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Selbstbestimmt? – Schnitzlers Fräulein Else am Theter Ensemble

Mit dem City Club am Königsplatz bringt man nicht zwangsläufig Theater in Verbindung. Und doch logiert hier seit geraumer Zeit das Theter Ensemble: Junge Theaterbegeisterte, deren harter Kern einst beim JTT des (damals noch nicht Staats-) Theaters Augsburg seine „Grundausbildung“ hatte.  

Der künstlerische  Leiter Leif Eric Young gehört dazu, die Dramaturgin Eva Ries. Und auch Iris Schmidt, die nun als „Fräulein Else“ in Schnitzlers Novellen-Adaption zu sehen ist. Else spielt jeden Tag Tennis in einem mondänen Urlaubsort mit Cousin und Cousine, denn sie ist Gast der Familie ihrer Tante. Die Eltern in Wien können ihren  Lebensstandard nur auf Kosten von Lügen und mit veruntreuten (Mündel-) Geldern halten. Das weiß Else nur andeutungsweise, doch mit dem Brief, der sie am Urlaubsort erreicht, wird ganz klar, was von ihr erwartet wird: Als letzten Ausweg hat der Vater  für sie die Rolle der Bittstellerin  bei dem reichen Herrn Dorsley vorgesehen. 

Aus dem Monolog geht hervor, was Dorsley dafür möchte: Sie einmal nackt sehen. Else ist im Dilemma zwischen dem Pflichtbewusstsein als Tochter und ihren Träumen von einem selbstbestimmten Leben mit freier Wahl der Optionen – auch des Partners. Die Selbstbestimmung oder vielmehr der Mangel an Selbstbestimmung der Frauen – auch der bürgerlichen, vermeintlich im Wohlstand lebenden – um die Jahrhundertwende ist ein stets wiederkehrendes Thema bei Schnitzler. Solche Zwänge, wie Else sie durchlebt, scheinen überholt, doch sind sie es wirklich? 

Iris Schmidt reflektiert  diese Frage in der Inszenierung des Theter Ensembles (Regie: Marcel Prebeck) lebensnah und aus der aktuellen Perspektive. Nicht nur die „Me-Too-Debatte“ und die Nachrichten aus Ländern wie Indien zeigen, dass die Selbstbestimmung der Frauen auch heute noch weitgehend auf tönernen Füßen steht. So wirken die Gedankengänge der zunächst unbekümmert träumenden, dann die Tragweite des elterlichen Anliegens allmählich begreifenden Else keineswegs aus einer anderen Zeit. Iris Schmidt verkörpert die Figur eindrucksvoll und überzeugend. 

Wie bei den meisten Produktionen des Theter Ensembles  ist man als theateraffiner Augsburger über das verborgene Juwel im City Club positiv überrascht. Nach einer Serie im April wurde Fräulein Else nun wieder aufgenommen. Die nächsten Vorstellungen sind am 17., 18. und 22. Oktober. (Halrun Reinholz)



Ariadne auf Naxos: Gepflegter Spaß im Martinipark

Ariadne auf Naxos: Die erste Premiere des Musiktheaters in dieser Spielzeit. Eine beschwingte, aber doch ernsthafte Inszenierung.

Von Halrun Reinholz  

© Jan-Pieter Fuhr

Eine kongeniale Zusammenarbeit zwischen Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss: Die beiden haben sich einen Spaß gemacht und die hehre „opera seria“ mit der „opera buffa“ verquickt. Die depressive Ariadne (Sally du Randt), schwarz gekleidet und im Sarg zuhause, wird von der munteren Zerbinetta (Olena Sloia) herausgefordert. Das Happy-End freilich gelingt nur durch das unvermutete Auftauchen von Bacchus (Jacques le Roux), der vermeintliche Todesbote führt Ariadne zurück ins Leben.

Dirk Schmeding, der in der letzten Spielzeit „Solaris“ in Augsburg inszeniert hat, liebt skurrile Figuren. Das Ausstattungsteam (Martina Segna, Bühne und Valentin Köhler, Kostüme) unterstützt ihn dabei. Harlekin etwa, der sehr große und schlaksige Wiard Witholt, wedelt mit riesigen Händen herum. Die zierliche Olena Sloia, immer an Männer denkend, glänzt im wahrsten Sinne des Wortes im silberfarbenen Ganzkörpersuit.

Die erste Premiere des Musiktheaters in dieser Spielzeit ist hält alle Versprechen. GMD Domonkos Héja hat das Orchester gut im Griff und das Ensemble zeigt herausragende Stimmqualität – besonders die drei Frauen (Sally du Randt, Olena Sloia und ARD-Preisträgerin Natalya Boeva als „der Komponist“) überzeugen durch Präzision und Leichtigkeit, ebenso wie bei den Männern der Neuzugang Jacques le Roux . 

Auch wer Strauss vielleicht eher reserviert gegenüber steht, erlebt mit dieser Ariadne eine beschwingte, aber doch ernsthafte Inszenierung. Ein abendfüllendes Vergnügen auf Staatstheater-Niveau.



Mozarthaus bleibt im Mozartjahr komplett geschlossen

Das Augsburger Mozarthaus in der Frauentorstraße ist seit dem 1. Oktober 2018 geschlossen, da es umfassend saniert und neu gestaltet wird. Die Wiedereröffnung war zum 300. Geburtstag von Leopold Mozart am 14. November 2019 vorgesehen. Daraus wird nichts, wie Kulturreferent Thomas Weitzel am Dienstag im Kulturausschuss berichtete.

Mozarthaus nachts Foto: Regio Augsburg

Frühestens Ende Januar 2020 soll nach Informationen der DAZ die Wiedereröffnung stattfinden. Die Sanierungsarbeiten sind noch im vollen Gang und die Weitzel-Aussage, dass man zumindest zu Leopold Mozarts Geburtstag wiedereröffnen könne, sei ohnehin nicht viel mehr als ein ein frommer Wunsch gewesen, hieß es aus informierten Kreisen.

Mit dem Geburtshaus von Leopold Mozart, dem Vater, Mentor und Manager des berühmtesten aller Mozarts, Wolfgang Amadeus, verfügt die Stadt Augsburg über ein starkes Kulturerbe. Das darin untergebrachte Museum soll nach einer umfassenden Neugestaltung für Bürger aus Augsburg und der Region sowie für Touristen aus aller Welt künftig ein zentraler Anlaufpunkt für Informationen über Leopold Mozart und sein Leben sein. Wolfgang Amadeus Mozarts Vater Leopold Mozart wurde am 14. November 1719 in Augsburg geboren. Seine Musikbeseeltheit und Erziehungshingabe ermöglichten die einzigartige Karriere seines Sohnes. Sein Leben und Wirken hält die Stadt Augsburg durch die Pflege des „Mozarthauses“ und der Musikschule „Leopold-Mozart-Zentrum“ (LMZ) in Ehren. Durch diverse Veranstaltungsreihen beansprucht die Stadt Augsburg die „Marke Mozart“ seit geraumer Zeit, doch 2019 kommts besonders dick: Der Violinwettbewerb Leopold Mozart findet vom 31. Mai bis zum 8. Juni 2019 statt, zuvor steht im Mai verteilt über mehrere Termine das Deutsche Mozartfest an. Mozart soll somit 2019 zu einer herausragenden Figur des städtischen Kultur-Marketing werden. Auf die Stadt Augsburg entfällt für die Neugestaltung der Ausstellung inklusive der Sanierung sämtlicher Räume des Hauses ein geplanter Betrag in Höhe von 300.000 Euro. Drittmittel in Höhe von 264.000 Euro werden von der Landesstelle für die nicht staatlichen Museen in Bayern sowie von bereits zugesagten Spendern und Sponsoren erwartet.



Museen

Lettl-Verein wird von Stadt gefördet: Kulturausschuss genehmigt 25.000 Euro

Der Augsburger Maler Wolfgang Lettl (1919 -2008) hat ein Werk von über 500 Bildern hinterlassen. Seit 1992 wird Lettls Vermächtnis, das auf dem Kunstmarkt nie geschätzt wurde, von einem Verein zur „Förderung surrealer Kunst“ ausgestellt, verbreitet und erhalten.

Wolfgang Lettl: Der Grenzgänger – © Florian Lettl

Das verborgene Lettl-Museum in der Zeuggasse wird nun von der Stadt mit einer einmaligen Zahlung von 25.000 Euro gefördert. Dies beschloss am vergangenen Dienstag der Augsburger Kulturausschuss mit 9:5 Stimmen. Sozialbürgermeister Stefan Kiefer (SPD) war extra zur Sitzung erschienen. Der Grund für das ungewöhnliche Erscheinen des stimmberechtigten Bürgermeisters im Ausschuss war der Umstand, dass sich bei den Grünen, der Ausschussgemeinschaft und der SPD Widerstand gegen die Förderung regte. 

Bei den Gegnern dieses Projekts kam deshalb Unmut auf, weil sich Kulturreferent Thomas Weitzel lange dagegen sperrte, aber jetzt wohl dem Druck der CSU nachgab. Weitzel steht auf Platz 9 der CSU-Liste, der Vorsitzende des Lettl-Vereins auf Platz 38.