DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

Erstes Literaturfestival Nordschwaben

In wenigen Wochen öffnet das 1. Literaturfestival Nordschwaben seine Tore und lädt zu einem breiten Lesungsprogramm mit hochkarätigen Autoren ein.

Ausführliche Informationen darüber, wer mit welchem Buch an welchem Ort in den beiden Landkreisen Dillingen a.d.D. und Donau-Ries zu Gast sein wird, gibt jetzt auch das Programmheft zum Festival. Interessierte finden das Heft ab sofort in der ganzen Region, jeweils bei den Veranstaltern, in Volkshochschulen, auf Rathäusern, in Büchereien und Buchhandlungen, aber auch bei Sparkassen, VR-Banken und an vielen weiteren Orten. 

Im Dreieck zwischen Dillingen, Nördlingen und Donauwörth treten so namhafte Persönlichkeiten auf wie Harald Lesch, Joachim Gauck oder Denis Scheck. Die Lesungen des neuen Festivals führen dabei an viele kulturhistorisch bedeutende Orte Nordschwabens. – Karten zu den Veranstaltungen gibt es vor Ort oder bei den zentralen Vorverkaufsstellen der Partnerbuchhandlungen. Informationen dazu hält das Programmheft bereit oder Homepage des Festivals www.literaturfestival-nordschwaben.de.



Lehrer wehren sich gegen schlechtere Arbeitsbedingungen: 600 Teilnehmer auf Demonstration gegen Piazolo-Paket

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisierte am Freitag eine Kundgebung gegen das sogenannte “Piazolo-Paket”.

Foto: © DAZ

Wie in vielen in anderen bayerischen Städten richtete sich der Protest gegen die Maßnahmen des Kultusministeriums, das den dramatischen Lehrkräftemangel an Grund- Mittel- und Förderschulen mit einem Maßnahmenpaket zu lösen vorhat. Für die Lehrkräfte würde dieses Paket eine weitere Verschlechterung der Arbeitsplatzbedingungen bedeuten: erhöhte Stundenzahlen ohne Bezahlung, Einschränkungen bei der Teilzeitmöglichkeiten und Verlegung des Ruhestandsbeginns. Kein Wunder, dass die Pläne von Kultusminister Michael Piazolo für Unbehagen bei der Lehrerschaft sorgen. Ihr Unmut fand in der Augsburger Innenstadt Gehör. Zirka 600 Lehrer waren dem Ruf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu Kundgebungen in den Annahof und auf den Rathausplatz gefolgt.

 



AEV verliert gegen Wolfsburg

Nach 14 Heimspielen in Folge, in denen die Augsburger Panther immer punkten konnten, gab es erstmals seit dem 20. Oktober für den AEV keine Zähler im Curt-Frenzel-Stadion. Das Team von Trainer Tray Tuomie unterlag gegen die Wolfsburg Grizzlys mit 2:4. Die Tore für die Panther erzielten Jaroslav Hafenrichter (26.) und Brady Lamb (29.). Für Wolfsburg waren Spencer Machacek (2.), Alexander Johansson (14.), Fabio Pfohl (53.) und Mathis Olimb (60.) erfolgreich.

Foto: © sport-in-augsburg.de

Die Partie begann dabei denkbar schlecht. Zwar waren die Panther ganz gut im Spiel, aber nach 87 Sekunde setzte es die kalte Dusche: Nach einem schnell vorgetragenen Angriff der Gäste zog Machacek direkt ab und traf zur Führung für die Grizzlys (2.). Der AEV suchte nach einer schnellen Antwort und hatte vor allem im ersten Powerplay einige gefährliche Schüsse durch Patrick McNeill (8.) und Scott Kosmachuk (8., 9.), aber Felix Brückmann war – wie schon beim letzten Aufeinandertreffen – stets zur Stelle. Und seine Vorderleute blieben höchsteffizient, denn mit Ablauf der zweiten Strafe der Gäste erhöhte Wolfsburg. Torschütze war Johansson, der Brady Lamb mit einer starken Bewegung aussteigen ließ und dann trocken und unhaltbar zum 0:2 einschoss (14.).

AEV gelingt Traumkombination zum Anschlusstreffer

Mit diesem Spielstand ging es auch ins zweite Drittel und dies gehörte fast komplett den Panthern. Nach einem recht verhaltenen Beginn gab es nach fast genau fünf Minuten ein absolutes Highlight: Nach traumhaftem Direktspiel über Drew LeBlanc und Kosmachuk musste Hafenrichter die Kombination nur noch mit einem Schuss ins leere Tor abschließen (26.). Die Grizzlys hätten wenig später beinahe den alten Abstand wieder hergestellt, als plötzlich gleich drei Wolfsburger vor Olivier Roy auftauchten, aber Augsburgs Goalie blieb Sieger (28.).

Überzahlsituationen entscheiden das Match

Der Treffer fiel dann auf der anderen Seite. Zunächst ließ LeBlanc eine gute Möglichkeit noch ungenutzt (29.), aber Sekunden danach konnten die Fans jubeln. Lamb hatte den Puck einfach Richtung Tor befördert und dieser ging an Freund und Feind vorbei genau ins Kreuzeck (29.). Der AEV wollte das Spiel nun komplett drehen und hatte noch einige gute Chancen, aber ein weiterer Treffer fiel im Mitteldrittel nicht.

Im dritten Abschnitt dominierten dann lange die Abwehrreihen – bis die Gäste lange mit zwei Mann mehr agieren durften und diese Situation auch nutzten. Pfohl zielte aus spitzem Winkel ganz genau und markierte das 2:3 (53.). Und diese Aktion war letztlich der Unterschied im Spiel, denn die Panther konnten wenig später eine fast identische Situation nicht nutzen, als man selbst über eine Minute mit fünf gegen drei spielen durfte.

Dienstag geht es in Nürnberg weiter

Tray Tuomie nahm am Ende auch noch Roy frühzeitig vom Eis, aber der nochmalige Ausgleich wollte nicht fallen. Im Gegenteil: Olimb besorgte mit seinem Treffer ins leere Tor den Endstand zum 2:4 (60.).

Für den AEV geht es nun bereits am Dienstag bei den Thomas Sabo Ice Tigers weiter, ehe man am Donnerstag die Eisbären Berlin und Sonntag die Adler Mannheim empfängt.



Brechtfestival: „Er ist vernünftig, jeder versteht ihn“

Es ist wieder Festivalzeit in Augsburg – Brecht kam leider im ungemütlichen Februar zur Welt und wie jedes Jahr feiert die Stadt Augsburg ihren berühmtesten Sohn an seinem Geburtstag. In diesem Jahr mal wieder mit neuer Festival-Leitung, dem Duo Tom Kühnel und Jürgen Kuttner. Schon das Programmheft ist anders: Das Cover erinnert an ein Filmplakat, eine Hollywood-Blondine im dekolletierten Kleid hält in der rechten Hand ein Maschinengewehr, in der linken eine Pistole, das Gesicht vor Wut verzerrt. 

Von Halrun Reinholz

Eine Kampfansage? Innen ist das Heft schwarz-weiß im Stil eines Groschenromans gehalten, dazu passen auch die „Anzeigen“: Zitate aus Zeiten vor der Erfindung des Internets. Vorsichtshalber steht darunter „redaktioneller Teil“, bevor jemand auf die Idee kommt, sich einen der angebotenen Dienste („Magie-Geheimwissen“, Mittel gegen Erröten, „Dr. Pillers Gelée Royale“ oder die Glückszahlen für  den Lottoschein) zu sichern. Kühnel und Kuttner haben das Festival, das wie gewohnt über zwei Wochenenden geht, ein bisschen  „aufgeräumt“.  

Zwei „Spektakel“ (vol. 1 und 2) umrahmen das Fest am Anfang und am Ende. Diese beiden  Events finden geschlossen auf dem Festivalgelände im Martinipark statt. Dadurch kann man tatsächlich (nach vielen Jahren ohne) eine „Festival-Atmosphäre“ erkennen, in die auch das Außengelände (nun ja, soweit das Februar-Wetter es erlaubt) mit einbezogen ist. 

Blickfang ist ein Riesenrad, eine dekorative Anspielung auf Brechts Affinität zu Volksfesten wie dem Plärrer. Davor wird Popcorn verkauft, Eis und gebrannte Mandeln gibt es auch. Der große überdachte Außenbereich vor der Halle bietet eine gewisse Aufenthaltsqualität (sofern man seinen Mantel nicht an der Garderobe abgegeben hat), die gastronomisch, etwa mit Glühwein, flankiert wird. Doch die Musik spielt drinnen im Treppenhausfoyer, wo  „The Mini Play Brecht Show“ (Marlene Hoffmann und Band) auf den Gefeierten einstimmt. 

Die Eröffnungsgäste wurden bereits im Kassenfoyer mit einem Glas Sekt begrüßt und harren der Eröffnung. Vielleicht aus Scheu vor Zeremonien hat man sich aber (wie übrigens im letzten Jahr auch schon) keine Choreografie dafür überlegt. Jürgen Kuttner steht auf der Bühne und begrüßt die Anwesenden mit dem Hinweis, dass da eigentlich jemand anders stehen müsste und moderieren. Aber jetzt macht er es halt. 

Oberbürgermeister und Intendant betreten die Bühne. Launige Worte, Begrüßungen, Sponsoren werden erwähnt. Aber wer ist eigentlich der Gastgeber?  Das städtische Brecht-Büro wird genannt – ganz zum Schluss im Nebensatz. Und irgendwann steht Tom Kühnel, der Ko-Intendant des Festivals, auch auf der Bühne „damit man mich auch mal gesehen hat.“ Schade um die verpasste Gelegenheit, ein paar konzeptionelle Worte zum Brechtfestival zu sagen, Akteure vorzustellen und die Sicht der Veranstalter darzulegen. 

Wer sind die beiden Leiter? Dürfen sie weitermachen? Was hat die Stadt vor? Das ist, unabhängig vom Erfolg oder Misserfolg des diesjährigen Festivals, eine der Peinlichkeiten vor der Kommunalwahl, dass die Kontinuität des Festivals nicht geklärt ist. Es bleibt also bei Unverbindlichkeiten, locker wie die Mini Play Brecht Show. 

Dann geht es ans Eingemachte, ins Programm. Mehrere Schauplätze bescheren den Festivalbesuchern Qualen der Wahl. Das Augsburger Staatstheater ist sehr präsent. Auf der Probebühne des Musiktheaters hat „Klassenkampf“ von Lothar Trolle Premiere, eine Produktion des Schauspielensembles zu biographischen Aspekten Brechts – vor allem sein Verhältnis zu den drei Frauen, die mit ihm das Svendborger Exil teilen. Regisseurin Kallinki Fili hat Trolles Stück allerdings noch mit weiteren Quellen zu einer „Collage“ aufgepimpt, die Grundsätzliches zum Verhältnis von Frauen und Männern thematisiert. Wie passend zum Valentinstag! 

Eine weitere Premiere ist im Orchesterprobenraum zu erleben: „Fragen Sie mehr über Brecht“, ein musikalisch-theatraler Versuch, das Verhältnis von Brecht zu Eisler und Hans Bunge aus authentischem Dokumentationsmaterial zu zeichnen. Opernchor (getrennt nach Herren und Damen) und Orchester haben jeweils Programmpunkte vorbereitet und auch interaktive Angebote kommen nicht zu kurz, etwa im Lehrstück-Parcours, den Imme Heiligendorff und Nicoletta Kindermann konzipiert haben. Oder beim spontanen „Interventionsprogramm“ mit Jürgen Kuttner im Chorsaal. 

Viel aus dem eigenen Stall also und ein deutliches Zeichen, dass sich das Theater für Brecht und das Brechtfestival verantwortlich fühlt. Einen besonderen Gaststatus hat das Gymnasium bei St. Stephan, dessen Oberstufenschüler unter der Regie des früheren Ensemblemitglieds Philipp von Mirbach die „Jasager“ und die „Neinsager“ einstudiert haben. 

„Der Auftrag. Erinnerung an eine Revolution“ © Katrin Ribbe

Das zentrale Eröffnungsstück ist jedoch ein Gastspiel des Staatstheaters Hannover, das mit einem hochkarätigen Schauspielensemble und Corina Harfouch als Hauptdarstellerin Heiner Müllers Stück „Der Auftrag. Erinnerung an eine Revolution“ präsentiert. Die Produktion der beiden Regisseure Jürgen Kuttner und Tom Kühnel entstand bereits 2015 in Kooperation mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Das Besondere daran ist, dass Heiner Müller den Text selbst spricht. Der Mitschnitt einer szenischen Lesung läuft im Off. Die Schauspieler agieren nur und verleihen den Worten pantomimisch den Ausdruck, der im gesprochenen Text vollkommen fehlt. Das wirkt so mechanisch und zirzensisch wie die desillusionierende Aussage des Stücks: Revolution ist sinnlos. Die drei Emissäre der Französischen Revolution, die den Auftrag haben, diese in Jamaika umzusetzen, kommen zu spät, denn in der Zwischenzeit hat Napoleon sich zum Kaiser krönen lassen. Der Auftrag kann nicht ausgeführt werden. Die Konzentration auf den ausdruckslos gesprochenen Text verlangt den Zuschauern viel ab und auch für die Darsteller ist die Spielweise ungewohnt. Corina Harfouch gibt Debuisson ausdrucksstark im Clowns-Kostüm. Ihr kommt auch eine größere Sprechrolle zu, die sie hervorragend „sächselnd“ meistert. Geschickt wird die Monotonie des gesprochenen Textes mit Videoeinspielungen und wechselnden Bildern konterkariert.  

Im „Kleinen Revolutionstheater“, das (ganz brechtisch) wie ein Exkurs eingeblendet wird, treten hinter einem dünnen Vorhang alle Größen der Revolution auf – Marx, Lenin, Che Guevara und wie sie alle heißen. Die Produktion lebt auch von den Live-Klängen der Band „Die Tentakel von Delphi“, die gleich mit zwei Schlagzeugen im Orchestergraben positioniert ist. Gegen Mitternacht traten die Musiker noch einmal ganz entspannt vor das Festival-Publikum, diesmal mit Brecht und Corina Harfouch als Solosängerin. 

Musik hat auch noch einen Schwerpunkt bei der traditionellen „Langen Brechtnacht“, die sich diesmal auf das Kongresszentrum konzentriert. Das zweite Wochenende des Brechtfestivals verspricht dann die große Eigenproduktion des Theaters zum Brechtfestival:  Eine deutsch-tschechische Zusammenarbeit zum Thema „Schwejk“. Freie Augsburger Gruppen wie Theter oder  Bluespots  Productions sind mit eigenen Produktionen auch diesmal wieder ins Festival integriert, sie kommen vor allem beim „Spektakel vol. 2“ am zweiten Festivalwochenende zum Zug. Die Wochentage dazwischen bieten sich im Planetarium und im Liliom Gelegenheiten, Aufzeichnungen und Filme zu verschiedenen Brecht-Themenkomplexen zu sehen.  

Der erste Eindruck: Etwas mehr Konzentration, vor allem der Spielstätten, und ein „Festivalgelände“ wirken sich förderlich auf das Festivalgeschehen aus. Es bleibt in seiner Vielfalt dennoch unübersichtlich genug. Zur Aufhellung trägt das Programmheft wenig bei, das in seiner zeitungsartigen Aufmachung leider zu wenig strukturiert wirkt. „Er ist vernünftig, jeder versteht ihn“, ist Jürgen Kuttners Credo zu Brecht. Dieses Festival ist ein weiterer Versuch der Stadt Augsburg, den  Dichter verstehen zu lernen.