet, als die beiden politischen Gruppen eine Ausschuss-Gemeinschaft gegründet haben, bin da aber seit Ewigkeiten raus. Richtig ist, dass ich es problematisch finde, dass WSA auf ihrer Stadtrats-Liste jemanden hat, der in seinem Sportstudio die Reichkriegsflagge aufhängt und Rechtsextremisten trainiert. Sowas muss man kritisieren dürfen – zumal dann, wenn man die AfD-Vergangenheit von WSA kennt.”


“Sinti und Roma leben seit Jahrhunderten in Europa. In ihren jeweiligen Heimatländern bilden sie historisch gewachsene Minderheiten, die sich selbst Sinti oder Roma nennen, wobei Sinti die in West- und Mitteleuropa beheimateten Angehörigen der Minderheit, Roma diejenigen ost- und südosteuropäischer Herkunft bezeichnet. Außerhalb des deutschen Sprachraums wird Roma als Name für die gesamte Minderheit verwendet.

Der Begriff “Zigeuner” ist dagegen eine in seinen Ursprüngen bis ins Mittelalter zurückreichende Fremdbezeichnung der Mehrheitsbevölkerung und wird von der Minderheit als diskriminierend abgelehnt. Wird er im Kontext historischer Quellen verwendet, so sind die hinter diesem Begriff stehenden Klischees und Vorurteile stets mit zu bedenken. Etymologisch ist der Begriff nicht eindeutig ableitbar. Er beinhaltet sowohl negative als auch romantisierende Bilder und Stereotypen, die real existierenden Menschen zugeschrieben werden. Daher ist der Begriff zuallererst ein Konstrukt.

In Deutschland sind Sinti und Roma seit 600 Jahren beheimatet. Die etwa 70.000 hier lebenden deutschen Sinti und Roma sind eine nationale Minderheit und Bürgerinnen und Bürger dieses Staates. Neben Deutsch sprechen sie als zweite Muttersprache die Minderheitensprache Romanes.”

Quelle: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma



Operettenglanz im Martinipark

Das Hallen-Flair des Martiniparks wurde am Rosenmontag schon zum zweiten Mal zur Glitzerkulisse der BR-Gala mit Verleihung des  Operettenpreises

Von Halrun Reinholz

Bildquelle: BR/Nadia Weber

Die wilden 20er“ waren das Motto der Operettengala, die der Bayerische Rundfunk im Martinipark zelebrierte. Die Operette – ein totes Genre? Den Eindruck hatte man nicht, wenn auch das zahlreich anwesende Publikum doch noch einen Tick ergrauter schien als sonst. Immerhin hatten einige der anwesenden Damen sich dem Motto gemäß mit Federboas und Kopfschmuck ausgestattet. Auch die Moderatoren des Abends waren entsprechend ausstaffiert: Franziska Stürz mit goldglitzerndem Charleston-Kleid und Stefan Frey mit Knickerbocker und Schiebermütze. Die Augsburger Philharmoniker saßen unter Kronleuchtern, flankiert vom Opernchor. Ein gut gelaunter Ivan Demidov dirigierte im ersten Teil Melodien von Franz Lehár, dessen 150. Geburtstag man in diesem Jahr feiert und dessen „Lustige Witwe“ derzeit in Augsburg auf dem Spielplan steht. 

Olena Sloia und Roman Poboinyi überzeugten in den Solopartien oder Duetten. Für heitere Schauspiel-Intermezzi sorgte mit schmelzendem Charme Sebastian Baumgart als „Danilo“, dem leichtlebigen Grafen aus der „Lustigen Witwe“. Im zweiten Teil kam mit Jacques Offenbach und Hervé eine französische Komponente ins Spiel. Gleichzeitig stellten die Moderatoren die Gewinner des jeweils monatlichen „Frosch“ vor – dieser Preis (benannt nach dem berühmten Gefängniswärter in der „Fledermaus“) wird von der BR-Klassik-Sendung „Operettenboulevard“ jeden Monat an besondere, zeitgemäße und/oder innovative  Operetteninszenierungen verliehen. Aus den zwölf „Monatsfröschen“ wurde dann der „Frosch“ des Jahres 2019 gekürt, in dem Fall die „Palazzetto Bru Zane“  Stiftung für  Tourneetheater-Produktionen für die Produktion „Yes“. 

Ein weiterer  Programmpunkt des Abends war die Verleihung der „Orpheus-Nadel“  des gleichnamigen Opernmagazins. Sie geht alljährlich an Personen, die sich um die zeitgemäße Pflege der Operette verdient gemacht haben. Gekürt wurde diesmal der Intendant des Münchner Gärtnerplatztheaters Ernst Köpplinger, der in dieser Spielzeit mit einer aufsehenerregenden Inszenierung von „Drei Männer im Schnee“ bereits einen der monatlichen „Frösche“ zugesprochen bekommen hatte. Zur Gala hat er Camille Schnoor mitgebracht, die als Gast die Arie “Vilja, oh Vilja“ aus der Lustigen Witwe sang. 

Die Laudatio hielt Orpheus-Chefredakteurin Iris Steiner, deren Augsburger Herkunft und Vernetzung wohl die Gala im Martinipark zu verdanken ist. Tatsächlich ist es für das Augsburger Staatstheater eine bemerkenswerte Präsentation nach außen. Nicht nur unter den Zuschauern waren offenbar viele Auswärtige, der Mitschnitt der Gala wurde vielmehr traditionell am Faschingsdienstag in BR Klassik übertragen. Es schadet auf jeden Fall nicht, wenn die doch sehr vorzeigbare musikalische Qualität des Augsburger Theaters auch über den schwäbischen Tellerrand hinaus leuchtet. Die „Operettenrevue“ endete jedenfalls im begeisterten operettenseligen Applaus des Publikums für Orchester, Chor und Solisten und mit einem Glas Sekt für jeden Besucher.