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Die Partei schafft Unterstützer-Hürde – 15 Gruppierungen zur Augsburger Kommunalwahl zugelassen

Für Parteien und Listenvereinigungen, die 2020 erstmalig in die Bayerischen Rathäuser einziehen wollen, schreibt die Gemeindeordnung eine bestimmte Anzahl von Unterstützer-Unterschriften vor. In Augsburg müssen bis zum 3. Februar 470 Personen auf jeder Liste der fünf zur Auswahl stehenden Listen unterschrieben haben. Sind es weniger, fällt der Wahlkampf für diese Liste flach, da sie die erste Hürde nicht genommen haben.

 

Den aktuellen Stand der Unterschriften dokumentiert die DAZ. Das Bürgeramt hat heute, Freitag, den 31. Januar die Anzahl der Unterschriften veröffentlicht, die bis gestern Abend für die letzte noch nicht qualifizierte Gruppierung geleistet wurde. Die Listen der Generation Aux, WSA, der V-Partei und AIB habe bereits souverän gefinisht.

Lisa McQueen und ihre Liste haben im Endspurt mächtig zugelegt und einen großen Sprung gemacht: Das Bürgeramt hat 535 Unterschriften für die “Die-Partei-Liste” gemeldet, womit die Spaßvögel zur Kommunalwahl zugelassen sind. Lisa McQueen kann sogar 592 Punkte verbuchen, womit McQueen Oberbürgermeisterin unter den Qualifikanten geworden ist.

 



GASTKOMMENTAR

Kommentar zu Eva Webers 20 Mobilitätswendepunkte: Jede Menge Stückwerk

Von den wahren Prämissen und Privilegien der Augsburger Verkehrspolitik

Kommentar von Arne Schäffler

© DAZ

Eva Weber begrüßt das Radbegehren. Gut so. Sie unterstellt den Initiatoren zugleich aber, die Gesellschaft möglicherweise zu „spalten“ und lediglich priviligierte Partikularinteressen einzufordern. Diese Behauptungen lenken von der Realität ab. Dass Augsburg beim Thema Fahrradstadt nicht vom Fleck gekommen ist, hat hausinterne Gründe: Die Verkehrsplaner forderten ein Jahresbudget von 7 Millionen für die Umsetzung der Fahrradstadt. Die Stadtregierung bewilligte jahrelang nur 1 bis 1,5 Millionen. Fest eingeplante Verkehrsplanerstellen wurden aus dem Etat gestrichen – und statt 2015 erst 2018 besetzt.

Mehr noch: Bei allen Maßnahmen, die umgesetzt wurden, gab es eine stille Grundregel zu beachten, dass nämlich alles, was gemacht wird, die Kapazitäten für den Kfz-Verkehr nicht antasten darf. Das ist das wahre Privileg der Augsburger Verkehrspolitik: die Mobilität des Automobils ist unantastbar. So etwas kreiert Denkverbote. Und heraus kommt dann statt einer Fahrradstadt jede Menge Stückwerk, das keinen Bewohner dieser Stadt überzeugt.

Jede Menge Stückwerk enthalten auch die neuen 20 Mobilitätswendepunkte. Zwar sind gute Vorschläge dabei, wie die Umgestaltung der Karolinenstraße. Allerdings fordert der ADFC diese schon lange. Da sind unvernünftige Vorschläge dabei, wie zum Beispiel der „Flächenmanager“, der an den gleichen unhinterfragten Privilegien des Kfz-Verkehrs scheitern wird, wie bisher das Baureferat. Da sind überfällige Punkte dabei, wie die Verkehrsüberwachung von Falschparkern und Falschradlern. Beides fordert der ADFC seit einem Jahrzehnt.

Die für die Radinfrastruktur wirklich wichtigen Punkte verstecken sich zwischen den Zeilen. So sollen die Radwege zwischen den Stadtteilen und der Innenstadt jetzt sicher gemacht werden. Super, das wollen die Augsburger Eltern, Alltagsradler, Schülerinnen und Schüler schon immer! Der ADFC ist gespannt, ob jetzt endlich Tempo 30 im Pferseetunnel ausgeschildert wird, oder die katastrophalen Radwegführungen im Oberen Graben und der Karlstraße bis zum Jakober Tor baulich angegangen werden.

2012, zum Zeitpunkt des Augsburger Beschluss zur Fahrradstadt, betrugen die Investitionen in die Fahrradinfrastruktur rund 3 Euro pro Einwohner. Acht Jahre später, also 2020, betragen sie vielleicht 12 EUR pro Einwohner. Ja, das ist ein Fortschritt! Aber spalten Radaktivisten die Gesellschaft, wenn sie darauf hinweisen, dass für das PKW immer noch das Zehnfache pro Einwohner ausgegeben wird?

Die Aktivisten des Radentscheids fordern eine gerechte Aufteilung erstens der Verkehrsinvestitionen und zweitens des öffentlichen Raums. Wenn diese Forderungen etwas spalten, dann den Kalk in unseren Köpfen. Aber nicht unsere Gesellschaft!

In allen größeren bayerischen Städten sind nunmehr Radentscheide gelaufen. Überall haben die Forderungen der Radaktivisten die Verkehrspolitik dieser Städte maßgeblich verändert. Es ist zu wünschen, dass dies in Augsburg genauso geschieht. Unsere Stadt hat es verdient. Das Klima unseres Planeten auch.

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Arne Schäffler

Arne Schäffler ist Mitglied im Vorstandsteam des Augsburger ADFC. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ist die größte Lobbyorganisation für Radfahrer in Deutschland mit insgesamt über 185.000 Mitgliedern. Deutschlandweit ist der ADFC in 450 Niederlassungen aktiv, der Regionalverband Augsburg und Region wird von 1600 Mitgliedern getragen.

 



Kommunalwahl: Eva Weber positioniert sich distanzierend zum Radentscheid

Nach Peter Hummel (FW) hat sich nun Eva Weber, OB-Kandidatin der CSU, zum kommenden Radentscheid positioniert. Sie plädiert für eine “gesamtheitliche Mobilitätswende”.

Rad im Herrenbach © DAZ

Das öffentlich diskutierte „Radbegehren“ in Augsburg greife ein wichtiges Thema auf und verdiene grundsätzliche Unterstützung, so die OB-Kandidatin der CSU, Eva Weber. Der steigende Mobilitätsbedarf in der Stadt und die nicht zufriedenstellende Quote beim Ausbau des Radwegenetzes seien mit einem Grund, warum „verständlicherweise bei vielen Radfahrern die Geduld am Ende ist, diese Kritik müssen wir uns als Stadt gefallen lassen und anerkennen“, weswegen auch nichts gegen ein basisdemokratisches Votum einzuwenden sei. Weber weiter: „Wir haben aber die Chance, gemeinsam das große Rad zu drehen, anstatt Partikularinteressen in den Vordergrund zu stellen“. Eine Spaltung der Gesellschaft über das Mobilitätsverhalten sei von niemand gewünscht. Vor bedeute Politik den Ausgleich vieler Interessen, nicht Privilegien für einzelne. Dabei muss in einer gewachsenen, alten Stadt das Management knapper Räume gelingen.

Einladung an Rad-Aktivisten: „Kommen Sie an Bord der gesamtheitlichen Mobilitätswende!“

Der Weg der Konfrontation, nicht des Miteinanders, sei „der völlig falsche Ansatz“, so Weber. Die nicht erfüllte Quote bei der Fahrradstadt habe nicht den Grund, dass „der Wille gefehlt hat. Vielmehr sind in den vergangenen Jahren die verkehrlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen worden, um bei vielen Projekten in die Umsetzung zu kommen, die ganz zu Recht vom Aktionsbündnis Fahrradstadt angemahnt werden. Ich lade die Aktivisten ein, mit uns zusammen ein neues Kapitel der Verkehrswende aufzuschlagen“. Der alleinige Ausbau der Fahrradstadt allerdings ist nach Ansicht Webers zu kurz gesprungen. Da sich Art und Weise der Fortbewegung weiter ändern wird, zeitliche und örtliche Flexibilität immer wichtiger werden, ist vor allem ein reibungsloser Übergang zwischen den Verkehrsträgern gefragt: „Ich werde einem grundsätzlichen Vorrang des Fahrradverkehrs keine Zusage erteilen. Ich will einen intelligenten Mobilitätsmix für alle“.

„Mobilitätspolitik nicht nur für Gutverdiener in der Innenstadt!

„In meinen vielen Gesprächen in den vergangenen Monaten mit den Augsburgerinnen und Augsburgern wurde keine Präferenz für einen Verkehrsträger erkennbar. Es gibt da eine schweigende Mehrheit, die sich auf pragmatische Lösungen der Politik verlässt. Und das heißt: Die Bürgerinnen und Bürger wollen die Wahl, zu jeder Zeit entscheiden zu können, mit welchem Verkehrsmittel sie unterwegs sind“. Daher müsse die Mobilitätswende durch verzahnte Angebote umgesetzt werden. An die Adresse der Radaktivisten äußert sich Weber so: „Das ältere Ehepaar im Stadtteil fährt nun mal nicht Lastenrad. Sie sind auf das Auto angewiesen. Wir brauchen Mobilitätspolitik für alle, für Familien, Senioren, Menschen mit Handicap und jeden Stadtteil, nicht nur die Innenstadt“.

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Eva Webers 20 Mobilitätswendepunkte als Aufgabenstellung für das neue Mobilitätsreferat:

1. Einführung eines Flächenmanagers für den verknappten Stadtraumes.

2. Einführung einer Mobilitäts-App (open-data-Projekt) für alle Verkehrsträger (ÖPNV, Carsharing, Taxi, E-Scooter, Auto): Bewusstseinsbildung, Kostentransparenz, integrierte Lösungen anhand von Mobilitätsketten.

3. Sichere und gut gekennzeichnete Radwege aus jedem Stadtteil in die Innenstadt.

4. Pilotprojekte bei Gefahrenstellen, z.B. Hermannstraße: probeweise Einrichtung eines absoluten Halteverbots und probeweise Abmarkierung eines Radstreifens, um vor allem die Auswirkungen auf die Besucher von Friedhof, Hotel und Arztpraxen zu erfahren.

5. Entwicklung eines P+R-Tickets im Rahmen der Evaluierung der Tarifreform: Wer P+R nutzt, zahlt weniger für den ÖPNV, auch in Kombi mit ÖPNV-Abo für Pendler.

6. Umgestaltung Karolinenstraße (Weiterführung kurze Maxstraße – Rathausplatz; Aufenthaltsqualität, Fahrradabstellplätze).

7. kostenfreie Parkplätze für Autos mit alternativem Antrieb in der südlichen Maximilianstraße.

8. Lastenfahrradsharing bei den swa.

9. Einrichtung Mikrohubs in einem Ring um die Innenstadt für letzte-Meile-Konzepte per Lastenfahrrad/E-Mobil o.ä.

10. 365-Euro-Ticket für Schüler und Studenten zum Schuljahresbeginn 2020/21.

11. Fertigstellung Parkleitsystem Innenstadt 12/2020.

12. Mobilitätshubs gemeinsam mit den Landkreisen, z.B. an P+R-Parkplätzen, Ausbau von P+R Plätzen.

13. Pilotprojekt: Mobilitätshubs statt Stellplatznachweis in der Jakober Vorstadt. 14. Ridesharing Modellprojekt bei den swa.
15. Mehr Verkehrsüberwachung für a) Falschparker und b) Falschradler.
16. Fortführung Fair-im-Verkehr-Kampagne.

17. Mehr Fahrradabstellflächen.
18. Semmelrad (nachhaltiges Lieferkonzept für Kleineinkäufe).
19. Sofortmaßnahmen an gefährlichen Verkehrsknotenpunkten (z.B. Kennedyplatz).

20. Fußgänger im Fokus: Querungshilfen und sog. „Shared Spaces“.



AEV trotzt RB München einen Punkt ab

Die Augsburger Panther haben im vierten und letzten Vorrundenderby gegen den EHC Red Bull München einen Punkt ergattert. Bei der 4:5-Niederlage nach Verlängerung führten die Panther dabei allerdings bereits schon mit 3:0 und 4:2, mussten sich am Ende starken Münchnern aber doch geschlagen geben. Die Treffer für den AEV erzielten Brady Lamb (7., 16.), T.J. Trevelyan (14.) und David Stieler (41.). Für München waren Philip Gogulla (36.), Yannic Seidenberg (38.), Christopher Bourque (44.), Trevor Parkes (47.) und Konrad Abeltshauser (63.) erfolgreich.

Wieder unter den Torschützen dabei: T.J. Trevelyan © S. Kerpf

Das Spiel begann perfekt aus Augsburger Sicht, denn nach einer recht ausgeglichenen Anfangsphase gingen die Gäste in Führung, als Lamb aus dem Handgelenk abzog und genau zum 0:1 traf (7.). Dieser Treffer gab dem AEV sichtlich Auftrieb: Immer wieder attackierte man früh, erzwang Scheibenverluste der Münchner und kam so zu Chancen. Logische Folge: Die Panther legten nach. Nach einem geblockten Schuss von Patrick McNeill machte Matt Fraser das Spiel schnell und schickte Trevelyan auf die Reise.

Trevelyan und Lamb stellen auf 0:3

Der Augsburger Publikumsliebling fuhr über die linke Seite ins Drittel der Hausherren, schloss eiskalt ab und netzte oben links zum verdienten 0:2 ein (14.). Doch damit nicht genug, denn die Gäste trafen noch einmal im ersten Durchgang. Nach starkem Forechecking kam Lamb an den Puck, hatte Zeit und setzte den Hartgummi ganz überlegt in den Winkel (16.).

Auch zu Beginn des Mitteldrittels hatten die Panther noch einige Möglichkeiten auf weitere Tore. So traf Scott Kosmachuk beispielsweise das Lattenkreuz des Tores von Daniel Fiessinger (29.). Doch nach etwa der Hälfte der Spielzeit wurde München immer stärker und machte die Partie wieder spannend. Erst fälschte Gogulla einen Schuss von Yasin Ehilz unhaltbar ab (36.) und kurz danach schloss Seidenberg einen schnell vorgetragenen Angriff zum 2:3 ab (38.).

Panther-Führung hält nicht

Im dritten Spielabschnitt schlugen die Panther jedoch zurück: In Überzahl dauerte es nur 18 Sekunden, ehe Stieler aus spitzem Winkel nach toller Vorarbeit von Kosmachuk dafür sorgte, dass der AEV wieder mit zwei Treffern Vorsprung führte (41.). Dabei bleib es allerdings nicht lange, denn die Hausherren verkürzten postwendend, als Bourque abzog, Fraser noch leicht abfälschte und Olivier Roy erneut chancenlos war (44.). Gleiches gilt auch für den Ausgleichstreffer kurz danach – dieses Mal fälschte Parkes einen Schuss von Bodnarchuk noch entscheidend ab (47.).

München holt Zusatzpunkt

Anschließend standen die Panther jedoch besser und nahmen zumindest einen hochverdienten Punkt mit. Dass es nicht zwei wurden, lag an Abeltshauser, der in der Overtime nach einem gewonnenen Bully zum Solo ansetzte und den Siegtreffer für München erzielte (63.). Für den AEV geht es nun am Sonntag um 14:00 Uhr gegen die Krefeld Pinguine im heimischen Curt-Frenzel-Stadion weiter.

 



Polit-WG und Demokratie in Bewegung (DiB) stellen Liste mit 30 Kandidaten vor

Zur Kommunalwahl 2020 in Augsburg treten Polit-WG und Demokratie in Bewegung (DiB) auf einer gemeinsamen Liste mit 30 Kandidierenden an

“Wir verzichten bewusst auf eine Oberbürgermeister-Kandidatur, weil wir die ständig wachsende Personalisierung von Wahlkämpfen kritisch sehen. Ein OB ohne Stadtrat hat keine Macht, er ist Chef der Verwaltung einer Kommune und setzt die Stadtratsbeschlüsse um. Der Stadtrat als Vertreter der Bürger und Bürgerinnen trifft die Entscheidungen und sollte deren Umsetzung kontrollieren. Deshalb konzentrieren wir uns erneut auf den Stadtrat, um unsere Ideen weiter einzubringen.

Entscheidend ist nicht ein einzelner „starker“ Macher oder Macherin als OB, das ist ein vordemokratisches Politikverständnis. Entscheidend ist der Stadtrat, der (im Idealfall) die Belange und Bedürfnisse der Bevölkerung repräsentiert. Es geht um politische Inhalte für 6 Jahre und nicht um einzelne Personen.

Polit-WG_DiB_Kandidatenliste



Radentscheid: Was die Aktivisten wollen

Nachdem die DAZ am vergangenen Samstag exklusiv über das kommende Bürgerbegehren „Fahrradstadt jetzt“ berichtete, hatten die Rad-Aktivisten wegen zahlreicher Medienanfragen kaum noch eine ruhige Minute. Nun äußern sie sich dazu mit einem ausführlichen Statement. 

Initiiert von den Augsburger „Cyclists for Future“ demonstrierten am 30.08.2019 eine Vielzahl von Fahrradfahrern und Organisationen gegen die Umlaufsperre am Gollwitzersteg und für eine durchgängige Fahrradachse in Pfersee – Bildquelle: ADFC Augsburg

“2012 stimmte der Stadtrat einstimmig für das Ziel „Fahrradstadt 2020“. Geschehen ist bis heute aber nur wenig für die Sicherheit und die Förderung des Radverkehrs. Die Ziele für die Steigerung des Radverkehrs wurden weit verfehlt, stattdessen steigt die Zahl verunfallter Radfahrer Jahr für Jahr”, so beginnt das Statement der Aktivisten. Ein großer Teil der Augsburger Alltagsradler sei deshalb unzufrieden mit den aktuellen Bedingungen für den Radverkehr.  Diese Kritik sei nicht neu, habe aber 2019 zusätzliche Brisanz durch die Erkenntnis bekommen, dass Augsburg mit einer gleichrangigen Förderung aller Verkehrsträger auch die Klimaschutzziele verfehlen werde.

“Seitdem diskutieren viele Organisationen über bessere Rahmenbedingungen für den Fahrradverkehr in der Stadt Augsburg. Im Dezember führte diese Diskussionen zur Gründung eines breiten Aktionsbündnisses . Getragen vom Forum Augsburg lebenswert, Allgemeiner deutscher Fahrradclub (Regionalgruppe Augsburg), der Bewegung Fridays for Future (Augsburger Ortsgruppe) und vielen fahrradengagierten Bürgerinnen und Bürgern hat dieses Bündnis das Ziel, den Umbau der Verkehrsinfrastruktur hinsichtlich der Stärkung des Fahrradverkehrs mit einem Bürgerentscheid entscheidend voranzubringen.” So die Kernaussage der Aktivisten.

Obwohl das Bündnis vom „Radentscheid“ spricht, beinhaltet dieser ein Bündel sehr unterschiedlicher Maßnahmen. “Im Ergebnis werden nicht nur die Radfahrenden, sondern alle Bürger profitieren”, wie es im Text heißt: “Das Radfahren wird sicherer, Fußgänger profitieren von weniger Lärm und Abgasen, die Innenstadtbewohner von mehr Lebensqualität und die ganze Gesellschaft von weniger Unfällen.”

Die Vorbereitungen nahezu abgeschlossen, weshalb das Aktionsbündnis heute Öffentlichkeit über Ziele und Eckpunkte des Bürgerbegehrens im Hinblick auf einen Radentscheid „Fahrradstadt jetzt“ informiert. Aktuell ist eine Gruppe von Stadträten und Stadtratsanwärtern eingeladen, die persönlich von den Zielen des Begehrens informiert werden. Zeitgleich überprüfen Fachanwälte die Forderungen auf rechtlich korrekte Formulierungen. Voraussichtlich in der letzten Februarwoche werden die Forderungen und damit der Wortlaut des Bürgerbegehrens veröffentlicht. Am 1. März soll anlässlich der Klima‐Demonstration in Augsburgs Innenstadt, organisiert von Fridays for Future Augsburg und Augsburg handelt, die Unterschriftensammlung beginnen.

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Eckpunkte der Zielvorstellungen, die als Forderung in den Bürgerentscheid einfließen sollen:

  • Durchgängiges Radwegenetz ohne abrupte Unterbrechungen, kein ständiger Wechsel der Radwegeführung auf einer Strecke
  • Mehr Sicherheit an Kreuzungen. Vor allem Unfallschwerpunkte sind zu entschärfen, zum Beispiel in dem die Sichtbarkeit der Radfahrenden verbessert wird.
  • Beseitigung des derzeitigen Mangels an gut zugänglichen und sicheren Radabstellmöglichkeiten. Orte des öffentlichen Lebens und ÖPNV‐Knoten erhalten neue Radabstellplätze.
  • Änderung der Stellplatzsatzung, sodass Bewohner vor allem von Mehrfamilienhäusern ihre Räder sicher und bequem unterbringen können.
  • Schaffung von mehr Platz für das Rad durch Umwidmung von jährlich 3 % der öffentlichen Kraftfahrzeugstellplätze in der Innenstadt.
  • Verbesserung der Kommunikation zwischen Bürgern und Stadtverwaltung durch eine Online‐Meldeplattform, auf der Radfahrende jederzeit störende und gefährliche Wegstellen melden können.
  • Schaffung der personellen und finanziellen Voraussetzungen zur Umsetzung des Bürgerentscheids in den städtischen Behörden.


“Ich bin schwärzer als die CSU”: McQueen und Die Partei sind auf dem Sprung zur Kommunalwahl

Für Parteien und Listenvereinigungen, die 2020 erstmalig in die Bayerischen Rathäuser einziehen wollen, schreibt die Gemeindeordnung eine bestimmte Anzahl von Unterstützer-Unterschriften vor. In Augsburg müssen bis zum 3. Februar 470 Personen auf jeder Liste der fünf zur Auswahl stehenden Listen unterschrieben haben. Sind es weniger, fällt der Wahlkampf für diese Liste flach, da sie die erste Hürde nicht genommen haben.

Lisa McQueen: “Ich bin schwärzer als die CSU” Foto: privat

Den aktuellen Stand der Unterschriften dokumentiert die DAZ. Das Bürgeramt hat am gestrigen Montag die Anzahl der Unterschriften veröffentlicht, die in den vergangenen Tagen für den letzten Qualifikanten (Die Partei) der insgesamt fünf Gruppierungen geleistet wurden. Die Listen der Generation Aux, WSA und und der V-Partei haben längst souverän gefinisht.

Die Trödlerin Lisa McQueen hat mir ihrer Liste nun einen großen Sprung gemacht: Mit 484 Unterschriften hat Die Partei mit McQueen eine Bürgermeisterkandidatin durchgebracht, die Liste selbst steht mit 27 fehlenden Unterschriften vor der Vollendung. 453 haben bisher für Die-Partei-Liste unterzeichnet. Da Morgen ein langer Donnerstag ist, werden wir morgen auch dieses Brett gebohrt haben”, so McQueen zur DAZ.

“Wählt mich, denn ich bin schwärzer als die CSU”, so ein Slogan der Ironikerin, die mit diesem Spruch ein wenig mit ihren afroamerikanischen Wurzeln kokettiert, und dabei nur die halbe Wahrheit sagt. Um die Tonalität der Lakonie ausklingen zu lassen: Die CSU ist an vielen Stellen schwärzer als Lisa McQueen.

 



GESELLSCHAFT

Diözesanadministrator Prälat Dr. Bertram Meier wird neuer Bischof von Augsburg

Rom/Augsburg, 29.01.2020 (pba). Papst Franziskus hat Diözesanadministrator Prälat Dr. Bertram Meier (59) zum neuen Bischof von Augsburg ernannt. Dies wurde soeben durch Domkapitular Monsignore Harald Heinrich als Ständigem Vertreter des Diözesanadministrators im Hohen Dom zu Augsburg bekanntgegeben. Auch die Kirchenglocken verkünden dies heute um 12:15 Uhr überall im Bistum mit einem feierlichen 15- minütigen Geläut.

Diözesanadministrator Prälat Dr. Bertram Meier, ernannter Bischof von Augsburg Foto: © Nicolas Schnall

„Als ich die Nachricht vom Apostolischen Nuntius erhielt, dass Papst Franziskus mich zum Bischof von Augsburg ernannt hat, war ich zunächst überrascht, aber auch erfreut“, schildertDiözesanadministrator Meier seine erste Reaktion auf die Ernennung. Er sei dem Heiligen Vater sehr dankbar für das Vertrauen, das er mit dieser Wahl sowohl in ihn als auch in die Diözese setze. „Denn nur gemeinsam bilden wir das pilgernde Volk Gottes. Mein Hauptanliegen wird es sein, der Einheit zu dienen und das Evangelium den Menschen von heute nahezubringen“, betonte der ernannte Bischof. Dabei sei er kein Einzelkämpfer. „Wir brauchen einander. Gleichzeitig bitte ich um den Rückenwind des Gebetes, damit ich meinen Dienst, der nicht mir selber gilt, sondern den Gläubigen, mit Freude undüberzeugend erfüllen kann.“

Der neu ernannte Bischof, geboren am 20. Juli 1960 in Buchloe, stammt aus Kaufering und damit aus dem Bistum Augsburg. Nach seinem theologischen Studium in Augsburg und Rom und der Priesterweihe im Jahr 1985 am Päpstlichen Kolleg Germanicum führte ihn sein Weg an verschiedenste Orte im Bistum Augsburg, wo er als Kaplan, Jugendseelsorger, Hochschulseelsorger, Stadtpfarrer, Dekan und Regionaldekan wirkte. 1989 wurde er mit einer Arbeit über den Regensburger Bischof Johann Michael Sailer an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom promoviert. Von 1996 bis 2002 leitete er im Vatikanischen Staatssekretariat die deutschsprachige Abteilung.

Zudem hatte er an der Gregoriana einen Lehrauftrag in Dogmatik und Ökumenischer Theologie und war Vizerektor im Priesterkolleg am Deutschen Friedhof im Vatikan. Auch auf diözesaner Ebene trug er seit 2000 Verantwortung: als Domkapitular und Domdekan, Leiter verschiedener Referate, Bischofsvikar für Ökumene und interreligiösen Dialog, Stellvertretender Generalvikar sowie seit 2014 als Hauptabteilungsleiter in der Verantwortung für das Bischöfliche Seelsorgeamt. Überdiözesan wirkte und wirkt er in Leitungsaufgaben unter anderem für das Landeskomitee der Katholiken, die Konferenz der Ordensreferenten sowie die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Am 8. Juli 2019 wurde er vom Domkapitel zum Diözesanadministrator gewählt.



Bovary am Staatstheater neu interpretiert: Kein Fall von Schwärmerei

Eine „Cover-Version“ des Romans von Gustave Flaubert „Madame Bovary verspricht die kroatische Autorin Ivana Sajko. Ihr Stück „Bovary, ein Fall von Schwärmerei“ hatte nun in der Übersetzung von Alida Bremer die deutschsprachige Erstaufführung am Augsburger Staatstheater.

Von Halrun Reinholz

“Diese Bovary ist kein Fall von Schwärmerei” © Jan-Pieter Fuhr

Die großen Ehebruchsromane des 19. Jahrhunderts sind standardisierte Klassiker der Weltliteratur – auch Flauberts Madame Bovary gehört dazu. Ivana Sajko geht davon aus, dass dieser Klassiker den Lesern und Theaterzuschauern grundsätzlich und auch im Detail bekannt ist. Darauf baut sie ihre „Cover-Version“ auf, die ein Kommentar des Romans ist, eine Analyse der „Schwärmerei“, die die junge, naive und lebenshungrige Emma Bovary in den Ruin treibt. 

Ein literaturwissenschaftliches Projekt, als solches sicher spannend, aber für die Theaterbühne wenig geeignet. Was bringt einem Zuschauer der heutigen Zeit die Schwärmerei der jungen Emma Bovary? Welchen Stellenwert haben Ehebruch, Neuorientierung, Partnerwechsel für die Menschen von heute? Das wären Fragestellungen gewesen, die sich für die Neubearbeitung des Stoffes angeboten hätten. Dramaturgisches Potenzial haben Beziehungskisten damals wie heute, doch das ist nicht das Anliegen der Autorin. 

So sehen sich die Zuschauer in der Brechtbühne konfrontiert mit sechs weiß gekleideten Akteur(inn)en , drei Männer (Klaus Müller, Roman Pertl, Thomas Prazak) und drei Frauen (Jeanne Devos, Ute Fiedler, Karoline Stegemann), die ohne feste Rollenzuteilung über die Charaktere aus dem Roman reflektieren. Miriam Busch (Bühne und Kostüme) lässt sie unter einem Strauch von Blauregen agieren. Der schauspielerische Einsatz beschränkt sich auf Sprechchöre oder Einzel-Statements, keine Reflexion oder Identifikation mit der Rolle, die oft ohnehin nicht festgelegt ist. 

Dazwischen poppige Musik (Ellen Mayer), die laut Angabe des Theaters die Rolle des „Suchtstoffes“ einnimmt, der im Roman als Kaufsucht auftaucht. Doch dafür steht sie zu sehr im Hintergrund. Die Beweggründe von Emma Bovary, ihre Sehnsüchte und Zwänge, sind zweifellos auch in der Gegenwart ein Thema. Die Aufführung führt aber daran vorbei. Kommentar statt Empathie, dazu braucht es keine Bühne. Zumal auch die Verteilung der Rolle auf mehrere Personen, die teilweise gleichzeitig unterschiedlichen Text sprechen, selbst den Kommentar nicht zur Geltung kommen lassen. Diese Bovary ist kein Fall von Schwärmerei, entsprechend verhalten der Applaus des Publikums.



TERMINKALENDER

Ausländer raus! – Schlingensiefs Container

Im Begleitprogramm zur aktuellen Ausstellung „Die Stadt ohne. Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge“ ist im Rahmen der Ausstellung des Jüdischen Museums Augsburg Schwaben (JMAS) in Kooperation mit dem Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) | 18.12.2019 – 29.3.2020 | in den Räumen des tim am 6. Februar 2020 der Film „Ausländer raus! Schlingensiefs Container“ in Anwesenheit des Regisseurs Paul Poet (Wien) zu sehen.

Anschließend wird Museumsdirektorin Dr. Barbara Staudinger mit Paul Poet über Christoph Schlingensief, politische Kunstaktionen und Satire als Waffe sprechen. – Als im Jahr 2000 die erste schwarz-blaue Koalition von ÖVP und FPÖ in Österreich die Regierung bildete, antwortete Christoph Schlingensief mit seiner Containeraktion „Bitte liebt Österreich!“. In einem Container im Zentrum Wiens lebten, kameraüberwacht und für eine Woche, zwölf Asylbewerber*innen nach Vorlage der Fernsehsendung „Big Brother“. Täglich konnte die Öffentlichkeit eine Person wählen, die dann abgeschoben wurde. – Diese Aktion war Provokation, Satire, die nicht von allen verstanden wurde und an der sich die Meinungen bis heute spalten. Regisseur Paul Poet begleitete das Experiment und dokumentierte die unterschiedlichen Reaktionen.

Ort & Tickets: tim, Provinostraße 46, 86153 Augsburg / Eintritt: 7,00/5,00 Euro Tag und Zeit: Donnerstag, 6. Februar 2020, 19.00 Uhr, tim

Zur Ausstellung:

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober 2019, rassistische Übergriffe auf offener Straße auf Jüdinnen und Juden, Geflüchtete, Ausländer*innen, Muslim*innen sowie Angriffe auf Flüchtlingsheime zeigen, wie aktuell Antisemitismus und Fremdenhass in Deutschland und Europa sind. Die Ausstellung „Die Stadt ohne. Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge“ geht von Hugo Bettauers Roman „Die Stadt ohne Juden“ sowie dessen 2015 in Paris neu aufgefundener, ungekürzter Stummfilmversion aus und erzählt entlang einzelner Filmszenen die Stufen eines Ausgrenzungsprozesses: von der Polarisierung der Gesellschaft bis hin zum endgültigen Ausschluss der zu Feinden gemachten Minderheiten.

Diese Entwicklung wird nicht nur in den 1920er-Jahren, vor der Machtübertragung an die Nationalsozialisten, verortet, als Antisemiten den Ausschluss der Jüdinnen und Juden forderten, sondern bis in die Gegenwart hinein erzählt, in der Ausländer*innen, Muslim*innen, Flüchtlinge, aber auch nach wie vor Jüdinnen und Juden ausgegrenzt und angefeindet werden.

Die Ausstellung stellt damit die Frage, ob und inwiefern die gesellschaftliche Polarisierung und Spaltung während der Jahre des Aufstiegs des Nationalsozialismus mit unserer Gegenwart verglichen werden können, sollen oder sogar müssen.