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KOMMENTAR ZUR KOMMUNALWAHL

Weber, Wild, Wurm – Das bedeutet: WirWerdenWeitermachen – Warum die Fortsetzung des Dreierbündnisses wahrscheinlich ist

In weniger als sechs Wochen steht in Augsburg die Kommunalwahl an. Während sich andere Kommunen längst in der heißen Wahlkampfphase befinden, findet in Augsburg ein Kuschelwahlkampf statt. Man darf davon ausgehen, dass es so bleibt. Und alles sieht nach einer Fortsetzung des aktuellen Bündnisses aus. Einschätzungen und Anmerkungen zur kommenden Kommunalwahl.

Von Siegfried Zagler

Bildquelle: Stadt Augsburg

Etwas anderes als ein treuherziges Herzeigen der zukünftigen inhaltlichen Absichten war von den “großen Drei” des Augsburger Dreierbündnisses nicht zu erwarten. Das erstaunliche dabei: Eva Weber und die CSU, die die angreifbarste Position innehaben, sind mit ihren Versprechungen am konkretesten und dabei in der Öffentlichkeit am wirksamsten unterwegs. Weber und ihr “CSU-Schlitten” führen einen Offensiv-Wahlkampf, als wären sie die Herausforderer. Sich einen politischen Gegner zu suchen, auf den man “draufschlägt” und von dem man sich mit aller Deutlichkeit abgrenzt, ist bei diesem Wahlkampf bei den Herausforderern offenbar nicht angesagt. 

Das ist kein Wahlkampf, sondern ein Schaulaufen auf säuberlich getrennten Bühnen. Niemand will dem anderen wehtun. Das war noch nie der Fall und hat auch mit den Persönlichkeiten der Kandidaten zu tun, die alle zum ersten Mal für das OB-Amt kandidieren. Weder Eva Weber, noch Martina Wild, noch Dirk Wurm sind aus jenem politischen Holz geschnitzt wie zum Beispiel Paul Wengert 2002, der bei seinem Angriff auf Margarete Rohrhirsch-Schmid in die Vollen ging. Oder Kurt Gribl 2008, der bei seinem Angriff auf Paul Wengert so hart gegen den Wind segelte, als gäbe es kein Morgen. Beide Herausforderer gewannen die Wahl. Und auch Stefan Kiefer griff hart an, als er 2014 Kurt Gribl herausforderte. Aber Kiefer (SPD) scheiterte krachend an Gribl (CSU). 

W., W. und W. (WirWerdenWeitermachen) sind zum einen unterscheidbar, weil sie unterschiedlich aussehen und zum anderen, weil sie unterschiedlichen Parteien angehören. Und sie sind unterscheidbar, weil sie unterschiedliche Weltanschauungen haben, die sich auch in ihren Wahlprogrammen niederschlagen. Die SPD setzt in Augsburg auf ihren Markenkern: Arbeit, Soziales und Bildung. Die Grünen ebenfalls und beinahe noch beflissener: Klima, Ökologie, kulturelle Bildung. Man darf dabei nicht zu kleinteilig sein, nicht zu rechthaberisch und zu moralisierend. 

Eva Weber und die CSU bewegen sich dagegen von ihrem Markenkern weg. Überraschenderweise sind die CSU-Aussagen zur Flüchtlingssituation in Augsburg moderat, ja für bayerische C-Verhältnisse beinahe progressiv. Überraschenderweise priorisiert die CSU nicht mehr so intensiv den motorisierten Individualverkehr und spricht von gleichrangigen Verkehren, macht kulturpolitische Vorschläge, fordert einen Digitalrat und einen Mobilitätsreferenten. Bringt das Wählerstimmen? Außerhalb des Markenkerns lässt es sich schwer punkten, weshalb der breitgeschweifte Themenkranz verlorene CSU-Wähler eher nicht zurückholen wird und wohl auch keine neuen Wähler gewinnen sollte. Doch darauf wird es Melcer und Co. nicht ankommen: Sie wollen eine versierte, weltoffene Kandidatin präsentieren, die alles kann und koalitionsfähig mit den Grünen ist. Und darauf läuft es mit großer Wahrscheinlichkeit hinaus. Dafür sind die Weichen gestellt. Doch dafür könnte die Mehrheit fehlen.

Eine erste Prognose

Die CSU ist in Bayern Staatspartei und wird vermutlich in Augsburg nicht viel weniger als 30 Prozent erreichen, das entspräche 18 bis 19 Stadträten und würde für die CSU einen neuen Tiefstand bedeuten. Mehr dürfte für die CSU in Augsburg allerdings nicht drin sein, und das lässt sich begründen.

Zur Erinnerung: Der Augsburger Stadtrat setzt sich aus 60 Stadträten zusammen. Neben den drei großen Playern CSU, Grüne und SPD kandidieren 12 kleine Parteien und Gruppierungen. Darunter die AfD, die FW, die FDP, Die Linken, die ÖDP, die V-Partei, Die Partei sowie die mobilisierungsfähigen Listen von Pro Augsburg, WSA, AIB, Polit-WG und Generation Aux. 

Diesen 12 Parteien und Gruppierungen darf man im Schnitt 12×2 Sitze zutrauen. Damit wäre die Gruppe der Kleinen bei 24 Sitzen angekommen. Und somit die größte “Gruppierung” im Stadtrat. Das wäre ebenfalls neu und ist zum einen mit der fortschreitenden gesamtgesellschaftlichen Diversität zu erklären und zum anderen mit dem aktuellen Augsburger Regierungsbündnis. Große Koalitionen sind zeugungsfähige Mütter und Väter für neue Bewegungen von unten (wie von oben). Ist die Opposition im Parlament schwach, formiert sie sich in der Bürgerschaft.

Zählt man die Kleinen und die CSU zusammen, kommt man mit dieser Über-den-Daumen-Prognose bereits auf 42/43 Stadträte. 

Dann nehmen wir noch 25 Prozent Wählerstimmen für die Grünen an, da dieser Trend seit der Europawahl stabil bleibt, damit hätten die Grünen 15 Stadtratssitze im Augsburger Stadtrat zu verbuchen. 42+15= 57! Blieben also für die SPD noch drei Sitze übrig. Damit wäre eine Schwarz/Grüne Koalition besiegelt: 18+15= 33.

Wo ist der Fehler? Besteht der Fehler darin, die SPD zu den Großen zu zählen? Kann nicht sein, darf nicht sein! Also ziehen wir das Ganze anders auf.

Eine zweite Prognose

Nehmen wir an, Dirk Wurm kommt bei den Wählerinnen an und zieht die Partei mit und verdoppelt das Augsburger Resultat der Europawahl 2,5-fach. Dann hätten Wurm und Co. 25 Prozent, also 15 Sitze. Wo könnten diese Prozentpunkte herkommen?

Von den Grünen? Wählerwanderungen von der SPD zu den Grünen sind bekannt. Umgekehrt läuft in dieser Richtung nichts. Aber gut, lassen wir zugunsten der SPD die Grünen um 5 Prozent schrumpfen. Dann wären die Grünen bei 12 Stadträten.

Wäre es dagegen möglich, dass sich die Kleinen kannibalisieren und somit der Durchschnitt von 2 Sitzen pro Gruppierung zu hoch gegriffen ist? Das wäre denkbar, aber wer könnte von den Kleinen abstürzen? Die AfD? Das wäre wünschenswert, ist aber unwahrscheinlich. Zu befürchten ist nämlich, dass die AfD mit 5 bis 6 Stadträten einzieht. Dann könnten andere “Kleine” null oder nur einen Sitz erhalten, ohne dass der Zweierschnitt gefährdet wäre. 

Die Freien Wähler sind Regierungspartei und könnten mit diesem Rückenwind auf Fraktionsstärke kommen (4 Sitze). Die Linken, die ÖDP und die FDP haben eine kleine aber treue Stammwählerschaft (zusammen 4 Sitze). Marcon (AIB), Peter Grab (WSA), Claudia Eberle (PA) sind gute Wahlkämpfer. Brandmiller kann ebenfalls gut die Backen aufblasen. Und wie gesagt sind die Voraussetzungen für die Kleinen ideal. Doch lassen wir sie gegen den Trend schrumpfen und nehmen 1,5 Sitze im Schnitt an: 1,5×12=18. Damit wären 30 von 60 Sitze vergeben.

Bleiben also für die CSU und die SPD noch 30 Sitze übrig. Da wir eingangs die SPD mit 15 Sitzen taxiert haben, blieben für die CSU 15 Sitze übrig. Damit wäre die CSU bei 25 Prozent gelandet. Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass Dirk Wurm und die SPD nur von der CSU Wähler gewinnen können.

Und wie sieht der Wahlkampf der Augsburger Sozis aus? Am vergangenen Freitag war Familienministerin Franziska Giffey beim Neujahrsempfang der Augsburger SPD Festrednerin. Giffey kuschelte in Richtung CSU: “In der Fraktion höre ich Uli Bahr immer schwärmen, was ihr hier in Augsburg alles geschafft habt.” – “Unter einem CSU-OB geschafft habt”, hätte sie dazu sagen sollen. So gewinnt man keinen Blumentopf.

Also bleiben wir bei Variante eins und gestehen der SPD weitere Sitze zusätzlich zu, die von der CSU und/oder den Grünen oder/und den Kleinen kommen, dann hätten wir folgende Situation: CSU 18 Sitze, Grüne 11, SPD 7 bis 9 Sitze. Für eine Schwarz/Grüne Koalition würde es nicht reichen, also ist es nicht weit hergeholt, wenn man sich die Fortsetzung des aktuellen Bündnisses vorstellt. 

Unabhängig davon, ob das wünschenswert ist oder nicht. (Ist es natürlich nicht!) Aber es scheint, wenn man den Wahlkampf beobachtet und die Wahlprogramme studiert, eine sehr wahrscheinliche Option zu sein. Spannend wäre in diesem Fall nur die Neuverteilung der Referate, doch das ist ein anderes Kapitel.



DAZ-Schere: Was fehlt, aber drin sein sollte

In der DAZ bleiben aus profanen Gründen (wie z.B. Zeitmangel) öfters nicht unwichtige Inhalte unberücksichtigt. Um dieses Defizit ein weniger durchsichtiger zu gestalten, verlinkt die Redaktion von nun an Meldungen und Pressemitteilungen, die in der DAZ fehlen.

Den Anfang bildet ein Artikel des BR zu einer Initiative, die mit denkmalschützerischem Furor ein ehemaliges US-Gebäude in der Reese erhalten möchte. Hier der Link.



STAATSTHEATER AUGSBURG

Der Konsul: Außergewöhnliche Opernpremiere im Martinipark

Der Regen, der während der Premiere auf das Dach der Halle im Martinipark prasselt, passt zu der depressiven Stimmung, die die Oper  „Der Konsul“ von Gian Carlo Menotti erzeugt.

Von Halrun Reinholz

Der Konsul: Ein Thema, das aktueller nicht sein könnte © Jan-Pieter Fuhr

Das Prasselgeräusch stört trotzdem sehr, denn es sind durchaus feine und auch leise Töne, die Menotti vor 70 Jahren komponiert hat. Das Thema war damals aktuell und hat ihn offenbar sehr berührt: Menschen, die um ihr Leben fürchten müssen, die ihre ganze Hoffnung auf ein Visum legen, das ihnen die Flucht vor Repression ermöglicht. Die auf das Wohlwollen eines Konsulats, einer Regierung angewiesen sind. John Sorel (Wiald Withold) ist als Widerstandskämpfer im Visier der Geheimpolizei. Er will über die Grenze fliehen, seine Frau Magda (Sally du Randt) und seine Mutter (Kate Allen) sollen beim Konsulat des betreffenden Landes ein Visum beantragen, um ihm mit dem neugeborenen Kind zu folgen. Doch sie sind nicht die Einzigen, die ein Visum begehren. Im Konsulat treffen sich täglich dieselben verzweifelten Menschen, um von der Konsulatssekretärin zu erfahren, was noch an Unterlagen und Papieren fehlt, damit ihr Antrag berücksichtigt werden kann.

Ein Thema, das aktueller nicht sein könnte und sich deshalb für den Spielplan förmlich anbietet. Antje Schupp, eine erfahrene und international gut vernetzte Regisseurin, ist eine geschickte Wahl für die Inszenierung. Denn sie macht nicht den Fehler, das Thema plakativ auf die aktuelle Flüchtlingsthematik zu reduzieren.

Die Handlung der Oper ist so universell wie zeitlos. In keinem Zusammenhang wird Zeit oder Ort der Handlung genannt. Das Konsulat kann sich in jedem Land der Welt befinden und jedes Land der Welt vertreten. Das macht die Handlung so berührend wie dramatisch, jede politische Konnotation weicht vor der schieren menschlichen Befindlichkeit der Protagonisten. „Ihr könnt uns nicht die Welt verbieten“, sagt Magda im Zorn auf die allzu amtliche Konsulatssekretärin (Natalya Boeva), die (wenn auch zuweilen reflektiert und mit sich hadernd) auch nur routiniert und glatt ihre Vorgaben und Anweisungen befolgt. Ausgesprochen satirisch die Szene, wo eine der Wartenden (die einzige!) tatsächlich ihr Visum bekommt.

Das Duett mit der Konsularsekretärin ist eine beißende Ironie auf die Bürokratie – Katastrophen können kommen, Sonnen erkalten, aber jedes Formular braucht eine Unterschrift und ohne Papiere ist der Mensch nichts wert. Bei aller Tragik gelingt es Menotti dennoch, das Absurde der Situation auch von seiner lächerlichen Seite zu zeigen.  In einer Schlüsselszene im Wartezimmer des Konsulats  zeigt der Künstler Nika Magadoff (Roman Poboiny) auf satirische Weise, dass seine Identität nicht in Papieren aufscheint, sondern in seinen künstlerischen Leistungen. 

Sally du Randt @ Jan-Pieter Fuhr

Doch eine andere Schlüsselszene zeigt den Geheimdienstchef (Stanislav Sergeev, der Magda überwacht und bedrängt) aus dem Zimmer des Konsuls kommen – der im übrigen  trotz des Titels der Oper nie in Erscheinung tritt. Die Oper endet tragisch, aber der Appell an die Menschlichkeit ist dramaturgisch wie musikalisch höchst überzeugend. Die Handlung wird hauptsächlich von rezitativem Gesang getragen, aber auch von flotten Duetten oder Gruppenszenen, wie der hypnosetrunkenen „Traumszene“ im Konsulat. Das Bühnenbild (Christoph Rufer) berücksichtigt die prekären Begebenheiten im Martinipark und lässt die häuslichen Szenen der Sorels vor dem Vorhang spielen, die Hauptbühne gehört dem Konsulat. Die (manchmal allzu detailverliebten) Videoszenen (Gregor Brändli, der sich daran erfreut, Details der Folter an John zu zeigen) sind trotzdem kein unnötig schmückendes Beiwerk, sondern klar handlungsergänzend. Und auch die Kostüme (Mona Hapke) betonen gekonnt die Zeitlosigkeit der Handlung. Der aktuelle Bezug ist dennoch nicht ausgespart, hinter einem Zaun stehen protestierende Flüchtlinge und bitten um Einlass.

Beschwörend und desillusionierend zugleich die Schluss-Szene der Oper: Vor der EU-Flagge posieren zwei Politiker beim Händedruck – der eine ist der sadistische Geheimpolizist, der andere der gejagte Zauberkünstler. Ein starkes Bild am Tag des Brexit. Anhaltender Applaus für die Sängerinnen und Sänger, ganz explizit auch für das Orchester unter der Leitung von Ivan Demidov. Ein großartiger wie außergewöhnlicher Opernabend auf hohem  künstlerischen Niveau – mit berührender Aktualität ohne plakativen Zeigefinger.



“Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel nichts mit dir anzufangen” – Ein Kammerballettabend mit zehn Abwandlungen des Pas de deux

Eine Gala der getanzten Paarbeziehungen: „Made for Two“ als Kammerballettabend in der Brechtbühne

Von Halrun Reinholz

© Jan-Pieter Fuhr

Im klassischen Ballett gibt es den „Pas de deux“, eine Choreographie für zwei Tänzer, in der Regel für eine Tänzerin und einen Tänzer. Das Ritual des klassischen „Pas de deux“ eignet sich für Ballett-Galas, da beide Tänzer, zusammen und auch getrennt, Höhepunkte ihres Könnens zeigen dürfen. Der Kammertanzabend in der Brechtbühne gleicht einer Ballettgala, denn dem Publikum  werden nicht weniger als zehn zeitgemäße Abwandlungen des „Pas de deux“ von sieben verschiedenen Choreografen  präsentiert. 

Eric Gauthier zeigt gleich in der ersten Nummer ein augenzwinkerndes Bild des klassischen Ballett-Trainings und erklärt mit Hilfe seines in Sportkleidung  auftretenden Tanzpaares (Momoko Tanaka und Alessio Pirone) die 102 klassischen Positionen des „Pas de deux“, die diese Tanzform  auf eine rein mechanische Abfolge von Bewegungen reduziert. Doch einleitend gibt er auch zu bedenken, dass „Pas de deux“ nicht grundsätzlich für eine Frau und einen Mann gemacht werden, Paarbeziehungen sind auch unter Männern oder unter Frauen (oder auch zwischen einer Frau und einem Pferd) möglich. Das Pferd tritt im Laufe des Abends nicht auf, doch sonst alle möglichen Paar-Konstellationen. 

Der israelische Choreograph Nadav Zelner, der auch Musicals choreographiert, zeigt das komische Potenzial des Tanzes mit der Choreographie „Alte Zachen“, wo zwei Männer in Boxer-Shorts (Franco Shikuli und Shori Yamamoto) zu „Rock my Soul in the Bossom of Abraham“ oder mit „Chopsticks“, wo zwei Frauen (Ana Isabel Casquilho und Gabriela Zorzete Finardi) zwillingsgleich synchron wie Trommelstöcke tanzen. Gleich drei Choreografien kommen vom Ballettchef des Hauses Ricardo Fernando:  In Midnight Lullaby spielt sich die Beziehungskiste eines Paares (Keiko Okawa und Samuel Maxte) auf einer 1,40 Meter breiten Matratze ab, eine andere hat die Tür als Requisite (A Door between Us, mit Moeka Yugawa und Gustavo Barros) und schließlich wird die „Paar-Beziehung“ zwischen klassischem und modernem Ausdruckstanz in „Swans“ thematisiert: Auf der durch Licht zweigeteilten Bühne tanzt Sewohn Ahn den klassischen „Sterbenden Schwan“, während Cosmo Sancilio ebenfalls im Schwanen-Kostüm sich an einer modernen Ausdrucksform dazu versucht. 

Guillaume Hulot bringt mit „Tuning Another Being“ eine besinnliche Note in die Paarbeziehnung zwischen Nikolaos Doede und Cosmo Sancilio, die er als „zwei Noten derselben Klaviatur“ verstanden haben will. In „No Name“ thematisiert die Choreografin Young Soon Hue eine Freundschaft zwischen (schon optisch) sehr ungleichen Männern (Gustavo Barros und Goncalo Martins da Silva). Annett Göhre inszeniert in der Choreografie „Für Immer“ wie sich ein Paar findet und wieder verliert. 

Den Schlusspunkt setzt die Choreografie von Antonis Foniadakis, der mit acht Tänzerinnen und Tänzern ständig wechselnde Paar-Konstellationen auf die Bühne bringt, die jeweils ineinander übergreifen.  Zusammengehalten werden diese  Einzelaufführungen von  Vittorio Greco, der für die Bühne verantwortlich ist und Anna Malin Jander, die für die passende Lichtchoreografie sorgt. Ein wunderbar runder Genuss für das Publikum, das nachdenklich oder amüsiert, aber auf jeden Fall kurzweilig die hervorragenden Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles genießt und sich mal wieder davon überzeugen konnte, dass Ballett kein “verstaubtes Gehupfe” ist. Die Choreografien sind alle doppelt besetzt, sodass die Aussicht auf viele weitere Termine besteht. 

„Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel nichts mit dir anzufangen“, zitiert das Programmheft Augustinus Aurelius. Da könnte was Wahres dran sein. Zumindest mag man das nach diesem Tanzfest in der Brechtbühne gern glauben.



AEV gewinnt gegen Krefeld und marschiert Richtung Playoffs

Die Augsburger Panther haben einen eminent wichtigen Dreier im Kampf um die Playoffs eingefahren. In einem am Ende dramatischen Spiel siegte der AEV nach Toren von Brady Lamb (17.) und Scott Kosmachuk (58.) verdient mit 2:1 gegen die Krefeld Pinguine und feierte damit den sechsten Heimerfolg in Serie. Den Treffer zum zwischenzeitlichen Ausgleich für die Seidenstädter erzielte Phillip Bruggisser (51.).

Ein Hexer?, ein Phantom? – Nein: Eine Goalie-Gott: Olivier Roy zeigte gegen den KEV erneut unglaubliche Antizipationsfähigkeiten © S. Kerpf

Die Panther kamen dabei gut ins Spiel und hatten noch in der ersten Spielminute die erste Chance durch David Stieler. Wenig später verpasste Matt Fraser zudem nach einem tollen Solo die Führung nur knapp (5.). Die Pinguine kamen zwar nach den ersten Minuten besser ins Spiel und hatten durch Jacob Lagace auch eine gute Chance (7.), aber das gefährlichere Team im ersten Durchgang stellten die Hausherren, die auch verdient in Führung gingen. Lamb eroberte selbst in der neutralen Zone den Puck, fuhr ins Krefelder Drittel und sein Handgelenksschuss schlug genau im rechten Kreuzeck ein (17.).

Panther lassen Chancen liegen

Im zweiten Durchgang bekmen die Zuschauer ein ähnliches Bild zu sehen. Augsburg investierte mehr, kam auch zu Chancen, aber Oskar Östlund im Krefelder Tor war Endstation. So scheiterten beispielsweise Simon Sezemsky (25.), Adam Payerl (26., 29.) und Scott Kosmachuk (33.) allesamt am Goalie der Pinguine. Die beste Möglichkeit ließ Jakob Mayenschein ungenutzt, als er bei einer Drei-auf-Eins-Situation keinen Weg am Schweden vorbei fand (29.). Dessen Vorderleute brachten zwar viele Schüsse auf den Kasten von Olivier Roy, aber die meisten Versuche wurden geblockt.

Zweimal wurde es aber doch richtig gefährlich: Erst schoss Daniel Pietta bei einem vorbildlichen Konter knapp über das Tor (23.) und dann bügelte Roy einen schweren Abwehrschnitzer von Drew LeBlanc mit einer starken Parade gegen Laurin Braun aus (30.), so dass es beim 1:0 nach 40 Minuten blieb.

Unfassbare Szenen im dritten Drittel

Im dritten Drittel hatte dann Payerl die große Chance auf das 2:0, als er völlig frei auf Östlund zulief, aber erneut scheiterte (47.). Kurz danach jubelte Payerl doch, aber dieses Mal gaben die Unparteiischen den Treffer nicht, da Augsburgs Angreifer den Puck mit einer “deutlichen Kickbewegung” über die Linie bugsierte (47.). Doch es wurde noch viel turbulenter, denn Sekunden später liefen gleich drei (!) Augsburger alleine auf Östlund zu, machten es jedoch zu kompliziert und so konnte der Goalie tatsächlich noch dazwischen gehen (48.). Im direkten Gegenzug parierte dann Roy erst überragend gegen Pietta und Garrett Noonan traf den Pfosten (48.).

Krefeld trifft bei doppelter Überzahl

Doch als die Panther kurz nacheinander eine 2+2 Strafe wegen hohen Stocks und eine weitere Strafe wegen Beinstellens kassierten, durfte Krefeld zwei volle Minuten mit zwei Mann mehr agieren und benötigte nur wenige Sekunden zum 1:1 durch einen Kracher von Bruggisser (51.). Anschließend überstand der AEV weitere 1:41 Minuten in doppelter Unterzahl und schickte sich danach wieder an, selbst in Führung zu gehen.

Die Panther wollten unbedingt drei Punkte und hatten durch LeBlanc (55.) und in Überzahl durch Daniel Schmölz (56.) auch absolute Hochkaräter, aber Östlund erwischte einen absoluten Sahnetag.

Kosmachuk genau in den Knick zum Sieg

Doch auch der Neuzugang der Gäste konnte nicht alles abwehren, denn mit Ablauf der Strafe gegen die Pinguine schlug ein Gewaltschuss von Kosmachuk genau unter der Latte ein und Östlund hatte nicht den Hauch einer Chance (58.). Es sollte der Siegtreffer sein, denn die Panther mussten zwar noch eine weitere Unterzahl überstehen, aber Roy und seine Vorderleute ließen keinen Treffer mehr zu. Augsburgs Goalie sicherte die drei unheimlich wichtigen Punkte mit einem ganz starken Reflex in der Schlussminute gegen Vincent Saponari.

Für den AEV geht es nach der Länderspielpause mit zwei Auswärtsspielen bei der Düsseldorfer EG (Mittwoch, 12. Februar) und Fischtown Pinguins (Freitag, 14. Februar) weiter. Das nächste Heimspiel steht am Sonntag, den 16. Februar gegen die Wolfsburg Grizzlys auf dem Programm.



BUNDESLIGA

FCA: Weichenstellung gegen Werder

Der FC Augsburg schlägt am 20. Spieltag der Fußballbundesliga den SV Werder Bremen mit 2:1. Vor 29.432 Zuschauern in der WWK Arena erzielten alle Treffer die Augsburger, nämlich Tin Jedvaj in “Zusammenarbeit” mit Jeffrey Gouweleeuw für Bremen (23.) und Florian Niederlechner (67.) sowie Ruben Vargas für Augsburg (82.). Es war ein wichtiger Sieg. Nicht nur in tabellarischer Hinsicht, sondern auch hinsichtlich der Erkenntnisse für den FCA.

Von Siegfried Zagler

Ein Spielbericht, der das Geschehen auf dem Rasen treffend zusammenfasst, befindet sich hier. Aus Augsburger Sicht ist festzuhalten, dass FCA-Trainer Schmidt aus dem Berlin-Desaster keine Lehren gezogen hat, sondern auf die Schnapsidee, den ungelenken André Hahn neben Niederlechner im Zentrum stürmen zu lassen, ein weiters Mal bestand und die gleiche Startelf einlaufen ließ, die bereits in der Alten Försterei in allen Mannschaftsteilen nur bedingt Bundesligatauglichkeit erkennen ließ. Gegen Bremen war es kaum anders.

Tin Jedvaj ist in der Mitte ein ziemlich durchschnittlicher Verteidiger, rechts außen ein ziemlich schlechter, wie er nun zweimal deutlich unter Beweis stellte. Seinen Fehler mit Hahn korrigierte Schmidt in der Halbzeit, indem er Finnbogason für Hahn einwechselte, der nach vorne wie in Berlin nichts zustande brachte. Jedvaj spielte jedoch durch, weshalb man Martin Schmidt wieder ein schlechtes Zeugnis ausstellen muss.

Dabei begann der FCA souverän, was möglichweise auch damit zu haben könnte, dass Andreas Luthe für Tomas Koubek im Tor stand. Dieser einzige Wechsel im Vergleich zum Köpenick-Kick war aber keiner Trainermaßnahme, sondern einem Grippe-Erreger geschuldet: Koubek meldete sich unter der Woche krank. Und bereits beim Warmmachen war zu erkennen, dass von Luthe die Aura eines Torhüters ausgeht, was man bezüglich Koubek bisher beim besten Willen nicht erkennen konnte.

Die zweite Einsicht: Sind die Außenverteidiger nicht in Form (Max scheint nach einem erstaunlichen Hoch wieder in einem Formtief angekommen.), kommt zu wenig Musik aus dem Mittelfeld. Vargas, Richter, Niederlechner und Finnbogason – ja auch Finnbogason – sind Verwertungsspieler mit Abschlussstärken, die aus dem Halbfeld heraus sehr gefährlich werden können, aber zu selten genau und passend mit Tempo angespielt werden. Khedira ist in der Defensive als Sechser nicht wegzudenken, aber seine Qualitäten nach vorne sind leider ziemlich limitiert. Und Baier? Er bringt ebenfalls zu wenig Präzision nach vorne, da er meistens nach hinten denkt – und läuft.

Werder-Edelfan Meinhard Motzko: “Verdienter Augsburger Sieg, da FCA klar besser.” © DAZ

Und nun zum Positiven: Der FCA hat gewonnen, obwohl er über weite Strecken ein schlechtes, fahriges Spiel gezeigt hat. Er hat deshalb auch verdient gewonnen, weil Bremen noch schwächer war. Und er hat gewonnen, weil er inzwischen nach vorne genug Qualität hat, um auch an einem schlechten Tag mit ein paar genialen Federstrichen ein Spiel für sich entscheiden zu können. Der FCA hat aber auch deshalb gewonnen, weil das Publikum im Gegensatz zum Heimspiel gegen Dortmund richtig unterstützte: Mit Pfiffen zur Pause und Anfeuerung nach der Pause, womit der Siegeswille, der Mannschaft, den es erst nach der Halbzeitstandpauke gab, zu einem großen Kampf geformt wurde.

Und schließlich muss man den Fans auf der Uli-Biesinger-Tribüne ein großes Feingefühl für die Gesamtsituation attestieren. Gefeiert wurde nämlich ein Mann, der am wenigsten zu tun hatte – und dennoch überzeugte: Andreas Luthe. Mit ihm sollte man am Freitagabend in Frankfurt spielen. Eine Grippe muss schließlich ordentlich auskuriert werden.

FCA: Andreas Luthe; – Jeffrey Gouweleeuw; Felix Uduokhai; Philipp Max; Tin Jedvaj; – Rani Khedira; Daniel Baier; Ruben Vargas; Marco Richter; – Florian Niederlechner; André Hahn.

Eingewechselt: Raphael Framberger (86.); Eduard Löwen (78.); Alfred Finnbogason (46.).

Ausgewechselt: Rani Khedira (78.); Ruben Vargas (86.); André Hahn (46.); –

Auswechselbank: Benjamin Leneis (TW); Noah Sarenren Bazee (TW); Marek Suchý (TW); Jan Morávek; Stephan Lichtsteiner; Carlos Gruezo.

Tore:

0:1 Tin Jedvaj (23.) Eigentor
1:1 Florian Niederlechner (67.)
2:1 Ruben Vargas (82.)