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Das Brechtfestival muss neu gedacht werden

Das Brechtfestival tritt auf der Stelle und braucht eine Pause. Es muss neu gedacht werden, bevor es endgültig den Bach runter geht

Kommentar von Siegfried Zagler

Brecht um 1918 (c) Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Zu Beginn Tristesse aus dem Heiner-Müller-Fundus, natürlich verfremdet (“Der Auftrag. Erinnerung an eine Revolution”), mit einer berühmten Schauspielerin und dem Text aus dem Off. Das besondere dabei: Die Stimme kommt von der Konserve und ist von Heiner Müller, die Schauspieler agieren stimmlos pantomimisch. Das Stück wurde von Jürgen Kuttner und Tom Kühnel produziert und hatte bereits 2015 auf den Ruhrfestspielen Premiere. Wer auf einem Brechtfestival zum Start einen Aufguss aus dem eigenen Repertoire serviert, hat vor allem eins: Chuzpe. Damit ist gleich zu Beginn das Festival als Nicht-Festival markiert.

Zum Schluss die Uraufführung des Staatstheaters Augsburg: Schwejk, ziemlich dünn und belanglos. Doch darum soll es nicht gehen. Denn selbst wenn Petras Schweijk-Studie gelungen, ja ein großartiges Stück geworden wäre, würde das nichts an der überholten Dramaturgie des Augsburger Brechtfestivals ändern. Zwischen den sogenannten Highlights zur Eröffnung und zum Finale gab es es zum gefühlten 100. Mal die lange Brechtnacht. Diesmal “richtig gut”, an einem passenden Ort mit schwerer Versorgungspanne. Und natürlich war zum 100. Mal der beliebte Poetry-Slam “echt gut”. Und endlich gab es wieder “richtige Stars aus Funk, Film und Fernsehen” zu hören und zu sehen. Selbstverständlich finden sich (wie in jedem Jahr seit 2005) Perlen im Programm, doch auch darauf soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden.

Kuttner und Kühnel hatten, anders kann man ihr beliebig zusammen getragenes Brechtfestival-Programm nicht deuten, keinen speziellen städtischen Auftrag. Ein bisschen Pop, ein bisschen Kunst und Musik, eine Handvoll lokale Player, ein bisschen Remmidemmi (“Spektakel”) und ganz zum Schluss ein Eislerabend – und fertig ist die Laube: Das Brechtfestival 2020!

Um nicht missverstanden zu werden: Die K&K Brechtspiele, die vom Augsburger Publikum laut Kuttner nicht verstanden wurden, waren bestimmt nicht schlechter als die Wengenroth-Reihe der versprochenen Diskurse. Immerhin wurde die xte Aufführung der Maßnahme vermieden und immerhin haben wir gelernt: Brecht war doch ein Kommunist!

Das Brechtfestival 2020 bezeugte erneut die Einfallslosigkeit der Augsburger Kulturpolitik, der das Vermächtnis ihres berühmten Sohnes längst über den Kopf gewachsen scheint. Albert Ostermaier und Joachim Lang entwickelten Thesen zum Werk und zur Person. Mit ihnen kam der allzu lange von der Stadt kleingedachte Brecht als Weltstar aus dem Nichts der geistigen Verbannung zurück. An ihren Festivals konnte man sich reiben. Wengenroth, Kuttner und Co. versuchen sich an Brecht, indem sie ihn bunt bemalen, um anschließend zu gucken, ob das passt.

Das ist natürlich Zeitgeist, ist gut oder schlecht, eher schlecht, und ist immer der Versuch, einen Riesen zu verzwergen. Damit muss nun Schluss sein. Die Stadt Augsburg braucht in Sachen Brecht ein Moratorium und einen Neustart mit einem deutlich höheren Etat.

 

 



AEV schlägt Mannheim

Die Augsburger Panther haben einen gewaltigen Schritt Richtung Playoffs gemacht. Im vierten Duell gegen Titelverteidiger Adler Mannheim fuhr das Team von Trainer Tray Tuomie mit 4:2 den zweiten Dreier ein und festigte damit Platz zehn. Die Treffer für die Panther erzielten Daniel Schmölz (4.), Drew LeBlanc (26.), Matt Fraser (31.) und Patrick McNeill (40.). Für Mannheim war David Wolf (16., 38.) erfolgreich.

Der erneut überragende Drew LeBlanc holt sich die Glückwünsche der Kollegen ab © Siegfried Kerpf

Beim AEV rückte Olivier Roy wieder zwischen die Pfosten und er demonstrierte schnell, wie wichtig er für die Mannschaft ist, denn Augsburgs Goalie wehrte Großchancen des Titelverteidiger durch Valentino Klos (8.) und Wolf (10.) mit herausragenden Paraden ab. – Zu diesem Zeitpunkt führten die Panther bereits durch ein frühes Tor von Schmölz in Überzahl (4.). Nachdem Phil Hungerecker wegen eines Checks gegen den Kopf von Henry Haase, der nicht mehr weiterspielen konnte, eine Spieldauerdisziplinarstrafe kassierte, spielten es die Panther ganz stark.

Über Adam Payerl und Drew LeBlanc kam der Puck vors Tor zu Schmölz, der sich diesen zurechtlegte, eiskalt einschoss und dafür sorgte, dass Kult-Stadionsprecher Horst Müller den ersten Treffer des Spiels durchsagen durfte. In Abwesenheit von Ingo Weighardt und Dominik Mesch sprang Müller kurzfristig ein.

Wolf gleicht aus

In der 13. Minute hätte Müller beinahe einen weiteren Einsatz gehabt, als Scott Kosmachuck Patrick McNeill bediente, aber bei dessen Tip-In-Versuch machte sich Mannheims Dennis Endras ganz lang und wehrte in Weltklassemanier mit dem Schoner ab. Insgesamt hatte Mannheim nach der Augsburger Führung aber mehr vom Spiel und belohnte sich noch vor der ersten Sirene mit dem Ausgleich. Matthias Plachta zog freistehend ab, die Scheibe ging neben das Tor, kam aber postwendend von der Bande vor dieses zurück und dort stand Wolf goldrichtig und musste zum 1:1 nur noch abstauben (16.).

Panther ziehen davon

Mit diesem Zwischenstand ging es auch ins zweite Drittel, das dann genauso begann wie das erste: Nach einer 2+2-Minuten-Strafe gegen Mannheim gingen die Panther nämlich erneut in Führung. Torschütze war dieses Mal LeBlanc mit einem platzierten Handgelenksschuss ins lange Eck (26.). Doch anders als im ersten Durchgang konnte der AEV dieses Mal nachlegen – zwar verpasste LeBlanc kurz danach das leere Tor (28.), aber Fraser stellte doch auf 3:1. In der 31. Minute war der Angreife durchgebrochen und sein Schuss trudelte durch die Beine von Endras über die Linie. Es blieb auch in der Folgezeit vor beiden Torhütern gefährlich: Tim Stützle traf für Mannheim nur den Pfosten (32.), während Fraser bei einem weiteren Alleingang den Doppelpack verpasste, weil Endras stark parierte (34.).

Dieser gelang wenig später einem Adler: In Überzahl zielte Wolf – ähnlich wie LeBlanc beim 2:1 – ganz genau und verkürzte für Mannheim (38.).

McNeill in Unterzahl zum 4:2

Kurz danach hatten die Gäste ein weiteres Powerplay, aber statt 3:3 ging es mit 4:2 ins dritte Drittel. Der Grund? LeBlanc fing einen Pass ab, setzte zum Konter an und bediente dann McNeill mit einerm überragenden Flip-Pass, den dieser 16 Sekunden vor der Sirene unhaltbar unter die Latte des Mannheimer Tores beförderte (40.).

Im Schlussdrittel passierte dann fast gar nichts mehr. Die Panther verteidigten etwas defensiver als noch in den ersten 40 Minuten. Mannheim rannte zwar an, hatte sehr viel Puckbesesitz, aber kaum Torchancen, denn der AEV stand ganz sicher.

AEV bringt Sieg über die Zeit

So liefen die Minuten hinunter und als Mannheim in der Schlussphase auch zwei Strafen kassierte, war klar, dass die Punkte an diesem Nachmittag in Augsburg bleiben würden und die Augsburger Niederlagenserie von drei Pleiten in Serie ein Ende finden würde. So kam es letztlich auch und nun haben die Panther vorübergehend zwölf Punkte Vorsprung vor dem Tabellenelften Kölner Haie und benötigen aus den verbleibenden vier Partien noch vier Zähler, um die 1. Playoff-Runde auch rechnerisch perfekt zu machen.

Den ersten Schritt kann der AEV am kommenden Wochenende am Freitag beim ERC Ingolstadt und zwei Tage später gegen die Iserlohn Roosters machen.



FCA geht in Leverkusen unter

Der FC Augsburg verliert in Leverkusen mit 0:2 und zeigte insgesamt viel zu wenig mannschaftliche Geschlossenheit, um bei einem Spitzenteam der Bundesliga etwas Zählbares mitnehmen zu können. Die Tore der Leverkuser erzielten Diaby (25.) und Amiri (59.). 

“Man geht nicht unter, wenn man “nur” 0:2 verliert und besonders in der Schlussphase Torchancen hat”, hört man den Fan beim Lesen der Überschrift sagen. Es stimmt dennoch, denn schließlich waren die beiden Leverkusener Tore Geschenke einer indisponierten Abwehr, die einige Male unbedarft Tür und Tor für Bayers Angriff öffnete, aber nur zwei Mal dafür bestraft wurde. Nach vorne spielte der FCA ohne Esprit und ohne Präzision, sodass sich nur FCA-Chancen boten, wenn Bayers Abwehr bockte. Ein Spiel zum Vergessen. Dass Paderborn, Köln oder Düsseldorf deutlich frischeren Fußball spielen als der fahrige FCA lässt sich aktuell noch nicht von der Tabelle ablesen. Ein Torhüter, der keine Sicherheit ausstrahlt und ein Trainer, der die Mannschaft nicht inspiriert: Damit ist der FCA in seiner 9. Bundesligasaison geschlagen. Ein Spielbericht von Udo Legner folgt.



Reaktionen nach den Schüssen in Hanau – “Zuerst kommen die Worte, dann die Taten”

Ein 43 Jahre alter Deutscher hat am Mittwochabend im hessischen Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Der rechtsradikale Täter tötete auch seine 72 Jahre alte Mutter und dann sich selbst.

Mahnwache am Freitagabend in Augsburg © DAZ

Der rassistisch motivierte Mordanschlag in Hanau bewegt Deutschland und zeigt große politische Wirkung. Überall in Deutschland trafen sich am Freitagabend in den Städten Tausende Menschen, um zusammen ihrer Trauer in Form von Mahnwachen Ausdruck zu verleihen. Die Stadt Hanau plant eine zentrale Trauerfeier für die Anschlagsopfer. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) hat für Montag eine Sondersitzung des Runden Tischs der Religionen einberufen.

Muslimische Verbände in Deutschland fordern mehr Schutz und Anerkennung. Islamfeindlichkeit müsse klar als Problem benannt und ihr entgegengetreten werden, verlangten der Zentralrat sowie der Koordinationsrat der Muslime am Freitag in Berlin. Die Grünen haben als Reaktion auf den Anschlag in Hanau Sofortmaßnahmen gegen Rechtsextremismus vorgestellt. Zu den Sofortmaßnahmen sollen ein Krisenstab, ein Rassismus-Beauftragter und schärfere Waffengesetze gehören. Grünen-Chef Robert Habeck wird von der „Passauer Neuen Presse“ zitiert, die AfD solle als Verdachtsfall durch den Verfassungsschutz beobachtet werden. Die Partei schüre Rassismus und leiste Rechtsextremismus Vorschub.

Der Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke wirke mit seinen Reden als „Katalysator für rechten Terror wie in Hanau“. „Der Rechtsextremismus in Deutschland ist völlig enthemmt“, schreiben die Grünen-Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter und schlagen gemeinsam mit Innen- und Integrationsexperten der Fraktion „Sofortmaßnahmen für eine sichere Gesellschaft“ vor. Am Samstag sind die Umfragewerte für die AfD von 11 auf 9 Prozent gesunken. Das geht aus dem aktuellen RTL/ntv-Trendbarometer hervor.

Augstein: Die Wegbereiter der Gewalt haben Namen und Adresse

“Die Wegbereiter der Gewalt haben Namen und Adresse: Sarrazin, Broder, Tichy, und andere, die die Verrohung des Diskurses vorangetrieben haben. Zuerst kommen die Worte, dann die Taten. Das ist bei den Rechtsterroristen so, wie bei den Islamisten.” Dies schrieb der Herausgeber des linken Wochenblatts “Freitag” Jakob Augstein auf Twitter.

Die Behörden stellen sich auf Gegenschläge ein. Es wird mit Veranstaltungen der Szene „gegen Rechts“ gerechnet, ebenso mit Anschlägen gegen örtliche Vertreter der AfD, wie die „Funke Mediengruppe“ unter Berufung auf Ermittlerkreise schreibt. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte am Freitag angekündigt, die Polizeipräsenz auch vor Moscheen zu erhöhen.

Am gestrigen Samstag demonstrierten in Hanau 6000 Menschen gegen Hass und Gewalt. Der Opferbeauftragte der Bundesregierung Edgar Franke sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass die engsten Angehörigen der Opfer aus dem Fonds für Härteleistungen innerhalb von zwei Wochen Soforthilfen erhalten werden. “Für Ehepartner, Kinder und Eltern von Getöteten sind das 30.000 Euro, für Geschwister 15.000 Euro.” Das könne das schreckliche Leid des Verlusts der eigenen Eltern oder Kinder nicht lindern. “Aber zumindest ist es eine Hilfe für die nötigsten Dinge, die in diesem Moment wichtig sind.”

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In Augsburg zeigt Eva Weber, OB-Kandidatin der CSU, dass auch sie die AfD zu den geistigen Brandstifter dieser Tat zählt:

“Der Rechtsextremismus ist eine ernsthafte Gefahr für unseren Rechtsstaat, mit dem Attentat von Hanau hat er einmal mehr seine hässliche Fratze gezeigt. Ich trauere mit den Familien und Freunden der Toten. Worte sind der Anfang von Taten. Daher werde ich, wenn ich in Diskussionen auf Vertreter der geistigen Brandstifter treffe, diesen die Stirn bieten und mit klarer demokratischer Grundhaltung laut und deutlich sagen, was Sache ist: wir haben euch durchschaut. Wir werden uns zur Wehr setzen. Wir werden euch nicht unser wunderbares Land, unser gutes rechtsstaatliches System unterwandern lassen. Nicht hier in Augsburg, nicht in Bayern, nicht in Deutschland. Es ist genug!”  #NoAfD #NiewiederFaschismus

Entrüstung gab es in Augsburg über einen Facebookbeitrag der Augsburger AfD, die eine Schlagzeile DER WELT mit dem Satz “Deutschland auf dem Weg zum Multikulti-Drecksloch” kommentierte.

Danach beschwichtigte Andreas Jurca den faschistoiden Jargon und ließ verlauten, dass sich die Parteispitze davon distanziere. In der Augsburger Allgemeinen sprach Jurca kürzlich in einem anderen Zusammenhang davon, dass die “parasitäre Einwanderung” ein großes Problem sei. Björn Höcke, den jedermann ungestraft einen Faschisten nennen darf, bezeichnete Jurca als einen “Pionier” der Partei. Jurca ist OB-Kandidat der Augsburger AfD. Der Verfasser des Satzes dürfe nun nicht mehr auf der FB-Homepage der Partei agieren. Nach Informationen der DAZ soll Pillipp Reger gemeint sein, der im Augsburger AfD-Vorstand Schriftführer ist und auf Platz 13 der Stadtratsliste für einen Platz im Augsburger Stadtrat kandidiert. Reger soll ein enger Vertrauter von Jurca sein. Der Fall zog Kreise bis in den Landesvorstand der AfD. – Mit dickem Hals kommentierte Peter Hummel das Unsägliche:

“Es ist Unfassbar. Und ich kann dieses Geschwätz nicht mehr hören, dass die Augsburger AfD eine demokratische Partei sei, die man genauso wie die anderen Gruppen zum Beispiel zu Podiumsdiskussionen einladen muss. Muss man nicht! Und: Darf man nicht! Spätestens seit heute. Es hat nichts mit Neutralitätspflicht zu tun, überführten Faschisten, Hetzern und Menschenfeinden in der Friedensstadt ein Podium zu bieten.” – So reagierte Peter Hummel, OB-Kandidat der Freien Wähler, auf das AfD-Statement, das nach einer Stunde von Facebook wieder entfernt wurde. Hummels Appell richtet sich an die Augsburger Allgemeine, die in der kommenden Woche sechs OB-Kandidaten zur Diskussion einlädt, unter ihnen Hummel und der OB-Kandidat der AfD.

Peter Grab, Frontmann der WSA-Liste, fordert ebenfalls Konsequenzen: “Auf das heutige, völlig inakzeptable Posting der AfD Kreisverband Augsburg, das Konsequenzen haben muss, gehe ich später ein. Heute soll die Trauer überwiegen und die Solidarität mit den Opfern.”