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Brechtfestival der Warteschlangen: “Augsburger haben das Konzept nicht verstanden”

Charly Hübner, Milan Preschel, Lars Eidinger – das Brechtfestival lockte am zweiten  “Spektakel”-Wochenende mit prominenten Gästen viele Besucher an, konnte sie jedoch nicht unterbringen. Unmut und Warteschlangen im Martinipark.

Von  Halrun Reinholz

Jürgen Kuttner: “Die Augsburger haben das Konzept nicht verstanden”

Bereits am Nachmittag ging der zweite Teil des „Spektakels“ zum Brechtfestival am Samstag los. Im Riesenrad lasen verschiedene Leute aus Brecht-Gedichten. Eine nette Idee und kein besonders großer Andrang. Doch auf dem Weg zu den Proberäumen standen Menschen an. Im Einklang mit den Klängen der „FDJ Deutschland“, die sich vor dem Eingang zum Martinipark zu einer Art Demo versammelt hatte und die Umgebung mit Pionierliedern berieselte. Schlangenstehen war das Motto des Abends. 

Die Festivalleitung hatte zum „Spektakel vol.2“ prominente Namen versprochen. Die Karten waren schnell ausverkauft, später gelangten weitere in den Verkauf. Leider hatte man sich keine Gedanken gemacht, wie die Massen zu steuern sind. Charly Hübner wollte zwei Mal (es gab dann noch eine Zusatzvorstellung) den „Herrnburger Bericht“ performen, Milan Peschel & Johann Jürgens waren an zwei Terminen mit „Brecht böse: Baal, Fatzer, Kommunismus“ angekündigt. Das waren Magnete, die zahlreiche Besucher anlockten. Die begrenzte Platzzahl hätte man mit zentralen Einlasskarten in den Griff bekommen können. 

Stattdessen standen die Besucher pausenlos in irgendwelchen Schlangen herum, ohne zu wissen, ob sie tatsächlich ihr Ziel erreichen. Hatte man es dann tatsächlich geschafft, die Performance von Jürgen Peschel und  Johann Jürgens zu erreichen, war die Enttäuschung groß: Baal? Fatzer? Kommunismus? Gelesene Texte, teils ohne Zusammenhang und dann wieder privates Geplänkel, gar eine Rauferei unter den Protagonisten. Impro-Theater. Ein Sinn blieb verborgen. 

Charly Hübner, sofern man ihn erreichte, enttäuschte viele ebenso. Der Höhepunkt des Abends war für die meisten Besucher der angekündigte Auftritt von Lars Eidinger, der aus der „Hauspostille“ zu lesen versprach. Der große Saal hat immerhin eine Kapazität von 700 Plätzen, trotzdem standen schon eine Stunde vorher die Fans an, nach den Erfahrungen des Abends wollte man nichts riskieren. Auch hier hätten Einlasskarten die Situation entspannt, man hätte nicht nur eine Tür öffnen müssen, um die Leute zu zählen. Aber es ging trotz Gedränge alles gut und irgendwann tauchte auch Lars Eidinger auf der Bühne auf, zusammen mit seinem Musiker Hans-Jörn Brandenburg. 

Zwei Gedichte aus der Hauspostille trug er hinreißend (und auswendig) vor. Danach verhedderte er sich, fand die Gedichte nicht in seinem Buch, versprach sich und fing von neuem an. Vier Versprecher beim Vorlesen in knapp 50 Minuten  – das ist für einen Profi mehr als peinlich. Aber man hatte an diesem Festivaltag den Eindruck, dass das irgendwie Programm ist. Was kümmert den Star das Provinzpublikum? Als Albert Ostermair das sogenannte „abc-Festival“ ausrichtete, konnte man eine ähnliche Orientierung erkennen: Augsburg ist nur Kulisse und die Selbstdarstellung der prominenten Künstler geht am Publikum vorbei. 

Als die erbosten Zuschauer in der Warteschlange sich bei dem zufällig vorbeikommenden Jürgen Kuttner beschwerten, antwortete er ihnen, dass „die Augsburger“ das Konzept des Festivals nicht verstanden hätten. Es gehe nicht darum, sich bei großen Namen in die Schlange zu stellen. 

Worum denn dann? Wozu bringt man prominente Darsteller zum Festival? Das Brechthaus (das seltsamerweise überhaupt nicht in das Festival mit einbezogen war) verzeichnete an den Festivalwochenenden (und vor allem an dem zweiten mit den prominenten Gästen) einen auffälligen Besucherstrom von auswärts – Köln, Düsseldorf usw. Diese Gäste des Brechtfestivals landeten ebenfalls frustriert  in der Warteschlange.

Immerhin gab es auch Lichtblicke. In der Kantine hielten sich die Schlangen in Grenzen. Hier konnte man die „Kriegsfibel“ sehen. Für die angekündigte Kathrin Angerer war Hanna Hilfsdorf eingesprungen. Die Band „Goshawk“ spielte mit Masken – warum auch immer. Das Highlight des Abends  war an diesem Ort jedoch zu später Stunde der „Techno-Brecht“. Ensemble-Schauspieler Anatol Käbisch hatte ihn mit DJ Liljan Waworka selbst konzipiert. Die vielen  jungen Leute im Saal gingen voll mit. Sie sind der Beweis dafür, dass Brecht in dieser Techno-Form auch ankommt. Hier sah man eine wohltuende Professionalität, sah man Künstler, die die das Publikum ernst nehmen. – Bei so manchen als hochkarätig eingeschätzten Nummern des Abends hatte man das vermisst.

Die Abschlussveranstaltung des  Brechtfestivals am Sonntag fand beim Publikum leider wenig Beachtung: Ein Eisler-Liederabend mit Maren Eggert, Ole Lagerpusch und der Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot aus dem Deutschen Theater in Berlin. Die hoch professionelle Big Band bot zusammen mit den beiden Darstellern eine vergnügliche Schau über das Wirken von Hans Eisler und dessen skeptische Einschätzung durch das antikommunistische Amerika.

Das Fazit des Brechtfestivals 2020 ist durchwachsen. Zwar zeigte sich deutlich die lokale Präsenz – nicht nur des Staatstheaters, sondern auch der Bluespot Productions sowie des Theter Ensembles. Andererseits gab es erfreulicherweise Gastspiele von auswärts – bedingt durch die Kontakte der Festivalmacher vorwiegend aus Berlin. Die organisatorischen Mängel müssten allerdings im Fortsetzungsfall dringend behoben werden, denn ein städtisches Festival sollte als erste Zielgruppe immer noch die eigenen Bürger haben. Ein Festival der Warteschlangen ist sicher nicht das, was sich die Augsburger wünschen.



FCA geht mit großen Sorgen in die Fastenzeit

Auch im 18. Duell mit der Werkself aus Leverkusen reichte es für den FC Augsburg zu keinem Erfolgserlebnis. Stattdessen setzte es am 23. Spieltag in der BayArena vor 23.703 Zuschauern die zehnte Saisonniederlage für die Truppe von Martin Schmidt, die den Treffern von Moussa Diaby (25. Min.) und Nodien Amiri (59. Min.) nichts entgegenzusetzen hatte.

Von Udo Legner

Im Vergleich zum Heimspiel gegen Freiburg lief der FCA beim Angstgegner Leverkusen mit einer auf drei Positionen geänderten Startelf auf. Raphael Framberger, Felix Udoukhai und Fredrik Jensen ersetzten Stephan Lichtsteiner (angeschlagen und nicht im Kader), Iago und Alfred Finnbogason.

Hoffnungsvoller Auftakt für den FC Augsburg

In der ersten Viertelstunde schien der Matchplan von FCA Trainer Schmidt noch aufzugehen: Der auf fünf Positionen neu formierten Leverkusener Elf steckte die Europa League Partie gegen den FC Porto noch in den Knochen und entsprechend schwer taten sie sich gegen das aggressive Pressing des FCA. So blieben Strafraumszenen trotz klarer Ballbesitzvorteile der Werkself gegen die neu ausgerichtete Dreierreihe-Defensive der Augsburger erst einmal Fehlanzeige. Ein Distanzschuss von Amiri (10. Min.) war die einzige nennenswerte Offensivaktion der Leverkusener. Auf der Gegenseite gingen ein Kopfball von Toptorjäger Niederlechner nach einer Ecke (18. Min.) und ein Freistoß (21. Min.) von Philipp Max nur knapp am Tor vorbei.

Dem Freistoß vorausgegangen war ein Foulspiel von Edmond Tapsoba an Florian Niederlechner, das von Schiedsrichter Sven Jablonski trotz massiver Proteste der FCA Spieler lediglich mit Gelb geahndet wurde, was auch nach Spielende noch für Diskussionen sorgen sollte.

Taktik-Fuchs Bosz bringt FCA auf die Verliererstraße

Leverkusens Trainer Bosz reagierte auf das Augsburger Chancenplus und stellte zur Stabilisierung des Mittelfeldzentrums auf eine Viererkette um. Diese taktische Maßnahme bedeutete das jähe Ende der Augsburger Angriffsherrlichkeit. Nur vier Minuten später ging Leverkusen durch eine imposante Kombination in Führung. Nationalspieler Tah stoppte einen Augsburger Konter im Mittelkreis mit einem gezielten Kopfball auf Kai Havertz, dessen genialer Pass Moussa Diaby erreichte, der mit einem Schuss ins lange Eck (25. Min.) dem chancenlosen FCA-Torhüter Koubek das Nachsehen gab.

Der Führungstreffer der Leverkusener zeigte Wirkung: der FCA stellte sein Offensivspiel fast völlig ein und war nur nur noch auf Schadenbegrenzung bedacht. Die letzte Viertelstunde vor der Halbzeitpause war ein Spiegelbild der ersten Viertelstunde nach Wiederanpfiff: Die Augsburger standen sich oft selbst im Wege und bereits ihre Spieleröffnungen endeten in Fehlpässen.

Ein Aussetzer in der Defensive brachte die Schmidt Truppe endgültig auf die Verliererstraße: In der 59. Minute bekam Nadiem Amiri am Mittelkreis den Ball und konnte ungestört von dem Augsburger Begleitschutz-Trio in den Strafraum eindringen und durch einen platzierten Schuss in die untere Ecke aus 16 Metern den 2:0 Endstand für Leverkusen erzielen.

Die Torgelegenheiten, die sich dem FCA danach noch boten, waren eher dem eingelegten Schongang der Werkelf geschuldet als der eigenen Offensivqualität. Der mögliche Anschlusstreffer durch Niederlechner (89. Min.), der von der einmal mehr kämpferisch enttäuschenden FCA-Truppe noch am ehesten zu überzeugen wusste, hätte dem Spielverlauf freilich geschmeichelt.

Durch diese Niederlage schmolz der Abstand des FCA auf den Relegationsplatz auf sieben Punkte. Angesichts der in Leverkusen gezeigten Leistung und der Schwere der kommenden Aufgaben – nach dem Heimspiel gegen Mönchengladbach geht es zum Auswärtsspiel nach München – geht der FCA mit großer Sorge in die Fastenzeit.

FCA: Koubek – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Jedvaj – M. Richter (89. Finnbogason), R. Khedira (78. Löwen), Baier, Max – Jensen (59. Vargas), Niederlechner.

#MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1Bayern MünchenFC Bayern23154465:263949
2RB LeipzigRB Leipzig23146361:253648
3Borussia DortmundDortmund23136465:323345
4Bor. MönchengladbachM'gladbach22134543:251843
5Bayer LeverkusenLeverkusen23134640:291143
6FC Schalke 04Schalke 042399532:32036
7VfL WolfsburgWolfsburg2397732:28434
81899 HoffenheimHoffenheim23104934:36-234
9SC FreiburgSC Freiburg2396831:33-233
10Eintracht FrankfurtFrankfurt22841037:35228
11FC AugsburgAugsburg23761034:47-1327
121. FC Union BerlinUnion Berlin22821227:35-826
131. FC Köln1.FC Köln22821233:42-926
14Hertha BSCHertha BSC23751127:43-1626
151. FSV Mainz 05Mainz 0523711531:52-2122
16Fortuna DüsseldorfDüsseldorf23551323:46-2320
17Werder BremenSV Werder23451425:53-2817
18SC Paderborn 07Paderborn23441529:50-2116