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Stürmische Zeiten: Shakespeare im Martinipark

Baustelle und Marotten eines alternden Regisseurs – Andre Bücker hat in seine Inszenierung von Shakespeares Zauberkomödie „Der Sturm“ einiges an Anspielungen hineingepackt.

Von Halrun Reinholz

Der Sturm © Jan-Pieter Fuhr

In einem Interview zur aktuellen Inszenierung  der Shakespeare-Komödie gibt André Bücker Auskunft, dass es eigentlich vier Stücke sind, die er mit Shakespeare auf der Bühne erzählen will. Erstens und für alle offensichtlich geht es zunächst um eine Theaterprobe, Theater im Theater. Das Ensemble probt Shakespeares „Sturm“. Der Regisseur (Klaus Müller) und seine Assistentin „Schnubbel“ (Katja Sieder) erscheinen mit Verspätung, derweil hat der Spielleiter und Mann für alles (zum Beispiel das Bestellen der Mittags-Pizza) Andrej Kaminski die Schauspieler bereits auf ihre Rollen eingestimmt. Er selbst ist Ariel, der (wenn auch unfreiwillig) treue Diener Prosperos im Stück. Letzterer wird von Klaus Müller  selbst verkörpert und „Schnubbel“ ist dessen Tochter Miranda.

Wie immer liegt der Reiz solcher „Spiel-im Spiel“-Szenen bei den Anspielungen an Gegenwärtiges. Bücker persifliert zunächst ganz offensichtlich den Theaterbetrieb oder gar die gesamte Branche inklusive dominante Regisseure, die Abhängigkeit der Schauspieler,  die Me-Too-Debatte, politische Korrektheit und Zeitgeist-Themen wie die Klimakatastrophe. Ganz konkret nimmt er aber auch die aktuelle Theatersituation in Augsburg aufs Korn, die durch das Bühnenbild, eine chaotische Baustelle (Bühne: Jan Steigert), mehr als deutlich signalisiert wird. 

Prinz Ferdinand, der nach Prosperos Zauberwillen Mirandas Zuneigung erwerben soll und dieses Ziel schmachtend verfolgt, wird von Prospero dazu verdonnert, Zementsäcke zu schleppen und danach erteilt ihm Miranda noch die Aufgabe, Dienst auf der Baustelle der Theatersanierung zu leisten. Shakespeare hätte an diesen Aktualitätsbezügen seine Freude und auch das Publikum lässt sich zunächst willig darauf ein. Allerdings ist, ähnlich wie bei Peer Gynt, oft des Guten zu viel. Ein Kalauer jagt den anderen und so zieht sich das Stück unnötig in die Länge und verlieren die Pointen an Stringenz. Der Schlussauftritt aller Beteiligten mit Schwimmtieren ist kaum noch schlüssig zu rechtfertigen.

Ein Problem, das sich durch die beiden Ebenen des „Spiels im Spiel“ ergibt, sind die Brüche. Die Darsteller wechseln zwischen den Rollen hin und her – manchmal sehr elegant, manchmal aber auch recht unmotiviert. Hier leisten die Videoaufnahmen (Robert Zorn) gute Hilfe.

Was die Aufführung aber bei allen Längen und Zotigkeiten dennoch zu einem sehenswerten Erlebnis macht, sind die hervorragenden Darsteller. Klaus Müller ist die Doppelrolle des intriganten Zauberers und arroganten Regisseurs, der seine Machtspielchen mit vergnügtem Selbstbewusstsein dirigiert, gleichsam auf den Leib geschrieben. Durch die Videoaufnahmen ist sein Mienenspiel permanent im Fokus der Zuschauer. Auch Katja Sieder ist als brave  Assistentin stets medial präsent, als Miranda kokettiert sie aber auch sehr zielgerichtet mit Ferdinand (Sebastian Baumgart) – dem einzigen Mann, der auf der einsamen Insel als Lover zur Verfügung steht, weshalb die Chance genutzt werden muss.  

Auch Ferdinand bleibt unter dem Zauberbann gar nichts anderes übrig, als ihren Reizen zu erliegen. Geduldig und humorvoll schleppt er deshalb die Zementsäcke quer durch den Zuschauerraum. Bemerkenswert auch die Rolle des etwas unterbelichteten Inseltrottels Caliban, der zu Beginn des Stücks mit dem Besen durch den Raum fegt („Hausmeister mit Spielverpflichtung“, wie die Assistentin spitz vermerkt). Gerald Fiedler hat hier Gelegenheit, sein feinsinnig-komisches Talent zu offenbaren. 

Ein komisches Paar im Schlagabtausch geben auch Patrick Rupar als betrunkener Kellner und Natalie Hünig als Spaßmacher Trinculo ab. Chaotisch agiert auch die Gruppe der  Schiffbrüchigen aus Neapel – König Alonso (Kai Windhövel) und dessen Bruder Sebastian (Anatol Käbisch) liefern sich ein veritables Fecht-Duell (vom „Regisseur“ sogleich als „Schauspielschul-Kram“ abserviert). 

Prosperos Bruder Antonio von Mailand (Sebastian Müller-Stahl) leidet unter Diarrhoe und sitzt deshalb die meiste Zeit auf einer Kloschüssel, während sein Berater Gonzalo (Thomas Prazak) ständig unter Beschuss ist. In jeder Hinsicht vielseitig ist die Rolle Kaminskis als Ariel – oder auch als Spielleiter, der für seine Schauspielleistung das Lob des Meisters erhofft („wie war ich?“) und nur einen vielsagend-arroganten Blick erntet.

Einen wichtigen Part der Inszenierung nimmt die Musik ein, die Bücker, auch wieder nach dem bewährten Rezept bei Peer Gynt, live auf der Bühne spielen lässt. Die Band um Girisha Fernando nennt sich  „On The Offshore“ und untermalt die Handlung tatsächlich eindrucksvoll mit Liedern, die laut Ankündigung von der Sängerin Lucy Pereira nach Texten von Shakespeare-Sonetten geschrieben wurden. 

Diese wären zumindest im Programmheft gut platziert gewesen, jedenfalls war nichts davon verständlich oder für die Handlung nachvollziehbar. Dass die Musiker historische Kostüme anhatten (die Sängerin einen auffälligen Kopfschmuck), sollte diesen Bezug vielleicht andeuten, doch es wirkte eher albern und unpassend – gerade angesichts der eher unhistorischen Kostümierung der Schauspieler. (Kostüme: Suse Tobisch).

Von Shakespeare blieb nicht allzu viel übrig bei all den Meta-Ebenen, die hier auf der Bühne verhandelt wurden. Allerdings doch recht viel originaler Text. Vielleicht als Beleg, dass die Anspielungen doch alle kompatibel sind mit der Intention des Autors, der sich mit diesem Altersstück auch selbst ein Denkmal zum eigenen Abschied setzte. 

Shakespeare (und damit das Theater als solches) hält einiges aus, auch eine Dauerbaustelle, die gerade erst begonnen hat und noch viel Durchhaltevermögen erfordert. So ähnlich soll wohl der Kommentar des Intendanten verstanden werden.



Aktion gegen Antisemitismus, jeglichen Rassismus, gegen Hass und Gewalt

Erschüttert von dem Attentat in Halle ruft der Runde Tisch der Religionen* Augsburg auf, ein öffentliches Zeichen für den Frieden in unserer Stadt zu setzen und gegen Antisemitismus, jeglichen Rassismus, gegen Hass und Gewalt aufzustehen.

„Wir möchten uns für ein von Mitmenschlichkeit, Achtung und Wertschätzung geprägtes Zusammenleben in unserer Gesellschaft stark machen.“ Die Aktion findet am Mittwoch, 30. Oktober um 17.00 Uhr auf dem Moritzplatz statt. Es wird darum gebeten, eine windgeschützte Kerze mitzubringen. Zum Runden Tisch der Religionen in Augsburg gehören Christen, Juden, Muslime, Aleviten, Buddhisten und Jesiden jeweils unterschiedlicher Ausrichtung.

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Der Runde Tisch der Religionen wurde von der Stadt Augsburg initiiert und wird gemeinsam von der Stadt und den beteiligten Religionsgemeinschaften getragen. Die Koordination hat das Friedensbüro der Stadt Augsburg inne. Der Runde Tisch soll die Vielfalt der Religionen und Konfessionen in Augsburg abbilden. Er versammelt Abgesandte in Augsburg vertretener Religionsgemeinschaften, die sich dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und den formulierten Zielen des Runden Tisches verpflichtet wissen.

Die übergeordneten Ziele des Runden Tisches der Religionen bestehen darin, zu einem friedlichen Zusammenleben der Menschen in Augsburg beizutragen. Die Mitglieder setzen sich ein, Konflikte zu entschärfen, bei denen religiöse Faktoren eine Rolle spielen. Sie wollen Verständnis für die Ausübung der unterschiedlichen Religionen in der Stadtöffentlichkeit wecken. Zum Runden Tisch der Religionen Augsburg gehören Vertreterinnen und Vertreter des Alevitentums, Buddhismus, Christentums, Ezidentums, Judentums und Islams und der Universität Augsburg (Religionspädagogik).

Infos zum Runden Tisch unter www.friedensstadt-augsburg.de



Dirk Wurm: Es braucht Klarheit zur Modernisierung und zum Neubau des Theaters

Die aktuell in die Kritik geratene Planung des Bauteils 2 der Augsburger Theatersanierung könnte zu einem Thema im Wahlkampf werden. Die Politik schießt sich gerade darauf ein. Vergangene Woche gab OB-Kandidat Dirk Wurm ein Statement ab. 

Nach intensiven Diskussionen über die Modernisierung des Großen Hauses des Staatstheaters Augsburg und die Ausgestaltung des sogenannten Bauteils 2 – den Neubau des Verwaltungs- und Werkstättengebäudes samt Schauspielhaus – im Sommer dieses Jahres, sei nicht klar, wie es nun weitergehe und welche Kosten dafür voraussichtlich auf die Augsburgerinnen und Augsburger zukommen werden. So beginnt eine Stellungnahme vom OB-Kandidaten der SPD, Dirk Wurm.

„Klar ist, dass die Modernisierung des Großen Hauses am Kennedy-Platz kommt, und dass dafür auch die Infrastruktur mit einem entsprechenden Verwaltungs- und Werkstättengebäude errichtet werden muss. Das Große Haus in zentraler Lage mit seinem differenzierten Programm stellt einen Mehrwert für unsere Stadt und sein kulturelles Leben dar“, so Wurm.

„Klar ist auch, dass das ganze Vorhaben finanzierbar sein muss, weswegen der Stadtrat auf Antrag der SPD eine Kostenobergrenze von 189 Millionen Euro für beide Bauteile beschlossen hat (zuzüglich konjunkturell bedingter Baupreissteigerungen)“, so Wurm.

Unklar stellt sich dagegen für Dirk Wurm und die SPD-Fraktion im Rathaus die Situation rings um das neue Schauspielhaus dar, welches als Anbau an das Große Haus geplant ist. Die Kostensituation sei nicht geklärt.

„Hier braucht es schnellstmöglich Antworten, unter Berücksichtigung der temporären und gut angenommenen Spielstätten im martini-Park und am Gaskessel. Denn einerseits wurden diese Spielstätten mit erheblichem finanziellen Aufwand hergestellt, andererseits kann in der räumlichen Diversität durchaus eine Chance für die Verankerung des Staatstheaters in der Stadtgesellschaft liegen, indem neue, „theaterfernere“ Zielgruppen angesprochen werden“, erklärt Dirk Wurm.

„Mir ist wichtig, dass Modernisierung und Neubau des Theaters Augsburgs realistisch und ordentlich dargestellt werden und, dass nicht Luftschlösser gebaut werden, die am Ende nicht finanzierbar sind, sodass damit das Engagement der Mitarbeiter*innen des Staatstheaters auf allen Ebenen, ebenso wie das der Bürger*innen umsonst war“, so Wurm weiter.

„Dies sollte bis Ende des Jahres gelingen, denn nur mit einem klaren Konzept zur Umsetzung wird es auch möglich sein, private Unterstützer mit Hilfe der Stiftung für das neue Staatstheater Augsburg zu gewinnen. Unterstützung, die es dringend braucht und die bei ähnlichen Vorhaben in anderen Städten dann auch akquiriert werden konnte“, so Wurm abschließend.

 



André Bücker: Es macht keinen Sinn, auf Dauer im Gaswerk zu bleiben

André Bücker, Intendant des Staatstheaters Augsburg, positioniert sich im Gespräch mit Jürgen Kannler bezüglich der Augsburger Theatersanierung. Für die DAZ ein Grund sich zu verneigen, denn schließlich steht aktuell das gesamte Bauteil 2 auf dem Prüfstand. Das Interview erschien zuerst in a3kultur und darf freundlicherweise von der DAZ „nachgedruckt“ werden. „Ich gehe heute davon aus, dass das Große Haus als Theater in absehbarer Zeit bezugsfertig sein wird“, so Bücker im Gespräch mit Jürgen Kannler.

a3kultur: Kürzlich war im martini-Park die Premiere von »Der Sturm«, William Shakespeares letztem Stück, einer Zauberkomödie. Als Rahmen haben Sie Ihre eigenen Häuser als Ort nicht enden wollender Baustellen gewählt. Der Abend kam beim Premierenpublikum recht gut an. Wie war darüber hinaus das Echo auf die Inszenierung?

André Bücker: Das weiß ich ehrlich gesagt noch gar nicht wirklich. Aber ich hatte auch einen positiven Eindruck. Was ich bemerkenswert fand, ist, dass das Augsburger Premierenpublikum, das ich bisher als eher reserviert erlebt habe, diesmal anders war. Die Menschen waren von der ersten Minute an total dran, es war eine offene Stimmung. Das war sehr schön.

Die Zusammensetzung des Premierenpublikums hat sich seit der Schließung des Großen Hauses und dem damit verbundenen Umzug in den martini-Park und auf das Gaswerkgelände etwas gewandelt. Es gibt heute zwar weniger Plätze, doch wirken die Besucher*innen entspannter, zwangloser und auch neugieriger als früher. Die Schließung hat dem Theater erst einmal gutgetan, könnte man sagen.

André Bücker

Das ist für mich schwierig zu beurteilen. Es ist ja auch die Frage, welche Zeit mit »früher« gemeint ist. Ich habe lediglich den Eindruck, dass nun öfter unterschiedliche Menschen in den Rängen sitzen, und habe mich natürlich gefreut, dass wir bei der Premiere des »Sturm« bis auf den letzten Platz besetzt waren.

Die Inszenierung bietet allerhand Verweise in die Gegenwart: Fridays for future, der rechte Terroranschlag in Halle, das Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer bis hin zur umstrittenen Baustelle am Kennedyplatz. Eignet sich Shakespeare besonders dafür, Tagespolitik auf die Bühne zu bringen?

Ja, vielleicht. »Der Sturm« ist Komödie und politisches Stück ebenso wie melancholischer Abschied und Märchen. Er ist vier Stücke in einem. Alles ist ineinander verwoben. Im »Sturm« gab es immer schon Songs, einen Epilog, der offen zum Publikum gesprochen wird. Da öffnete Shakespeare die vierte Wand. Und man hat nicht zuletzt das pralle Komödiantisch-Volkstheaterhafte. Seit 400 Jahren zeigt sich dieses Stück für die Gegenwart aufgeschlossen. Dieses Angebot nutzen wir.

Sie haben bei dieser Inszenierung Regie geführt und sich dabei als Mann mit Humor gezeigt. Die Bildsprache erinnert zuweilen an Ihre ersten Spielzeitbücher mit Aufnahmen von Jan-Pieter Fuhr. Seine Fotos zeigten neben Baustellen vor allem absurden Stillstand und Irrsinn. Im Intro haben Sie das Konzept damals als Spiegel einer Stadt in Entwicklung verkauft. Eigentlich ganz schön dreist.

Der Spaß im Dissonanten, an dem Ort, wo es zu Reibungen kommt, ist immer interessant.

Sie sind also ein Sohn Karl Valentins.
Valentin war der Größte in solchen kognitiven Dissonanzen.

Und Sebastian Baumgart durfte in dieser Nachfolge als Ferdinand zigtausend Säcke im martini-Park schleppen und wird von Miranda nun auf der Baustelle am Kennedyplatz auf Dauer zwangsverpflichtet.

Das ist eine kleine Umwandlung, die wir uns erlaubt haben. Wir haben aus Holzstücken Zementsäcke gemacht. Ferdinand muss das leisten und will das auch. Das erinnert natürlich an Sisyphos, die komplette Absurdität. Man hat diese Assoziationen beim »Sturm« ständig. Auch bei der Figur des Prospero. Wie respektlos er mit seinem eigenen Werk umgeht – das hat eine große Komik, teilweise aber auch eine große Traurigkeit. Klaus Müller macht das in der Titelrolle sensationell. Alle machen das toll, alle haben sich unglaublich reingeschmissen und das Stück verdichtet.

Und der Schlussmonolog?

Stimmt. Das muss man erst einmal machen – den 5. Akt mehr oder weniger streichen. Er wurde gar nicht wirklich vermisst, wie mir scheint.

Sie haben die Massenkompatibilität des Stücks bedient. Das ist ja auch Teil Ihrer Aufgaben, wenn man der Kulturpolitik glauben darf. Sie fordert die Öffnung des Hauses, auch hin zu den Milieus, die noch »theaterfern« sind, um diese Vokabel zu bemühen. Das war auch Teilergebnis des Bürgerbeteiligungsprozesses zur Theaterlandschaft vor drei Jahren. Welches Ihrer Projekte wird diesem auch Öffnungsprozess genannten Vorgang denn im Besonderen gerecht?

Es gibt davon bereits eine solche Fülle, man möchte das oft gar nicht vermuten. Ich kann da nicht werten. Ich glaube, dass wir mit jedem einzelnen Projekt das Ergebnis am Ende definieren. Es gibt die Vielfalt der Projekte im Plan-A, die Kooperationsverträge mit den Schulen, die Zusammenarbeit mit dem Theater Interkultur, dem tim, den Kirchen, dem Sensemble usw. Ich möchte keines herausheben. Vor allem in der Summe haben sie Bedeutung.

Bücker: „Das sind Punkte, die geklärt werden müssen. Wir haben uns positioniert und dies auch formuliert. Wir stehen hinter dem verabschiedeten Anforderungsprofil, und wenn es so und so viel kostet – das ist dann so.“

Die Show mit Franz Dobler fand zuletzt keinen Platz mehr im Jahresprogramm des Staatstheaters, obwohl die angesetzten Montagabende schöne Erfolge waren.

Das ist wahr. Und schade. Aber leider auch dem Umstand geschuldet, dass wir hier mit den Interimsstätten und der Transformation vom Stadt- zum Staatstheater zuweilen wirklich an unsere Leistungsgrenzen und darüber hinaus gefordert waren und sind. Aber das Angebot für neue Folgen ging an Franz Dobler, wenn auch etwas später, als wir es uns alle gewünscht hätten. Nun klappt das terminlich bei ihm leider nicht. Aber vielleicht kommen wir später wieder zusammen. Ich würde mich freuen.

Wirklich »theaterfernes« Publikum erreichen Sie mit den genannten Formaten aber kaum. Müsste man den geforderten Öffnungsprozess nicht erst einmal präziser formulieren?

Ja, natürlich. Das »theaterferne« Publikum, um bei diesem Begriff zu bleiben, ist extrem unterschiedlich. Es gibt keine x-tausend Menschen, die plötzlich an der Kasse stehen, nur weil wir unsere Angebote den gesellschaftlichen Realitäten anpassen. Der Prozess ist langfristig angelegt und es gelingt uns bereits, Menschen neu zu erreichen. Da zeigen sich schon Erfolge unserer Strategie. Ich denke, die Schwellenangst für neue Besucher*innen im martini-Park oder in der neuen brechtbühne im Gaswerk ist heute geringer als vielleicht noch vor einigen Jahren beim Großen Haus. Das Thema Öffnung ist ein Prozess in ständiger Bewegung. Da ist es unmöglich, ein Endergebnis oder einen Endpunkt zu definieren.

Ich hake noch einmal nach, auch weil ich vermute, dass es in dieser Diskussion nicht ganz klar ist, was genau die jeweiligen Gesprächspartner meinen, wenn sie von Öffnung sprechen. Und letztendlich ist es ja auch okay, wenn es Leute gibt, die sich nicht für Theater interessieren.

Klar. Die wird es auch immer geben. Aber eben oft auch aus Unkenntnis oder Unsicherheit heraus. Vielleicht weil sie in ihrer Biografie nie wirklich einen guten Kontakt mit Theater hatten. Wir versuchen darum in verschiedensten Formen, sei es Marketing, spezielle Programme, Theaterpädagogik usw., Dinge aufzubrechen, Menschen anders zu erreichen. Und wir haben damit tolle Erfahrungen gemacht. Wir wollen Momente schaffen, sodass Menschen offen dafür werden. Es ist ein kommunikativer Prozess. Man muss dafür Barrieren auf allen Seiten abbauen. Was mich gefreut hat, war zum Beispiel die unglaublich positive Resonanz auf unser Projekt mit der Rudolf-Steiner-Schule oder die Audiodeskription auf der Freilichtbühne. Da haben wir gesehen, wie viele Leute auf solche Initiativen warten. Für die ist das wichtig. Für uns aber auch.

Angebote für Menschen zu schaffen, die auf Angebote warten?

Und die eine Gruppe darstellen, die man nicht automatisch auf dem Schirm hat und die, wenn man sich das einmal bewusstmacht, gar nicht so klein ist. Das umzusetzen ist eine Frage von Zielgerichtetheit, von Kommunikation und Offenheit von unserer Seite. Da wollen wir mehr machen und besser werden. Das hat aber oft auch etwas mit Ressourcen, Personal und Geld zu tun.

Das bedeutet auch, dass man als Theater Politik mitgestaltet. Sehen Sie Kulturmacher*innen in der Pflicht, sich politisch zu positionieren?

Parteipolitisch nicht, aber gesellschaftspolitisch. Wir sind eine öffentliche Institution: Wir machen Meinungen und Positionen öffentlich, wir machen künstlerische Projekte öffentlich, das ist immer mit einer gesellschaftspolitischen Stellungnahme verbunden. Und ich finde es wichtig, dass wir uns zu politischen Vorgängen, die gerade virulent sind, äußern.

Da wird man aber zwangsläufig sehr schnell mal parteipolitisch.

Es ist wichtig, Position zu beziehen. Gerade in Zeiten, in denen nationalistisches, rassistisches, völkisches Gedankengut in der Diskussion Normalitätsstatus erreicht oder Dinge vorfallen wie zuletzt in Halle. Da kann man nicht zur Tagesordnung übergehen. In unserem Betrieb sind die Religionen vielfältig vertreten. Wir haben 30 Nationalitäten im Haus und wir versuchen, diese Vielfalt als Betrieb zu leben. Das müssen wir auch nach außen dokumentieren.

Die Arbeit des Staatstheaters wird von der Politik weitgehend positiv bewertet. Vor Kurzem hat sich auch Kulturminister Bernd Sibler in einem Interview mit a3kultur in diesem Sinne geäußert. Zu einer Prognose, wie es mit André Bücker als Intendanten in Augsburg weitergeht, wollte er sich jedoch noch nicht hinreißen lassen. Die Vertragsverlängerung steht jedoch ins Haus.

Das hat aber noch etwas Zeit. Ich möchte in zehn Jahren auf alle Fälle nicht mehr hier im martini-Park sein. Ich gehe heute davon aus, dass das Große Haus als Theater in absehbarer Zeit bezugsfertig sein wird. Was wohl nicht für alle Module des Betriebs gilt. Man muss genau beobachten, wie sich das als Ganzes entwickelt. Das ist auch Teil der Frage nach meiner persönlichen Perspektive hier.

Bei Terminen in München habe ich Ihren Kollegen Christian Stückl getroffen. Dabei ging es auch um den Theaterneubau des Volkstheaters. Die Kolleg*innen in der Landeshauptstadt sind im Gegensatz zu Augsburg sowohl im Etat- als auch im Zeitplan. Als Intendant des Volkstheaters steht er anders als Sie in vorderster Reihe, wenn es darum geht, das Neubauprojekt zu präsentieren.

Das ist sicherlich so. Christian Stückl ist eine Institution in München. Das Volkstheater ist sozusagen Christian Stückl. Es gibt deutschlandweit keinen vergleichbaren Intendanten. Das ist eine Besonderheit. Wenn man so lange vor Ort verankert und verwurzelt ist, steht man anders in der Diskussion. Ich bin in diesen Prozess ja erst hineingekommen. Das kann man kaum vergleichen. Hier in Augsburg hat die Stadtpolitik beim Theaterbau den Hut auf. Wir sind allerdings ganz eng angedockt und intensiv in alle Planungen miteinbezogen. Das funktioniert sehr gut. Die Sanierung wurde ja intensiv diskutiert. Meine Haltung ist klar: Es wäre zutiefst absurd, das Theater nicht zu bauen oder es kleiner zu machen.

© DAZ

Von der Stadt kann gegenwärtig niemand verbindlich sagen, wie der neue Theaterbau in Augsburg als Ganzes letztendlich aussehen wird. Entwürfe wurden geändert. Die Finanzierung wackelt. Das zeigt, dass das Projekt alles andere als sicher ist.

Das ist eine Frage, die uns alle sehr beschäftigt, wenn wir über Perspektiven sprechen. Das sind Punkte, die geklärt werden müssen. Wir haben uns positioniert und dies auch formuliert. Wir stehen hinter dem verabschiedeten Anforderungsprofil, und wenn es so und so viel kostet – das ist dann so. Unter diesem Profil zu bleiben, macht keinen Sinn. Es macht auch keinen Sinn, auf Dauer im Gaswerk zu bleiben. Allein die Werkstätten hier sind viel zu klein, um einen vernünftigen Spielbetrieb im Großen Haus leisten zu können. Das muss man nicht mehr diskutieren.

Und gegenwärtig?

Im Großen Haus sind die Arbeiten im Moment am Laufen. Aber es ist zäh. Wir müssen uns nichts vormachen. Wenn wir tatsächlich noch so und so viele Jahre länger an die Interimsstätten gebunden sind, stößt der Betrieb irgendwann auch künstlerisch an seine Grenzen. Wir bauen Spielpläne. Irgendwann könnten die Möglichkeiten ausgehen.

Viele Bürger*innen, aber auch die Mitarbeiter*innen an Ihrem Haus haben das Theaterbauprojekt mitgetragen und wesentlich dabei geholfen, es an den Start zu bringen. Werden Sie sich nicht vorgeführt vorkommen, wenn das Theater nun eventuell in einer anderen Version kommt?

Die Gefahr besteht. Man darf die Mühen nicht unterschätzen, die es kostet, hier eine künstlerische Gültigkeit herzustellen. Eine Gültigkeit und Qualität, die nicht nur mit der räumlichen Einschränkung definiert wird, sondern an sich. Und da haben wir viel erreicht. Wir haben eine super Akustik im martini-Park, das Orchester hat sich an den Raum gewöhnt. Die Sänger agieren sehr souverän. Auch das Schauspielensemble ist auf sehr gutem Weg, aber natürlich will man eine Perspektive schaffen, auch im Sinne des Staatstheaters.

Die Stadt hat das Projekt »Geld für Gutes« aufgelegt, um aus der Bürger*innenschaft eine finanzielle Förderung für den Theaterbau einzuwerben. Es scheint aber, als komme kein rechter Zug in die Kampagne. Warum ist das so?

Ich glaube auch nicht, dass es im Moment flutwellenartige Bewegungen im finanziellen Bereich geben wird. Es ist ehrlich gesagt auch kein Wunder, wenn man bedenkt, wie die Entwicklung gelaufen ist. Pläne lagen auf dem Tisch, bevor die Diskussion mit den Bürger*innen geführt wurde. Dann hieß es, das Projekt sei ausfinanziert, was sich nun doch etwas anders darstellen könnte. Das ist keine ideale Situation, in der man zu potenziellen Mäzenen gehen könnte. Die Entwicklung gestaltet sich sehr zäh. Aber Augsburg ist eine über 2000 Jahre alte Stadt, da brauchen manche Dinge vielleicht einfach länger.



SPORT

AEV: Die Trauben hängen hoch in Niederbayern

Die Augsburger Panther haben auch das zweite Duell gegen die Straubing Tigers verloren. Nachdem sich die Niederbayern Ende September in Augsburg knapp mit 5:4 durchsetzten, siegte Straubing vor heimischer Kulisse deutlich mit 7:3. Die Treffer für die Panther erzielten Thomas Holzmann (30.), Simon Sezemsky (41.) und Daniel Schmölz (50.). Für Straubing waren Benedikt Kohl (7.), Travis Turnbull (9.), Mike Connolly (19.), Fredrik Eriksson (23.), Jeremy Williams (31.), Maximilian Gläßl (38.) und Stephan Daschner (50.) erfolgreich. 

Keine Punkte gab es für die Augsburger Panther in Straubing DAZ-Archiv © Siegfried Kerpf

Trevelyan und LeBlanc fehlen

So hat sich Christoph Ullmann sein 900. DEL-Spiel sicherlich nicht vorgestellt. Dabei fanden die Panther – die neben Drew LeBlanc auch auf T.J. Trevelyan verzichten mussten – in der Anfangsphase eigentlich recht gut ins Spiel.

Der AEV hatte die ersten Torchancen durch Simon Sezemsky (4.) und Marco Sternheimer (7.), doch der erste Treffer gelang den Hausherren, als Kohl im Slot zu viel Platz hatte und das 1:0 erzielen konnte (7.).

Und nach diesem Treffer spielten im Grunde nur noch die Tigers, die in Überzahl nachlegten, als Turnbull einen Schuss von Eriksson abfälschte (9.). Und kurz vor Drittelende erhöhte Straubing in Unterzahl sogar auf 3:0. Connolly luchste Patrick McNeill die Scheibe ab, fuhr alleine auf Olivier Roy zu und ließ diesem keine Abwehrchance (19.).

Straubing zieht davon

Auch nach Wiederbeginn wurde es leider nicht viel besser: Erneut in Überzahl legte Eriksson das 4:0 nach (23.) und nachdem Holzmann einen Abwehrfehler der Tigers zum ersten Augsburger Treffer ausnutzen konnte (30.), ließ die Antwort nur etwa eine Minute auf sich warten.

Torschütze zum 5:1 war Williams mit einem satten Schuss aus der Distanz (31.). Gläßl markierte in der Schlussphase des zweiten Durchgangs nach einem Konter sogar den sechsten Treffer für Straubing (38.).

Sezemsky und Schmölz treffen

Das dritte Drittel begann der AEV dann mit zwei Mann mehr und einem neuen Torhüter. Markus Keller ersetzte den entnervten Roy und Sezemsky nutzte das doppelte Powerplay mit einem platzierten Schuss zum zweiten Treffer (41.).

Rund zehn Minuten vor dem Ende stocherte Schmölz den Puck sogar zum 6:3 über die Linie (50.), aber ganze 18 Sekunden danach gelang Daschner der siebte Treffer für Straubing (50.) und erzielte damit den Endstand.

Für die Panther geht es am kommenden Wochenende nun mit Duellen beim ERC Ingolstadt und gegen die Wolfsburg Grizzlys weiter, ehe die Länderspielpause ansteht.



SPORT

FCA zeigt in Wolfsburg, dass er konkurrenzfähig ist

Eine Woche nach dem glücklichen Unentschieden im Heimspiel gegen den FC Bayern (2:2) ist dem abstiegsbedrohten FC Augsburg am 9. Spieltag auswärts in Wolfsburg ein weiteres Remis gelungen: In der Volkswagen Arena wäre sogar ein Augsburger Sieg in Ordnung gegangen. Der FCA zeigte seine beste Saisonleistung, stand hinten kompakt mit einem souveränen Torhüter Koubek, verteidigte dennoch hoch und zeigte mit schnellen Vorstößen die Möglichkeit eines Dreiers an. Am Ende stand ein leistungsgerechtes 0:0. Damit blieb die bisher schwache FCA–Abwehr erstmalig in dieser Saison ohne Gegentor.

FCA-Trainer Martin Schmidt schickte im Vergleich zum 2:2 gegen den FC Bayern am vergangenen Wochenende eine auf zwei Positionen veränderte Startelf auf den Platz: Kapitän Daniel Baier kehrte nach seiner Verletzungspause nach fünf verpassten Spielen in die Startelf zurück. Auch Alfred Finnbogason konnte sich über sein Startelf-Comeback freuen und agierte zusammen mit Florian Niederlechner in der Sturmspitze. Und noch eine bemerkenswerte Personalie ist zu vermelden: Kurz vor Spielende feierte der schmerzlich vermisste Abwehrchef Jeffrey Gouweleeuw nach monatelanger Verletzungspause sein Comeback.

Die erste Chance der Partie erspielten sich die Gastgeber: Jérôme Roussillon bediente William, dessen Kopfball von FCA-Keeper Koubek locker pariert wurde. In der ersten Viertelstunde entwickelte sich eine muntere Partie. Josip Brekalo legte über links auf Felix Klaus ab, Koubek stand wieder richtig und parierte erstklassig (8.). Auch der FCA zeigte Torgefährlichkeit: Koubeks Abstoß landete bei Niederlechner, der den Ball zu Vargas spielte, der aber in Wölfe-Keeper, Pavao Pervan seinen Meister fand (9.). Es ging rauf und runter:  Niederlechner kam zu zwei Abschlüssen: Ein Distanzschuss flog über die Kiste (11.), dann in die Arme von Pervan (16.).

FCA stets auf Augenhöhe

Nach der tollen Anfangsphase war plötzlich weniger Dampf im Kessel. Beide Mannschaften agierten kontrollierter und schenkten sich dennoch nichts. Das Spiel war stets auf Augenhöhe und auf hohem kämpferischen Niveau. Bemerkenswerte Torchancen gabs keine mehr, was an beiden Abwehrreihen lag. So stellte sich die VfL-Leihgabes Felix einem ehemaligen Mitspieler Wout Weghorst in den Weg und verhinderte einen Kopfball des niederländischen Torjägers (22.). Auf der anderen Seite brachten Eckbälle und Freistöße von Philipp Max (24., 38.) dem FC Augsburg ebenso wenig ein. Kurz vor der Pause kam Marcel Tisserand noch zu einem Kopfball, setzte diesen aber über das FCA-Tor.

Personelle Wechsel gab es keine, so standen in der zweiten Halbzeit die gleichen Spieler auf dem Platz wie in Halbzeit eins. Die erste Chance gehörte wieder den Wölfen: Williams Schuss ging links am Tor vorbei (48.). In der 50. Minute legte Max von links dann auf Niederlechner ab. Dieser bekam aber keinen Druck auf den Ball, sodass Pervan die Kugel mühelos aufnehmen konnte. Die nächste Möglichkeit ergab sich für den FCA wenig später: Niederlechner steckte bei einem Konter auf Finnbogason durch, der Isländer konnte den Ball im Strafraum gegen Roussillon aber nicht festmachen (53.). Die Abwehr des FCA stand gut, war stets im Bilde und ließ keine großen Chancen zu.

So versuchte es William in der 59. Minute erneut aus der Distanz, sein Schuss war aber zu ungenau. Auf der Gegenseite war Pervan zur Stelle, als Lichtsteiner in der Mitte den freistehenden Finnbogason gesehen hatte.

Videobeweis rettet einen Augsburger Punkt

In der Schlussphase wurde es schließlich spannend: Die Wolfsburger hatten nach einer Flanke von Maximilian Arnold auf den eingewechselten Joao Victor den Führungstreffer gefeiert, da dessen Abschluss im Augsburger Tor gelandet war. Nach Rücksprache mit dem Video-Assistenten schaute sich der Unparteiische Tobias Stieler die Szene allerdings noch einmal selbst an und entschied auf Abseits. Auch der FCA kam in den Schlussminuten noch zu Chancen, die Versuche von Richter (80., 90.+5) und Niederlechner (90.+1) fanden aber kein Ziel.

„Wir sind stabil in der Defensive gestanden und ich denke, dass am Ende des Tages der Punkt durch sehr viel Fleiß und eine gute Defensivarbeit verdient ist. Es war wichtig, dass wir zu null gespielt haben und wir haben jetzt zwei wichtige Punkte gegen zwei Top-Teams geholt. Diese Punkte nehmen wir gerne mit“, so FCA-Trainer Martin Schmidt zum Geschehen. Was Schmidt selbstverständlich nicht sagte, aber den größten Unterschied zu den meisten bisherigen Auftritten darstellte: In der Mannschaft brannte wieder das Feuer der Leidenschaft: So ist der FCA ein Anwärter für höhere Weihen, auch wenn er nach dem 9. Spieltag auf dem vorletzten Platz der Tabelle steht.

Die nächste Gelegenheit, ihre Klasse erneut unter Beweis zu stellen, haben die Brecht-Städter am kommenden Sonntag, 3. November (18.00 Uhr). Dann spielt der FCA zu Hause gegen den FC Schalke 04.

FCA: Tomáš Koubek; – Stephan Lichtsteiner; Tin Jedvaj; Felix Uduokhai; Philipp Max; – Rani Khedira; Daniel Baier; Ruben Vargas; Marco Richter; – Florian Niederlechner; Alfred Finnbogason;

Eingewechselt: Jeffrey Gouweleeuw (83.); Sergio Córdova (77.); Amaral Borduchi Iago (71.); –

Ausgewechselt: Daniel Baier (83.); Ruben Vargas (71.); Alfred Finnbogason (77.); –

Auswechselbank: Andreas Luthe (TW); Michael Gregoritsch; Jan Morávek; Julian Schieber; André Hahn; Raphael Framberger.

#MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1Bor. MönchengladbachM'gladbach961219:91019
2Bayern MünchenFC Bayern953124:111318
3SC FreiburgSC Freiburg952217:10717
4VfL WolfsburgWolfsburg945011:5617
5Borussia DortmundDortmund944120:11916
6RB LeipzigRB Leipzig943217:10715
7FC Schalke 04Schalke 04943214:9515
8Bayer LeverkusenLeverkusen943214:13115
9Eintracht FrankfurtFrankfurt942316:14214
101899 HoffenheimHoffenheim942311:13-214
11Hertha BSCHertha BSC932415:16-111
12Werder BremenSV Werder924315:19-410
131. FSV Mainz 05Mainz 05930610:19-99
14Fortuna DüsseldorfDüsseldorf921610:16-67
151. FC Union BerlinUnion Berlin92169:15-67
161. FC Köln1.FC Köln92169:19-107
17FC AugsburgAugsburg914410:21-117
18SC Paderborn 07Paderborn911711:22-114


BALLETT

Ballettpremiere: Applaus für Giselle

Die erste Ballettpremiere der Saison erfüllt alle Erwartungen. Ballettdirektor Ricardo Fernando liefert mal wieder den Beweis, wie unkompliziert ein Klassiker entstaubt werden kann, ohne ihn zu demontieren.

Von Halrun Reinholz

Giselle © Jan-Pieter Fuhr

Das Ballett hat sich in der Erwartung der Zuschauer mittlerweile zur Königsdisziplin des Staatstheaters gesteigert. Umso höher die Erwartung an die erste Ballettpremiere, die einen abendfüllenden Klassiker verspricht. Adolphe Adams „Giselle“ hatte seine Uraufführung 1841 in Paris. Marius Petipa machte daraus ein Highlight des Spitzentanzes, die Titelrolle zur Traumpartie für Ballerinen.

Der Augsburger Ballettdirektor Ricardo Fernando hat Giselle bereits im Jahr 2008 für das Ballett Hagen neu choreographiert und lässt nun damit sein in der neuen Spielzeit durch Wechsel und Neuzugänge doch sehr gewandelte Ensemble die Saison eröffnen. Die zweigeteilte Handlung erfordert eine klare Trennlinie: Im ersten Teil vor der Pause spielt sich das Geschehen im realen Raum ab: eine Dorfschenke, Bauern. Im Gegensatz dazu die Herrschaften aus der Stadt, zu denen auch Prinz Albrecht (Gustavo Barros) und seine Verlobte Barthilde (Sewon Ahn) gehören.

Ausstatter Dorin Gal kennzeichnet letztere durch elegante Reiterkleidung, während die Bauern zeitlose pastellfarbene Kostüme tragen. Giselle (in der Premiere Ana Isabel Casquilho) und Hilarion (Nikolaos Doede) heben sich farblich ab, ebenso wie Berthe, die besorgte Mutter Giselles (Emily Yetta Wohl). Hilarion ist kein Wildhüter, wie im Original, sondern der Schankwirt.

Adolphe Adams zauberhafte Musik, in Augsburg einfühlsam gespielt von den Augsburger Philharmonikern unter der Leitung  von Ivan Demidov, leitet die Tänzer durch das dramatische Geschehen – bei Fernando ganz ohne Spitzentanz. Er lässt sich stattdessen originelle und lebensnahe Choreographien einfallen, die dem Geschehen eine zeitgemäße Leichtigkeit verleihen. Auch in der irrealen Geisterwelt der Wilis im zweiten Teil (in nebelhaftem Schwarz-Weiß gestaltet) vermisst man den Spitzentanz nicht. Die vermeintliche Leichtigkeit entsteht durch das hervorragende Niveau der Tänzerinnen und Tänzer, die auch ohne Spitzenschuhe gleichsam über die Bühne schweben.

Wie beim Schwanensee in der vorletzten Spielzeit gelingt es Fernando auch hier, die gerade mal 18 Tänzer so einzusetzen, dass das Gefühl eines großen Ensembles entsteht. Großer Premierenapplaus im Publikum. Müßig zu erwähnen, dass Giselle das Potenzial zum Publikumsrenner hat, dazu bedarf es keiner prophetischen Fähigkeiten.



Traum oder Wirklichkeit? „Luzid“ am Staatstheater Augsburg

Als deutsche Erstaufführung inszeniert David Ortmann Rafael Spregelburds Stück auf der Brechtbühne

Von Halrun Reinholz

Luzid – Foto © Jan-Pieter Fuhr

So viel Harmonie zu Beginn! Eine glückliche Familie – Mutter mit Tochter und Sohn, wie sich dann herausstellt – ist in einem sehr angenehmen Restaurant-Ambiente („Feng Shui!“) versammelt, um den 25. Geburtstag von Lucas zu feiern. Dass es so harmonisch nicht bleiben kann, ist vorprogrammiert, denn die Szene kommt nur im Traum vor, im „luziden“ Traum von Lucas, der mit Hilfe eines Therapeuten gerade dabei ist, ein Trauma zu verarbeiten.

Dem vermeintlich harmonischen Abend folgen viele Perspektivenwechsel in der Familienkonstellation. Häppchenweise erfahren die Zuschauer, was das Verhältnis von Mutter und Geschwistern belastet. Erfahren sie es wirklich? Der Stückaufbau setzt auf Verwirrung. Kein roter Faden lenkt den Zuschauer. Im Gegenteil: Sobald man der Meinung ist, einen gefunden zu haben, entgleitet er wieder. Und auch die Auflösung am Ende  lässt noch viele Fragen offen. Ein solches Stück birgt Tragik und Komik. Rafael Spregelburd, der argentinische Autor von „Luzid“, spricht von „Katastrophenstück“.

David Ortmann inszeniert diese deutsche Erstaufführung  (in deutscher Sprache war sie bereits vor einigen Jahren in Wien zu sehen) an der Brechtbühne am Gaswerk geschickt, wenn auch nicht immer schlüssig. Aber schlüssig ist an dem Text sowieso nichts, allenfalls etwas mehr Tempo hätte man erwarten können im Angesicht der Katastrophe. Und natürlich lebt ein solches Kammerspiel mit nur vier Darstellern von der Präsenz der Schauspieler, die kaum  Wünsche offen lässt: Die unglaublich wandlungsfähige Ute Fiedler zieht als Mutter Tété alle Register, von der nervigen Glucke bis zu ihrem großen und leisen Auftritt am Ende. Julius Kuhn, der „Neue“ im Ensemble, brilliert als Lucas in allen Verkleidungen. Lucrezia, die etwas rätselhafte und plötzlich wieder aufgetauchte Schwester wird von Katharina Rehn verkörpert und Roman Pertl spielt den Part von Philipp oder Andreas oder auch den Kellner in dem Traum-Lokal am Anfang. Eine eigens komponierte Musik von Katharina Schmauder untermalt die Szenerie – auffällig durch den auf der Bühne präsenten Musiker Fabian Heichele, der die Dialoge mit seiner Tuba, einem Alphorn oder manchmal auch nur mit einem blubbernden Wasserglas begleitet. Justus Saretz hat die Bühne ansprechend im Stil des japanischen Restaurants  der Eingangsszenerie gestaltet.

Bei aller Verwirrung, die zurück bleibt:  ein anregender Theaterabend.  Großer Applaus für die Mitwirkenden.



AEV gewinnt gegen Schwenningen

Die Augsburger Panther haben auch das zweite Duell gegen die Schwenninger Wild Wings für sich entschieden. Nach dem 4:3-Erfolg nach Penaltyschießen in Schwenningen, siegte der AEV zu Hause vor 5090 Zuschauern verdient mit 3:2. Die Treffer für den AEV erzielten T.J. Trevelyan (2.), Matt Fraser (6.) und Christoph Ullmann (38.). Für Schwenningen waren Dylan Yeo (21.) und Troy Bourque (28.) erfolgreich.

T.J. Trevelyan jubelt über seinen Treffer © Siegfried Kerpf

Tray Tuomie musste dabei weiter auf den angeschlagenen Drew LeBlanc und den gesperrten Brady Lamb verzichten, aber Scott Valentine und T.J. Trevelyan waren wieder dabei und Letzterer meldete sich gleich mit einem Treffer zurück, denn nach 92 Sekunden besorgte der Publikumsliebling die Führung. Die Panther attackierten früh, Trevelyan erkämpfte sich die Scheibe und traf durch die Beine von Dustin Strahlmeier zum 1:0 (2.). – Und der AEV blieb am Drücker: Nachdem man ein Unterzahlspiel unbeschadet überstehen konnte, legten die Panther im eigenen Powerplay das 2:0 nach. Direkt vom Bully weg traf Fraser unhaltbar aus der Distanz (6.).

Dritter Treffer zählt nicht

Und auch danach spielten im Grunde nur die Augsburger und hatten weitere Großchancen, die Führung noch weiter auszubauen. Die größte vergab Jakob Mayenschein, als er nach schöner Vorarbeit von Marco Sternheimer völlig frei aus kurzer Distanz an Strahlmeier scheiterte (13.). Kurz vor Drittelende jubelten die Hausherren dann doch ein drittes Mal – aber nur kurz. Bei angezeigter Strafe zog Fraser von rechts vors Tor und rauschte in dieses. Der Puck lag anschließend im Netz und die Unparteiischen zeigten Tor an. Nach Videobeweis stellte sich aber heraus, dass der Puck unter dem Tor durchrutschte (19.).

Schwenningen kommt zurück

Somit blieb es beim 2:0 nach 20 Minuten und nach Wiederbeginn bekamen die Zuschauer ein komplett neues Spiel zu sehen. Der Abschnitt begann nämlich damit, dass Yeo von der Strafbank weg alleine auf Olivier Roy zulaufen konnte und nach nur 26 Sekunden den Anschlusstreffer der Gäste besorgte (21.). Die Panther suchten nach einer schnellen Antwort, aber in einer nun deutlich ausgeglichenen Partie fiel der Treffer wieder für die Wild Wings. Nach einer Unaufmerksamkeit in der Augsburger Defensive traf Bourque zum 2:2 (28.). Anschließend wogte das Geschehen hin und her, bis der AEV zum Ende des Drittels hin wieder etwas stärker wurde und sich folgerichtig auch die Führung zurückholte.

Ullmann trifft zum 3:2

Beim besten Angriff des Spiels legte Mayenschein auf Sternheimer zurück, der legte noch einmal klasse quer auf Ullmann und der Routinier musste den Puck nur noch ins leere Tor schieben (38.). Dieser Treffer gab den Augsburgern sichtlich Rückenwind im dritten Abschnitt, denn der AEV nahm nahm das Heft wieder in die Hand und drängte auf das vierte Tor. Doch trotz einiger guter Gelegenheiten verhinderte die Abwehr der Gäste den Einschlag.

Sonntag in Straubing

Ein weiteres Tor war allerdings auch gar nicht nötig, denn Schwenningen erspielte sich in den letzten 20 Minuten keine nennenswerte Möglichkeit, so dass die drei Punkte – nach zuletzt zwei Niederlagen – in Augsburg bleiben.

Weiter geht es für die Panther am Sonntag bei den Straubing Tigers. Das Eröffnungsbully steigt um 16:30 Uhr.



BRECHTFORSCHUNG

Über die Vergänglichkeit der Liebe und die Erinnerung daran

Bittersweets Aufzeichnungen: Gerhard Gross schenkt der Brecht-Sammlung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg ein bedeutendes Dokument

Gerhard Gross (r.) Prof. Dr. Jürgen Hillesheim (Brecht-Forschungsstelle) und Dr. Karl-Georg Pfändtner, Leiter der Staats- und Stadtbibliothek (l.).

Paula Banholzer, Tochter des Arztes Carl Banholzer, der im Unterallgäu praktizierte, besuchte in Augsburg das Maria-Theresia-Gymnasium. Bert Brechts und ihre Wege kreuzten sich im Frühling 1917. Brecht verliebte sich in Paula, nannte sie „Bi“ oder auch „Bittersweet“, weil sie lange seinem Werben widerstand. Bei späteren Interviews äußerte sie sich sehr klug und distanziert über den jungen Brecht. Ende 1918 wurde Banholzer von Brecht schwanger. Sie hatten Heiratspläne, doch Paulas Vater lehnte ab und schickte seine Tochte ins Oberallgäu nach Kimratshofen, wo im Sommer 1919 Brechts und Banholzers Sohn Frank geboren wurde. Frank fiel 1943 als Obergefreiter der Wehrmacht an der Ostfront, während sein Vater sich im Exil auf der Flucht vor den Nazis befand.

Im Juli 1921 gelang es Banholzer, sich von Brecht zu distanzieren , indem sie eine Stelle als Erzieherin in Nürnberg annahm. Als Brecht, gerade mit Marianne Zoff verheiratet, 1924 von Banholzers Heiratsplänen mit ihrem späteren Mann, dem Augsburger Kaufmann Hermann Gross, erfuhr, wollte er sie von Augsburg nach Berlin holen. Paula Banholzer widerstand und heiratete in Augsburg. Aus ihrer Ehe ging ein Sohn hervor: Gerhard Gross, der noch heute in Augsburg lebt und sich rührig für die Brechtforschung einsetzt.

So überreichte er kürzlich der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg ein schmales DIN-A5 Heft in schwarzem Umschlag, mit 76 autograf beschriebenen Seiten: Die Reinschrift der Lebenserinnerungen an Bert Brecht von Paula Banholzer. „Ein weiteres Highlight für die Brecht-Sammlung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg“, so die Stadt Augsburg in einer Pressemitteilung. Banholzers  Manuskript diente als Vorlage für die Bücher „So viel wie eine Liebe. Der unbekannte Brecht“ von 1981 und „So viel wie eine Liebe. Ungeordnetes Verhältnis mit Bert Brecht“ aus dem Jahre 2016.