DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

Sturmtief Sabine: Schulfrei in Bayern

Ein Sturm zieht auf: Die Bundesbahn stellt nach und nach ihren Betrieb ein. Zahlreiche Landkreise in der Region Augsburg lassen am morgigen Montag die Schule ausfallen. Darunter auch der Landkreis Augsburg und die Stadt Augsburg. Informationen dazu gibt es auf den Webseiten der Landkreise und den Städten.

Die Ruhe vor dem Sturm am Hochablass © Willi Reiser

Wie das Staatliche Schulamt mitteilt, fällt am Montag, 10.Februar 2020, wegen des Sturms „Sabine“ an allen Schulen im Stadtgebiet Augsburg der Unterricht aus. Die Schulen sind jedoch besetzt, so dass die Kinderbetreuung im Bedarfsfall sichergestellt ist. Die Stadt Augsburg teilt mit, dass am Montag, 10. Februar 2020, die Betreuung der Kinder in den städtischen Kindertagesstätten sichergestellt ist. Die Entscheidung über den Besuch in der Kita liegt bei den Eltern, was auch für Kinderbetreuungseinrichtungen von freien Trägern gilt.

Das erklärt die Stadt Augsburg auf ihrer Homepage:

  • Bürgerinnen und Bürger sollen während des Sturmtiefs nicht in Wald, Parks oder Grünanlagen gehen und besonders auf herabstürzende Äste oder Dachziegel achten. Bei erforderlichen Aufenthalten im Freien ist erhöhte Achtsamkeit geboten.
  • Stand jetzt fährt der öffentliche Nahverkehr ohne Einschränkungen. Über aktuelle Entwicklungen informieren die SWA – Stadtwerke Augsburg zeitnah.
  • Friedhöfe, Botanischer Garten und Müllberg bleiben morgen, Montag 10. Februar, geschlossen.
  • Die Mülltonnen für Innenstadt, Antonsviertel, Kriegshaber, Bärenkeller, Univiertel, Hochfeld, Herrenbach und östliches Göggingen werden am Montag geleert. Der Winterdienst des Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetriebes wird ab 5:00 Uhr morgens auf der Straße stehende Tonnen sichern.

Hier die Landkeise, die für den morgigen Montag den Schulbetrieb abgesagt haben:

  • Landkreis Aichach-Friedberg
  • Landkreis Altötting
  • Landkreis Amberg-Sulzbach und Stadt Amberg
  • Landkreis und Stadt Ansbach
  • Landkreis Aschaffenburg
  • Landkreis und Stadt Augsburg
  • Landkreis Bad Kissingen
  • Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
  • Landkreis und Stadt Bamberg
  • Landkreis und Stadt Bayreuth
  • Landkreis Berchtesgadener Land
  • Landkreis Cham
  • Landkreis und Stadt Coburg
  • Landkreis Dachau
  • Landkreis Deggendorf
  • Landkreis Dillingen an der Donau
  • Landkreis Dingolfing-Landau
  • Landkreis Donau-Ries
  • Landkreis Ebersberg
  • Landkreis Eichstätt
  • Landkreis Erding
  • Landkreis Erlangen-Höchstadt und Stadt Erlangen
  • Landkreis Freising
  • Landkreis Forchheim
  • Landkreis Freyung-Grafenau
  • Landkreis Fürstenfeldbruck
  • Landkreis und Stadt Fürth
  • Landkreis Garmisch-Partenkirchen
  • Landkreis Günzburg
  • Landkreis Haßberge
  • Landkreis und Stadt Hof
  • Stadt Ingolstadt
  • Stadt Kaufbeuren
  • Landkreis Kelheim
  • Stadt Kempten
  • Landkreis Kronach
  • Landkreis Kulmbach
  • Landkreis Landsberg
  • Landkreis und Stadt Landshut
  • Landkreis Lichtenfeld
  • Landkreis Lindau
  • Landkreis Main-Spessart
  • Stadt Memmingen
  • Landkreis Miesbach
  • Landkreis Miltenberg
  • Landkreis Mühldorf am Inn
  • Landkreis und Stadt München
  • Landkreis Neuburg-Schrobenhausen
  • Landkreis Neuburg an der Waldnaab
  • Landkreis Neustadt a.d. Aisch – Bad Windsheim
  • Landkreis Neu-Ulm (mehr dazu erfahren Sie hier)
  • Stadt Nürnberg
  • Landkreis Nürnberger Land-Lauf
  • Landkreis Oberallgäu
  • Landkreis Ostallgäu
  • Landkreis und Stadt Passau
  • Landkreis Pfaffenhofen a.d. Ilm
  • Landkreis Regen
  • Landkreis und Stadt Regensburg
  • Landkreis Rhön-Grabfeld
  • Landkreis und Stadt Rosenheim
  • Landkreis Roth
  • Landkreis Rottal-Inn
  • Stadt Schwabach
  • Landkreis Schwandorf
  • Landkreis und Stadt Schweinfurt
  • Landkreis Starnberg
  • Landkreis Straubing-Bogen und Stadt Straubing
  • Landkreis Tirschenreuth
  • Landkreis Unterallgäu
  • Landkreis und Stadt Weiden in der Oberpfalz
  • Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen
  • Landkreis Wunsiedel
  • Landkreis Würzburg


Kemmerich tritt zurück: Wie geht es weiter?

Am Mittwoch gewählt, am Donnerstag den Rücktritt angekündigt und diesen nun vollzogen. In Thüringen ist der Weg für Neuwahlen geebnet.

Von Siegfried Zagler

Wie ein nicht zu reparierender Sündenfall wird die Thüringer Skandalwahl bewertet – Foto: © DAZ

Nach massiver Kritik der Medien, aller demokratischen Parteien und auf Druck der Bundeskanzlerin ist der FDP-Mann Thomas Kemmerich als Thüringer Ministerpräsident – drei Tage nach Amtsantritt zurückgetreten. Kemmerich wurde mit den Stimmen der CDU, der FDP und der AfD gewählt. Der Trick dabei: Die AfD verzichtet auf die Stimmen für ihren eigenen Kandidaten und stimmte für den FDP-Mann, der den amtierenden Bodo Ramelow (Linke) mit einer Stimme Vorsprung schlug – als Frontmann einer Partei, die mit fünf Prozent gerade noch so in den Landtag einzog.

Zunächst schien es so, als perle die Welle der Empörung aus allen Ecken der Republik und aus allen Winkeln Europas an der Thüringer FDP/CDU ab: Erst als FDP-Parteichef Christian Lindner in Erfurt erscheint und deutlich wird, ist Kemmerichs Rücktritt beschlossen. Nachdem dieser nun vollzogen ist, wird der Thüringer Landtag einen neuen Ministerpräsidenten wählen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass nun mit Bodo Ramelow der alte auch der neue Ministerpräsident wird, zumal AfD-Parteichef Alexander Gauland mit einer erneuten Provokation “droht”: Die Thüringer AfD solle nun Ramelow wählen, dann dürfe dieser nach diesem großen Theater auch die Wahl nicht annehmen.

Die Chefin der Thüringer Linksfraktion, Susanne Hennig-Wellsow reagierte umgehend und forderte Stimmen für Ramelow von der CDU-Fraktion. “Wir müssen dokumentieren, dass er von Demokraten gewählt wird”, so Hennig-Wellsow. Rückenwind erhielt sie von der Großen Koalition in Berlin, die über die CDU-Führungsschwäche hinweg ein staatstragendes Statement abgab: “Regierungsbildung und politische Mehrheiten mit Stimmen der AfD schließen wir aus. Das ist und bleibt die Beschlusslage der die Koalition tragenden Parteien für alle Ebenen.” So die Berliner Koaltion in einer Stellungnahme, die die Thüringer CDU in ein Dilemma bringt, da sie sich offenbar auch außerstande sieht, Ramelow zu wählen. Das erste Opfer des Thüringer Trauerspiels ist der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), der von seinem Amt zurücktrat, nachdem dies intern Bundeskanzlerin Merkel gefordert hatte. Hirte hatte Kemmerich ausdrücklich zu seiner Wahl gratuliert: ein Bauernopfer.

Unabhängig von den aktuellen Turbulenzen sollen bald, ginge es nach der Großen Koalition, Neuwahlen stattfinden. Dazu bräuchte man eine 2/3 Mehrheit im Thüringer Landtag, die es ohne der CDU- und AfD-Stimmen nicht geben wird. Der Thüringer Landesverband der CDU könnte bei einer Neuwahl, laut aktuellen Umfragen, als großer Verlierer mit den größten Verlusten dastehen, die FDP an der Fünfprozenthürde zerschellen.

Denkbar ist auch, dass die Thüringer Turbulenzen bei der kommenden Bayerischen Kommunalwahl Wirkung zeigen, obwohl der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder ohne Nebengeräusche aus der rechten CSU-Ecke kerzengerade den politischen Sündenfall eben als solchen markiert hatte. Für die FDP könnte es noch schwerer werden, in die Bayerischen Rathäuser und Gemeindehäuser einzuziehen.



Trumpelstilzchen: Ein Lehrstück zum tieferen Verständnis von Wahn und Macht

“Heute back ich, morgen brau ich / übermorgen hol ich der Königin ihr Kind / Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß / Oh wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!”

Von Siegfried Zagler

“Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Trumpelstilzchen heiß” – Heinz Schulan gibt Trump. Die Premiere ist am kommenden Donnerstag 19.30 Uhr in der Lechhauser Projektschmiede (Hanauer Straße 6) – Bildquelle: privat

Dies singt ein Kobold in dem Grimm-Märchen “Rumpelstilzchen”. Der Kobold konnte Stroh zu Gold spinnen und half mit dieser Fähigkeit einer Müller-Tochter aus der Bredouille, die von ihrem Vater einem König zur Heirat angeboten wurde, da sie, so der Müller, eben die Fähigkeit des Kobolds besitzen solle. Der Kobold spann für die Müllerstochter Stroh, der König heiratete sie, wollte aber fortlaufend mehr Gold. Der Kobold lieferte, verlangte aber für die letzte Charge das erste Kind des Monarchenpaares. Die frisch vermählte Müllerstocher willigte ein und als es soweit war, und sie bitterlich weinte, gab ihr der Kobold eine Frist von drei Tagen. Und falls sie in diesem Zeitraum seinen Namen errate, wäre sie von dem Versprechen befreit. Sie erfuhr den Namen des Kobolds, weil dieser dumm und eitel genug war, den oben angeführten Text bei einem Tänzchen um ein Feuer zu singen. Ein Lauscher vermittelte der Königin den Namen. Und als diese nun den Namen “erriet”, zerriss sich der Kobold aus Jähzorn selbst, und die Geschichte fand ein gutes Ende.

Und die Moral des Märchens? Wenn es eine Botschaft gibt, dann diese: Mit Hochstapelei kann man weit kommen, wenn man Glück hat!

Was liegt näher als eine Analogie zum amtierenden Präsidenten der USA herzustellen? Autor Helmut “Jean-Paul” Meyer hat das in seinem furios-anacharchistischen Theaterstück “Trumpelstilzchen” getan. Arno Löb hat das Vier-Personen-Stück “aus Kostengründen”, wie er sagt, in ein Ein-Personen-Stück umgeschrieben. Donald Trump hat das Impeachement-Verfahren überlebt, doch nun wird er am Donnerstag in Lechhausen in der Hanauer Straße 6 (Projektschmiede) zu Grabe getragen.

Gekillt und gerichtet von drei Männern, die bekannt dafür sind, dass sie sich gern mit den Reichen und Mächtigen anlegen. Meyer und Löb (beide über 70) sind bereits genannt. Schauspieler Heinz Schulan (72) zeigt in 100 Minuten einen vom Narzissmuss getriebenen Präsidenten, der reich und mächtig ist, also alle Möglichkeiten besitzt, sich selbst zu erhöhen, indem er zum Beispiel ein spektakuläres Attentat auf sich selbst organisiert. Ein perfekt geplanter Anschlag, der misslingen soll. Am Ende muss ein Denkmal gebaut werden, das alle Denkmäler dieser Welt überstrahlt.

Trump ist mit Tricksereien und Lügen Präsident geworden. Mit den gleichen Instrumenten hat er alle politischen Attacken überlebt. Am kommenden Donnerstag, den 13. Februar (19.30 Uhr), startet ein Amtsenthebungsverfahren, gegen das er keine Chance hat. Eine Attacke aus dem Urgrund des epischen Theaters, die man nachträglich zu einem Programmpunkt des Brechtfestivals machen sollte, das bekanntermaßen einen Tag später startet.

Die Premiere ist bereits ausverkauft. Für die drei folgenden Aufführungen (14., 15. und 16. Februar) gibt es noch Restkarten in der Buchhandlung am Obstmarkt oder an der Abendkasse.

 

 

 

dem 13. Februar