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Stadtplan neu aufgelegt

Der Amtliche Stadtplan Augsburg gilt als Standardwerk. Das kartografische Qualitätsprodukt des Geodatenamtes wurde kürzlich neu aufgelegt

Stadtplan-Vorstellung mit Baureferent Gerd Merkle, Antonia Hager vom Welterbe-Büro und Andreas Weinzierl vom Geodatenamt (v. l.) Foto: © Ruth Plössel / Stadt Augsburg)

Die elfte Auflage präsentiert sich ausnahmsweise mit einem blauen Layout unter dem Motto „Welterbe-Stadt“. Im Amtlichen Stadtplan sind nun die 22 Welterbe-Objekte zu finden. Auf der Rückseite gibt es weitere Informationen zum UNESCO-Welterbe „Augsburger Wassermanagement-System“. Das Kartenwerk mit einer Auflage von 4.000 Exemplaren erhält man für 4,90 Euro im Buchhandel. Daneben wird ein kostenloser Innenstadtplan angeboten, unter anderem bei der Bürger- und Tourist-Information am Rathausplatz. Parallel bietet das Geodatenamt einen tagesaktuellen Online-Stadtplan und zwar unter www.augsburg.de/stadtplanaugsburgde. Auch hier können die 22 Welterbe-Objekte angesteuert werden.Vorgestellt wurde der Stadtplan von Baureferent Gerd Merkle, Antonia Hager vom Welterbe-Büro und Andreas Weinzierl vom Geodatenamt.

 



Stadt startet Unternehmensbefragung zum Wirtschaftsverkehr

Der Wirtschaftsverkehr stellt einen erheblichen Faktor des gesamten Verkehrsaufkommens in Augsburg dar. Allerdings gibt es bisher kaum regionale Untersuchungen dazu. Die Stadt Augsburg gehört zu den ersten Städten Deutschlands, die das Wirtschaftsverkehrsaufkommen mit einer großen Unternehmensbefragung ermittelt

„Es ist uns wichtig, die Bedürfnisse der Unternehmen und die tatsächlichen Güter- und Personenströme zu kennen, um diese gezielt in die weiteren Planungen miteinzubeziehen. Das Wirtschaftsverkehrsmodell soll dabei als Grundlage für weitere Mobilitätsprojekte dienen“, so Bürgermeisterin Eva Weber.

Erhebungen zu Touren-Längen und Verkehrsmittelnutzung

Das bislang in Augsburg verwendete digitale Verkehrsmodell zur Abbildung des Verkehrsgeschehens in Stadt und Umland stammt aus dem Jahr 2015. Jetzt wird es aktualisiert, wobei erstmals auch der Wirtschaftsverkehr gesondert dargestellt wird. Weil Studien zu den dafür benötigten verkehrlichen Eingangsdaten, wie zum Beispiel Verkehrsmittelnutzung oder Touren-Länge, nicht vorliegen oder veraltet sind, findet aktuell bis 20. Dezember eine große Unternehmensbefragung zur Erhebung dieser Daten in Augsburg statt.

Auch Kurier- und Paketdienstleister werden befragt

Befragt werden Unternehmen aus einer Vielzahl von Branchen zum jeweiligen Personen- und Warenwirtschaftsverkehr. Parallel dazu findet eine Befragung zu Routen und Flotten der Kurier-, Express- und Paketdienstleister statt. Nach der Auswertung der Fragebögen werden die Ergebnisse in das Verkehrsmodell überführt. Die Befragungen zum Wirtschaftsverkehr werden vom Tiefbauamt und der Wirtschaftsförderung der Stadt Augsburg gemeinsam mit dem Erhebungsinstitut Kantar aus München sowie der Hochschule Augsburg durchgeführt.



Büro für Bürgerschaftliches Engagement mit neuem Auftritt im Web

Mit einer komplett neu gestalteten Website bietet das Büro für Bürgerschaftliches Engagement allen Interessierten einen überarbeiteten Zugang zur breitgefächerten Engagement-Landschaft in Augsburg

Bereits auf der Eingangsseite erhalten die Nutzer und Nutzerinnen einen schnellen Überblick über das breite Themenspektrum, mit dem die Stadt Augsburg Bürgerinnen und Bürger jeden Alters, aber auch Vereine, Organisationen, Institutionen und Unternehmen motiviert, sich für die Stadtgesellschaft zu engagieren. Auf entsprechenden Unterseiten wird über ein breites Interessensspektrum informiert. Für weitergehende Informationen finden sich zahlreiche Links auf das große Leistungsspektrum des Büros für Bürgerschaftliches Engagement.

#MitWirkung für deine Stadt

Die Startseite des Webauftritts präsentiert einen weiteren Schwerpunkt: #MitWirkung für deine Stadt. In diesem Bereich werden herausragende Freiwilligenprojekte in Augsburg mit kurzen Videoclips vorgestellt. Das Büro für Bürgerschaftliches Engagement ist ferner telefonisch erreichbar unter Tel. 0821/324-3043 oder per E-Mailbuero.be@augsburg.de.



Hinrunden-Aus für Finnbogason

Der FCA muss nicht nur am kommenden Sonntag auf Alfred Finnbogason verzichten – im Heimspiel gegen Hertha BSC, 15.30 Uhr -, sondern auch in den restlichen Spielen der Hinrunde

Der Isländer hatte sich im EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei an der Schulter verletzt und hat sich zusammen mit den Ärzten zu einer konservativen Behandlung entschlossen. “Ich werde alles tun, um nach der Winterpause mit der Mannschaft die Vorbereitung auf die Rückrunde aufzunehmen”, so Finnbogason, dessen Verletzungsmisere langsam biblische Ausmaße annimmt.



Stadtrat: Mobilitätsbeirat hat sich konstituiert

Die Stadt Augsburg hat nun einen Sachverständigenbeirat, der den Stadtrat und die Verwaltung in allen Mobilitäts- und Verkehrsbelangen berät

Stau auf der Meringer Str. Ein Politikum? © DAZ

Der Mobilitätsbeirat der Stadt Augsburg besteht aus zwölf stimmberechtigten und 16 beratenden Mitgliedern. Sie wurden bis 30. Juni 2023 durch den Stadtrat berufen. Die konstituierende Sitzung des Gremiums fand am 11. November statt. Zum Vorsitzenden wurde Martin Wohlauer vom ADFC Kreisverband Augsburg e.V. gewählt. Seine Stellvertretung übernimmt Jörg Schiffler von der Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr Augsburg e.V. Der Mobilitätsbeirat dient als beratendes Gremium für den Stadtrat und die Stadtverwaltung. Er kann außerdem Empfehlungen zu Verkehrs- und Mobilitätsangelegenheiten abgeben. Getagt wird öffentlich mindestens einmal im Vierteljahr. Bei Themen mit besonderem Abstimmungsbedarf können auch außerplanmäßige Sitzungen einberufen werden. Die Geschäftsstelle des Mobilitätsbeirats wurde im Wirtschafts- und Finanzreferat eingerichtet.

Eva Weber: „Mobilität betrifft uns alle“

Im Vordergrund der konstituierenden Sitzungen standen das Kennenlernen der Mitglieder untereinander, die Wahl des Vorstands sowie eine Diskussion über die Ausrichtung und die zukünftigen Aufgaben des Mobilitätsbeirats. Das Tiefbauamt stellte außerdem das Thema „Farbliche Kennzeichnung der Fahrradwege“ zur Beratung vor. Bürgermeisterin Eva Weber führte als zuständige Referentin durch die konstituierende Sitzung und resümiert: „Das Thema Mobilität betrifft uns alle. Entsprechend wichtig ist es für die Stadtverwaltung, dass nun ein breit aufgestelltes Gremium existiert, das auch bei komplexen Fragestellungen eingebunden werden kann und beratend zur Seite steht.“

Martin Wohlauer: “Auf Augenhöhe begegnen und einander zuhören”

Vorsitzender Martin Wohlauer sieht den Mobilitätsbeirat als wichtigen Baustein des Querschnittsthemas Mobilität: „In einer Wachstumsstadt wie Augsburg ergeben sich ganz neue Herausforderungen hinsichtlich der Erfüllung der Mobilitätsbedürfnisse ihrer Bewohner. Mit dem Mobilitätsbeirat gibt es nun wieder eine Kommunikationsplattform, die hilft, damit sich Verkehrsverbände, Stadtverwaltung, Stadträte und andere Akteure auf Augenhöhe begegnen und einander zuhören können. Nur so können wir alle gut an ihre Ziele bringen. Der Anfang ist gemacht.“



LOKALPOLITIK

Kommunalpolitik: Stadtrat Süßmair schließt sich Polit-WG an

Der parteilose Stadtrat Alexander Süßmair wechselt ab sofort zur Polit-WG

Alexander Süßmayr Foto: privat

Damit hat die Polit-WG seit heute zwei Sitze im Augsburger Stadtrat. “Uns freut es, dass mit Alexander Süßmair ein engagierter und erfahrener Mandatsträger zur Polit-WG wechselt. Wir sind überzeugt, dass wir mit ihm einen guten Mitstreiter für die politischen Ziele der Polit-WG hinzugewonnen haben. Seine kritische Stimme im Augsburger Stadtrat, sein Einsatz für soziale Gerechtigkeit sowie dafür, allen Menschen die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, gefallen uns. Die konstruktive und erfolgreiche Zusammenarbeit in der Ausschussgemeinschaft haben uns darin bestärkt, ihn bei uns aufzunehmen”, so Stadtrat und Polit-WG Vorstand Oliver Nowak, dessen Statement ein wenig die Vermutung aufkommen lässt, dass es sich bei der Polit-WG um einen Orden handelt, der hohe moralische Zugangsvoraussetzungen pflegt.

Und Alexander Süßmair scheint das zu bestätigen: “Ich freue mich über die Aufnahme in die Polit-WG und dass ich hier ein neues politisches Zuhause gefunden habe. Lange hatte ich überlegt, ob ich erneut für eine weitere Stadtratsperiode kandidieren soll. Nachdem ich die Partei Die Linke nach 21 Jahren Mitgliedschaft Ende 2017 verlassen hatte, stand für mich fest, dass ich mich nur dann wieder einer Gruppierung anschließe, wenn es von den Inhalten passt. Mir ist es wichtig, meinen politischen Überzeugungen und Werten treu zu bleiben. Auch andere Parteien wollten mich für eine Kandidatur gewinnen. Die Entscheidung fiel dann auf die Polit-WG, da mich hier die inhaltlichen Übereinstimmungen am meisten überzeugt haben.”

Süßmair fand – wie auch der zweite Linke Stadtrat Otto Hutter – im Augsburger Kreisverband der Linken keinen Anker mehr. Alexander Süßmair zog 2008 für die Linken in den Stadtrat ein. Von 2009 bis 2013 verdiente er sich Meriten als Mitglied des Deutschen Bundestags. Im Finanzausschuss der Stadt Augsburg hat er sich auf der Ebene der Lokalpolitik profiliert.

Süßmair und Bernd Kränzle (CSU) sind im Augsburger Stadtrat aktuell die beiden einzigen Lokalpolitiker, die die Kunst der politischen Rhetorik beherrschen. Für die Ausschussgemeinschaft und den Augsburger Stadtrat wird es keine Veränderungen bei Sitzen und Ausschussbesetzungen geben, da Süßmair die bisherigen Ausschusssitze über die Ausschussgemeinschaft beibehält. Alexander Süßmair ist in der laufenden Stadtratsperiode der zehnte Stadtrat, der das politische Lager wechselt: ein Rekordwert.

Zwei CSMler wechselten zur CSU, auch der Sitz der FDP wurde von der CSU geschluckt, ebenso zwei Sitze der AfD. Ein Mandatsträger der AfD wechselte zu Pro Augsburg. Durch diese Vorgänge entwickelte sich das Pardaxon, dass die CSU, die 2014 mit 37,7 Prozent eines ihrer schlechtesten Ergebnisse erzielte (23 Sitze), im Lauf der Periode zu einer Monsterfraktion heranwuchs (28 Sitze plus zwei stimmberechtigte Bürgermeister). Christian Moravcik, ebenfalls ein angesehener Stadtrat und Finanzexperte, wechselte von den Grünen zur SPD und der ehemalige Kulturbürgermeister Peter Grab sah sich wegen öffentlich gewordenen Details einer Sexaffäre gezwungen, einen eigenen Laden aufzumachen. Er schied bei Pro Augsburg aus und gründetete den politischen Verein WSA.

Zehn von 60 Stadträten wechselten in dieser Stadtratsperiode die Partei oder die Gruppierung, für die sie in den Stadtrat eingezogen sind. Das sind knapp 17 Prozent, jeder sechste Mandatsträger. Nicht vergessen werden sollte in diesem Zusammenhang, dass im vergangenen Jahr von der CSU zwei Stadträte oft kurz vor dem Sprung zur FDP oder WSA waren, aber dann doch bei der CSU geblieben sind.



Sinfoniekonzert in memoriam: Musik aus vergangenen Welten

Ein außergewöhnliches Programm erwartete die Besucher des 2. Sinfoniekonzerts im Kongress am Park – lyrisch, dramatisch und virtuos

Von Halrun Reinholz

Linus Roth Foto: © Kaupo Kikkas

Der Geiger Linus Roth ist in dieser Spielzeit der Artist in Residence der Augsburger Philharmoniker. Bereits 2006 hatte er den ECHO-Nachwuchspreis bekommen, 2017 folgte ein zweiter ECHO für die Einspielung der Violinkonzerte von Schostakowitsch und Tschaikowski. Auftritte in Augsburg sind für ihn sozusagen Heimspiele, denn er ist seit 2012 Professor am Leopold-Mozart-Zentrum und auch künstlerischer Leiter des Internationalen Leopold-Mozart-Violinwettbewerbs. Daneben hat er auch in Ibiza ein internationales Festival ins Leben gerufen, ebenso wie im schwäbischen Ochsenhausen. Der jüngste Konzertabend im Kongress am Park verdankte seinen Programmschwerpunkt aber einer besonderen Entdeckung des Geigers: Mehr oder weniger durch Zufall kam er auf Mieczyslaw Weinberg, einen jüdischen Komponisten, der vor den Nazis aus Polen in die Sowjetunion floh und dort unter der Sowjetdiktatur ebenfalls Repressalien erleiden musste. Kein Wunder, dass seine Kompositionen, die sich an Mahler, an Schostakowitsch, an Prokofiew orientieren, heute kaum bekannt sind. Für Linus Roth, dessen Leidenschaft unter anderem auch der Wiederentdeckung unbekannter Werke gilt, war das eine Herausforderung.

Das 1959 komponierte Violinkonzert g moll hält Linus Roth für ein „überragendes Werk im wahrsten Sinne des Wortes“. Gemeint sind vor allem die emotionalen Erfahrungen, die sich darin widerspiegeln und die Linus Roth mit höchster Präzision und Virtuosität dem Augsburger Publikum präsentierte.

Kein eingängig-melodisches Musikerlebnis, sondern ein leidvolles Wechselbad von Gefühlen und Erlebnissen, von Lyrik und Dramatik, die diese Musik transportiert. Vorausgegangen war die im Gegensatz dazu sehr bekannte „Symphonie classique“ von Prokofiew. Der Komponist hatte den Titel bewusst gewählt, weil er in der Formensprache auf die reine Klassik im Sinne Haydns Bezug nahm und sich damit von der Spätromantik abgrenzte. Die klare Sprache kam beim Spiel der Augsburger Philharmoniker unter Domonkos Héja besonders gut zum Ausdruck, weil das Orchester präzise und mit hohem Tempo spielte. Den zweiten Teil des Konzerts nahm die ausschweifende 1. Sinfonie von Gustav Mahler ein. Es ist kaum nachvollziehbar, dass sie bei ihrer Uraufführung das Publikum verstörte und polarisierte. Der „Totenmarsch“ zum Motiv des Kinderliedes „Meister Jakob“, Anspielungen auf Lieder aus dem „fahrenden Gesellen“ – die Eindrücke sind vielfältig und die Sinfonie heute ein spätromantisch anmutender Klassiker. Der Einsatz an Blechbläsern und Schlagwerk lässt rückblickend die weitere Entwicklung des sinfonischen Schaffens Mahlers erahnen, die nicht nur dem Orchester, sondern auch einzelnen Instrumentalisten alles abforderte.

Das zahlreich anwesende Publikum huldigte  Domonkos Héja, der das komplexe Werk unaufgeregt und konzentriert über die Bühne gebracht hat, und besonders auch den  wahrhaft erstklassigen Philharmonikern mit ausdauerndem Applaus.



EISHOCKEY

CHL: AEV scheidet gegen Biel aus

Die Augsburger Panther sind im Achtelfinale der Champions Hockey League nach großem Kampf ausgeschieden. Der AEV unterlag erst in der Verlängerung mit 1:2 beim EHC Biel. Damit endet das CHL-Abenteuer für die Panther ohne eine einzige Niederlage nach regulärer Spielzeit. Doppelt bitter: Torhüter Olivier Roy verletzte sich kurz vor Schluss. Den Treffer für Augsburg erzielte Drew LeBlanc (38.). Für Biel waren Tino Kessler (22.) und Toni Rajala (64.) erfolgreich.

Augsburger Panther nach dem Spiel in Biel: Die Enttäuschung steht ihnen ins Gesicht geschrieben © Siegfried Kerpf

Tray Tuomie vertraute auf das gleiche Team wie im Hinspiel, als der AEV zu Hause 2:2 gegen Biel spielte. Im Rückspiel erwischten aber die Schweizer den besseren Start und hatten ganz früh durch Peter Schneider (1.) und Janis Moser (2.) richtig gute Chancen, aber Roy parierte stark.

Doch auch seine Vorderleute fanden anschließend gut in die Partie und Jaroslav Hafenrichter hatte in Unterzahl bei einem Alleingang die große Möglichkeit den AEV in Führung zu bringen (4.). Elien Paupe wehrte den Versuch mit der Rückhand aber stark ab und blieb auch wenig später erneut gegen Hafenrichter Sieger (7.).

Biel trifft – Hafenrichter an den Pfosten

Christoph Ullmann (8.) scheiterte ebenfalls am Bieler Schlussmann, während auf der Gegenseite Roy herausragend gegen Yannick Rathgeb abwehrte (10.), so dass es torlos in die erste Pause ging.

Im zweiten Drittel sollte sich dies jedoch früh ändern, denn Tino Kessler hatte zuviel Platz im Augsburger Drittel, umkurvte noch zwei Gegenspieler und traf mit einem verdeckten Handgelenksschuss zum 1:0 für Biel (22.). Doch die Panther waren nicht geschockt und hatten erneut durch Hafenrichter die große Gelegenheit auf den Ausgleich – der Deutschtscheche traf allerdings nur den Pfosten (25.). Auch danach hielt der AEV stark dagegen, aber Biel erspielte sich ein Übergewicht und prüfte Roy ein ums andere Mal. Augsburgs Nummer eins behielt jedoch zu jedem Zeitpunkt den Überblick und ließ keinen Gegentreffer zu.

LeBlanc gleicht aus

Und so kamen die Panther kurz vor der zweiten Sirene plötzlich zum Ausgleich, als LeBlanc einen Schuss von Henry Haase stark abfälschte und Paupe keine Chance ließ (38.). So ging es mit 1:1 ins dritte Drittel und hier waren die Gäste, die von rund 1200 Augsburger Fans lautstark unterstützt wurden, wieder absolut ebenbürtig, hatten sogar die besseren Chancen und lieferte dem Tabellenzweiten der NLA ein Spiel auf Augenhöhe.

Roy verletzt raus

In der Schlussphase dann der Schock für Augsburg, denn Roy verletzte sich ohne gegnerische Einwirkung und musste – von den Betreuern gestützt – das Eis verlassen (56.). Markus Keller kam ins Spiel und hatte gleich Glück, dass Rajala nur den Pfosten traf (57.). Anschließend konnte sich Keller noch bei einigen Chancen auszeichnen – und es ging in die Overtime. Hier hatte Biel durch Luca Cunti und Moser (je 62.) noch zwei weitere Pfostentreffer, aber die Entscheidung war nur aufgeschoben.

Nach einem Missverständnis in der Defensive des AEV konnte Rajala plötzlich völlig alleine auf Keller zufahren, umspielte den gebürtigen Augsburger und besiegelte das Aus der Panther (64.).

Rajala entscheidet das Spiel

Für die Augsburger endet damit das Abenteuer Champions Hockey League auf dramatische Art und Weise, aber die Tatsache, dass der AEV kein einziges seiner acht Spiele nach regulärer Spielzeit verlor, zeigt, dass man in Europa mithalten und die DEL würdig vertreten konnte.

Nun gilt es den Fokus wieder auf die DEL zu legen, wo am Wochende wichtige Duelle gegen die Fischtown Pinguins und bei den Eisbären Berlin anstehen.



MEINUNG

Warum eine Debatte über die Bezeichnung “Mohr” notwendig ist

Es gibt offensichtlich romantische Fixierungen bezüglich unserer Sprachsozialisation. Emotionale Fixierungen, die sich tief in unser Bewusstsein eingelagert haben und als Kulturklammer Generationen verbinden und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Spätestens seit Kepler wissen wir in Mitteleuropa zum Beispiel, dass die Sonne nicht untergeht. Dennoch kommt niemand auf die Idee, die falsche Begrifflichkeit “Sonnenuntergang” abzuschaffen. Warum auch?

Die Sonne wird sich nicht diffamiert fühlen, wenn man sie unter- oder aufgehen lässt. Menschen reagieren auf sprachliche Festlegungen dagegen sensibel. Die pseudo-ethnische Bezeichnung “Neger” wurde von der schwarzen Befreiungsbewegung bereits in den Siebzigern  als rassistische Beleidigung markiert und bekämpft. Und im Lauf der Zeit verschwand dieser Begriff aus dem Sprachgebrauch, trotz hartnäckigem Widerspruch derjenigen, die sich “ihren Negerkuss” nicht nehmen lassen wollten.

Was wäre aber der Fall, wenn sich morgen aus dem Beinahe-Nichts eine große Schwarze Bewegung erheben würde, die die Bezeichnung “Mohr” als rassistische Unzumutbarkeit, als Unerträglichkeit kennzeichnen würde? Wir würden aus Empathie und Scham auf diesen Begriff verzichten. Oder?

Claas Henschels Aufsatz ist vor über einem Jahr in der DAZ erschienen. Es ist möglich, dass das Drei Mohren wegen dieses Aufsatzes im Logobereich Änderungen vornahm, dennoch wird der Aufsatz aus aktuellem Anlass unverändert neu aufgelegt. sz

Büsten an der Hotelfassade © DAZ

Warum Sterotype rassistisch sind

Von Class Henschel

 Mitte Juli startete die Augsburger Jugendgruppe von Amnesty International eine Petition, die die Umbenennung des bekannten Augsburger Hotels „3 Mohren“ in „3 Möhren“ forderte. Über die sich daraus entwickelnde Debatte berichteten Radiosender, Zeitschriften und Blogs aus dem Umland sowie aus ganz Deutschland. Die meisten dieser Beiträge verrissen die Amnesty-Petition als unsinnig, übersahen dabei aber das satirische Element des Umbenennungsvorschlags und verkannten die verschiedenen Dimensionen der Diskussion um das Hotel „3 Mohren“. Eine Diskussion, die nicht neu ist.

Doch warum sollte man diese Debatte überhaupt führen? Die häufigsten Kommentare fragten sinngemäß danach, ob Amnesty nichts Wichtigeres zu tun habe. Ein zunächst einleuchtendes Argument, erscheint doch in Zeiten von Klimawandel, Terrorismus und Altersarmut dies eher wie ein Nischenthema. Leider ist diese scheinbar rationale Fokussierung auf die wichtigen Probleme unserer Zeit ein Scheinargument, mit denen gerade jede Art von Diskussion über kulturelle und soziale Probleme gerne zurückgehalten wird. Das gleiche Argument lässt sich historisch ebenso bei Themen wie Frauenwahlrecht, Sozialversicherungen oder Umweltschutz wiederfinden, Errungenschaften also, die wir heutzutage als zentral ansehen und nicht missen wollen würden.

Das Thema scheint doch von Bedeutung zu sein, wenn sich so viele Menschen dazu äußern möchten

Weiterhin wird der „Jugend von heute“ oft vorgeworfen, sie wäre zu apolitisch und würde sich für nichts mehr interessieren. Wenn „die Jugend“ sich dann eines Themas annimmt, dann ist es auch noch das falsche Thema (Was natürlich hauptsächlich Menschen entscheiden, die weder vom Thema Rassismus betroffen sind noch sich damit lange auseinandergesetzt haben). Geschichtsvergessenheit und mangelnde Recherche wird Amnesty unterstellt. Und dies von AutorInnen, deren Rechercheleistung scheinbar darin bestand, den Abschnitt „Historie“ auf der Internetseite des Hotels „3 Mohren“ zu lesen, sich aber nicht mit den historischen Hintergründen des Begriffs sowie den dahinterstehenden Themen wie Rassismus, Sklaverei und Rassenbiologie auseinandergesetzt haben. Von „Gesinnungsterror“ wurde gesprochen, was in mir den Wunsch auslöst, dass Petitionen wirklich das Mittel der Wahl aller Terroristen wären. Ob denn die Amnesty Jugendgruppe nichts Besseres zu tun hätte wurde gefragt – von Menschen, die scheinbar nichts Besseres zu tun hatten als ihrer Aufregung auf Facebook freien Lauf zu lassen. Das Thema scheint also doch von Bedeutung zu sein, wenn sich so viele Menschen dazu äußern möchten.

Eine Debatte über Rassismus ist wichtiger denn je

Gerade in Zeiten der verstärkten Zuwanderungen von Menschen unterschiedlicher Kulturen und auch Hautfarben nach Deutschland ist eine Debatte über Rassismus und unseren Umgang miteinander wichtiger denn je. Weiterhin handelt es sich um eine Debatte, der man sich in Deutschland über kurz oder lang stellen werden muss. Denn der Blick nach Kanada, in die USA oder nach Großbritannien zeigt, dass dort die Debatten um Rassismus, das koloniale Erbe und Alltagsdiskriminierung viel weiter sind als hierzulande. Auch hier lassen sich Parallelen zu früheren Diskussionen um Umweltschutz oder Frauenrechte ziehen, in denen diese Länder eine Vorreiterrolle einnahmen. In Deutschland dagegen wird ein alltagsnahes Aufarbeiten der kolonialen Vergangenheit gerade erst angestoßen.  

Außerdem ist ein offener Umgang mit dem Thema insbesondere für Augsburg wie auch für das Hotel 3 Mohren wichtig. Augsburg als Friedensstadt, Heimat der Patrizierfamilie der Welser, der ersten deutschen Kolonisatoren, deren Kolonisationsversuch auf der Gedenktafel in der Annastraße übrigens immer noch gedacht wird, und als eine Stadt mit einer vielfältigen Bevölkerung ganz unterschiedlicher Herkunft hat gute Gründe, sich des Themas anzunehmen. Und das „3 Mohren“ selbst als eines der renommiertesten Hotels der Stadt und Franchise einer internationalen Hotelkette, wird sich gerade aufgrund seiner internationalen Kundschaft in Zukunft einige Kritik gefallen lassen müssen.

Es handelt sich um eine Fremdbezeichnung, die von den Betroffenen nicht selbst gewählt wurde

Beginnen wir aber zunächst beim Namen und fragen uns, warum am Wort „Mohr“ Anstoß genommen werden kann. Für viele Menschen in Deutschland erscheint dieses Wort wie eine neutrale Bezeichnung für Menschen mit dunkler Hautfarbe. Für einige ist das Wort durch populäre Figuren wie den Sarotti-Mohr vielleicht sogar positiv besetzt. Dieser ist übrigens seit bereits über 10 Jahren goldfarben und ein „Sarotti-Magier“ statt „Sarotti-Mohr“. Dennoch ist es eine Fremdbezeichnung, die von den Betroffenen nicht selbst gewählt wurde, sondern ihnen von Europäern übergeholfen wurde. Dass viele Betroffene dies als beleidigend empfinden, ist insbesondere für viele weiße Europäer nur schwer nachzuvollziehen. Dies liegt historisch darin begründet, dass es insbesondere Europäer waren, welche mit den Reisen von Kolumbus begannen, nicht nur Berge, Inseln und sogar ganze Kontinente nach sich zu benennen, sondern auch anderen Menschengruppen Namen zuzuweisen.

Der Begriff raubt Geschichte wie Idendität und macht die Betroffenen zu einer Leinwand

Die Europäer selbst waren fast nie in der Situation, dass sie von außen unterworfen und ihnen fremdsprachige Bezeichnungen zugewiesen wurden, welche sich bis heute halten. Viele dieser Namen mögen anfänglich noch neutral konnotiert gewesen sein, wie zum Beispiel zweifelsfrei die Bezeichnung “Kanake”, haben sich aber durch die weltweite Sklaverei, Kolonialismus und die Rassenbiologie ins Negative gekehrt. So ist der in Deutschland durch die Karl-May-Nostalgie sehr positive Begriff „Indianer“ auch eine Fremdbezeichnung, die nur auf den Irrtum zurückgeht, dass Kolumbus in Indien angekommen sei. Und wenn die meisten Deutschen damit eher Dinge wie Freiheit oder ein unbeschwertes Leben in der Natur verbinden, so wird der Begriff von den indigenen Bewohnern der Amerikas massiv abgelehnt. Denn abgesehen von negativen Assoziationen wie der vermeintlichen Primitivität und Blutrünstigkeit verkennt das Klischee des stolzen und naturverbundenen „Indianers“ die reale Vielfalt der Sprachfamilien und Kulturen, welche allein in Nordamerika existierten und noch heute leben. Es ignoriert ihre aktuelle Lebenswirklichkeit und Probleme, aber auch die Veränderungen und Entwicklungen ihrer Kulturen. Denn dieses stereotype Bild von der indigenen Bevölkerung friert sie in einem zeitlosen, quasi-kindlichen Zustand ein, aus dem sie sich scheinbar nicht „herauswachsen“ können. So raubt ihnen der Begriff zugleich ihre Geschichte und heutige Identität und macht somit die indigene Bevölkerung zu einer Leinwand, auf die wir unsere eigene Unzufriedenheit mit unserem Leben und europäische Zivilisationskritik projizieren können.

Zum Neger, zum Mohr haben wir sie erst gemacht

Ähnlich ist es mit dem „Mohr“ und seinem verpönteren Begriffscousin, dem „Neger“. Gern wird gesagt, „aber das sind doch Neger, warum sollen wir sie nicht mehr so nennen“. Aber zum „Neger“ bzw. zum Mohr haben wir Europäer sie erst gemacht, als wir eine gigantische Vielfalt von Menschen unterschiedlicher Sprachen, Religionen und Kulturen in eine Kategorie zusammenwarfen, deren einzige Gemeinsamkeit war, dass ihre Haut dunkler war als unsere. Und als „Neger“ und „Mohren“ haben Europäer sie auch zu Millionen versklavt, rassenbiologisch ihre scheinbare Minderwertigkeit „bewiesen“, ihre Unterdrückung religiös begründet und sie auf den Plantagen zu Tode gearbeitet. Daran mag Deutschland weniger beteiligt gewesen sein als Spanien oder Großbritannien, dennoch waren auch deutsche Händler, Soldaten, Seemänner und Forscher im Kolonialismus aktiv. Deutschland bzw. genauer gesagt Kurbrandenburg betrieb Sklavenhandel und in deutschen Kolonien wurde die indigene Bevölkerung systematisch durch Zwangsverträge enteignet. Als diese sich bewaffneten, um sich dagegen zu wehren, wurde ihre Heimat verwüstet sowie ganze indigene Familien in lebensfeindliche Wüsten vertrieben oder in Vorläufer der Konzentrationslager gesperrt und getötet.

All dies geschah mit der Begründung, dass es ja nur „Wilde“, „Hottentotten“ oder „Neger“ waren, mit denen ein „zivilisiertes“ Auskommen oder gar ein Zusammenleben unmöglich sei. Das Wort „Mohr“ erscheint dagegen fast harmlos. Es lässt eher an die „Kammermohren“ denken, die besonders im 18. Jahrhundert an europäischen Höfen als Diener beliebt waren. Oft waren sie in orientalistische Gewänder gekleidet, die nichts mit ihrer Herkunft zu tun hatten und aufgrund der damaligen Begeisterung für „orientalische“ und „türkische“ Moden gewählt wurden. Diese Kleidung kann man immer noch im mittlerweile goldfarbenen Sarotti-Magier erkennen. Dabei wird meist vergessen, dass diese „Kammermohren“ aufgrund ihres exotischen Aussehens vor Gästen zur Schau gestellt wurden und oft Sklavenkinder waren, die von den europäischen Fürsten gekauft wurden. Die meisten von ihnen blieben ihr Leben lang Kuriositäten und ihre Geschichten sind für uns verloren. Einzelne dagegen machten Karriere, wie Abraham Petrowitsch Hannibal, ein Urgroßvater von Alexander Puschkin, oder Anton Wilhelm Amo, der in Halle über die Rechtstellung der Mohren in Europa schrieb und an der Universität Wittenberg seine Doktorwürde erhielt. Doch trotz ihrer Leistungen konnten sie jederzeit wieder zu „Wilden“ herabgesetzt werden wie Angelo Soliman, Freimaurer und Kindererzieher der Fürsten von Liechtenstein, der nach seinem Tod ausgestopft und als „Afrikaner“ mit Federschmuck und Lendenschurz im Kaiserlichen Naturalienkabinett in Wien ausgestellt wurde.

All diese Sterotype sind rassistisch

Im Vergleich zum „Neger“ wirkt der „Mohr“ in der historischen Betrachtung beinahe friedlich. Ähnlich dem „Insulaner“ oder dem „Indianer“ wird er häufig als unbeschwertes und lebensfrohes, aber auch verantwortungsloses Kind der Tropen dargestellt, welches nur seinen Vorlieben folgend in den Tag hineinlebt. In allen Fällen sind diese Stereotype von Menschen anderer Hautfarbe jedoch nur zwei Seiten einer Medaille: Auf der einen der gefährliche Wilde, also der skalpierende „Indianer“, der kannibalistische „Insulaner“ oder eben der lüsterne, primitive und faule „Neger“, auf der anderen Seite der edle Wilde, also der stolze Winnetou, die harmonisch lebenden Einwohner Tahitis oder der folgsame Hofmohr. Somit sind alle diese Stereotype rassistisch, denn sie reduzieren die bezeichneten Personen auf wenige Eigenschaften nur aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Hautfarbe. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts wurden diese rassistischen Vorstellungen dann von Autoren wie Georges Luis Buffon oder Arthur de Gobineau, aber auch Carl von Linné und Immanuel Kant verwissenschaftlicht und die Betroffenen als eigene, von den Europäern unabhängige und unterlegende Rasse definiert, der diese Eigenschaften angeboren sind. Dies war die Geburtsstunde des modernen Rassismus.

Es geht nicht darum, ob der Besuch der abessinischen Mönche verbürgt ist

Bei der Diskussion um den Namen „3 Mohren“ geht es also zentral nicht darum, ob der Besuch der drei abessinischen Mönche historisch verbürgt ist, wie es Dr. Günter Hägele ja sehr ausführlich in der Augsburger Allgemeinen dargelegt hat. Sondern um den historischen Ballast an negativen Bedeutungen, mit dem dieser Begriff in seiner Geschichte beschwert wurde und der ihn in den Augen der meisten Betroffenen heutzutage diskreditiert.

Logo des Hotels © DAZ

Doch nicht der Name des Hotels ist das größte Problem, sondern dessen aktuelles Logo. Denn dieses zeigt nicht die drei abessinischen Pilger, welche der Legende nach im Hotel abstiegen, sondern „3 Mohren“, welche keine Individualität mehr besitzen und rein auf ihre Gesichtszüge, Haare und Hautfarbe reduziert werden. Sie haben dadurch nichts mehr gemeinsam mit den drei Büsten der Mönche, welche auch an der Fassade angebracht sind. Und sie haben natürlich auch nichts zu tun mit der Legende zum Ursprung des Hauses. Insbesondere Gäste als Nordamerika und Afrika werden das Logo des Hotels als das erkennen, was es ist: als ein der rassistischen Bildsprache und Literatur des 18. und 19. Jahrhundert entlehntes Symbol für den minderwertigen „Neger“ und somit selbst rassistisch.

Dabei handelt es sich nicht um hypothetische Gäste, sondern konkrete Personen, wie beispielsweise den Kameruner Philosoph und diesjährigen Jakob-Fugger-Gastdozent Achille Mbembe. Im Gegensatz zum Namen ist das Logo keine Tradition des Hotels, sondern eine Neuerfindung aus der 2. Hälfte des 20. oder dem Anfang des 21. Jahrhunderts. Traurigerweise waren manche der älteren Logos sogar weniger rassistisch, wie beispielsweise die Einladungskarten von 1956 aus der offiziellen Chronik des Hauses zeigen. Diese beinhalten zwar auch die drei schwarzen Köpfe in der Seitenansicht, bedienen dabei aber deutlich weniger die klischeehafte Darstellung der krausen Haare oder der dicken Lippen. Somit hat man bei der Neugestaltung des Hotels ein rassistischeres Logo gewählt. Im Hotel 3 Mohren wird man sich dieses Problems wohl auch bewusst sein, jedenfalls ist dies in meinen Augen die einzige Erklärung, warum das Logo des Hotels sowohl auf der Fassade wie auch auf dem offiziellen Internetauftritt des Hotels nicht mehr erscheint. Innerhalb des Hotels dagegen ist es immer noch präsent und auf Kaffeebechern, Regenschirmen, Badtüren, Telefonen, Bettdekorationen und Notausgangsplänen zu finden.

Gern wird bei Debatten wie dieser dann die Frage gestellt, was man überhaupt noch sagen darf. Ist es noch erlaubt, von Jägerschnitzeln, Hamburgern, Indianern oder ähnlichem zu reden, da sich ja jemand beleidigt fühlen könnte. Diese Art von Argument übersieht leider den Unterschied zwischen Begriffen, die eventuell jemanden beleidigen könnten und Begriffen, deren beleidigende und diskriminierende Bedeutung vielfach festgehalten wurde. Ein Jäger wird aufgrund seiner Aktivitäten Jäger genannt und ein gebürtiger Hamburger wird sich selbst wohl auch als solcher bezeichnen. Keiner wird sein Leben durch die Existenz namentlich passender Speisen gefährdet sehen. Fast niemand dagegen wird sich selbst als „Mohr“ oder „Indianer“ bezeichnen, denn zum „Mohren“, „Indianer“ wie auch zum „Neger“ wurden Menschen erst durch europäische Forscher und Entdecker gemacht.

Einen aus Bayern stammenden Menschen als Bayer zu bezeichnen ist unproblematisch so lange diese Person sich auch so sieht

Es kommt also darauf an, ob es sich um eine Selbst- oder Fremdbezeichnung handelt. Einen aus Bayern stammenden Menschen als Bayer zu bezeichnen, ist unproblematisch, so lange die Person sich selbst auch so sieht. So mancher Franke, Schwabe oder Oberpfälzer würde dieser Fremdbezeichnung dagegen wohl empört widersprechen. Wenn wir nun eine über 600 Jahre lange Geschichte von Sklaverei, Kolonialismus und Rassismus als Hintergrund eines Begriffes haben, so ist wohl verständlich, wenn sich Betroffene gegen diese Bezeichnungen wehren. Wenn wiederholt argumentiert wird, dass man im Bekanntenkreis doch betroffene Menschen habe, die sich nicht daran stören oder man sich untereinander sogar mit diesen Begriffen aufzieht, so tut dies wenig zu Sache. Denn wenn es für alle Beteiligten in Ordnung ist, so darf man sich im Freundeskreis bezeichnen wie man will. Nur weil manche Freunde den Autor dieser Zeilen als „Ossi“ oder „Saupreiß“ bezeichnen dürfen, bedeutet das noch nicht, dass ich mir diese Bezeichnung in der Öffentlichkeit gefallen lassen oder die Verbreitung von Klischees über diese Gruppenzuordnung sonderlich schätzen würde.

Außerdem geht es bei Debatten um antirassistische oder inklusive Sprache nicht darum, Wörter zu verbieten, aus dem allgemeinen Sprachschatz zu streichen oder gar Geschichte auszulöschen. Niemand würde verlangen, dass Menschen ihren Nachnamen ändern, weil sie „Mohr“ oder „Schwarz“ heißen. Es geht vielmehr darum, dass wir uns der historischen Hintergründe und der vielfältigen und oft auch beleidigenden Bedeutungen vieler Wörter bewusst werden und gemeinsam darüber diskutieren, wie, wann und ob die Verwendung eines Begriffes angemessen ist. Dabei gehört es dazu, den Argumenten von Betroffenen zuzuhören und sich nicht gegen eine Veränderung mit dem Argument zu positionieren, dass man etwas immer schon so gemacht hätte und es deswegen Tradition sei.

Denn dieses Verständnis von Tradition macht alles, was alt ist, automatisch zum unverzichtbaren Teil unserer Kultur und übersieht die Vielzahl an Verhaltensweisen und Institutionen, die aus gutem Grund abgeschafft wurden: Leibeigenschaft, Ständegesellschaft, Sklaverei oder die rechtliche Benachteiligung der Frau, um nur ein paar zu nennen. Bei all diesen Fällen wurde im Zuge ihrer Abschaffung ebenfalls argumentiert, dass diese zur Tradition der Gesellschaft gehören und nicht aufgehoben werden könnten, ohne dass unsere Kultur, Gesellschaft oder Lebensart dadurch Schaden nehmen würde.

Es geht also nicht darum, Wörter wie „Mohr“ aus der Sprache zu streichen, sondern sie besser zu verstehen, um mit ihnen angemessen umgehen zu können. Momentan bestehen der Hotelname und das Logo des „3 Mohren“ noch unkommentiert, ohne dass auf die historischen Hintergründe des Begriffes hingewiesen und seine rassistischen Dimensionen betont werden. Diese Vorwürfe könnte die Hotelleitung konstruktiv aufnehmen und beispielsweise die Bedeutung des Wortes „Mohr“ auf ihrer Internetseite erklären sowie ihr aktuelles Logo anpassen, wie sie es ja bereits angekündigt hat. Dann müsste sie auch nicht zu erklären versuchen, warum dieses traditionsreiche, gastfreundliche und weltoffene Haus in seinem Logo aus den drei abessinischen Mönchen auf einmal kraushaarige, dicklippige, identisch aussehende „Mohren“ gemacht hat und damit auf die Bildsprache von Sklavenhändlern und Kolonialisten zurückgreift.

Der Kommentar erschien bereits im September 2018 und wurde aus aktuellem Anlass “neu aufgelegt”.

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Zum Autor:

Claas Henschel arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Europäische Kulturgeschichte an der Universität Augsburg und ist aktives Mitglied bei „Augsburg Postkolonial“